Hingehört: Title Fight – “Floral Green”

März 25, 2013 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Hardcore ist für Title Fight eher eine Geisteshaltung als ein Genre.

Hardcore ist für Title Fight eher eine Geisteshaltung als ein Genre.

Künstler Title Fight
Album Floral Green
Label Side One Dummy
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***1/2

Wie stellt man sich einen ordnungsgemäßen Titelkampf vor? Brutal, schonungslos, wild entschlossen. Ein Kampf auf Gedeih und Verderb, ohne Abtasten, über elf Runden. Genau so klingt Floral Green, das zweite Album von Title Fight.

Das Quartett aus Pennsylvania hat seinen Sound nach dem Überraschungserfolg des Debüts Shed (produziert von Walter Schreifels) deutlich erweitert und verfeinert. Doch von ihrer Urgewalt oder gar ihrer Aggressivität haben Ned Russin (Bass und Gesang), Ben Russin (Drums), Jamie Rhoden (Gitarre und Gesang) und Shane Moran (Gitarre) nichts verloren.

Schon der wilde Opener Numb But I Still Feel It lässt daran keinen Zweifel. Das ist herrlich rotzig und rabaukig und klingt genau wie der Albtraum, von dem Ned Russin auch singt. Danach wirkt Leaf so, als würden Dinosaur Jr. und die Foo Fighters aufeinander treffen, wieder geht es um ein Trauma, und das Ganze ist so intensiv, dass kein Mensch der Band unterstellen könnte, dieser Schmerz sei nicht echt. „Wenn ich schreibe, versuche ich, wirklich gnadenlos ehrlich zu sein, obwohl das für mich auch immer ein innerer Kampf ist. Das hier ist bislang das Ehrlichste und Unvermitteltste, das ich jemals geschrieben habe. Ich bin darauf sehr stolz, aber manchmal mache ich mir auch Sorgen darüber, dass die Leute so genau wissen, wie ich mich fühle”, sagt Ned Russin über die Songs auf Floral Green.

Make You Cry, der Track, der die Titelzeile des Albums enthält, handelt von der Vergänglichkeit allen Seins, und hat offensichtlich kein Problem damit, sogleich Emo wie Hardrock und Hardcore-Punk zu sein. Letzteres ist bei Title Fight ohnehin schon immer eher eine Gesinnung als ein musikalisches Genre. „Wir sind alle Hardcore-Kids, wir alle sehen uns Hardcore-Konzerte an, wir lassen uns von Hardcore-Bands inspirieren – also sind wir dann nicht auch eine Hardcore-Band?“, fragt sich Ned Russin. Seine Antwort: „Ich habe das Gefühl, die Hardcore-Szene unterstützt uns, weil die Leute spüren, dass wir immer die gleichen Leute sein werden und dass wir nichts tun, was wir selbst als Hardcore-Kids nicht unterstützen könnten.”

Auch Gitarrist Shane Moran betont diese Mentalität: „In letzter Zeit hat sich für uns alles wahnsinnig schnell entwickelt. Es gibt diese ganzen Profis aus dem Musikbusiness, mit denen man sich einlassen muss, und die versuchen, sich ein Stück vom Kuchen zu sichern. Also versuchen wir immer, mit unseren Freunden auf Tour zu gehen, und alles, was unsere Welt betrifft, von Musikvideos über T-Shirt-Entwürfe bis hin zum Albumcover, wird von Leuten gemacht, mit denen wir befreundet sind.“

Man hört Floral Green diese Bodenständigkeit, diese No-Bullshit-Attitüde und dieses Herzblut an, ebenso wie das Beharren darauf, keine Kompromisse zu machen, weil man sich schon im täglichen Leben ständig verbiegen muss. Frown ist das eklatanteste Beispiel für die Vertonung dieses Frusts. Es geht um Langeweile, Verlogenheit und Hoffnungslosigkeit, aber gegen deren Existenz wird nicht rebelliert – sie wird nur konstatiert. Auch Lefty geht in diese Richtung, mit einer Intensität, einer Grundsätzlichkeit und einem Beleidigtsein, wie das eigentlich nur Pubertierende hinbekommen.

Das Schöne dabei: Ganz ähnlich wie die unbedingt geistesverwandten Pissed Jeans sehen Title Fight zwar reichlich Grund zum Kotzen, aber keinen Grund zum Jammern. Ihr Gegenrezept heißt Power, im wilden Sympathy, das an die frühen Therapy? denken lässt, oder in Calloused, das erahnen lässt, wie es klingen könnte, wenn sich Motörhead jemals an einem Nirvana-Cover versuchen sollten.

Manchmal kommt etwas Licht in diese Welt, etwa in Like A Ritual oder der Ballade (!) Head In The Ceiling Fan. Mit Secret Society gibt es sogar ein Lied, das man sich – wenn man ein hübsches Keyboard hinzufügen würde und eine Stimme, die nicht nach einem ostgotischen Feldherrn im Todeskampf klingt – sogar von den Wombats vorstellen könnte, denn neben der obligatorischen Selbstanklage gibt es hier auch ein gutes Riff, veritablen Drive und eine durchaus erkennbare Melodie. Doch auch, wenn Title Fight mal einen Gang zurückschalten wie ganz am Ende in In-Between gilt: Versöhnung ist nicht. Das ist beim Boxen ja auch so.

Vorsicht vor kleinen Mädchen! Das ist die Botschaft im famosen Video zu Secret Society:

Title Fight beim Tumblr.

Hingehört: Pissed Jeans – “Honeys”

März 3, 2013 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 
Von Altersmilde ist auf dem vierten Album der Pissed Jeans keine Spur.

Von Altersmilde ist auf dem vierten Album der Pissed Jeans keine Spur.

Künstler Pissed Jeans
Album Honeys
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung ***

1987 wurden in den USA 1,7 Millionen Menschen wegen Depressionen behandelt. 1997 waren es 6,3 Millionen. Mittlerweile liegt die Zahl bei mehr als 10 Millionen. Klares Zeichen: Um die Laune im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist es nicht zum Besten bestellt. Ein perfektes Heilmittel haben nun Pissed Jeans in Form ihres vierten Albums Honeys im Gepäck: Die Erkenntnis, dass es immer noch irgendwo jemanden gibt, der noch schlechter drauf ist.

Matt Kosloff (Künstlername: Matt Korvette) ist dieser Jemand. “Matt Korvette screams out observations on the tedium and absurdity of adulthood, delivered in a fashion similar to the way people must sound when being waterboarded”, behauptet das Presse-Info zu dieser Platte nicht ganz zu Unrecht. Er grunzt, nölt und schreit sich durch Honeys, dass es eine Freude ist. Und er hat absolut kein Interesse daran, diese, unsere Welt erfreulich zu finden.

„I cry red, angry tears that no one sees“, bekennt er in Chain Worker, dessen musikalische Zutaten lediglich aus einem ultraverzerrten Bass, Geschrei und den letzten Zuckungen eines Schlagzeugs bestehen. Loubs klingt so ähnlich wie Glamrock aus dem Gulag und lässt dann endgültig keine Fragen mehr offen: “Well I’m always walking around / with my eyes aimed at the ground / I swear it’s like my chin could hit my chest / And if you see me pass by / I wouldn’t hold it against you / if you went and diagnosed me as depressed.”

Spätestens zu diesem Zeitpunkt, zwei Lieder vor dem Ende von Honeys, kann man nur staunen, wie viel Furor nach wie vor in den Pissed Jeans steckt. Vor acht Jahren erschien das Debüt des Quartetts, das in Allentown, Pennsylvania gegründet wurde, aber schon lange in Philadelphia zuhause ist, wo auch das neue Album gemeinsam mit Produzent Alex Newport aufgenommen wurde. Mit Plauzen und grauen Strähnen im Bart können Bradley Fry (Bass), Randy Huth (Gitarre), Matt Kosloff (Gesang) und Sean McGuinness (Drums) längst nicht mehr verleugnen, dass sie keine Jungspunde mehr sind. Aber von Versöhnlichkeit oder gar Altersmilde ist hier keine Spur.

Im Gegenteil: Pissed Jeans blicken auf das Leben als durchaus Erwachsener, und sie sehen nicht viel, was ihrem Blick standhält. Oberflächlichkeit und Konsumwahn werden auf Honeys immer wieder gebrandmarkt. Teenage Adult wird eine Abrechnung mit möchtegern-flippigen Thirtysomethings, also ihren Altersgenossen. You’re Different (In Person) thematisiert Social-Media-Verlogenheit. Das von einem psychedelischen Drone getrieben Cafeteria Food könnte schwarzer Humor sein – oder eine ganz reale Morddrohung aus dem Büroalltag. Health Plan wird tatsächlich ein Lied über die Weigerung, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen.

Honeys zeigt: Pissed Jeans sind sauer auf alle und alles, aber am meisten auf sich selbst. Denn am häufigsten sind es die eigenen Unzulänglichkeiten, die sie thematisieren. „I’m not innocent, I’m guilty“, heißt das Bekenntnis in Male Gaze. Noch ein bisschen deutlicher und schonungsloser wird der lupenreine Wutpunk von Cat House: “Everybody else is having a good time / cheering and laughing through the night / I’m itching, and shivering, and praying for forgiveness / because it feels like my body committed a crime.” Romanticze Me ist noch ein Beleg für den Hang Selbstanklage: Das Lied leugnet die Existenz von Romantik, oder zumindest die eigene Eignung dazu.

Die Musik dazu ist herrlicher Lo-Fi-Noiserock. Das zynische Vain In Costume klingt wie die aggressivsten Momente von Nirvana. Im instrumentalen Something About Mrs. Johnson wird eine Gitarre derart gefoltert, dass sie nur noch um ihr Leben winseln kann. Der Opener Bathroom Laughter ist wohl der wildeste Track, den Pissed Jeans je gemacht haben: brachial und gekrönt von einem teuflisch bösen Text.

Wer einen mächtig bösen Frank Black mag, die Beastie Boys in ihrer Punk-Inkarnation, In Utero von Nirvana, das Gesamtwerk von Black Flag oder einfach ein bisschen Trost durch das (Mit-)Leiden der anderen, der ist hier genau richtig.

Furor, Furor, Furor! Pissed Jeans spielen Teenage Adult live:

Homepage der Pissed Jeans.

Hingehört: Kate Nash – “Girl Talk”

März 2, 2013 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Radikal, mutig, lärmend: Kate Nash erfindet sich mit "Girl Talk" neu.

Radikal, mutig, lärmend: Kate Nash erfindet sich mit “Girl Talk” neu.

Künstler Kate Nash
Album Girl Talk
Label Fontana
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung ***1/2

Alter bei Erscheinen des Debütalbums: ungefähr 20

Image bei Erscheinen des Debütalbums: niedlich, talentiert

Erfolg des Debütalbums: riesig (Nummer 1 in England)

Einfluss des Debütalbums: riesig (ganz viele Mädchen liebten sie)

Image sechs Jahre nach Erscheinen des Debütalbums: nicht wieder zu erkennen, verwahrlost, völlig durchgeknallt

Natürlich beziehe ich mich mit diesen Fakten auf, tara: die Beatles. Der Vergleich ist wichtig, denn er unterstreicht, wie lächerlich die Debatte darüber ist, ob Kate Nash (auf die all die Punkte oben genauso zutreffen) tatsächlich das Recht hat, sich zu verändern. Und eine Veränderung ist ihr drittes Album Girl Talk auf jeden Fall. Man könnte auch sagen: ein Schock.

Wer sich ein bisschen intensiver mit Kate Nash beschäftigt hat, konnte das freilich längst ahnen. Da waren die jüngsten Konzerte, bei denen sie eher Punk spielte als Radiopop, mit einer rein weiblichen Band und einem Gesicht wie sieben Jahre Regenwetter. Da waren ein paar Nebenher-Tracks wie die 2008er B-Seite Model Behaviour, auf denen sie schon früher ihre Lust auf Lärm auslebte. Und da war das aggressive Under-Estimate The Girl, das sie im vergangenen Jahr als Vorgeschmack auf ihre neue Platte als Free Download angeboten hatte – was einen Aufschrei auslöste. Die YouTube-Kommentare reichten von „This is a joke, right?“ bis „Kate, I love you even more after this.“ Und das sind nur die harmloseren Extreme.

“Everyone was going crazy and I thought it was great. It created the perfect storm for a comeback. People were talking about me because I’d done something new and crazy and different”, sagt Kate Nash heute über die Kontroverse, die das Lied losgetreten hat. “In the end the response to Under-Estimate The Girl just showed how conservative the music industry is.” In der Tat: Niemand würde im Rückblick auf die Idee kommen, den Beatles ihre Weiterentwicklung vorzuwerfen. Aber Kate Nash, die einst dafür verehrt wurde, eine unabhängige Künstlerin mit eigenem Stil und eigenen Ideen zu sein, muss sich plötzlich dafür rechtfertigen, dass sie ihr eigenes Ding machen will.

Man merkt Girl Talk diese Position der Defensive an. Die Texte behandeln den Konflikt zwischen Autonomie und Assimilation, zwischen Person und Image, es geht um das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen oder von denen verraten zu werden, die man eng an seiner Seite wähnte.

„I still feel the same“ heißt bezeichnenderweise die zentrale Zeile im ersten Lied Part Heart (das eher wie ein letztes Lied klingt). Beinahe apathisch beginnt Kate Nash dieses Album, nur von Bass und Schlagzeug begleitet, kurz vor der Halbzeit des Songs setzt dann die E-Gitarre ein, und mit ihr kommt die Wut („’cause I am so bitter“ lässt grüßen). Gebetsmühlenartig wiederholt sie dieses „I still feel the same“, und man ahnt, dass sie ebenso stolz darauf wie genervt davon ist, das immer wieder betonen zu müssen.

Auch im folgenden Fri-end? geht es darum, was wirklich verbindet, um das Erkennen von Loyalität und Oberflächlichkeit. Ein wenig klingt das erst nach Girlband oder den Long Blondes, am Ende verwandelt sich Kate Nash in ein Riot Grrrl, bevor sie dann noch ein bisschen versöhnlichen Engelsgesang liefert.

Death Proof könnte mit seiner DIY-Punkstrophe, dem tollen Poprefrain und dem Surfgitarrensolo von den Buzzcocks stammen oder von den Cribs. (Übrigens: Der vielleicht dümmste Vorwurf an „die neue Kate Nash“ ist es, sie hätte sich bloß durch den Einfluss ihres Ex-Boyfriends Ryan Jarman von den Cribs in eine Rockerin verwandelt. Als ob sie nicht auch ganz eigenständig Spaß an Indiekrawall entwickeln könnte, bloß weil sie Brüste hat.) Im kampfeslustigen Cherry Pickin’ sorgt reichlich „oohoohoohoo“ im Hintergrund dafür, dass der Track noch ein bisschen mehr nach Sturm und Drang à la Ash klingt. All Talk ist nicht minder schlecht gelaunt und noisey als Nirvana.

Sister wird ähnlich heavy, rotzig, packend und rücksichtslos. Die Breeders oder Hole kann man da heraushören, und entsprechend klingt Kate Nash nicht mehr wie ein süßes Girlie, sondern wie eine Furie, eine Hexe. “I really believe in women being able to be whatever they want to be. We don’t have to be one dimensional. I can be sensitive. I can be angry. I can do a song that is screaming and then add a backing vocal that is really sweet. I’ve never been one thing”, stellt Kate Nash passend dazu klar.

Das bedeutet: Girl Talk enthält natürlich auch noch Spuren der früheren Kate Nash. OMYGOD ist am nächsten dran, dank seines Refrains mit viel Drive. Conventional Girl wird ein weiterer Beweis dafür, dass die 25-Jährige nach wie vor tolle Melodien singen kann (und möchte), auch wenn sie Spaß daran hat, schräg und ein bisschen sperrig zu sein – den Track könnte man sich dank dieser Kombination mühelos auch von Graham Coxon vorstellen.

Das zackige 3am hätte perfekt auf ihr Debüt Made Of Bricks gepasst, wenn man die Gitarre durch ein (diesmal auf dem gesamten Album verbanntes) Klavier ersetzte. “When I was in my late teens I felt insecure about being girlie and feminine because people would judge me as a silly little girl. Now I’m confident enough in myself to be able to celebrate those aspects of my personality”, erklärt Kate Nash diese Konstante. Are You The Sweetheart (einer von vielen Tracks, der unterstreicht, dass der von Kate Nash höchstselbst gespielte Bass das wichtigste Instrument auf dieser Platte ist) dürfte beispielsweise den frühen Bangles gefallen.

Zweimal wird die Entschlossenheit, sich radikal neu zu erfinden, besonders deutlich: Rap For Rejection wäre ein ungewöhnlicher Song ganz unabhängig davon, was man für eine Erwartungshaltung an Kate Nash (oder irgendeinen anderen Künstler) hat: zu einem schrägen Takt und einer Scratching-E-Gitarre gibt es verzerrten Sprechgesang. Und im Rausschmeißer Lullaby For An Insomniac singt Kate Nash zweieinhalb Minuten lang acappella, um dann ein ganzes Orchester aufzufahren, das quasi klassisch musiziert – einfach, weil sie sich das erlauben kann.

Neben so viel Chuzpe prägt aber noch etwas anderes Girl Talk: die emotionale Unmittelbarkeit dieser Platte. Kate Nash sieht das Album als “almost thoughtless” – also in keiner Weise kalkuliert, sondern ganz aus dem Bauch heraus. “I wrote songs really quickly. They are ballsy. You can hear the anger. I’ve learned a lot about people. I used to be really naive and trust people too much. Not any more”, sagt sie. Als Ergebnis klingen das verlorene Oh oder das an die Eels erinnernde Labyrinth, als hätte jemand ein Tonstudio direkt an die Seele von Kate Nash angeschlossen. Auch You’re So Cool, I’m So Freaky, im Stile von SoKo nur mit akustischer Gitarre, Gesang und einem improvisierten Chor umgesetzt, ist nicht bloß rührend, sondern geradezu erschütternd.

Alle, die Kate Nash vor allem für putzige Mitsingliedchen wie Do-Wah-Doo oder Merry Happy geliebt haben, werden von Girl Talk zweifellos enttäuscht sein. Alle, die sie als Künstlerin mit eigener Meinung und als Vorkämpferin für weibliches Selbstbewusstsein geschätzt haben, bekommen dafür eine spannende, mutige, gute Platte geliefert. Beide Seiten werden anhand von Girl Talk in jedem Fall erkennen, dass Kate Nash keine Lust mehr auf Kompromisse hat: “I can look sweet and cute and talk about fashion and make up. But I’m still fucking smart. So don’t mess with me.”

Ein tolles Gruselvideo hat Kate Nash zu Fri-end? gemacht:

Homepage von Kate Nash.

Hingehört: Beak> – “>>”

Oktober 14, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
So rätselhaft wie der Albumtitel ist auch die Musik von Beak>.

So rätselhaft wie der Albumtitel ist auch die Musik von Beak>.

Künstler Beak>
Album >>
Label Invada
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Man hätte Geoff Barrow nicht verübeln können, wenn er Beak> vor ein paar Monaten hätte sterben lassen. Als musikalisches Mastermind bei Portishead, als Chef seiner eigenen Plattenfirma (Invada Records), mit seinem neuen HipHop-Projekt Quakers und als Produzent beispielsweise für The Horrors, Anika oder The Coral hat er eigentlich genug zu tun.

Und es ist noch nicht allzu lange her, das lief es bei Beak>, seinem gemeinsamen Projekt mit Matt Williams und Billy Fuller, alles andere als gut. Nach dem Debüt 2009 folgte eine erfolgreiche Tour, dann wollte das Trio den Schwung der Konzertreise gleich ins Studio für Album Nr. 2 mitnehmen. Aber bei den Sessions kam nur Mist heraus. Irgendwann war die Durststrecke aber überwunden, und nun ist >> fertig, das zweite Album des Trios.

Warum die Magie nach langem Probieren plötzlich wieder da war, vermag niemand so recht zu sagen. „It may have been the diesel fumes from the bands tour splitter bus had worn off, others say that the band simply turned their amplifiers down”, spekuliert das Presseinfo zu >>. Aber dass der Zauber wieder da ist, kann niemand bestreiten.

Beak> musizieren hier in einem Universum, in dem nur der Moment zählt, in einer Klangwelt, die völlig unwirklich klingt und doch authentisch. Der Auftakt The Gaol beginnt mit Störgeräuschen, danach flirren Frequenzen wild durcheinander; dazu erklingen ein Schlagzeug, als spiele jemand eines dieser affigen YouTube-Covers ein (dessen Songvorlage aber nicht zu hören ist), und ein stoischer Bass, der fies genug ist um sicherzustellen, dass nicht plötzlich jemand „Jazz“ zu dieser Musik sagt

Es ist eines von vier Instrumentals auf dieser Platte, doch keines davon kommt in die Nähe von Beliebigkeit oder Nebenbei-Musik. Liar lässt an Kraftwerk denken. Das gespenstische Ladies Mile könnte ein Überbleibsel des Soundtracks von The Virgin Suicides sein. Nervös, ungeduldig und latent wahnsinnig klingt Elevator.

Besser sind trotzdem die Stücke mit Gesang, ebenso wie die Instrumentals praktisch komplett live aufgenommen und meist auf Jam-Sessions beruhend. Oft trifft die scheinbare Monotonie des Basses auf Komplexität des Krautrock-Schlagzeugs wie in Spinning Top. Der Beat von Yatton ist New Wave, die Stimme könnte aus der alten Küche von Ian Curtis kommen. Egg Dog könnte mit seiner Zurückhaltung und der prominenten Orgel als Demo der Beta Band durchgehen.

Das düstere Wulfstan II nähert sich einer Industrial-Atmosphäre an, mit aggressivem Bass, einsamer Gitarre und einem Gesang, der irgendwo herkommt, aber sicher nicht von dieser Welt. Die faszinierende Ballade Deserters wirkt beinahe, als hätten sich Nirvana an Jazz versucht. Und im Rausschmeißer Kidney scheint sich der Bass mutig ins Dunkel zu stürzen, während der geflüsterte Gesang und die verwehte Gitarre erst kaum wagen, ihm zu folgen, und dann am Ende klingen, als seien sie vollends in Panik geraten. Diese Musik ist unterm Strich mindestens so spannend wie der Versuch, den Albumtitel >> auszusprechen.

Mit Videos haben es Beak> nicht so. Aber hier kann man immerhin Yatton hören:

Homepage von Beak>.

Hingehört: Smashing Pumpkins – “Oceania”

Juli 6, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Auch auf "Oceania" erweist sich Billy Corgan als rastloser, kaputter Geist.

Auch auf “Oceania” erweist sich Billy Corgan als rastloser, kaputter Geist.

Künstler Smashing Pumpkins
Album Oceania
Label Emi
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Billy Corgan bringt alles mit, was ein Rockgott braucht. Ein unverwechselbares Äußeres (manche sagen auch: ein potthässliches Mondgesicht). Eine Stimme, die man aus Tausenden heraushört (manche sagen auch: den lebenden Beweis, dass eine Nase auch ohne Zuhilfenahme sämtlicher anderer Organe singen kann). Ein gutes Gespür für markante Riffs und ein noch besseres Gespür für Melodien (manche sagen auch: die fiesesten Eigenschaften von Black Sabbath und Cheap Trick, vereint in einem Körper).

Vor allem aber hat er das, was wirklich zählt, wenn es gilt, Fans zu faszinieren, Kritiker zu beschäftigen und selbst von den eigenen Bandkollegen als wandelndes Mysterium wahrgenommen zu werden: einen rastlosen, kaputten Geist. Der Mann hat 30 Millionen Platten verkauft, den Tod von Bandmitgliedern und eine Affäre mit Courtney Love überstanden. Er hätte wirklich gute Argumente, sich zur Ruhe zu setzen. Stattdessen wirkt er wie ein Getriebener, der es immer noch allen beweisen muss.

Der 45-Jährige haut seit Jahren fleißig Online-Exklusiv-Stücke raus, überwacht nebenher die Neuveröffentlichung des Back-Katalogs, referiert auf YouTube über Gitarreneffekte und ist ständig auf Tour. Es ist sein unruhiger Geist, der Billy Corgan auch zwölf Jahre nach dem ersten offiziellen Ende der Smashing Pumpkins weitermachen lässt und nun, fünf Jahre nach dem Comeback in neuer Besetzung, zu Oceania geführt hat.

Das siebte Studioalbum der Smashing Pumpkins ist ein schwieriges Unterfangen. „Mir ist es wichtig zu betonen, dass wir vor allem als Gruppe existieren, um gemeinsam neue Musik zu machen“, sagt Corgan beispielsweise. Glauben kann man das kaum. Corgan war seit der Gründung der Smashing Pumpkins im Jahr 1988 nicht nur der Kopf der Band, sondern ihr Alleinherrscher. Es ist kaum anzunehmen, dass er plötzlich die Demokratie entdeckt hat, bloß weil er nun mit Jeff Schroeder (Gitarre, musiziert seit 2007 mit Corgan), Mike Byrne (Schlagzeug, seit 2009) und Nicole Fiorentino (Bass und Gesang, seit 2010) zu Werke geht.

Viele der Fans der ersten Generation schmähen diese Besetzung als Retorten-Pumpkins. Die Umbesetzung schließt auch aus, dass die Band jemals noch einmal eine Relevanz erreichen könnte wie mit Siamese Dream oder Mellon Collie And The Infinite Sadness, denn der Makel der Ersatzlösung ist untilgbar. Und nicht zuletzt wird die Identifikation mit den neuen Pumpkins dadurch erschwert, dass Corgan als notorisch unberechenbar gilt und man ihm durchaus zutrauen muss, unter die neuste Inkarnation der Smashing Pumpkins genauso schnell einen Schlussstrich zu ziehen wie er im Juni 2005 per Zeitungsanzeige das Comeback verkündet hatte.

Corgan ficht das alles nicht an. Er hat ein Album hingelegt, das nur so strotzt vor Ambitionen und Komplexität, Taten- und Vorwärtsdrang. Tatsächlich klingt Oceania wie eine Platte, die die Welt erobern möchte. Entstanden ist das Album in Chicago im Heimstudio von Corgan, und natürlich hat der Mann, der seit 20 Jahren quasi nur noch Konzeptalben macht, auch diesmal eine Idee, die über die Musik hinausweist: Die 13 Tracks sollen sich einreihen in den aus 44 Songs bestehenden und im Aufbau befindlichen Zyklus Teargarden By Kaleidyscope.

„Was die Produktion betrifft, war es mir sehr wichtig, dass jeder einzelne Song qualitativ gleichwertig ist. Ich habe mich kein bisschen um diesen üblichen Quatsch gekümmert, dass man eine Singleauskopplung braucht und so“, erzählt Corgan über seinen Ansatz und die Freiheit, das Album aufnehmen zu können, ohne eine Plattenfirma zu haben. In der Tat beeindruckt die Geschlossenheit dieses Werks. Es gibt Thin-Lizzy-Intros wie bei Panopticon, Beinahe-Klassik wie den Rausschmeißer Wildflower, Synthie-und-Flöten-Wände wie in One Diamond, One Heart. Aber alles ist aus einem Guss. Auch wenn alle Songs klar den Stempel von Corgan tragen, haben auch die anderen drei Bandmitglieder ihren Anteil daran: Dass die Songs direkt nach einer Welttournee entstanden, hört man deutlich. Hier ist eine gute geölte Maschine am Werk.

The Chimera ist genauso kraftvoll wie die besten Momente von Mellon Collie. Der neunminütige Titelsong ist zunächst vom Bass dominiert, wird dann ganz akustisch, um schließlich in Tribal-Drums und einem ausufernden Gitarrensolo zu münden. The Celestials bleibt lange Zeit luftig, mit akustischer Gitarre und Tamburin, und zündet dann erst nach zwei Minuten seinen Turbo. Der Auftakt Quasar liefert mächtige Gitarren und entfesselte Drums. Das wilde Riff lässt an Led Zeppelin denken, und dazu liefert Billy Corgan ein Bekenntnis an einen Glauben, dem er sich sogleich vollkommen ausliefert.

In den Texten regieren auch sonst die Imperative, die Mut zusprechen wollen, und gerne mal eine diffuse Esoterik wie im beschaulichen Pinwheels. Erfreulich oft mischt sich aber auch Zuversicht in die Lyrik des Mannes, der mit hübsch plakativen Zeilen wie „the world is a vampire” oder “the killer in me is the killer in you“ einst als Hohepriester der Apokalypse galt. „Don’t make me suffer“, fleht er zwar in Panopticon und fürchtet wenig später, vor lauter Schmerz zu zerplatzen. Aber noch im selben Lied stellt er auch fest: „Breathe! Love is air” und “There’s a sun that shines in me“. Sogar seinen moralischen Beistand kann er in One Diamond, One Heart anbieten: “If you’re feeling low I can help / I’m always on your side.“ Dahinter steckt womöglich die Erkenntnis, die in The Chimera verbreitet wird: “It takes some life to find the light within.”

Songs wie das heitere Violet Rays lassen nicht nur ein bisschen an Zwan denken, das Projekt, das Corgan nach dem Ende der Pumpkins im Jahr 2000 gestartet hatte. Damals wollte er mit einer optimistischen (und sträflich unterschätzten) Platte und Songtiteln wie Endless Summer oder Yeah! plötzlich gute Laune verbreiten. Der Versuch scheiterte kläglich: Nach wenigen Monaten war die Band zerstritten, und die Kritiker konnten mit Corgan als Strahlemann wenig anfangen. Die Platte mit Zwan war der Moment, in dem seine Karriere kippte: Bis dahin wurde er als Enigma bewundert, danach oftmals bloß noch als Kauz belächelt.

Womöglich lieferte ihm diese Schmach genug Antrieb (wie in den ersten Jahren der Pumpkins der Konkurrenzkampf mit Nirvana oder Pearl Jam), um immer weiter nach dem ultimativen, perfekten Sound zu forschen. Mit Oceania hat er ihn nicht gefunden, aber er ist so nah dran wie eh und je, und es macht erstaunliche Freude, ihn nach wie vor auf seiner Suche zu begleiten. Man kann von den Smashing Pumpkins 2.0 halten, was man will. Aber kaum jemand hätte Billy Corgan auf dem Höhepunkt seines Erfolgs zugetraut, dass er knapp 20 Jahre später noch ein so kreatives, vielseitiges und stimmiges Album wie Oceania machen könnte.

Zwölf Minuten Ambition: Die Smashing Pumpkins spielen den Titelsong Oceania live in Detroit.

Smashing Pumpkins bei MySpace.

Hingehört: Ladyhawke – “Anxiety”

Juni 1, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Ladyhwake ist eigentlich eine Rockerin, stellt sie auf "Anxiety" klar.

Ladyhwake ist eigentlich eine Rockerin, stellt sie auf "Anxiety" klar.

Künstler Ladyhawke
Album Anxiety
Label Modular
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Anxiety? Das ist kein allzu ungewöhnlicher Name für ein Album. Es gibt eine Platte diesen Titels von Damon Waitkus, eine von Pain Station, eine von Faye Wong. Es gibt eine Band namens Adult, die eine CD namens Anxiety Always gemacht hat. Therapy? haben 2003 High Anxiety herausgebracht. Dazu kommen beispielsweise Anxiety On Parade (The Sort Ofs), The Anxiety Theory (Donnie Darko) oder More Anxiety (Smile Empty Soul).

Für das zweite Album von Ladyhawke ist Anxiety aber durchaus ein überraschender Titel. Was soll diese Dame für Probleme, oder gar Grund für Stress haben? Ihr Debüt wurde im Jahr 2008 gefeiert, allein in England wurden von Ladyhawke 250.000 Exemplare verkauft, die Singles sind auch heute noch gerne genommen in geschmackvollen Indie-Discos.

Trotzdem hatte Phillipa Brown, so der bürgerliche Name von Ladyhawke, nicht gerade eine berauschende Zeit. Die anstrengende Tour zum Debütalbum endete erst im Februar 2010. Danach machte sich der Erfolgsdruck bemerkbar. „Die Arbeit an diesem Album war ziemlich stressig, doch ich habe sie über einen ziemlich langen Zeitraum verteilt, um nicht völlig durchzudrehen. Nur so konnte ich genau das Album aufnehmen, was mir vorschwebte“, erzählt die Neuseeländerin.

Die Texte auf Anxiety handeln von Eifersucht, Verlassenwerden oder Verlustängsten, auch das ist sicherlich ein Indiz für Unwohlsein. Und nicht zuletzt könnte der Stress auch daher rühren, dass sich Ladyhawke ein stückweit missverstanden gefühlt hat. Nach Hits wie My Delirium oder Back Of The Van wurde sie in die Schublade der „chicks with synths“ gesteckt, in der auch La Roux, Little Boots oder Ellie Goulding landeten. Dabei hatte Ladyhawke mit Synthie-Sounds lange Zeit wenig am Hut.

„Ich komme aus der Rockecke“, sagt die Frau, deren Künstlername einer Rolle Michelle Pfeiffers aus dem gleichnamigen Film (1985) entnommen ist. „Als Teenagerin habe ich irgendwann all diese Gitarrenbands für mich entdeckt, schon auch heftigeres Zeug wie Siamese Dream von den Smashing Pumpkins. Da war ich vielleicht 15, und mich hat dieses Album damals einfach umgehauen. Zu der Zeit bekam ich auch The Bends von Radiohead in die Hände, und vom Schwarzen Album von Metallica konnte ich auch nicht genug kriegen. Und dann waren da ja noch Soundgarden, Stone Temple Pilots, Nirvana…“ Das erste Instrument, das sie spielte, war ein Schlagzeug, und danach kam die Gitarre. Ladyhawke sieht sich als Rockerbraut, nicht als Disco-Queen. Sie will Joan Jett sein, nicht Lady Gaga.

Anxiety macht das sehr eindrucksvoll klar. Das Album wurde wie der Vorgänger produziert von Pascal Gabriel, doch bis auf dessen Keyboards spielt Ladyhawke diesmal alle Instrumente selbst. Fast alle Songs sind zudem auf der Gitarre komponiert. Dass sie ELO und Fleetwood Mac zu ihren Vorbildern zählt, kann man zwar noch immer hören, aber es gibt diesmal viel weniger Siebziger- und Achtziger-Flair, stattdessen aber reichlich Gitarrensoli. Dabei bleibt Anxiety gut tanzbar – die Beats sind bei vielen der Songs herausragend.

Girl Like Me gleich am Beginn des Albums ist so ein Fall, sehr clever wird da mit dem verschleppten Rhythmus hantiert. Das ebenso energische wie glamouröse Sunday Drive setzt auf eine Fuzz-Gitarre. Im hymnischen Black White & Blue glänzt Ladyhawke mit verführerischem Gesang à la Nina Persson.

Manches ist noch geprägt vom Elektro-Erbe wie Vaccine oder der Titelsong. Alles klingt höchst modern und aus einem Guss. Aber Stücke wie Vanity, das nahe an Sheryl Crow ist, The Quick & The Dead, das an eine noch weiter heruntergekühlte Version von Elastica denken lässt, oder dem Rausschmeißer Gone Gone Gone sind lupenreiner Rock.

Auch Blue Eyes fällt eindeutig in diese Kategorie. Mit seiner funky Strophe und dem Nanana-Refrain ist es das Highlight dieses Albums. „Erst hatte ich die Melodie und dann sang ich sie schon mal ins Mikrofon und wollte mir eigentlich noch die passenden Worte dazu ausdenken, nur dann war das alles dermaßen catchy, dass die Stelle einfach so bleiben musste“, erklärt Ladyhawke die Entstehung des Songs. Auch Cellophane ist ein Höhepunkt, der wie Daddy’s Gone von Glasvegas beginnt und danach ähnlich erhebend und toll theatralisch bleibt.

Ansonsten sind Hits auf Anxiety leider rar gesät. Aber als Stressbewältigung hat dieses Album, an dem Ladyhawke 18 Monate lang gearbeitet hat, definitiv glänzend funktioniert: „Seit ich diese Platte aufgenommen habe, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Als ob irgendwer mir diese Last von den Schultern genommen hätte.“

Ladyhawkes Lederjacke im Video zu Sunday Drive ist eindeutig auch Joan Jett:

Ladyhawke bei MySpace.

Hingehört: LaFaro – “Easy Meat”

Februar 13, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Hardcore und Humor - auf "Easy Meat" bringen LaFaro das zusammen.

Hardcore und Humor - auf "Easy Meat" bringen LaFaro das zusammen.

Künstler LaFaro
Album Easy Meat
Label Smalltown
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Nordirland und harte Gitarren? Da denkt man natürlich als erstes an Therapy? – und diese Verbindung ist im Falle von LaFaro durchaus passend. Das Quartett aus Belfast legt mit dem zweiten Album Easy Meat (in UK schon im Herbst erschienen, nun auch in Deutschland auf dem Markt) etwas hin, das man in Hardrock-Kreisen wohl „ein Brett“ nennt. Die leichten Grunge-Nachwehen des Debüts LaFaro (2010) sind Vergangenheit. Vieles auf Easy Meat ist stattdessen nahe an Metal.

Schon die ersten Sekunden des Openers Full Tilt sind an Brutalität kaum zu überbieten. Das Gitarrenriff könnte nicht barbarischer sein, wenn es von einer Eliteeinheit der syrischen Armee erdacht worden wäre, auch das Schlagzeug zeigt eine unerbittliche, beinahe maschinelle Härte.

Wingers + Chips steht dem kaum nach: Der Gesang ist eher Geschrei, der Song hat all die Wut von Rage Against The Machine, aber nicht so artikuliert wie bei den Amerikanern, sondern als Brüllen, das ohne Umweg übers Hirn direkt aus dem Bauch heraus kommt. Auch das an die brachialsten Momente von Queens Of The Stone Age erinnernde Boke ist eine perfekte Steilvorlage für einen Monster-Pogo. Der Titelsong, zugleich die erste Single von Easy Meat, beginnt wie ein Surfsong auf Speed, wird dann aber schnell zum Kampf gegen den weißen Hai, oder noch eher: gegen einen ganzen Schwarm super-aggressiver Piranhas.

Settle Petal zeigt, dass irgendwo in der DNA von LaFaro auch ein paar Punkrock-Gene stecken. Slide On hat dank der Formel „Therapy? trifft Bad Religion“ sogar so etwas wie Hitpotenzial. Meat Wagon, die zweite Single, gerät düster und psychotisch, der Rausschmeißer Maudlin erweist sich als Semi-Bowie-Ballade.

Was LaFaro (die sich übrigens nach dem Jazzbassist Scott LaFaro benannt haben) besonders macht, sind drei Dinge: Erstens die Unbedingtheit, mit der sie ihre Riffs knüppeln. Zweitens die Komplexität dieser Songs, die bei allem Druck und Tempo stets abwechslungsreich genug sind, um keine Eintönigkeit aufkommen zu lassen. Drittens beweist das Quartett immer wieder einen im Genre des Post-Hardcore selten erlebten Humor. Das betrifft nicht nur die Texte (“I love to write about life’s dark little secrets – the things we all know happen but never get discussed”, umschreibt Frontmann Johnny Black seine Themenfelder). Die Stücke auf Easy Meat werden auch immer wieder unterbrochen von kleinen Sound-Schnipseln, die sehr amüsant sind und einen nicht geringen Anteil an der gelungenen Dynamik des Albums haben. Da streiten sich Deutsche und Engländer, da kichern ein paar Mädchen, ein Zwist im Proberaum wird festgehalten, es gibt Scat-Versuche oder schräge Weihnachtslieder.

Auch bei Sucking Diesel muss man ein Augenzwinkern unterstellen: Der Song bietet ein kaputtes Riff, an dem Nirvana ihre Freude gehabt hätten, aber auch ein euphorisches „Hey“ im Refrain, das selbst bei Bon Jovi nicht plakativer sein könnte – bei dieser Kombination lässt Guitar Hero schelmisch grüßen. Auch Have A Word With Yourself treibt seine Späßchen mit dem Hörer: Das Lied beginnt mit ein bisschen Incubus-Komplexität beinahe filigran, endet dann aber doch mindestens genauso wuchtig wie der Rest von Easy Meat. Denn das ist eindeutig das einzige Ziel von LaFaro, das sie mit sagenhafter Präzision und unbändiger Kraft verfolgen: maximale Härte.

LaFaro spielen Easy Meat live beim Glasgowbury:

LaFaro bei MySpace.

Hingehört: Tribes – “Baby”

Januar 30, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Tribes haben nichts dagegen, dass ihr "Baby" kein bisschen modern klingt.

Tribes haben nichts dagegen, dass ihr "Baby" kein bisschen modern klingt.

Künstler Tribes
Album Baby
Label Island
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

1, 2, 3, 4. Dann ein markerschütternder Schlagzeugwirbel und ein Gitarreninferno. Dann eine Strophe, die so ungestüm und frisch klingt, dass man sofort noch einmal nachrechnen will, wie lang das jetzt noch einmal genau her ist mit Alright und Supergrass (knapp 17 Jahre, ergibt das Nachrechnen). Dann ein Refrain, in dem sich „young“ auf „fun“ reimt. So klingt When My Day Comes, und der Song kann als Manifest dienen für den Sound, das Credo, das Lebensgefühl von Tribes.

Das Quartett aus Camden legt mit dem am Freitag erschienenen Baby ein Debüt vor, das die vier Buchstaben „R-O-C-K“ so stolz vor sich herträgt als wäre Billy Idol der Premierminister und die Lederjacke die offizielle britische Schuluniform. Es ist eine dieser Platten, bei denen man tatsächlich Lust bekommt, Schlagzeug zu lernen, oder die Gitarre wieder einmal rauszuholen oder in jedem Fall sofort einen ganzen Collegeblock mit möglichen Namen vollkritzeln für die Band, die man morgen gründen wird.

Wer das altmodisch findet, wird in den schwächsten Momenten von Baby durchaus bestätigt. Himalaya beispielsweise probt die große Geste samt „ohoho“-Chor und klingt am Anfang noch wie ein Bryan-Ferry-Schauermärchen. Dann bleibt der Rest aber hohl, und die wiederholt gestellte Frage „Does it move you / the state I’m in?“, muss man eindeutig mit „Nein“ beantworten. Auch Nightdriving ist viel zu konventionell und durchschaubar.

Aber Johnny Lloyd (Gesang, Gitarre), Dan White (Gitarre), Miguel Demelo (Schlagzeug) und Jim Cratchley (Bass) haben keinerlei Problem damit, nicht modern zu sein. Sie benennen völlig freiwillig Nirvana und REM als wichtige Einflüsse. Als sie im April 2011 ihre erste EP We Were Children veröffentlichten und dazu ein Video drehten, da filmten sie ganz selbstverständlich ihren eigenen Auftritt auf dem Dach eines Hauses. Sie waren mit den Kooks auf Tour, demnächst sind sie als Vorgruppe der Kaiser Chiefs zu sehen, und das ist genau das richtige Umfeld für Tribes, denen Refrains offensichtlich wichtiger sind als Coolness.

Baby beginnt trotzdem (nach einem Sound, der so klingt, als würden Tribes ihre Knochen strecken und die Muskeln lockern) sehr cool, erst knapp vor der Mitte wird der Opener Whenever richtig leidenschaftlich. Dafür klingt das folgende We Were Children (das ebenso wie das eingangs erwähnte When My Day Comes schon zuvor auf EP erschienen ist) von Anfang an wie ein Glaubensbekenntnis. Es braucht nicht viel Fantasie, und man kann eine ganze Arena mitsingen hören: „Unknown stranger, you’re just like me / these things happen, we were children in the mid-90s“.

Der Track zeigt die größte Stärke von Tribes: Wenn sie ein bisschen Tempo rausnehmen, sind die Songs auf Baby am besten. Corner Of An English Field ist so ein Fall, leicht melancholisch, mit reichlich Grandezza und toller Melodie wie die Balladen von Ash. Halfway Home wird dann noch ein wenig zarter und hat all die Beiläufigkeit (und den Klassizismus), die die Kooks oder die Courteeners in ihren besten Momenten einzufangen vermögen. Alone Or With Friends klingt dann dank seiner zwölfsaitigen Gitarre, LSD-Lyrik (mit all den üblichen Metaphern von Engeln und Donner, dem Universum und einer Symphonie) und dem seltsamen Stimm-Effekt verdammt nach Seventies. Der Refrain wäre selbst für Oasis, Aerosmith oder, jawohl, Barclay James Harvest nicht zu groß.

Die Single Sappho hingegen könnte nicht mehr Rock sein, wenn sie in alte Socken von Keith Richards eingewickelt wäre und nur gemeinsam mit einer Urinprobe von Jet verkauft würde. Das Schlagzeug am Anfang von Walking In The Street ist wohl das Virtuoseste, was Baby zu bieten hat, und auch dieses Lied hat wieder einen Refrain, zu dem sich betrunkene Männer wunderbar in den Armen liegen können. Der Rausschmeißer Bad Apple beweist, dass Tribes auch nichts gegen ein bisschen Pathos haben, sodass etwas Ähnliches wie eine Guns’N’Roses-Ballade dabei herauskommt.

Egal, wie oft man Baby hört: Man kann sich voll und ganz dem Urteil anschließen, das Paul Lester im Guardian gefällt hat, als er Tribes vor einem guten Jahr vorgestellt hat: „Most likely to: Entertain us. Least likely to: Change rock music forever.”

Direkt aus dem Tour-Kleinbus: Auch mit dieser Akustik-Performance von We Were Children sind Tribes ganz und gar Rock:

Tribes bei MySpace.

Eine Kurzversion dieser Rezension gibt es auch bei news.de.

Hingehört: U2 – “Achtung Baby”

November 7, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · 8 Comments 
Mit "Achtung Baby" katapultierten sich U2 auf einen Schlag in die Avantgarde.

Mit "Achtung Baby" katapultierten sich U2 auf einen Schlag in die Avantgarde.

Künstler U2
Album Achtung Baby (Deluxe Edition)
Label Island
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ****

Selbstbeweihräucherung ist ja nicht gerade eine neue Eigenschaft im Charakter von Bono Vox. Praktiziert er sie sonst meist im Hinblick auf sein soziales und politisches Engagement, huldigt er mit seinen U2-Kollegen nun auch der eigenen musikalischen Bedeutung: Vor 20 Jahren erschien Achtung Baby, und das Jubiläum wird von U2 mehr als angemessen gefeiert.

Ihre Fans bescheren U2 mit nicht weniger als sechs neuen Varianten von Achtung Baby. Das Original-Album kommt auf CD noch einmal heraus. Dazu kommt eine Deluxe Edition (mit einer zweiten CD mit B-Seiten und anderen Raritäten). Außerdem erscheint ein Set mit vier Vinyl-LPs. Schließlich gibt es eine Super Deluxe Edition mit sechs CDs, vier DVDs, einem Buch und 16 Kunstdrucken. Bei der Über-Deluxe-Edition, die dem Jubiläumsreigen die Krone aufsetzt, sind dann zusätzlich noch fünf Vinyl-Singles dabei und das Sonnebrillen-Modell, das Bono im Video für The Fly getragen hat.

So viel Getue wirkt auf den ersten Blick übertrieben für das siebte Album einer Rockband, das in kommerzieller Hinsicht zunächst wie ein relativer Flop wirkte. Mit Achtung Baby verfehlten U2 in England (im Gegensatz zu den vier Alben davor und den fünf danach) die Spitze der Charts, in Deutschland kam die Platte (ebenfalls trotz zweier vorangegangener Nummer-1-Alben) nicht einmal in die Top10. Dafür erwies sich Achtung Baby als Dauerbrenner. Fünf erfolgreiche Singles warf die CD ab, fast 20 Millionen Exemplare wurden verkauft, im Jahr 1993 gab es zudem einen Grammy für die Platte.

Vor allem aber war das Album für die irische Band nicht nur eine Frischzellenkur, sondern eine Neuerfindung. Mit Achtung Baby wurden U2 plötzlich Avantgarde und legten letztlich den Grundstein dafür, dass sie auch im Jahr 2011 noch existent und relevant sind.

Nicht alles auf Achtung Baby klingt 20 Jahre später noch modern, aber alles klingt nach wie vor ambitioniert. Die ersten Töne des Albums kommen von einer fiesen Gitarre, die aus einem Heavy-Metal-Song stammen könnte oder zumindest von Billy Corgan. Der Beat dazu ist maschinell, die Stimme verzerrt. Heute, nach Garbage oder den Nine Inch Nails, klingt das nicht mehr allzu aufregend. Aber wenn man bedenkt, dass Zoo Station unmittelbar an die U2 der 1980er Jahre anknüpft, an aufrechte, pathetische Rocker, dann ist das ein ungeheuer innovativer Sound.

Auch Even Better Than The Real Thing transportiert von Beginn an die Botschaft: Wir wollen es wissen! Das Lied steigert sich mit einem famosen Drive hin zu einem echten Höhepunkt. Spätestens nach diesen 221 Sekunden ist klar: U2, die sich bisher vor allem über Authentizität definierten, sind in der Postmoderne angekommen. Und sie sind plötzlich sexy. Auch die B-Seiten, die in der Deluxe Edition auf einer zweiten CD versammelt sind, zeigen eine Band auf der Höhe ihres Könnens. Blow Your House Down, der einzige bisher unveröffentlichte Track, ist ein stampfender Kracher, der während der 20 Jahre im Archiv kaum Frische eingebüßt hat.

Natürlich gibt es bei so viel Wagemut auf Achtung Baby auch Fehltritte. So Cruel nimmt mit einem HipHop-Beat und sparsamen Klaviertönen die Ästhetik von Bruce Springsteens Streets Of Philadelphia vorweg, ist aber etwas blass und leer – und vor allem deutlich zu lang. Auch Tryin’ To Throw Your Arms Around The World hat nicht allzu viel Substanz. Ultra Violet (Light My Way) klang 1991 womöglich noch recht passabel, ist mit seinen Synthie-Streichern und den ultrahohen Gitarrentönen aber nicht allzu gut gealtert.

Dem stehen auf Achtung Baby aber genug Triumphe gegenüber. The Fly setzt auf ein ganz ähnliches Rezept wie Zoo Station. Ein fast schmerzhaftes Gitarrensolo von The Edge, dazu der Gesang von Bono, der sich im Break in ungeahnte Jimmy-Sommerville-Höhen aufschwingt – das funktioniert glänzend. Diese Fliege könnte durchaus eine spanische gewesen sein, und mit so viel Energie und Ehrgeiz war The Fly die perfekte Vorab-Single für Achtung Baby.

Acrobat (mit grandiosem Drumming von Larry Mullen) ist ein faszinierender Mix aus Dramatik und Entspannung, Mysterious Ways ist meisterhaft produziert und punktet zudem mit dem ultratiefen Bass von Adam Clayton. Until The End Of The World hat putzige Rave-Anleihen (im Sinne von The Farm oder dem Baggy-Sound, den auch Blur damals noch pflegten), der Rausschmeißer Love Is Blindness ist ebenso verführerisch wie rührend.

Nicht zuletzt ist da ja noch One, das schon damals wie ein moderner Klassiker geklungen haben muss. Auch im Rückblick ragt das Lied auf Achtung Baby heraus. Nicht nur wegen seiner kompositorischen Klasse, sondern vor allem, weil es hier nicht um Individualismus oder Eklektizismus geht wie in vielen anderen Songs des Albums, sondern um Universalität. „Love is a temple / love the higher law“, heißt eine der zentralen Zeilen. Das ist vielleicht die größte Stärke des Stücks: One ist ein Liebeslied an die Liebe an sich.

Zusammen mit Who’s Gonna Ride Your Wild Horses ist es zudem der einzige Song auf Achtung Baby, den man sich auch problemlos auf einem der früheren Alben von U2 hätte vorstellen können. Gerade im Kontrast dazu tritt die Stärke von Achtung Baby hervor. Hatten Nirvana im Jahr 1991 mit Nevermind gezeigt, dass Rockmusik nach wie vor bedeutend, aufrührerisch und sinnstiftend sein kann, beseitigten U2 einen anderen damals gängigen Zweifel. Achtung Baby war der Beweis, dass Rockmusik nach wie vor innovativ sein konnte – und wurde so zur Messlatte für das ganze Jahrzehnt.

Aufbruchstimmung in Berlin: U2 sprechen über die Entstehung von Achtung Baby:

U2 bei MySpace.

Hingehört: Cymbals Eat Guitars – “Lenses Alien”

Oktober 11, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Lärm, Melodie und eine Erinnerung an Grunge: So klingt "Lenses Alien".

Lärm, Melodie und eine Erinnerung an Grunge: So klingt "Lenses Alien".

Künstler Cymbals Eat Guitars
Album Lenses Alien
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Nirvana könnten nicht lebendiger sein, wenn Kurt Cobain jede Woche eine neue Filiale von Activision mit einer feierlichen Feuerwerk-Version von Bon Jovis You Give Love A Bad Name eröffnen würde. Um das zu erkennen, braucht es nicht all die Deluxe-Ausgaben, Titelseiten und Tribut-Alben, die gerade anlässlich des 20. Jubiläums von Nevermind auf uns herabregnen. Es braucht nur Lenses Alien, das am Freitag erscheinende zweite Album von Cymbals Eat Guitars.

Das Quartett aus Staten Island hatte schon mit dem Debüt Why There Are Mountains reichlich Kritikerlob eingefahren. Nun klingen Frontmann Joseph D’Agostino und seine Mitstreiter noch reifer, rechtschaffener, rustikaler. Spätestens bei Plainclothes, dem vierten Stück, das mit seiner Sperrigkeit und seinen vielen Tempowechseln definitiv auch Kurt Cobain gefallen hätte, bekommt man ein schlechtes Gewissen, wenn man diese Platte nicht in einem Holzfällerhemd hört.

Noch mehr erinnert an Nirvana: Da ist das Schnippische, das etwa im Namen der Band zum Ausdruck kommt (der einem Zitat von Lou Reed entnommen ist, der damit den Sound von The Velvet Underground beschreiben wollte). Da sind die Umbesetzungen zwischen dem ersten und zweiten Album (Keyboarder Dan Baer und Bassist Neil Berrenholz haben Cymbals Eat Guitars verlassen und wurden durch Brian Hamilton und Matthew Whipple ersetzt). Da ist das ultra-coole Label, fast berstend vor Independent-Ethos (Memphis Industries). Und da ist vor allem diese Mischung aus bösartiger Freude am Lärm und einer zärtlichen Zuneigung zur Melodie, die auf Lenses Alien immer wieder zum Ausdruck kommt.

Mit genau diesem Rezept überbrückt der Opener Rifle Eyesight (Proper Name) problemos achteinhalb Minuten. Es ist nicht der einzige Song auf Lenses Alien, den man sich auf gut auf In Utero hätte vorstellen können. Shore Points ist eigentlich ein süßes Lied, aber mit einer Ahnung von Gefahr. Das knappe The Current wird mit reichlich Effekten auf Gitarre und Gesang dezent psychedelisch.

Wenn Cymbals Eat Guitars ein bisschen kompakter werden oder sich gar ansatzweise an Plakativem versuchen, dann stehen unüberhörbar Pavement Pate (Wavelengths). Auch wegen der Stimme von Jonathan D’Agostino muss man zudem immer wieder an Nada Surf denken (Keep Me Waiting, Definite Darkness): Wenn die eines Tages beschließen sollten, dass sie künftig nicht mehr bezaubern wollen, sondern lieber beeindrucken, dann käme so etwas heraus wie Lenses Alien.

Cymbals Eat Guitars sind im Januar bei drei Konzerten live in Deutschland zu erleben:

12. Januar – MTC (Köln)
13. Januar – Privatclub (Berlin)
15. Januar – Molotow (Hamburg)

Ich sag es doch: Hemden. Karos. Cymbals Eat Guitars spielen Plainclothes live in, jaja, Seattle:

Cymbals Eat Guitars bei MySpace.

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