Volcano Choir – „Repave“


Künstler Volcano Choir

Alles verändert sich ständig. Das ist das zentrale Thema von "Repave".

Alles verändert sich ständig. Das ist das zentrale Thema von „Repave“.

Album Repave
Label Jagjaguwar
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Wohl selten ist eine Band so ungeplant entstanden wie Volcano Choir. Das Sextett war einmal ein Projekt, wohl nur als einmaliges Abenteuer gedacht, auch wenn niemand das formuliert hatte, weil die Flüchtigkeit und Spontaneität so groß war, dass sich die Frage nach einer Fortsetzung gar nicht erst stellte. Es gab ein paar Ideen, ein paar Fragmente, ein paar Sessions, und daraus wurde dann im Jahr 2009 ein Album namens Unmap. Weiter hatte keiner gedacht und die Wahrscheinlichkeit, dass die Beteiligten nie mehr zusammen arbeiten werden, war keinesfalls gering.

Heute sind Volcano Choir, das betonen sie auch selbst gerne, eine richtige Band, in der Justin Vernon (Frontmann von Bon Iver) als Sänger von Jon Mueller (Schlagzeug), Chris Rosenau (Gitarren), Daniel Spack (Gitarren), Matthew Skemp (Bass) und Thomas Wincek (Keyboards) von Collections Of Colonies Of Bees unterstützt wird. Dass es dazu kam, war eine Mischung aus Zufall, Neugier und Magie. Wirklich zusammengefunden haben die sechs Musiker beim Versuch, die  Songs von Unmap live zu spielen und dann eine Tour durch Japan zu bestreiten. „Wir dachten, wir spielen in Japan ein paar Gigs für freundliche Menschen. Doch dann war da diese Energie… Uns war klar, dass es mit Volcano Choir weitergehen musste“, sagt Vernon.

Drei Jahre haben sie in den April Base Studios in Wisconsin am zweiten Album gearbeitet. „Die neuen Stücke sollten songorientierter sein, andere Strukturen vorweisen, unsere Energie zum Vorschein bringen“, umschreibt Vernon die Zielsetzung. Das ist gelungen: Lieder wie Comrade vereinen Wärme mit Größe und Klasse. Acetate ist ein gutes Beispiel für den Ideenreichtum der Band, der nichts Spinnertes oder Prahlerisches hat.

Am Beginn steht Tiderays, das die größte Nähe zu Bon Iver aufweist. Die ersten Takte auf diesem Album bieten Schönklang, mit Orgel, akustischer Gitarre, Vernons toller Stimme und ein paar bloß dahingetupften Klaviertönen. Dennoch ist da im Hintergrund die ganze Zeit etwas Ungestümes, das dann nach dreieinhalb Minuten zwar nicht zum Ausbruch, aber immerhin zum Vorschein kommt.

Byegone ist ein weiterer Höhepunkt, das Lied deutet erst ein Maximum an (an Melodie, Drama und Lautstärke), um das dann zurückzunehmen und schließlich doch zur Entfaltung kommen zu lassen. Das können Arcade Fire auch nicht besser. „Rely, rely, rely, rely / behave, behave, behave, behave / Spent all of that time not wanting to”, singt Vernon im Refrain des akustischen Alaskans, und diese paar Worte lassen voll und ganz verstehen, wie aus ihm ein so nachdenklicher, einfühlsamer Künstler werden konnte. „Der Song steht sinnbildlich für den Wandel, den wir durchleben. Wir haben keine Wahl, als uns ständig zu verändern und zu hinterfragen. Als Menschen. Und als Band sowieso“, sagt er dazu.

In Dancepack klingt er wie ein avantgardistischer Bruce Springsteen („There’s still a hole in your heart“, heißt die zentrale Zeile, und das klingt eher wie eine Diagnose als wie ein Vorwurf), in Keel setzt er zu flirrendem Hintergrund am eifrigsten die Kopfstimme ein, die bei Bon Iver zu seinem Markenzeichen geworden ist, auf Repave aber eher vermieden wird.

Der Abschluss Almanac wirkt zugleich futuristisch und uralt und führt hin zu einem spektakulären Echo-Finale, das zu brennen scheint vor lauter Energie und den Hörer nicht unbefriedigt zurücklässt, aber nach mehr verlangend. Spätestens da ist der Moment erreicht, in dem Volcano Choir endgültig als Formation erscheinen, die ihrem Namen voll und ganz gerecht wird. Als Einheit, als Kollektiv, als Band.

Zu Dancepack wurden schon in den Fifties die Hüften geschwungen:

Homepage von Volcano Choir.

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