Hingehört: Beck – „Midnite Vultures“ 4


Beck produzierte diesmal selbst – noch ein bisschen abgedrehter.

Künstler Beck
Album Midnite Vultures
Label Geffen
Erscheinungsjahr 1999
Bewertung ***

Ich verdanke dieses Album der Deutschen Bahn AG. Ich hatte eine Bahnfahrkarte gekauft, die ich dann nicht brauchte. Und so konnte ich mir großzügigerweise am Schalter den Fahrpreis (minus 14 Mark Bearbeitungsgebühr) zurückerstatten lassen. So hatte ich 30 frische Mark in der Tasche, die ich sofort in neue CDs investierte. Naja, eigentlich nicht ganz neue.

Ich ging nämlich zum Gebraucht-CD-Händler und war erstaunt, dass er dieses Album, das gerade einmal zwei Wochen zuvor erschienen war, schon im Angebot hatte. Dazu kaufte ich gleich noch eine Platte, ich glaube Monster von REM.

Ein Monster ist diese Scheibe freilich auch. Beck hatte ja zuvor auf einem Indie-Label ein paar Platten mit lateinamerikanischer Musik rausgebracht, und ein bisschen hört man das auch noch. In der Bläser-Verliebtheit von Sexx Laws, den dampfenden Percussions am Anfang von Nicotine & Gravy und vor allem der unheimlichen Physis des ganzen Albums. Sex als roter Faden, wenn auch stets nur angedeutet.

Beck hat diesmal fast alles selbst produziert, als Resultat sind die Tracks noch ein Stück abgedrehter geworden, durchschreiten erstaunliche Entwicklungen, rasen vor, hüpfen zur Seite in ein schwarzes Loch, machen dort ein paar Salti und kommen irgendwann wieder zurück. Oder auch nicht.

Erster Höhepunkt ist Get Real Paid, das in Großraumdiscos auf dem dritten Jupiter-Mond der große Renner sein soll. Wie man hört. Unbedingt auf die Habenseite gehört auch Milk And Honey, das mit Rockgitarren beginnt und über eine Old-School-HipHop-Reminiszenz in einem Eagles-Verschnitt mündet.

Eines von leider nur noch zwei Stücken mit den genialen Dust-Brothers ist Hollywood Freaks: unglaublich groovy, noch ironischer. Peaches And Cream soll wohl eine Prince-Persiflage sein, hat der kleine Mann aus Minneapolis  ja sowohl Peaches als auch Cream zu Hits gemacht. Textlich und gesanglich durchaus gelungen, musikalisch aber bis auf den Schluss zu ereignislos.

Deutlich besser gelungen und absolutes Highlight des Albums ist das ebenfalls mit den Dust Brothers produzierte und ebenfalls nach Minneapolis schielende Debra. Das beste Stück, das Prince seit Jahren nicht geschrieben hat. Kein Mensch hätte Beck einen solchen Gesang zugetraut, dazu ein erotischer Standbass, Bläser und ein herrlich anzüglicher Text.

Im hidden track scheint er dann sein ganzes Equipment zu zerknüppeln. May I introduce: Beck Hansen, greatest weirdo on earth.

Famos (nicht nur, weil auch der weiße Anzug gut zu Prince passen würde): Debra live:

Beck bei MySpace.


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