Draufgeschaut: High Fidelity

Rob (John Cusack, links) ist genervt von seinem Mitarbeiter Barry (Jack Black) - und von seinem Leben.
| Film | High Fidelity |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2000 |
| Spielzeit | 100 Minuten |
| Regie | Stephen Frears |
| Hauptdarsteller | John Cusack, Iben Hjejle, Todd Louiso, Jack Black, Lisa Bonet, Catherine Zeta-Jones, Tim Robbins |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?
Rob ist vergleichsweise verzweifelt. In seinem Plattenladen nerven ihn jeden Tags aufs Neue zwei Idioten, die dummerweise keine Kunden, sondern seine Angestellten sind. Und nun hat ihn auch noch seine Freundin Laura verlassen. Schon wieder. Rob will wissen, warum er ständig sitzen gelassen wird. Er ruft die fünf Frauen an, die ihm in seinem Leben den größten Schmerz bereitet haben – und beschließt, sie alle zur Rede zu stellen. Seine Reise in die Vergangenheit wird zu einem Trip in sein Innerstes.
Das sagt shitesite:
Höchst charmant, enorm schlau und sehr liebevoll wird in High Fidelity der gleichnamige Roman von Nick Hornby auf die Leinwand transferiert. Der Nerd- und Pop-Faktor bleibt zwar ein bisschen auf der Strecke. Aber die famosen Weisheiten über die Liebe lassen das locker vergessen.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Stateless – “Matilda”
| Künstler | Stateless |
| Album | Matilda |
| Label | Ninja Tunes |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | *** |
Musiker sind schamlose Lügner. Wenn der Tag lang genug ist, dann erzählen sie dir, welch schlimmes Schicksal es ist, auf Welttournee zu sein und jeden Abend von Tausenden jungen Menschen bejubelt zu werden. Sie schwören Stein und Bein, dass ihr aktuelles Album das Beste ist, das sie jemals gemacht haben. Und wenn sie eine neue CD zu vermarkten haben, dann sagen sie gerne Sätze wie diesen: „Unser Album soll dich mit auf eine Reise nehmen.“
Geben wir also Chris James das Wort. „I wanted you to enter a world, and travel through that world, and having different experiences along the way“, sagt der Sänger, um Matilda, das zweite Album von Stateless, anzupreisen. Gähn. Schnarch. Wegnick. Man könnte fast schon aufhören, sich für Stateless zu interessieren. Aber das wäre ein Fehler.
Denn Matilda macht genau das, was viele andere Künstler nur versprechen. Von Anfang an kreieren diese elf Songs ihr ganz eigenes Universum, voller Überraschungen und Dramatik. Wesentlichen Anteil daran hat Produzent Damian Taylor, der vor seiner Kollaboration mit Stateless unter anderem für Björk und The Prodigy gearbeitet hat. Das gibt die Koordinaten vor, innerhalb derer sich Matilda entfaltet: Es gibt fragile Songkunst, aber auch brachiale Verzerrung und einige Momente, in denen die Tanzfläche zumindest als Hologramm Eingang in diese wundersame Welt findet.
Aus einem seltsamen Pluckern und nach einem Gesang, der aus dem Totenreich zu kommen scheint, schält sich der Opener Curtain Call heraus. In Ariel wagt sich die zarte Stimme von Chris James immer wieder in das abstrakt-arabische Soundgerüst – wie ein Häftling, der gegen einen Elektrozaun anrennt. In Miles To Go klingt er wie von einer tonnenschweren Last erdrückt, die trotzdem nur halb so heavy ist wie die Bassdrum, die hier regiert. Satte Streicher lassen in der Ballad Of NGB erahnen, wie Hercules & Love Affair klingen würden, wenn sie ihre gute Laune verlieren.
„It’s like a strange and beautiful dreamscape. It’s dark, surreal, mysterious, full of weird and wonderful characters”, sagt Chris James, und auch dies stimmt. Neben einem beeindruckenden Arsenal an Instrumenten, das die Engländer hier auffahren, trägt dazu auch die Vielfalt der Stimmen bei. James’ eigener Gesang ist extrem wandlungsfähig, klingt mal spektakulär wie Justin Timberlake, mal gebrochen wie Thom Yorke. Visions mit orientalischen Percussions singt Bassist Justin Percival. I’m On Fire wird zum Duett mit Shara Worden (My Brightest Diamond) und zum Walzer für die Heimatlosen.
Das ist alles in keiner Weise kurzweilig, leichtverdaulich oder gar hitverdächtig. Aber es ist ein perfektes Werk für alle, die immer erst auf der Tanzfläche stehen, wenn die Nacht schon längst zu Ende ist. Die ihre Musik am liebsten mit heiliger Konzentration hören und mit geschlossenen Augen. Chris James unterstützt das ausdrücklich: „I want people to do the Pink Floyd thing, and listen to it from start to finish really loud on good headphones.“
Als animiertes Tanztheater funktionieren Stateless noch besser, wie das Video zu Ariel beweist:
Draufgeschaut: Good Night And Good Luck
| Film | Good Night And Good Luck |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2005 |
| Spielzeit | 93 Minuten |
| Regie | George Clooney |
| Hauptdarsteller | David Starthairn, Robert Downey Jr., George Clooney |
| Bewertung | *** |
Worum geht’s?
Der Fernsehmoderator Edward Murrow ist mit seinem politischen Satiremagazin erfolgreich. Doch er stößt auf heftige Widerstände, als er sich ein besonderes Ziel aussucht: den Senator Joseph McCarthy, der sich den Kampf gegen den Kommunismus und seine Anhänger zur Aufgabe gemacht hat. Es kommt zu einem intensiven Ringen zwischen Sender, Moderator, Sponsoren und Politik.
Das sagt shitesite:
Good Night And Good Luck ist toll gespielt, ausgestattet und inszeniert. Zudem hoch bedeutend in einer Zeit, in der der Kampf gegen den Terror ebenfalls zur Zensur genutzt wird und das Fernsehen immer seichter wird. Aber der einseitige, 50 Jahre zurückliegende Kampf ist nicht spannend genug, um einen ganzen Kinofilm zu tragen.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Ina Müller – “Das wär dein Lied gewesen”
| Künstler | Ina Müller |
| Album | Das wär dein Lied gewesen |
| Label | 105 Music |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | ** |
Vorab: Ich mag Ina Müller. Die Frechheit, mit der sie sich durch Inas Nacht bechert. Ihre Stimme. Ihre Unverkrampftheit. Ihre Weigerung, im Fernsehen jeden Mist mitzumachen, um vielleicht ganz groß durchstarten zu können. Die Tatsache, dass sie überall als „authentisch“ gefeiert wird und doch zugibt, dass sie mit ihrem vorlauten, leutseligen Image nur die eigene Unsicherheit überspielen will.
Gestern ist nun Das wär dein Lied gewesen erschienen, das dritte hochdeutsche Album der Hamburgerin. Und darauf arbeitet sie leider fleißig daran, ihren Sympathiebonus zu verspielen. In 44 Minuten liefert sie tatsächlich gleich zehn Gründe, Ina Müller plötzlich nicht mehr gut zu finden.
1. „Das wär dein Lied gewesen / Doch zu Dir fällt mir einfach nichts ein / Das wär dein Lied gewesen / Doch Du reichst nicht mal für zweieinhalb Zeilen / Nein, es hat keinen Refrain und kein Happy End / Nicht mal ’nen Sound, den man wiedererkennt“, singt Ina Müller im Titelsong zu Beginn. Und genauso klingt das Lied dann auch.
2. In Die Nummer muss eine angedeutete Reminiszenz an die Lovecats von The Cure herhalten um einen Text zu rechtfertigen, für den jeder Mann im deutschen Musikgeschäft kastriert würde. „Die einzige Nummer, die ich mir heute merken kann / Ist die gestern mit Dir.“
3. In Ja ich will kann auch ein klitzekleiner Fetzen von En Vogues My Lovin’ nicht über völlige musikalische Belanglosigkeit hinwegtäuschen.
4. Seeed in sachte funktioniert nicht. Vor allem nicht, wenn man das Lied dann auch noch Paparazzia nennt.
5. „Mit Mitte 20 sind die Jungs noch süß / sind nicht so ranzig, nicht so feist und fies.“ Das ist so schlecht gereimt, dass man es nur verteidigen könnte, wenn es ein kompromissloses Statement für die Gleichberechtigung und sexuelle Befreiung der Frau wäre. «Bei der ersten Platte war ich noch in einer Beziehung, diesmal habe ich mich von meinen Erfahrungen als Single inspirieren lassen. Und da ist in drei Jahren einiges zusammengekommen, zum Glück», sagt Ina Müller prompt im Interview mit news.de über das neue Werk. Passend dazu kokettiert sie auch an anderen Stellen mit Männerverschleiß, flüchtigen Abenteuern und ihrem Spaß daran, eine Femme Fatale zu sein. Ist das etwa ein Versuch, sich als deutscher Rod Stewart zu etablieren?
6. Leider nicht. Diese Hoffnung wird schon im nächsten Lied zerstört. Darin singt Ina Müller davon, dass Männer im Zweifel die besseren Frauen sind. Zumindest, wenn es wirklich drauf ankommt. Gleichberechtigung heißt das Lied. „Ne Frau kann alles machen / aber bitte nicht mit mir“, heißt die Quintessenz. Schon wieder ein Fall von blödem Kalauer und billigen Sex-Anspielungen.
7. Trotz dieses bereits beachtlichen Niveaus schafft es das nächste Stück tatsächlich, noch einmal eine ganz neue Liga des schlechten Wortwitzes für sich zu beanspruchen. Britpop handelt von einem nicht mehr ganz jungen Mann, der in Erinnerungen an den Beginn seiner Beziehung mit Brit schwelgt. „Immer wenn ich Brit popp / hören wir Oasis“, singt Ina Müller da tatsächlich, und spricht das erste S in Oasis auch noch so weich, wie es nur die verachtenswerten Menschen tun, die sich im Radio immer bloß Wonderwall wünschen.
8. „Was verbirgt sich unterm Reißverschluss? / Streng verboten, reinzuschauen“, lautet der nächste misslungene Refrain. Natürlich ist es Absicht, dass man da, uiuiui, an Geschlechtsteile denken könnte. Es geht aber bloß um Handtaschen.
9. Podkarsten (kein Scherz!) will mit dem virtuellen Leben abrechnen, muss dann aber schnell einräumen, dass sich auf „googeln“ leider nur „abnudeln“ und auf „Clipfish“ bloß noch „Schreibtisch“ reimt. Immerhin: Eine erotisierte Abwandlung von Boris Beckers legendärem „Ich bin drin“ bleibt dem Hörer erspart.
10. Der Rausschmeißer Wenn du das erträgst versucht dann, auch noch im Sound verrucht zu werden, mit verschlepptem Beat, verhallten Gitarren und rauchigem Gesang. Wenn das Blues sein soll, dann ist Oli P auch Gangsta-Rap.
Für jemanden, der so sehr als Charakterkopf, Unikum und Typ gilt wie Ina Müller ist es erstaunlich, wie viele dieser Lieder problemlos auch von Juliane Werding oder Christina Stürmer oder gar Sebastian Hämer gesungen werden könnten. Es gibt hier so viele thematische Standards, Rollenklischees und musikalische Schablonen, dass es schlicht keinen Spaß mehr macht.
Zum Glück gibt es auf Das wär dein Lied gewesen aber auch Balladen. Und da zeigt Ina Müller, dass sie auch als Sängerin das Niveau erreichen kann, für das sie als Moderatorin gefeiert wird. Fast drüber weg ist wunderhübsch. Gar nichts gepeilt bringt herrlich ehrlich die Situation auf den Punkt, wenn der Kopf ganz laut „Ja, das ist der Richtige!“ schreit, das Herz aber leider ungerührt bleibt. Und Fremdgehen sehnt sich sehr zart nach der Zeit, als jede Begegnung noch voller Prickeln war. Beim nächsten Album sollte es mehr davon geben. Sonst ist der Bonus weg.
Bechern mit jungen Männern und schlechtem Wortwitz: Ina Müller zu Gast bei Kurt Krömer:
Ina Müller bei MySpace (wo sie übrigens mehr als 13.000 Freunde hat, von denen keiner Podkarsten heißt).
Draufgeschaut: Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa

Gilbert Grape (Johnny Depp, rechts) kümmert sich um seinen behinderten Bruder Arnie (Leonardo Di Caprio).
| Film | Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa |
| Originaltitel | What’s eating Gilbert Grape |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1993 |
| Spielzeit | 118 Minuten |
| Regie | Lasse Hallström |
| Hauptdarsteller | Johnny Depp, Leonardo Di Caprio, Juliette Lewis |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?
Gilbert Grape lebt in der Kleinstadt Endora. Es gibt dort nicht viel zu erleben. Er hat einen Job im Lebensmittelladen, eine Affäre mit einer verheirateten Frau und einen geistig behinderten Bruder, um den er sich kümmert. Erst als er die rebellische Becky kennen lernt, stellt er sich die Frage, ob er sich nicht doch etwas mehr vom Leben erwartet. Und das bringt schnell alles durcheinander.
Das sagt shitesite:
Gilbert Grape ist toll gespielt und poetisch inszeniert. Mit viel Geduld, Authentizität und Einfühlungsvermögen geht Gilbert Grape der Frage nach, was Glück ist. Und findet eine rührende, am Ende sogar fast spektakuläre Antwort.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Rebekka Karijord – “The Noble Art Of Letting Go”
| Künstler | Rebekka Karijord |
| Album | The Noble Art Of Letting Go |
| Label | Lil Facit Records |
| Erscheinungsjahr | 2009 |
| Bewertung | *** |
Rebekka Karijord ist das, was man auch in Norwegen ein Wunderkind nennt. Ihre Hippie-Eltern zogen durch ganz Europa. Die kleine Rebekka lernte als Fünfjährige am nördlichsten Ende des Kontinents schon Klavier und Geige zu spielen. Mit 13 schrieb sie ihre ersten Songs, mit 17 hatte sie einen Plattenvertrag in der Tasche. Heute schreibt sie Stücke für internationale Filmproduktionen und Tanztheater in ganz Europa.
Und dazwischen macht sie Musik, die man nur traumhaft nennen kann. The Noble Art Of Letting Go, in Rebekka Karijords schwedischer Wahlheimat schon Ende 2009 erschienen und ab heute auch in Deutschland erhältlich, ist der perfekte Soundtrack für das Ende des Februars. Ihre Musik ist stets überlagert von einer winterlichen Schwermut, und trotzdem gibt es hier gelegentlich schon eine Ahnung von (und eine noch größere Sehnsucht nach) dem Frühling.
“I don’t know where this fear came from”, heißt die bezeichnende erste Zeile des Albums im verträumten Wear It Like A Crown (das man übrigens gerade hier kostenlos herunterladen kann), und auch danach geht es immer wieder um Verlust, Furcht, Verunsicherung. Im vergleichsweise beschwingten Parking Lot mit Streichern und einem luftigen Dance-Beat traut Karijord ihrem eigenen Draufgängertum nicht recht über den Weg. Im gespenstischen Dead On My Feet imitiert die Bassdrum einen Herzschlag, und man spürt förmlich, wie das Blut aus diesen verzweifelten Zeilen rinnt: “How do you grieve for someone still alive / someone coping, on the other side / someone whose voice you know even better than your own / someone who thinks you are made of stone.”
Das Faszinierendste an dieser Liedern, die stets vom Klavier getragen werden und mit Jazz, Chanson oder Filmmusik meist mehr zu tun haben als mit Pop, ist zweifellos Karijords Gesang. Man muss hier nicht die alten Klischees von den tiefen, reinen Bergseen des Nordens bemühen, und doch gibt es nur ein Wort, das dieser Stimme wirklich gerecht wird: kristallklar. Carole King klingt da an, Joni Mitchell, auch Alanis Morissette.
Das abstrakte Paperboy wird fast nur von ihrer Stimme (und der von Jennie Abrahamson im Hintergrund) zusammengehalten. Im Titelsong singt Karijord, nur vom Piano begleitet, quasi mit sich selbst im Duett – und die beiden Stimmen scheinen sich gegenseitig Trost zu spenden. Morning Light Forgives The Night, eine Zusammenarbeit mit Ane Brun, mit der sich Rebekka Karijord einen Probraum teil und mit der sie unlängst auf Tour war, ist dann noch reduzierter, beinahe a-capella.
Wenn Rebekka Karijord singt, dann fleht sie, ängstigt sich, trauert, flirtet, windet sich in erregenden Träumen. Niemals klingt sie, als ob sie einfach nur sie selbst ist, und doch ist diese Stimme ungeheuer authentisch. “Someone naked of pretension” erkannte Sarah Snavely von Dag För Dag, als sie Rebekka Karijord zum ersten Mal begegnete. Das trifft es.
Ich glaub, ich steh im Wald: Im Video zu Wear It Like A Crown scheint Rebekka Karijord auf der Suche nach ihrem jüngeren Ich zu sein:
Draufgeschaut: Ghost
| Film | Ghost |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1990 |
| Spielzeit | 122 Minuten |
| Regie | Jerry Zucker |
| Hauptdarsteller | Patrick Swayze, Demi Moore, Whoopi Goldberg |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Der Börsenmakler Sam und die Bildhauerin Molly sind ein Herz und eine Seele: Sie lieben sich, sie richten gerade die gemeinsame Wohnung ein, sie wollen heiraten. Doch dann wird Sam bei einem Überfall erschossen. Sein Geist entdeckt, dass das kein Zufall war, sondern eine Verschwörung, die auch Molly bedroht. Doch um sie beschützen zu können, braucht er die Hilfe der Geisterbeschwörerin Oda May – und den Glauben von Molly an das Überirdische.
Das sagt shitesite:
Die Special Effects sind aus heutiger Sicht putzig, aber die einfühlsam und humorvoll erzählte Geschichte von Ghost funktioniert noch immer.
Der Trailer zum Film:
Der kritische Blick: Die verlogene Freiheit
Guido Westerwelle war hoch erfreut, sichtlich bewegt. Und auch andere deutsche Politiker sprachen nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak in Ägypten von einer historischen Stunde. Der Siegeszug der Freiheit habe nun auch die arabische Welt erreicht, jubelten sie.
Es hat nur ein paar Tage gedauert, um diese großen Worte als Heuchelei zu entlarven. Denn wenn die Menschen in Nordafrika nun Freiheit, Sicherheit und Wohlstand für sich einfordern, dann schottet der Westen sich ab. Die Flüchtlinge auf Lampedusa wollen Freiheit, Sicherheit und Wohlstand – und zwar jetzt sofort. Doch die EU verweigert ihnen die Rechte, die sie noch vor wenigen Tagen hochgehalten hat. Ich meine: Das ist verlogen.
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Draufgeschaut: Gefährliche Liebschaften
| Film | Gefährliche Liebschaften |
| Originaltitel | Les liaisons dangereuses |
| Produktionsland | Frankreich |
| Jahr | 2003 |
| Spielzeit | 183 Minuten |
| Regie | Josée Dayan |
| Hauptdarsteller | Catherine Deneuve, Rupert Everett, Nastassja Kinski |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Die alternde Schönheit Isabelle und der Herzensbrecher Valmont sind einander innig zugeneigt – versagen sich aber gegenseitig eine sexuelle Beziehung. Stattdessen haben sie umso mehr Freude daran, andere Menschen ins Unglück zu stürzen. Als Isabelle ihren alten Geliebten Gercourt wieder trifft, spinnt sie eine gemeine Intrige: Valmont soll dessen junge Verlobte verführen und schwängern. Der macht sich ans Werk, doch schon bald erscheint ihm die tugendhafte Madame de Tourvel als die größere Herausforderung. Aus einstigen Partnern werden so Gegner.
Das sagt shitesite:
Die Verlagerung des legendären Plots in die 1960er Jahre gelingt leidlich, zudem hat der Mehrteiler einige Längen. Das Ensemble von Gefährliche Liebschaften aber ist grandios – und nicht zuletzt zeigt auch diese Verfilmung des Briefromans, dass es ebenso reizvoll sein kann, Schmerz zu verursachen wie Freude.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: New Found Land – “The Bell”
| Künstler | New Found Land |
| Album | The Bell |
| Label | Fixe Records |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | ***1/2 |
Ein gerade erst entdecktes Land kann man Schweden nun wirklich nicht nennen. Wenn man nicht seit dem 2. Jahrhundert im ewigen Eis festgefroren ist, hält man das Königreich normalerweise auch nicht gerade für frisch gegründet. Dafür kann man aber behaupten: Die Menschen zwischen Trelleborg und Kiruna machen so viel gute Musik, dass ihr Land allein schon ausreicht, um einen ganzen Kosmos aus Klang zu beschreiben.
New Found Land machen das mit ihrem zweiten Album The Bell besonders augenscheinlich. Nicht, weil sie kurz vor Schluss mit Jag tar smällen plötzlich ein Lied auf Schwedisch bringen. Sondern weil Anna Roxenholt, die Sängerin, die sich für dieses Projekt mit verschiedenen Musikern aus ihrer schwedischen Heimat und ihrer Berliner Wahlheimat zusammengetan hat, mit New Found Land eine Musik macht, die man eigentlich unerhört nennen muss, so bezaubernd, verwirrend, gewagt und gekonnt ist sie – und für die sich doch viele Anknüpfungspunkte finden, selbst wenn man nur innerhalb Schwedens danach sucht.
Human, bei dem neben Anna Roxenholt auch die Stimme von Moritz Lieberkühn zu hören ist, hätte mit seiner Mischung aus heiterem Sound und der im Text lauernden Verzweiflung die Moonbabies stolz gemacht. Wenn Robyn einmal richtig durchdrehen sollte, könnte so etwas dabei herauskommen wie Love In Itself. Das extrem reduzierte Carve Out My Heart, das fast ausschließlich mit Percussion und einem Xylophon auskommt, könnte von Lykke Li inspiriert sein und glänzt zudem mit tollen Zeilen wie diesen: So we ended our love when the trees turned yellow / the street was filled with colourful leaves / but you lingered in me like an Indian summer / when all I longed for was winter and cold.
New Found Land setzen auf die faszinierende Kombination aus Anna Roxenholts fesselnder Stimme, instrumentaler Experimentierfreude und komplexen Computerbeats. Das ist nicht nur durchweg sehr geschmackvoll, sondern auch kreativer als das meiste, was man gemeinhin unter dem Label “Pop” vorgesetzt bekommt. Während viele Alben entweder auf tolle Melodien oder eine stimmige Atmosphäre setzen, liefert The Bell einfach beides.
Im Titelsong gleich zu Beginn konkurrieren Bass und Schlagzeug, beide deutlich an aktueller Elektronik geschult, mit Steeldrums und Bläsern, die für eine gebrochene Exotik sorgen. Foul und Into Heaven sind fast klassische Akustik-Balladen und klingen genauso, wie man sich Ellie Goulding wünscht: modern und eingängig, aber und niemals anbiedernd. Wenn es etwas rockiger wird (Foul, A Storage Plan) erinnert das an die schwungvolleren Momente von Belle & Sebastian oder an die mittlere Schaffensphase der Cardigans.
Am besten sind New Found Land, wenn sie sich völlig gehen lassen. Der Rausschmeißer Streets Are Different macht klar, wie es klingen könnte, wenn sich Joan Baez mit Paul Epworth zusammentäte. Und das herrlich melancholische Stay With Me wird nicht trotz, sondern gerade wegen eines Saxofonsolos zum Höhepunkt von The Bell.
New Found Land spielen Human live im schwedischen Fersehen. Und jawohl: Das ist eine Tuba.







