Superpunk, Ilses Erika, Leipzig 1


"Ich schreie einfach lauter" heißt das Motto von Superpunk.

"Ich schreie einfach lauter" heißt das Motto von Superpunk.

Zugegeben: Sie sind ein bisschen spät dran. Seit Anfang Juni ist Die Seele des Menschen unter Superpunk auf dem Markt, das aktuelle Album der Top Old Boys aus Hamburg. Doch fast ein halbes Jahr haben sie sich Zeit gelassen, um die neuen Songs auch live unters Volk zu bringen. Wie sie mir im Interview verraten, lag das nicht nur an der Fußball-WM und der Tatsache, dass die Jungs um Sänger Carsten Friedrichs noch andere Jobs haben, wenn sie gerade keine Superpunks sind. „Eine Club-Tour im Sommer, wenn es draußen 38 Grad ist, macht einfach keinen Sinn. Und viele Festivals wollten uns noch nicht buchen, weil das neue Album gerade erst raus war und wir davor zweieinhalb Jahre nichts gemacht hatten. Die wollten erstmal schauen, ob Superpunk noch ankommt. Wir hoffen, dass wir die Festival-Saison dann nächstes Jahr nachholen können“, erklärt Carsten den verzögerten Tourstart.

So viel vorab: Jeder Booker, der Superpunk gestern im Ilses Erika in Leipzig gesehen hat, dürfte sofort zuschlagen. Beim fünften Konzert der Tour hat das Quintett jede Menge Power und jede Menge Spaß. Die reichlich vertretenen Stücke vom aktuellen Album halten locker mit den Klassikern aus 15 Jahren Superpunk mit. Als es nach dem ersten Song ein paar Probleme mit dem Monitor-Sound gibt, findet Carsten Friedrichs eine ebenso pragmatische wie überzeugende Lösung: „Ich schreie einfach lauter.“ Ein gutes Motto.

Es gibt allerdings noch ein paar weitere Stolpersteine: Beim Instrumental Up All Night reißen Saiten an Gitarre und Bass, was zu einer längeren Zwangspause führt. Bei Tu einfach Dein Bestes und mach Dir keine Sorgen spielt die Band erst eine ganze Weile aneinander vorbei, bevor schließlich auch Bassist Tim Jürgens wieder in den Song findet (und sich danach prompt für „den ersten Blackout meiner Karriere“ entschuldigt). Doch die Panne führt nicht zu Ungeduld, sondern zu Szenenapplaus. Schließlich sind dies Superpunk – und die verdienen sich so viel Kulanz im Publikum nicht nur durch eine Überdosis Charme und vollen Einsatz. Die treuen Fans wissen auch: Die Songs von Superpunk haben schon immer von ihren Fehlern gelebt, vom Mangel, vom Unvollkommenen. Superpunk kommen über den Kampf zum Spiel, auch an diesem Abend. Dass sie dabei ganz gelassen und mit genau der richtigen Mischung aus Stolz und Selbstironie mit der Tatsache umgehen, dass sie keine Jungspunde mehr sind, trägt ebenfalls dazu bei, ob in der Hymne Das waren Mods oder dem Fan-Favourite Baby, ich bin zu alt.

Die Fans im Ilses Erika danken es – und die Band zeigt sich ebenso erfreut, an einem Montagabend in Leipzig auf einen gut gefüllten Club zu treffen. Immer wieder kommen sie in den herrlich linkischen Ansagen auf diesen „werkigsten aller Werktage“ zurück, aus den kaputten Gitarren werden beispielsweise „Montagsinstrumente“. Doch nach einer grandiosen Version von Allein in eisigen Tiefen, dem gefeierten Matula, hau mich raus und der Zugabe (Carsten trägt dabei Brille und stellt fest: „Ich sehe jetzt schlechter aus, ihr dafür besser“) mit dem Eric Cantona Stomp und Bleib Deinen Freunden Treu gilt diesmal: I do like Mondays.

Superpunk spielen Neue Zähne für meinen Bruder und mich live im Ilses Erika in Leipzig:

Superpunk bei MySpace.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ein Gedanke zu “Superpunk, Ilses Erika, Leipzig