Hingehört: Heads – „Heads“


Künstler Heads

Heads Album Kritik Rezension

Saarland, Hamburg und Australien – das sind die geografischen Eckdaten für Heads.

Album Heads
Label This Charming Man
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Irgendwo und irgendwann im 15. Jahrhundert hat jemand ein Buch geschrieben. Mit 116 Seiten. Was drin steht, weiß kein Mensch, obwohl das Werk bestens erhalten ist und sich unzählige Wissenschaftler damit befasst haben. Denn das sogenannte Voynich-Manuskript ist in einer bisher unbekannten Schrift geschrieben. Man weiß nicht einmal, in welcher Sprache es verfasst sein könnte – oder ob es sich nicht bloß um ein Buchstabenkauderwelsch ohne Sinn handelt.

Heads haben wohl eine ziemlich klare Vorstellung vom Inhalt: Jemand ist verschwunden, vielleicht lebendig begraben, vielleicht ertrunken. Ihr Song The Voynich Manuscript, letzter Track ihres Debütalbums, klingt wie ein Horrorfilm ohne Bilder.

Es ist eine Charakterisierung die auch für das gesamte Album zutrifft. Der australische Gitarrist und Sänger Ed Fraser, Bassist Chris Breuer (ehemals bei The Ocean Collective) und Schlagzeuger Peter Voigtmann haben sich in Berlin zusammengetan und ihr Album in der Schweiz aufgenommen. Das Ergebnis ist Noiserock in einer ebenso packenden wie düsteren Variante, nicht ganz weit weg von Bands wie A Place To Bury Strangers.

Zu Beginn scheint die Gitarre in A Mural Is Worth A Thousand Words Alarm schlagen zu wollen, vielleicht will sie vor dem warnen, was da noch kommt. Der Rest des Tracks ist beinahe monströs heavy. Skrew zeigt, wie geschickt Ed Fraser mit dem Wechsel aus tiefem Grunzen und hohem Geschrei spielt. In Foam wirkt der Bass von Chris Breuer wie ein Beserker, und zwar einer mit mächtig mieser Laune.

Wenn in Black River zwischendurch fast Stille herrscht, weiß man genau, dass sie so trügerisch ist wie eine ruhige Wasseroberfläche, kurz bevor der Tsunami losbricht. Vielleicht der beste der sechs Songs ist das an die fiesesten Momente von Nirvana erinnernde Chewing On Kittens: Der Track lässt genug Luft im Inferno und hält genau die richtige Balance zwischen Furor und Unlust.

Fast könnte man meinen: Heads müssten eigentlich Guts heißen – oder in jedem Fall nach dem Körperteil benannt sein, in dem Wut und Frust entstehen. Denn das sind die treibenden Kräfte in ihrem Sound – und der Kopf ist dann ja vielleicht doch die Quelle davon.

Das Video zu A Mural Is Worth A Thousand Words.

Website von Heads.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.