Donots – „Birthday Slams Live!“


Künstler Donots

Donots Birthday Slams Live! Review Kritik

Die Donots legen mit „Birthday Slams“ ihr erstes Livealbum vor.

Album Birthday Slams Live!
Label Solitary Man
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Man ist durchaus geschichtsbewusst im Hause Donots, offensichtlich stecken in Eike Herwig, Alex Siedenbiedel, Jan-Dirk Poggemann, Guido Knollmann und Ingo Knollmann sogar ein paar kleine Archivare. Denn die Meilensteine in der Geschichte der Band aus Ibbenbüren wurden stets gebührend gefeiert. Zum 10. Jubiläum hatte es eine DVD gegeben, zum 20. den ersten deutschsprachigen Song der Donots als kostenlosen Download. Natürlich musste auch das Vierteljahrhundert eine entsprechende Würdigung erfahren. 2019 erschien deshalb zum einen das Best-Of-Album Silverhochzeit. Zum anderen unternahm das Quintett eine Tour mit Stationen in Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Wiesbaden und Ibbenbüren als abschließendes Open-Air-Heimspiel.

Aus den Mitschnitten der Shows haben die Donots nun 21 Tracks für die Birthday Slams Live! ausgewählt. Es ist sowohl ein repräsentativer Rückblick auf den bisherigen Werdegang als auch ein schönes Souvenir für die Band und ihre Fans. Nicht zuletzt ist es das erste Livealbum überhaupt in der 25-jährigen Geschichte der Donots, und das ist dann doch überraschend. Schließlich haben sie sich auf Tour einen großen Teil ihrer Fans und ihrer Meriten erspielt, schon 2016 konnten sie (wieder so ein Beispiel für präzise Buchhaltung innerhalb der Band) ihr 1000. Konzert feiern, obwohl es zwischen 2004 und 2008 unter anderem wegen Krach mit der Plattenfirma eine lange Tourneepause gegeben hatte. Es wird also höchste Zeit, die Donots live auf der Bühne zu dokumentieren, und für das jüngste Jubiläum könnte es kein geeigneteres Format geben.

Denn Birthday Slams Live!, das morgen als Box-Set, Doppel-LP, Doppel-CD und digital erscheint, zeigt sehr deutlich sowohl die Spielfreude der Band als auch die sehr besondere Beziehung mit ihrem Publikum, die man im Konzert erleben kann. Das sieht auch die Band selbst so. „Als wir fünf Donots uns neulich durch die Live-Mitschnitte der Geburtstags-Konzerte gehört haben, hat uns komplett umgehauen, was das mit uns macht. Die Euphorie der Konzerte kommt in den Aufnahmen perfekt rüber, wir haben die Gänsehaut gar nicht mehr wegbekommen. Lautstärke aufdrehen, Augen zu und wir waren sofort wieder mitten drin, im Circle-Pit-Wahnsinn. In dieser verrückten Zeit genau das Richtige. Konzerte geben, Konzerte besuchen – Das fehlt uns alles so sehr!”

Mit dem Intro entern sie die Bühne, als würden die apokalyptischen Reiter oder die Gang von Jesse James in die Stadt kommen, das mündet sofort in „Donots“-Sprechchören. Auch die nächsten drei Stücke entstammen der Show in Berlin. Ich mach nicht mehr mit ist nach dem ersten „Ohoho“-Chor sofort ein Schwelgen, vielleicht nicht unbedingt in Erinnerungen, aber in Gemeinschaft. Calling ist viel zu plakativ für Punk oder Alternative Rock, aber das stört bei Green Day ja auch niemanden. Wake The Dogs erweckt den alte Beat von Iggy Pops The Passenger zum Leben, das hindert den Refrain aber nicht daran, gut zu funktionieren und spätestens dann, als die Orgel dazu kommt, auch besonders zu werden. Das „So weit, so gut“, das Ingo Knollmann am Ende des Songs sagt, könnte natürlich auch bestens als Überschrift für die Zwischenbilanz in der Karriere dieser Band taugen.

Elf Studioalben hatte die Band zum Zeitpunkt der Tour im Gepäck, und sie nutzt diesen üppigen Katalog für eine ausgiebige Reise in die eigene Vergangenheit. Die Stärken der Donots kommen dabei genauso zum Vorschein wie die Schwächen: Sonderlich cool ist dieser Sound nie gewesen und Ingo Knollmann erinnert hier auch mehrfach daran, dass er kein allzu begnadeter Sänger ist. Wenn es etwas komplexer werden soll wie in Geschichten vom Boden, klingt das Ergebnis eher wirr. Die Innovation wurde natürlich auch nicht in Ibbenbüren erfunden: Die Strophe von Saccharine Smile ist erschreckend nahe an My Name Is Jonas von Weezer, der Performance fehlt dabei die Präzision, um wirklich wirkungsvoll zu werden. Willkommen Zuhaus zeigt, dass die Donots sehr gut bei The Clash aufgepasst haben. Bei Superhero lassen Blink-182 grüßen, als Gast bei diesem Track ist Vom Ritchie von den Toten Hosen dabei. „Nicht genug Geld für Campino, aber ich bin hier“, grüßt er die Zuschauer – es ist die lustigste Ansage auf Birthday Slams Live!

Auch sonst haben die bestens vernetzten Donots ein paar Überraschungsgäste zur Geburtstagsfeier eingeladen. Für Kaputt holen sie in Berlin die Antilopen Gang auf die Bühne. Der Song ist schon vorher wild, als dann noch die Rap-Unterstützung hinzu kommt, kann man tatsächlich an Kraftklub denken. Jan Windmeier von Turbostaat hat entscheidenden Anteil daran, dass Gegenwindsurfen nicht komplett langweilig wird. In Düsseldorf kommt Sammy von den Broilers für Problem kein Problem hinzu, Frank Turner ist bei So Long zumindest in Gedanken dabei (in persona fehlt er, weil er gerade seine Flitterwochen feierte, wie Ingo Knollmann verrät), entsprechend hymnisch wird der Album-Abschluss.

Vielleicht am besten zeigt Dann ohne mich, worin der Appeal der Donots besteht: Das ist nicht sonderlich intelligent und schon gar nicht filigran, aber engagiert und wichtig. Auch in Keiner kommt hier lebend raus kann man dieses Prinzip erkennen: Der Song ist plump, aber aufrichtig in der Strophe und sehr clever im Refrain. Dass die Donots etlichen Vorbildern und Mitstreitern in puncto Energie locker das Wasser reichen können, zeigen beispielsweise Dead Man Walking, das hier beinahe zur Polka wird, oder Scheißegal, bei dem man schnell versteht, warum es ein moderner Deutschpunk-Klassiker geworden ist.

Das Dorf war L.A., in Ibbenbüren nur mit Gesang und Gitarre vorgetragen, passt schön zur retrospektiven Stimmung der Platte, Stop The Clocks erweist sich auch live in Düsseldorf noch immer als ihr elegantester und vielleicht bester Song. Bei Whatever Happened To The 80s stellt man fest, dass kein anderer Refrain und kein anderes „Hoho“ auf diesem Album so enthusiastisch mitgesungen wird wie dieses, bis die Fans dann im direkt folgenden Twisted-Sister-Cover We’re Not Gonna Take It doch noch einen Gang höher schalten.

Die Sehnsucht der Donots nach dem Konzerterlebnis (ihre bis heute letzte Show fand am 28. Dezember 2019 statt, und ein Ende dieser Corona-bedingten Zwangspause ist nicht absehbar) lassen die Birthday Slams Live! gut nachvollziehen, bei den Fans dürften die Entzugserscheinungen wohl ähnlich ausgeprägt sein. „Wir freuen uns unfassbar, wenn wir mit dem Live-Album da draußen die beste Konzert-Ersatz-Droge sein können, die in diesen Zeiten möglich ist. Das ist das, was wir lieben. Und irgendwann tanzen und schwitzen wir wieder richtig asozial zusammen“, verspricht die Band mit. Den Gedanken des Zusammenhalts in schwierigen Zeiten setzen sie übrigens noch auf einer anderen Ebene um: Parallel zum Album gibt es eine Support-Aktion für die Crew, mit speziellem T-Shirt und einem Trinkgeld-Button auf der Donots-Website. „Das gehört irgendwie einfach zusammen, denn ohne die Menschen in unserer Crew, ohne die Familie hinter den Kulissen, hätte es die Konzerte des Albums gar nicht gegeben. Ton, Licht, Backline, Merchandise, Tourleitung und und und – all die Freundinnen und Freunde haben in dieser Corona-Zeit wirklich einfach die Arschkarte gezogen, weil nichts stattfindet.” Sehr anständig.

Der Schlusspunkt als Animation: So Long, live in Ibbenbüren.

Website der Donots.

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