Shattered Glass


Film Shattered Glass

Shattered Glass Filmkritik Review

Stephen Glass (Hayden Christensen) wird zum Star-Reporter.

Produktionsland USA, Kanada
Jahr 2003
Spielzeit 95 Minuten
Regie Billy Ray
Hauptdarsteller Hayden Christensen, Peter Sarsgaard, Chloë Sevigny, Rosario Dawson, Melanie Lynskey
Bewertung

Worum geht’s?

Stephen Glass ist ein journalistisches Wunderkind. Eben noch auf der High School, hat er bereits einen Job beim traditionsreichen Politikmagazin „New Republic“ ergattert und mausert sich dort schnell vom Nesthäkchen der Redaktion zum Star-Reporter. Seine Kolleginnen und Kollegen sind begeistert von seinem guten Blick für ungewöhnliche Themen, die er in lebendigen, originellen Geschichten zu Papier bringt – und sie staunen dazu immer wieder, wie betont nett er inmitten des ausgeprägten Konkurrenzkampfs in der Medienwelt zu allen ist. Mit einer Reportage namens „Hack Heaven“ gerät sein Status allerdings in Wanken: Er erzählt darin von einem Teenager, der sich mit seinen Computerkenntnissen ins Netzwerk einer großen Firma gehackt hat und daraufhin von eben dieser Firma eingestellt wird, mit stattlichem Gehalt und allerlei weiteren Benefits. Der Beitrag gilt zunächst als großer Erfolg, dann wird allerdings die Konkurrenz darauf aufmerksam, recherchiert ebenfalls und entdeckt einige Ungereimtheiten in der Geschichte. Stephen Glass hat beträchtliche Probleme, den Wahrheitsgehalt seiner Fakten und die Existenz seiner Quellen nachzuweisen, sodass auch Chuck Lane, sein Chef bei „New Republic“, misstrauisch wird und der Sache auf den Grund gehen will. Bald gerät nicht nur die Karriere von Glass ins Trudeln, sondern auch das Renommee des gesamten Magazins in Gefahr. Es gilt zu klären: Hat Stephen Glass bloß schlampig gearbeitet, ist er von vermeintlichen Insidern ausgetrickst worden oder ist er ein Betrüger, der seine Reportagen bloß erfunden hat?

Das sagt shitesite:

Shattered Glass, das auf einer wahren Begebenheit beruht, erhielt nach dem Kinostart im Jahr 2003 gute Kritiken und wurde für etliche Preise nominiert. Kommerziell wurde der Film allerdings zum Flop. Das könnte zunächst überraschen: Es gibt hier eine fast klassische Geschichte von Aufstieg und Fall. Im Kern des Plots steht ein Medienskandal, der reichlich Schlagzeilen gemacht hatte und noch recht frisch in Erinnerung war. Die Besetzung ist namhaft mit Leuten, die teilweise schon zuvor erfolgreich gemeinsam vor der Kamera standen (Chloë Sevigny und Rosario Dawson in Kids, Peter Sarsgaard und Sevigny in Boys Don’t Cry).

Der wahrscheinlichste Grund für den fehlenden Publikumszuspruch ist keineswegs das Versagen der Macher, sondern wohl vielmehr im Thema des Films selbst angelegt. Shattered Glass erzählt aus der Innenperspektive des Nachrichtenbetriebs, der zentrale Konflikt des Films handelt vom journalistischen Ethos. Bezeichnenderweise hat Regisseur und Drehbuchautor Billy Ray selbst ein Jahr lang Journalismus studiert und für diesen Film sehr umfangreich recherchiert, um (ähnlich, wie es sich für einen guten Reporter gehört) möglichst nah an die Wahrheit zu kommen. Je mehr man mit diesem Metier zu tun hat, desto reizvoller wird diese Geschichte – aber die meisten Kinogänger sind in ihrer Erfahrungswelt eben sehr weit weg von dieser Branche.

Für alle anderen gehören die Einblicke in die Nachrichtenproduktion bei „New Republic“ sicher zu den reizvollsten Passagen des Films. Shattered Glass denkt sich gut in seine Titelfigur ein, in seine Sehnsucht nach Ruhm und Anerkennung, die nahe an Narzissmus ist, in sein manipulatives Verhalten, auch in seine Unfähigkeit, mit Kritik und Zurückweisung umzugehen. Noch viel mehr als auf die Motivation des Reporters blickt der Film aber auf die Mechanismen innerhalb einer Redaktion und im Journalismus insgesamt. Dazu gehören die Spannungsfelder Team vs. Ego und Kooperation vs. Eitelkeiten, ebenso wie die Bedeutung des internen Rückhalts, inklusive Chefredaktion und Verlag, wenn es Gegenwind für die eigene Berichterstattung gibt. Noch spannender wird dieser Aspekt durch die Verortung der Ereignisse im Jahr 1998, als sich ein neues Medienzeitalter anbahnt. Zum einen sollen in dieser Zeit plötzlich selbst Politikmagazine auch Entertainment bieten, und wenn Stephen Glass die Redaktionskonferenz, die einer Arena gleicht, mit seinen unterhaltsamen, menschelnden Geschichten als strahlender und beneideter Sieger verlässt, wird klar, wie gut er diesen Trend verstanden hat und wie sehr er ihn als Person repräsentiert. Zum anderen tauchen in dieser Ära im Internet neue Nachrichtenmedien und neue Recherchemöglichkeiten auf, sodass sich einige der Fakten, die ein Reporter als vermeintlich einzige Quelle berichtet, neuerdings online überprüfen lassen.

Nicht zuletzt kann man in Shattered Glass auch erkennen, wie Krisenmanagement und -kommunikation laufen sollten (oder eben nicht). Das gilt ebenso für die Salamitaktik des Reporters, als er mit dem Vorwurf konfrontiert wird, ein Lügengebäude errichtet zu haben, wie für die fehlende Fehlerkultur in Redaktionen – aber natürlich auch in vergleichbaren Organisationen und Unternehmen. Spätestens in diesem Punkt wird der Film dann doch noch allgemeingültig.

Bestes Zitat:

„Journalismus ist die Kunst, das Unverwechselbare einzufangen.“

Der Trailer zum Film.

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