Phil Collins – „Serious Hits Live“ 2


Künstler Phil Collins

„Serious Hits Live“ ist wie „Wetten Dass“ ohne die Wetten und das Sofa.

Album Serious Hits Live
Label Warner
Erscheinungsjahr 1990
Bewertung

Phil Collins ist sicher ein schlechter Mensch. Er hat bei Genesis den unerträglichen ProgRock miterfunden, dann als Solist kaum zu verzeihende Schmonzetten wie Another Day In Paradise zum Hit gemacht. Und von der ganzen Kohle, die er dabei scheffelt, lebt er in einer mondänen Villa am Genfer See, mit einer viel jüngeren Frau natürlich. Man könnte ihn hassen dafür.

Doch viele Menschen lieben ihn, kaufen seine Platten, besuchen seine Konzerte und jubeln dort diesem hässlichen Mondgesicht mit Halbglatze zu. Auf Serious Hits Live, der Platte zur Welttournee nach dem Megaseller …But Seriously ist dies nachzuhören. Und auch ein bisschen nachzuvollziehen. Die Bühne sieht aus wie eine der ewig-gestrigen Dekorationen von „Wetten dass?“ und passend dazu liefert der kleine Engländer hier good clean fun.

Die schnelleren Stücke bekommen durch die effektvollen Bläser durchaus einen Kick, bei den Schnulzen ist Phil Collins ohnehin in seinem Element. Against All Odds gerät halb so kitschig wie die Mariah-Carey-Version dieses Songs. One More Night ist bis zum obligatorischen Saxophon-Solo so einschläfernd, dass es fast schon mutig ist, das Stück auf die Bühne zu bringen.

Dieser Durchhänger hält eine Weile an. Don´t Lose My Number fehlt die Substanz, Do You Remember bleibt eben eine Phil-Collins-Ballade, danach Szenenapplaus für das pseudo-betroffene Another Day In Paradise, schließlich ein viel zu lang gezogenes Seperate Lifes.

Erst der alte Gassenhauer In The Air Tonight bringt wieder Schwung in die Sache. Der Schlagzeug-Einsatz hat noch immer nichts von seiner Wirkung verloren. Unterstützt von Stakkato-Stromgitarren steigert sich Phil Collins dabei sogar zu so etwas wie emotionalem Gesang. Das als Medley arrangierte You Can´t Hurry Love/Two Hearts hält die Spannung aufrecht. Ersteres ist ohnehin kaum kaputtbar, letzteres bekommt durch Schlagzeug und Gitarre einen feinen Swing. In Sussudio dürfen sich die zweifellos durchweg guten Tourmusiker dann einmal richtig gehen lassen, wodurch das sieben-Minuten-Stück tanzbar, spannend und bestes Entertainment wird.

Für das schokoladige Groovy Kind Of Love ist Phil Collins der ideale Interpret. Diese oberflächliche, klinisch reine Gefühlsduselei lieben die Fans an ihm. Zur Belohnung werden sie mit einem kreuzbraven Take Me Home verabschiedet. Zurück in den Golf oder Minivan, ins Reihenhaus oder die Eigentumswohnung, zu Babysitter oder Schwiegermutter. Diese Normalität klingt spießig, doch die Langeweile birgt Sicherheit. Phil Collins passt dazu.

Phil Collins versucht sich als Elvis:

Phil Collins bei MySpace.


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