Air – „Moon Safari“ 6


Künstler Air

„Moon Safari“: Eine Platte, die Dich auf die Stirn küsst.

Album Moon Safari
Label Source
Erscheinungsjahr 1998
Bewertung

Kunst kann eine ganze Menge. Sie kann ganz profan ablenken oder unterhalten, sie kann anregen und inspirieren, sie kann trösten und verführen. Manchmal kann sie sogar einen Menschen ersetzen. So wie Moon Safari.

Diese Platte streicht dir durchs Haar, hält deine Hand, kuschelt sich an dich, zieht dir das Kopfkissen weg und küsst dich auf die Stirn. Ich hatte noch nie zuvor eine solche Platte gehört, und wie es sich gehört, habe ich mich auch gleich unsterblich in sie verliebt.

Die einzelnen Songs zu bewerten macht ungefähr so viel Sinn, wie die einzelnen Grashalme auf einem wunderschönen Landschaftsgemälde aufzulisten. Hier geht es nicht um Songs, sondern um Sound, um Atmosphäre, um Wirkung, um ein Gesamtkunstwerk. Die Franzosen haben sich als Volk ja nicht gerade hervorgetan, was die Popmusik angeht und rangieren da wohl noch hinter den Deutschen (und das will schon was heißen). Aber Air machen mit diesem Werk mindestens zweihundert Jahre unkreativen Schaffens wett.

Dass sie noch dazu Unmengen von Stil haben, beweisen nicht nur die Songtitel und das Artwork, sondern auch die phänomenalen Videos (unvergessen: Kelly Watch The Stars). Spätestens nach drei Minuten des instrumentalen Openers La femme d´argent ist man hypnotisiert, und man wacht so schnell nicht mehr auf. Alles schwelgt und wabert, schunkelt und wiegt. Schaukelstuhl-House kann man dazu sagen, so laid-back ist alles hier. Der ideale Soundtrack für jeden Sonntagmorgen (oder auch -nachmittag) nach einer durchfeierten Nacht, die keinen Kater hinterlassen hat, sondern Sehnsucht.

Und die ist hier überall, und die Hoffnung dazu ist auch gleich da. Sie ist in dem Riesengroove von Remember oder in den Bläsern auf Ce matin la. Und natürlich ist die Hoffnung in All I Need. Das beste Stück der Platte, eines der besten überhaupt in den 1990ern. Die Vorzüge sind die selben wie bei You Make It Easy: die sanfte Gitarre, das veträumte Piano, diese weiche Frauenstimme. Dann setzt dieser unglaublich warme Sequenzer ein… . Dazu ein Video, das mir das Herz gebrochen hat, und es immer noch tut, wenn ich es wieder sehe. Was für ein Kunstwerk, was für ein Mädel, was für ein Album!

Das erwähnte Videowunderwerk gibt es natürlich hier auch:

Air im Intairnet (so schlau haben sie ihr MySpace-Profil benannt).


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