Hingehört: Pelzig – „Medium Cool World“


Künstler Pelzig

Cover des Albums Medium Cool World von Pelzig Kritik Rezension

Mit „Medium Cool World“ kehren Pelzig nach elf Jahren zurück.

Album Medium Cool World
Label Cargo
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Die Sache mit den Parallelen zu Slut können Pelzig wahrscheinlich schon längst nicht mehr hören. Der Hinweis ist allerdings unvermeidbar, schließlich zählen Gitarrist Rainer Schaller und Keyboarder René Arbeithuber hier wie dort zur Besetzung der Band.

Das Problem bei Medium Cool World, dem ersten Longplayer von Pelzig seit Safe In Its Place (2004), ist allerdings ein anderes: Es gibt viele Parallelen, die ihnen deutlich unangenehmer sein dürften. Im Album-Schlusspunkt All Signals Off beispielsweise ist die Nähe zu Liquido oder Fury In The Slaughterhouse evident, also zu deutschen Bands, die Indierock zwar irgendwie verstanden, aber selbst nur selten richtig hingekriegt haben. Battles lässt an die Kasper von den Editors oder Placebo denken, auch Check Your iPod ist viel zu theatralisch.

Freilich muss man anerkennen: Die vier Bayern haben auf diesem Album auch ihre Momente. Mit Style Kills All beweisen sie gleich zu Beginn, dass es hier nicht um Unmittelbarkeit geht, sondern um Komplexität, dass der dazugehörige Sound aber trotzdem wuchtig und gefühlvoll werden darf. No Routine Night zeigt, dass die Kombination aus großem Brodeln und einem Rest von Lethargie weiterhin ein ausgezeichnetes Umfeld für Pelzig ist. A Club Called Night rückt mit seinem Sprechgesang und der Freude an Slogans ein wenig in die Nähe von Bonaparte, das kraftvolle Trasher wird zum besten Lied auf Medium Cool World – auch, weil es sich einen Hauch von Chaos bewahrt.

Solche Lichtblicke werfen erst recht die Frage auf, wieso Pelzig auch vor regelmäßigen Fehlgriffen und Peinlichkeiten nicht gefeit sind. Auf der Suche nach der Antwort spielt Sänger Christian Schulmeyr eine wichtige Rolle. Er müht sich hörbar mit den englischen Texten ab und hat nicht genug emotionale Kraft in der Stimme, um die Sprachbarriere vergessen oder gar reizvoll zu machen. Stuck In zeigt das sehr deutlich: Tiraden klingen immer etwas peinlich, wenn man sie nicht in der Muttersprache loslässt, denn sie leben von ungefilterter, unübersetzer Empörung. Aus dem Mund von Schulmeyr funktionieren Zeilen wie „All you fake is we are doing so fine / and some brilliant effects / keep it till you’re dead“ einfach nicht. Auch in Safe Route will der Gesang in erster Linie cool sein, vielleicht Julian Casblancas oder wenigstens Alex Kapranos. Aber das Ergebnis klingt wie viele der schwachen Momente auf dieser Platte: verkrampft, gewollt und letztlich tatsächlich nur so halbcool.

Pelzig feiern besonders gerne im Gegenlicht, zeigt das Video zu A Club Called Night.

Im Januar gibt es Konzerte von Pelzig:

21.01. München – Milla – Live Club

22.01. Nürnberg – Z-Bau

23.01. Augsburg – Soho Stage

26.01. Hamburg – Hafenklang

27.01. Berlin – Monarch Berlin

28.01. Münster – Gleis 22

29.01. Essen – GREND

Website von Pelzig.

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