Roxette kommen auf Tour – die perfekte Setlist 4


Feiertag: Im Juni kommen Roxette für vier Konzerte nach Deutschland. June Afternoon! Dass man sie noch einmal live erleben kann, war ja nach der Krebs-Erkrankung von Marie höchst unwahrscheinlich (Almost Unreal!), umso mehr werden diese Shows zum Pflichttermin. Vor allem, weil Roxette sogar ein neues Studioalbum angekündigt haben – nachdem es zuletzt immer mehr Greatest-Hits-Nachlassverwaltung gegeben hatte.

Damit Per und Marie schon mal wissen, welche Songs sie üben müssen, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht und die ultimative Roxette-Setlist erstellt. Und – zur allgemeinen Freude – ein paar nette Performances oder die passenden Videoclips rausgesucht und jeweils verlinkt. Es wird zwar mit 28 Liedern (wobei das neue Album natürlich noch gar nicht berücksichtigt ist) ein recht langes Konzert. Aber dafür haben Roxette die Fans ja auch lange genug warten lassen. Und Per hat gerade in einem Interview meine Hoffnung bestätigt, dass es auch ein wenig Platz für Abseitiges geben soll: „Of course the show will be based on the obvious hits, that’s what most fans want to hear and you know us, we aim to please!!! However, that doesn’t mean that we can’t play the odd album track or your semi-forgotten, hidden favourite gem. February is the rehearsing month, we’ll decide these issues then. I hope. By the way, let us know your thoughts on the setlist. We’re known to pay attention.“ Also: gut aufgepasst!

June Afternoon (1995, vom Don’t Bore Us, Get To The Chorus-Album). Der Schlagzeug-Wirbel ist ein perfekter Auftakt. Danach wird das Hohelied auf die Musikkassette, den Sommer und das Kaugummi gesungen – dieser Song ist die Quintessenz von Roxette. Und außerdem findet die Tour ja im Juni statt, nicht wahr?

How Do You Do! (1992, vom Tourism-Album). Per hat dieses Lied einmal „a million ideas put into one“ genannt, und das ist die perfekte Umschreibung für diesen Hit. Und dazu natürlich die ultimative Begrüßungsformel als Auftakt nach dem Auftakt.

Dressed For Success (1988, vom Look Sharp!-Album). Ein unkaputtbares Riff und mit ein bisschen Garagen-Gelassenheit auch nach 20 Jahren noch frisch, wie Per zuletzt bei Gessle Over Europe bewiesen hat. Spätestens „Watcha gonna tell your brother?“ dürfte dann die erste Textzeile sein, die jeder bei diesem Konzert mitsingt.

The Big L. (1991, vom Joyride-Album) Viel mehr Optimismus kann man nicht in 266 Sekunden packen. The Big L. ist ein Kinderlied, ein Evergreen und für Roxette ein Selbstbekenntnis.

She Doesn’t Live Here Anymore (1995,vom Don’t Bore Us, Get To The Chorus-Album). Vielleicht der beste Rocksong überhaupt von Roxette. Wie sehr Per das Lied mag (und wie gut es noch immer funktioniert), wurde auch bei Gessle Over Europe deutlich, als er regelmäßig Wahnsinns-Versionen davon hinlegte.

Fingertips 93 (1993, von der Fingertips 93-Single). Viel mehr Schmackes als die akustische Version auf dem Tourism-Album und deshalb live die bessere Wahl. Fingertips 93 hat fast die Riff-Power von Dressed For Success, dank der abwechselnd gesungenen Strophen aber mehr Raffinesse. Sie werden es wohl nicht rauskramen, aber es wäre ein Traum.

Stars (1999, vom Have A Nice Day-Album). Perfekt wäre natürlich, wenn sie die Eurodance-Singleversion spielen und dazu beispielsweise Scooter (und natürlich den Kinderchor) auf die Bühne holen. Aber auch die zuletzt gespielte quasi-Country-Version zeigt: Stars hat einen der besten Roxette-Refrains überhaupt.

Staring At The Ground (1999, vom Have A Nice Day-Album). Gleich nochmal Have A Nice Day. Mit Staring At The Ground bewiesen Roxette damals, wie toll sie klingen können, wenn sie nicht eine Sekunde lang an den eigenen Erfolg denken, sondern ganz spontan und reduziert musizieren. Es wäre freilich unfassbar, wenn sie sich für die neue Tour tatsächlich an diese eher unscheinbare Großtat erinnern.

Church Of Your Heart (1991, vom Joyride-Album). Danach könnte dieser Klassiker auch die eher oberflächlichen Fans wieder begeistern. Church Of Your Heart ist das Roxette-Himmelreich (und Per könnte gleich die Mundharmonika in der Hosentasche behalten, die er auch bei Staring At The Ground gebraucht hat).

Dangerous (Unplugged-Version,1993, B-Seite von Fireworks) Dieser Song, in der Originalversion auf dem Look Sharp!-Album vertreten könnte der erste Beitrag einer kleinen Verschnaufpause werden. Die Idee: Roxette verlassen die große Bühne und legen auf einer kleinen Bühne eine kleine Akustiksession ein, so wie das die Rolling Stones gerne machen oder auch Mando Diao zuletzt praktiziert haben. Noch ein Vorteil dabei: Dangerous verliert als Blues all seinen Eighties-Staub.

Paint (die Live in Sydney-Version, 1992, B-Seite von Queen Of Rain) Noch so ein Fall, wo man einen Look Sharp!-Höhepunkt entschlacken und zugleich modernisieren kann. Melodisch ist Paint noch immer eines der besten Roxette-Songs – und selten hat das Zusammenspiel der Stimmen von Per und Marie so gut funktioniert wie hier. Wäre ein feines Bonbon für die Fans der ersten Stunde.

Better Off On Her Own (1999, B-Seite von Stars) Ähnlich wie Staring At The Ground ein völlig unterschätzter Mega-Kracher. Nur Gitarre, ein Tamburin und die Stimmen von Roxette – das würde ebenfalls herrlich auf die Akustikbühne passen.

Cinnamon Street (1993, vom Super-Mario-Bros-Soundtrack) Hat ein Stück mehr Klasse als die Version mit Pers Gesang von Tourism. Der Refrain ist noch immer zu Niederknien.

Here Comes The Weekend (1992, vom Tourism-Album) Bekanntlich aufgenommen in einem Hotelzimmer mit einem Samsonite-Koffer als Schlagzeug-Ersatz. Dieser Song, vielleicht der eleganteste, den Roxette je gemacht haben, ist wie gemacht für die kleine Unplugged-Passage.

You Don’t Understand Me (1995, B-Seite von Anyone) Die Singleversion, von Per gemeinsam mit Hit-Fließbandschreiber Desmond Child komponiert, war damals ein bisschen zu sehr auf Powerballade gebürstet. Nur mit Marie am Klavier offenbart der Song aber seine ganze Klasse.

Place Your Love (1994, vom Crash! Boom! Bang!-Album) Noch einer meiner all-time-favourites. Auch hier schielt Per nicht auf die Charts, sondern ist ganz bei sich selbst – und landet einen Volltreffer. Marie könnte das Flötensolo beisteuern, und dann geht es runter von der kleinen Bühne und mit der gesamten Band wieder in die Vollen.

Sleeping In My Car (1994, vom Crash! Boom! Bang!-Album) Als Per schnell noch einen Hit für die Vorab-Single zum neuen Album brauchte, schüttelte er damals Sleeping In My Car aus dem Ärmel. Noch heute der beste Beweis, wieviel Rock in Roxette steckt.

Pearls Of Passion (1986, vom Pearls Of Passion-Album) Das Debütalbum (einst bin ich extra nach Halmstad gereist, um dort eine bulgarische Bootleg-Version zu erstehen, die dann aber ausverkauft war) muss natürlich auch vertreten sein, und zwar am besten mit diesem herrlich heiteren Titelsong.

Jefferson (2001, vom Room Service-Album) Klassisch, knochentrocken und unwiderstehlich wie sonst höchstens noch Tom Petty – und damit so, wie ich Roxette am liebsten mag.

Looking For Jane (2001, vom Room Service-Album). Das ist die Sorte Song, mit denen Roxette auch all die Leute zum heimlichen Mitsingen bringen, die sich eigentlich zu fein sind für Roxette.

Spending My Time (1991, vom Joyride-Album) Angeblich war damals der Vertrieb schuld, dass ausgerechnet mit dieser Hammer-Ballade die Serie von Roxette-Mega-Hits in den US-Charts riss. Am Lied kann es jedenfalls nicht gelegen haben, wie vor allem Maries Piano-Version beweist, die bei den letzten Touren immer einer der Gänsehaut-Momente war. Wäre ein schöner Rausschmeißer.

Joyride (1991, vom Joyride-Album) Natürlich nur bis zur Zugabe. Und wie könnte die besser beginnen als mit dem legendären Zweizweiler „Hello, you fool / I love you“? Joyride ist natürlich eine Pflichtnummer bei jeder Roxette-Show und könnte als erste Zugabe zudem das Signal sein: Jetzt geht es erst richtig los.

I Was So Lucky (1999, Vom Have A Nice Day-Album) Das Attribut „erwachsen“ bringt man nicht allzu oft mit Roxette-Songs in Verbindung. Aber bei dieser traumhaften Ballade trifft es voll und ganz zu. Deshalb passt es perfekt zur Tour 2010 – zumal sich nach Maries Krankheit und der unerwarteten Wiedersehensfreude noch eine zusätzliche Dimension ergibt.

Listen To Your Heart (1988, vom Look Sharp!-Album) „This is pretty much the eighties to me“, hat Per diesen Hit zuletzt einmal angekündigt. Doch schon bei den vergangenen Tourneen haben Roxette gezeigt, dass Listen To Your Heart kein bisschen altbacken klingt, wenn man es ganz reduziert und akustisch auf die Bühne bringt. Dann zeigt sich der Kern des Songs: Listen To Your Heart ist schlicht das perfekte Liebeslied. Und irgendwann wird es bei so einem Konzert ja auch mal Zeit für die Feuerzeuge.

It Must Have Been Love (1990, vom Pretty Woman-Soundtrack). Noch so eine Monster-Ballade – und dazu vielleicht der wandlungsfähigste Song im Roxette-Repertoire. Nach der 1986er-Version wurde It Must Have Been Love für den Pretty Woman-Soundtrack ein bisschen aufgemotzt, für Tourism dann zum Countrysong, zuletzt bei den Roxette-Auftritten im Rahmen der Night Of The Proms eine Orchesternummer. Vielleicht gibt es ja auch diesmal eine Überraschung. Auf jeden Fall, schon wieder: ein irrer Rausschmeißer.

The Look (1988, vom Look Sharp!-Album) Ohne diesen Song gehen wir natürlich nicht nach Hause. Im nächsten Juni wird zwischen „heute“ und The Look zwar genauso viel Zeit liegen wie zwischen The Look und beispielsweise We Can Work It Out von den Beatles. Aber statt sich die Frage zu stellen, ob man vielleicht alt geworden ist, kann man ja auch einfach „nanananana“ singen.

Sommartider (1982, vom Puls-Album). Es wird natürlich ein Traum bleiben. Aber diese kleine Exkursion ins Gyllene-Tider-Oeuvre wäre schlicht und ergreifend der Wahnsinn.

Love Is All (1994, vom Crash! Boom! Bang!-Album) Wie jede gute Band haben Roxette viel zu viele Lieder, mit denen man ein Konzert anfangen kann und auch viel zu viele potenzielle Rausschmeißer. Mein Favorit für das Konzertende wäre dieser fast vergessene Albumtrack. Love Is All ist nicht nur eines der Lieder, die am meisten vom Kontrast der Stimmen von Per und Marie profitieren. Es ist auch ein glorioser Schmachtfetzen, zu der man den Kinderchor von Stars nochmal rausholen kann. Und schließlich ist es eine ganz banale Hymne an die Liebe – damit schließt sich der Kreis zur Hippie-Romantik von June Afternoon am Anfang der Show.

Roxette bei MySpace.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

4 Gedanken zu “Roxette kommen auf Tour – die perfekte Setlist