Hingehört: Sheryl Crow – „C’mon C’mon“ 3


Der Imperativ soll auf "C'mon C'mon" das Altern verbergen.

Künstler Sheryl Crow
Album C’mon C’mon
Label A&M
Erscheinungsjahr 2002
Bewertung ***1/2

Alle Menschen werden älter, doch Rockstars werden alt. Wenn sie sich der 40-Jahre-Marke nähren, scheinen sie plötzlich einem fast schon pathologischen Zwang zu Imperativen ausgesetzt zu sein. Bryan Adams ist so einer, dessen Songs sich kaum retten können vor lauter „ya ya“, „do it“, „rock on“ und eben „c’mon c’mon“. Genau so heißt jetzt die neue Platte von Sheryl Crow.

Beide (würden ein tolles Paar abgeben, übrigens) klammern sich verzweifelt an das Jetzt und wollen nicht wahrhaben, dass es schon Vergangenheit ist. Bei beiden nimmt die zwanghafte Jugendhaftigkeit inzwischen Ausmaße an, die einen Hilfeschrei vermuten lassen.

Passend dazu turnt Sheryl Crow im Video zur ersten Single halbnackt herum, ohne Fältchen, umschwärmt von knackigen Surfern, lachend in der Sonne. Soak Up The Sun heißt das Stück, das auch ohne Bilder durchaus Wärme und Freude vermittelt. Sommerhit sagt man dazu. Liz Phair singt eine famose zweite Stimme. Erst ganz am Schluss wird es verkrampft, weil der zwanghafte Imperativ seinen Auftritt hat: „I’m gonna soak up the sun / I’ve got my 45 on / so I can rock on.“

Im nächsten Stück wird gleich zu Beginn aufgefordert („Give me what you got, girl you got a lot“) außerdem hat in You’re An Original der umtriebige Lenny Kravitz einen mediokren Gastpart. Stevie Nicks macht sich da im ganz großartigen Titelsong schon besser. Trockene Drums, Akkordeon, 12-saitige Gitarre und schließlich der famose Refrain: „C’mon, c’mon, c’mon, break my heart again / for old times´ sake.“ Tom Petty hätte da sicher auch gerne mitgewirkt. Der ist zwar nicht dabei, dafür darf im soliden It’s So Easy dann Don Henley mitsingen und dabei kurioserweise wie Bryan Adams klingen.

Die Liste der prominenten Gäste wird noch deutlich länger: Scott Weiland hat am etwas zu bemühten Lucky Kid mitgearbeitet. Gwyneth Paltrow macht It’s Only Love (ganz richtig, Bryan Adams hat auch mal ein Duett dieses Namens aufgenommen) mit ihren Vocals noch ein bisschen niedlicher. Heartbreaker Benmont Tench versucht, das müde Abilene zu veredeln. Er ist auch beim intimen Weather Channel mit von der Partie, genau wie Emmylou Harris und Mitchell Froom. Es ist eine der typischen Balladen am Ende eines Sheryl-Crow-Albums: getränkt in Selbstmitleid, durchlitten bis ins Existenzielle.

Auch sonst hat sich im Vergleich zu den Vorgängerplatten wenig geändert. Sheryl Crow kann noch immer (und auch ohne fremde Hilfe) tanzbaren Radiorock schreiben wie den Opener Steve McQueen und ganz betörende Balladen wie den Rausschmeißer Missing. Dazwischen finden sich auch diesmal ein paar Belanglosigkeiten. Aber wie lautet doch ein weiterer Imperativ im gelungenen Diamond Road: „Walk with me the diamond road / tell me every story told / give me something of your soul that I can hold onto / and don’t miss the diamonds along the way.“

Da merkt man fast, das Sheryl Crow mal als Musiklehrerin gearbeitet hat: Soak Up The Sun in der Sesamstraße:

Sheryl Crow bei MySpace.


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