Timur Vermes, Ludwig, Leipzig


Eine Verfilmung seines Bestsellers ist noch nicht beschlossen, sagt Timur Vermes. Foto: Bastei Lübbe

Eine Verfilmung seines Bestsellers ist noch nicht beschlossen, sagt Timur Vermes. Foto: Bastei Lübbe

Ein Witz wird normalerweise nicht dadurch besser, dass man ihn zweimal erzählt. Timur Vermes widerlegt diese These bei seiner Lesung in der Ludwig-Buchhandlung in Leipzig gleich doppelt. Sein immens erfolgreicher Debütroman Er ist wieder da ist zweifelsohne witzig, doch er ist kein Witz, betont der Autor. Am Ende der Lesung, als noch ein bisschen Zeit für Fragen aus dem Publikum ist, streicht er heraus, was er als positivste Reaktion auf das Werk empfunden hat: „Die allermeisten Leute spüren auch das Schaudern, das in diesem Buch steckt“, sagt er.

Zudem schafft er es, die Lesung in Leipzig auch für all jene zum Erlebnis zu machen, die das Buch schon kennen, die um die absurde Ausgangssituation wissen (Adolf Hitler erwacht im Sommer 2011 zum Leben, wird aber für einen Schauspieler gehalten und ins Fernsehen verfrachtet) und die all die grotesken Szenen von Er ist wieder da schon bei der Lektüre genossen haben.

Dass Vermes tatsächlich mit einer Gröfaz-Stimme spricht, wenn er die Passagen des Ich-Erzählers, also von Herrn Hitler, liest, ist zwar zunächst gewöhnungsbedürftig. Auch die Akustik im riesigen Saal der Buchhandlung (kaum zu glauben, dass dieser prunkvolle Raum zu einem Bahnhof gehört!) ist nicht ideal, sodass Vermes stellenweise einfach schlecht zu verstehen ist. Doch mit der Zeit gewinnt sein Schauspielern einen erstaunlichen Reiz und sogar das Übersteuern des Mikrofons wird dann zu einem Stilmittel. Gegen Ende ist das so überzeugend, dass man sich beinahe wundert, dass Vermes nicht auch noch eine Uniform trägt und stattdessen in einem (ebenfalls gewöhnungsbedürftigen) roten Pullover nach Leipzig gekommen ist. Dass er beim Schreiben „diese Perspektive auch ein bisschen genossen“ hat, wie er sagt, glaubt man sofort.

Vermes stellt unter anderem die Passage eines bevorstehenden Interviews mit der Bild-Zeitung vor, die Entdeckung des Internets durch Adolf Hitler und den famosen Besuch des Führers in der NPD-Geschäftsstelle in Berlin-Köpenick. Der radikale Zynismus des Romans und die sehr gekonnte Persiflage des Nazi-Jargons kann auch ein gutes Jahr nach der Veröffentlichung des Buches noch für manchen herzhaften Lacher und manch schockiertes „Höhöhö“ sorgen, beweist der Abend in Leipzig.

Am Ende gibt es einen Ausblick für alle, die gerne auch ein drittes Mal über einen Witz lachen wollen: Die Verfilmung des Bestsellers ist angedacht, weiter sind die Planungen bisher jedoch nicht gediehen, verrät der Autor. Es sei noch Einiges zu klären, in organisatorischer und künstlerischer Hinsicht, bevor entschieden wird, ob Er ist wieder da es auch noch in die Kinos schafft. Und erst dann könne man sich auch über die Besetzung unterhalten, sagt Vermes zur Frage, ob Christoph Maria Herbst denn als Hauptdarsteller gesetzt sei. Falls es mit ihm nicht klappt, hat diese Lesung bewiesen: Vermes wäre wohl auch selbst keine schlechte Besetzung für die Rolle.

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