Draufgeschaut: Madame Bovary


Film Madame Bovary

Szene aus dem Film Madame Bovary von Claude Chabrol

Charles (Jean-François Balmer) möchte Emma (Isabelle Huppert) ein schönes Leben ermöglichen.

Produktionsland Frankreich
Jahr 1991
Spielzeit 142 Minuten
Regie Claude Chabrol
Hauptdarsteller Isabelle Huppert, Jean-François Balmer, Jean Yanne, Christophe Malavoy, Lucas Belvaux
Bewertung

Worum geht’s?

Emma wächst als einzige Tochter eines gut situierten Landwirts auf. Als ihr Vater krank wird und einen Arzt braucht, verliebt sie sich in den Doktor, der gerade frisch verwitwet ist. Auch Charles Bovary ist angetan von Emma und macht bald verdächtig viele Patientenbesuche auf dem idyllischen Hof. Schließlich hält er um Emmas Hand an, nach der Hochzeit zieht das frisch vermählte Paar in die Stadt. Charles bemüht sich, ein guter Ehemann zu sein und Emma zu verwöhnen. Doch bald wird ihr das kleinbürgerliche Leben als Hausfrau und Mutter zu eng – finanziell, intellektuell und emotional.

Das sagt shitesite:

Realismus ist das Attribut, für das – auch wenn der Autor davon nichts wissen wollte – Madame Bovary als Gesellschaftsroman am meisten gefeiert wurde. Es ist auch das Prinzip, dem sich Claude Chabrol in seiner Verfilmung verschreibt: Er erzählt sehr geradlinig, mit formvollendeter Kulisse und mit herausragenden Schauspielern, allen voran Isabelle Hupert in der Titelrolle.

Sie entwickelt sich von der fast tölpelhaften Klosterschülerin vom Dorf zur Möchtegern-Dame von Welt, und sie scheitert nicht nur daran, dass ihre hochfliegenden Pläne auch nach dem Umzug in eine noch größere (Provinz-)Stadt nicht verwirklicht werden können. Sie scheitert daran, dass ihr Zeitalter überhaupt keine hochfliegenden Pläne, Leidenschaften und Tabubrüche zulässt, schon gar nicht für eine Frau.

Man kann diese Herangehensweise des Regisseurs kongenial finden. Sie sorgt aber auch für einen Film, der – zumal für Zuschauer, die mit der Romanvorlage nicht vertraut sind – kühl, distanziert und ein wenig selbstgefällig wirkt. Dazu trägt auch bei, dass wichtige Aspekte von Madame Bovary hier verwässert werden oder ganz unter den Tisch fallen. Die Verfilmung ist so bieder, dass kein Mensch auf die Idee käme, dieser Stoff sei vor 150 Jahren noch zeitweise verboten gewesen wegen „Verstoßes gegen die öffentliche Moral.“

Auch bei einer Spielzeit von fast zweieinhalb Stunden und trotz des großzügigen Einsatzes von Sprechertexten aus dem Off, die dabei helfen sollen, den sehr umfangreichen Stoff der Romanvorlage von Gustave Flaubert zu straffen, geht Madame Bovary so leider auch eine sehr zentrale Facette ab: Pflicht, Tugend und Religion fechten hier einen Kampf aus mit dem Begehren, sich selbst zu entfalten, das nicht nur ein egoistischer (oder erotischer) Impuls ist, sondern von der Vernunft und der nüchternen Betrachtung der Welt bekräftigt wird. Es ist ein erbittertes Ringen zwischen dem Versprechen der Aufklärung und dem Erdulden der gottgegebenen Ordnung – in dieser Verfilmung wird aus diesem epochalen Duell aber bloß ein eitler Egotrip.

Bestes Zitat:

„Nun hatte sie den Kummer erfahren und dazu die Gewissheit, dass er nie ein Ende nehmen würde.“

Der Trailer zum Film.

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