Durchgelesen: Günter Wallraff – „Neue Reportagen, Untersuchungen und Lehrbeispiele“


Wieder einmal lässt Wallraff (fast) ausschließlich die Fakten sprechen.

Autor Günter Wallraff
Titel Neue Reportagen, Untersuchungen und Lehrbeispiele
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 1970
Bewertung ***

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Über diesen Satz von Hanns-Joachim Friedrichs würde sich Günter Wallraff wohl heftig streiten. Denn Deutschlands Vorzeige-Schnüffler geht nie unvoreingenommen in einen Recherche. Immer hat er bereits einen Verdacht, ein Ziel. Und vor allem: einen Gegner.

Dass das kein Nachteil sein muss, zeigen seine Arbeiten in diesem Buch. Zwar hätte hier ein bisschen weniger Agitation gut getan, und manches hat die Kampfrhetorik der späten 1960er Jahre. Doch Wallraffs Stärke ist, dass er in der Regel bloß Fakten recherchiert und diese dann für sich sprechen lässt. So entsteht ein bestürzendes Bild einer Arbeitswelt, für die das Wort „Klassengesellschaft“ keineswegs zu weit hergeholt ist.

Erschreckend, wie wirkungsmächtig die Mentalitäten und Macher der Nazizeit damals noch waren. Und frappierend: Eine Rückkehr zum ursprünglichen Kapitalismus der damaligen Zeit meint im Zeitalter der Globalisierung nicht nur Wallraff wieder auszumachen. Deshalb lohnt eine Lektüre auch 40 Jahre später noch.

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