Hingehört: We Are The Ocean – „Ark“


Künstler We Are The Ocean

Vielseitig, aber gestrig ist das vierte Album von We Are The Ocean.

Vielseitig, aber gestrig ist das vierte Album von We Are The Ocean.

Album Ark
Label BMG
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

„Wir wollten uns keine Grenzen setzen, sondern etwas ganz anderes erschaffen“, sagt Gitarrist Alfie Scully über das vierte Album von We Are The Ocean. Nach dem Erfolg des Vorgängers Maybe Today, Maybe Tomorrow ging das Quartett aus Essex ausgiebig auf Tour, um anschließend in den Middle Farm Studios in Devon einen würdigen Nachfolger aufzunehmen. „Als wir dort ankamen, waren wir wie eine leere Leinwand. Es tat gut, zu experimentieren und in eine neue Richtung zu gehen“, sagt Sänger Liam Cromby.

Was erwartet man bei solchen Ankündigungen für eine Platte? Auf jeden Fall eine ganz andere als Ark. Das Werk ist beinahe so prototypischer Rock, dass man sich wundert, einem Verb wie „experimentieren“ im Wortschatz von We Are The Ocean überhaupt begegnen zu können. Man hört Ark sehr deutlich an, wie gerne sie Led Zeppelin sein oder wenigstens in deren Zeitalter leben wollen. Aber We Are The Ocean sind leider so wenig innovativ und eigenständig, dass sie 1971 wohl wie eine schlechte Cover-Band aus dem Jahr 1931 geklungen hätten.

Zur Rückständigkeit dieses Albums gehören nicht nur nervtötende Prog-Rock-Ausflüge (die Band selbst nennt das lieber „Post Hardcore“, aber das hilft auch nichts) wie der Titelsong gleich zu Beginn von Ark: Er klingt, als wollten sie unbedingt schon im ersten Song alles beweisen, was sie können – und hätten dummerweise vergessen, sich vorher auf einen Song zu einigen. Es gibt auch Power-Balladen wie Hope You’re Well, wie sie Jon Bon Jovi auch nicht schlimmer hätte schmachten können, Kitsch wie den Schlusspunkt Remember To Remember Them oder entspannten Funk-Rock (There’s Nothing Wrong) wie ihn die Spin Doctors seit 15 Jahren erfreulicherweise nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit betreiben.

Vor allem aber gibt es (noch so ein Markenkern der Rockmusik von anno dunnemals) einen beachtlichen Samenstau. „I want to be your lover“, singt Liam Cromby zum Schweinerock von I Wanna Be, wie es Alice Cooper nicht einmal in seinem uninspiriertesten Moment gewagt hätte. „I just can’t get enough of you” heißt es dann in Good For You, das glauben lässt, die Queens Of The Stone Age hätten ihre ganzen bunten Pillen (und die ganzen anderen illegalen Substanzen) gegen eine Packung Viagra eingetauscht. Was im folgenden Track mit Do It Together gemeint ist, braucht man da wohl nicht mehr eigens erklären, die Musik dazu versucht eine Melange aus Audioslave und Billy Idol. An anderer Stelle darf sich in denkbar schwülstigem Ambiente noch „Oh desire“ auf „Holy fire“ reimen.

Das Blöde an diesem Machismo ist nicht nur, dass er gestrig ist, sondern auch unglaubwürdig. Der Gesang von Liam Cromby lässt wiederholt an Alan Frew von den kanadischen Achtziger-Beinahe-Größen Glass Tiger denken. Genau wie bei ihm merkt man auch hier, dass diese Stimme (trotz ihrer Vielzahl an Ausdrucksmöglichkeiten) eigentlich nicht so richtig zu Rock der härteren Gangart passt. Wenn Cromby „I’m about to explode“ singt (in The Midnight Law), dann kauft man ihm das einfach nicht ab, da kann das Gitarrenriff noch so riesig und der Sound noch so kraftvoll sein. Auch das “How long since you’ve been wild?” (aus Wild) kommt eindeutig nicht aus berufenem Munde.

All das trägt dazu bei, dass We Are The Ocean hier nicht einmal ein mittelprächtiges Vergnügen zu bereiten vermögen. Ark hat ein paar Qualitäten (unter anderem den Drang, auszutesten, was man mit E-Gitarren alles anstellen kann, was im besten Fall einen Song wie Shere Khan hervorbringt, der den düsteren Pomp von Muse erstaunlich clever mit einem reduzierten Beinahe-Punk-Riff versöhnt). Aber Sexyness gehört nicht dazu. Und Experimentierfreude schon gar nicht.

Ohne Strom wird es auch nicht besser. We Are The Ocean spielen Holy Fire akustisch.

Homepage von We Are The Ocean.

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