Julia


Film Julia

Julia (Tilda Swinton) will einen kleinen Jungen entführen.

Julia (Tilda Swinton) will einen kleinen Jungen entführen.

Produktionsland Frankreich
Jahr 2008
Spielzeit 138 Minuten
Regie Erick Zonca
Hauptdarsteller Tilda Swinton, Saul Rubinek, Kate del Castillo, Aidan Gould
Bewertung

Worum geht’s?

Im Nachtleben von Los Angeles ist Julia eine Königin. Sie tanzt, sie flirtet, sie lässt sich Drinks spendieren. Sobald es Tag wird, muss sie sich allerdings der tristen Realität stellen: Sie ist eine exzentrische, deprimierte Alkoholikerin mit reichlich Schulden. Und sie hat gerade ihren Job verloren. Deshalb interessiert sie sich für den verwegenen Plan ihrer Nachbarin Elena: Die hat einen Sohn, den sie aber nicht sehen darf, und der bei seinem steinreichen Großvater lebt. Elena will den Jungen entführen und bittet Julia um Hilfe. Die sagt zu, hat für das Kidnapping jedoch ihre ganz eigenen Pläne: Sie bringt das Kind in ihre Gewalt und will ein saftiges Lösegeld erpressen.

Das sagt shitesite:

„Du bist nichts als eine chaotische, planlose, selbstmordgefährdete Alkoholikerin“, muss sich Julia ziemlich früh in diesem Film von ihrem besten Freund Mitch sagen lassen. Es ist eine sehr zutreffende Charakterisierung, in der zugleich der Schlüssel für den Reiz dieses Films liegt: Eine Frau, die völlig kaputt ist, sieht ein Verbrechen als letzten Hoffnungsschimmer, und muss dann erkennen, dass sie vielleicht doch nicht abgebrüht, verzweifelt und zynisch genug ist, um ihren Plan wirklich durchzuziehen.

Tilda Swinton spielt diese Frau mit sagenhafter Intensität. Mehr als zwei Stunden lang ist sie quasi permanent im Ausnahmezustand. Zuerst wirkt Julia, als entwickle sich hier ein lupenreines Säuferdrama à la Leaving Las Vegas, doch dann wird eine Mischung aus Thriller und Road Movie daraus, wenn die Entführerin mit dem Kind flüchtet, ohne ein echtes Ziel zu haben. Die beste Szene des Films spielt sich ab, als Julia und Tom erstmals in einem Motel übernachten: Sie kümmert sich um den verängstigten Jungen fast wie eine Mutter – mit dem einzigen Unterschied, dass sie maskiert ist und ihm permanent eine Pistole vor die Nase hält.

Erst als Kidnapperin wird Julia klar, dass sie bisher stets unfähig war, sich wie eine verantwortungsbewusste Erwachsene zu benehmen. Das Kind, das ihre Geisel sein soll, wird nach und nach ihr emotionaler Anker im Leben. Sie will diesen Jungen nicht nur benutzen, sondern beschützen. Wie Julia diese Erkenntnis langsam schwant und sie versucht, die Entführung zu einem moralisch halbwegs anständigen Ende zu bringen, ist das eigentliche Spannungsmoment in diesem Film.

Die Verlockungen durch Alkohol und Männer sind für sie zwar nach wie vor gelegentlich größer als die zwei Millionen Dollar Lösegeld, die sie verlangt. Aber die vielen Szenen von Julia, in denen es keinen Dialog gibt und in der man der Titelfigur ihre wortlose Verzweiflung und Fassungslosigkeit ansieht, sind ungemein beeindruckend. Dasselbe gilt für die Erkenntnis, die sich nach dem turbulenten Finale von Julia einstellt, als sie sich in Mexiko vollends in eine Sackgasse aus Betrug und Skrupellosigkeit manövriert hat: Die einzig zurechnungsfähige Person in diesem Film ist ein achtjähriger Junge.

Bestes Zitat:

“Ich habe niemanenden, ich betrinken mich, und ich werde alt.”

Der Trailer zum Film:

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