Futter für die Ohren mit Courtney Barnett, Dirty Projectors, June Cocó, Maya Fadeeva und Yoshua


Maya Fadeeva Finger Snap

Als „Chamëleon“ sieht sich Maya Maya Fadeeva, glaubt man ihrem Albumtitel. Foto: Banup Bullet/Dirk Sengotta

Wer den Sommer nicht mehr erwarten kann, dem sei Finger Snap (***) von Maya Fadeeva ans Herz gelegt. Mit Ukulele und Steel Drums hat die aus Russland stammende Sängerin, die als 11-Jährige nach Deutschland kam und jetzt in Düsseldorf lebt, nicht nur die passenden Instrumente für eine Strandhymne dabei, sondern dank des Berliner Produzenten-Duos Baumeister & Kuip auch das richtige Flair. Wer Nelly Furtado mag oder Jack Johnson, sollte hier unbedingt reinhören. Vor allem mit ihrer herben Stimme deutet Maya Fadeeva an, dass auch noch ganz andere Sounds in ihr stecken dürften. Das dazugehörige, vor zwei Wochen erschienene Debütalbum heißt wohl nicht umsonst Chamëleon.

Nur noch zwei Wochen müssen wir warten, bis die sehr, sehr, sehr großartige Courtney Barnett ihr zweites Album Tell Me How You Really Feel herausbringt. Mit City Looks Pretty (****) gibt es jetzt einen weiteren Vorgeschmack. Wie schon auf den beiden Vorab-Singles Need A Little Time und Nameless, Faceless (davon kann wohl keine Rede sein angesichts von Grammy- und Brit-Awards-Nominierungen  sowie reichlich Lob sowohl für ihr Debüt als auch für die folgende Zusammenarbeit mit Kurt Vile) ist darauf glücklicherweise keine Spur von „Ich bin plötzlich berühmt und komme nicht damit klar“ zu erkennen. Vielleicht liegt das daran, dass „Ich komme nicht klar“ ohnehin die Grundposition der meisten Lieder der Australierin ist, vielleicht auch an der Tatsache, dass sie stets lieber auf Konfrontation (gerne auch mit sich selbst) aus ist als auf Selbstmitleid. „Sometimes I get sad / It’s not all that bad“, heißt hier eine Zeile im Refrain – angesichts dieses erneut grandiosen Mixes aus Lakonie und Intensität dürfen diese zwei Wochen bitte sehr schnell vergehen.

„Die Wut wird immer lauter“, heißt die zentrale Zeile in Lärm der Zeit (***), der zweiten Single von Yoshua. Das ist typisch für den Sänger aus Hamburg, der gerade seine selbstbetitelte Debüt-EP vorgelegt hat: Emotionen nach außen zu bringen und ihnen freien Lauf zu lassen, ist bei ihm das Grundprinzip. „Ich weiß, dass es vielen Leuten schwerfällt, alle ihre Gefühle zu zeigen. Die Gefühle, die die Leute zeigen wollen, sind die glücklichen Gefühle“, sagt Yoshua, aber bei ihm soll Platz für das gesamte Spektrum sein, sogar vorrangig für die eher dunklen Seiten des Innenlebens. Seine sehr direkte Stimme (dass er Amy Winehouse und Janis Joplin als Vorbilder benennt, leuchtet schnell ein) ist wie dafür gemacht, ein enormer Pluspunkt ist auch die Zusammenarbeit mit Sven Bünger und dessen Band. „Das sind Seelenverwandte“, sagt Yoshua über seine Mitstreiter. In der Tat zeigt Lärm der Zeit, wie feinfühlig hier die passende Atmosphäre für das Gefühl von Frust und Beklemmung gefunden wird, ohne dass es in Pomp ausarten würde.

Eine neue Single hat auch June Cocó am Start. Paperskin (***1/2) positioniert sich irgendwo zwischen Kate Nash (das niedliche Klavier als Fundament) und Ellie Goulding (der nach maximaler Größe strebende Refrain und die Story um eine schmerzhafte Liebesgeschichte), und das macht natürlich viel Spaß. Das Lied ist Vorbote ihres zweiten Albums Wings, das im Sommer erscheinen soll und unter Mitarbeit von Gordon Raphael (The Strokes, Regina Spektor) und Michael Vajna (Malky) entstand. „Seit meiner Kindheit habe ich immer wieder diesen Traum vom Fliegen“, sagt die Wahl-Leipzigerin, die aus Nürnberg stammt, über diesen Titel. „Natürlich kann ich immer noch nicht fliegen, aber ich fühle mich heute frei und habe in mir diese ständige Aufbruchstimmung, die mich dazu antreibt, neue Songs zu schreiben.“ Paperskin ist zwar, um im Bild zu bleiben, keine Rakete, aber in jedem Fall auf angenehme Weise beflügelnd. Am 8. Juni (Horns Erben) und 4. Oktober (Werk 2) kann man sich in Leipzig live davon überzeugen, weitere Tourdaten sind in Planung.

Irre wie eh und je – dieser sehr beruhigende erste Eindruck stellt sich bei Break-Thru (****) ein, dem ersten Vorgeschmack auf das neue Album der Dirty Projectors. Die Basis bietet ein ebenso kompliziertes wie eingängiges Gitarrenriff (Vampire Weekend lassen grüßen), dazu kommt eine genauso vertrackte und genauso verführerische Gesangsmelodie von Mastermind Dave Longstreth, all das wird mit einem fast tropischen Beat unterlegt und natürlich mit reichlich Störgeräuschen malträtiert. Lamp Lit Prose erscheint am 13. Juli, mitgewirkt haben unter anderem Syd, Empress Of, Rostam, Robin Pecknol, Amber Mark, Haim, Dear Nora sowie (wie schon auf dem letzten Album) Nat Baldwin und Mike Johnson als Rhythmussektion. Dass die Dirty Projectors nach fünfjähriger Pause auch wieder auf Tour gehen werden, darf man wohl als weiteres Indiz für einen zweiten Frühling sehen.

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