Biffy Clyro – „A Celebration Of Endings“


Künstler Biffy Clyro

Biffy Clyro A Celebration Of Endings Review Kritik

Den Stillstand machen sich Biffy Clyro auf „A Celebration Of Endings“ zum Feind.

Album A Celebration Of Endings
Label 14th Floor
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Vielleicht erklärt das letzte Lied auf dieser heute erscheinenden Platte am besten den anhaltenden Erfolg von Biffy Clyro. Cop Syrup hat einen Berserker-Beginn, ist zwischendurch aber auch schüchtern-verträumt, dann wieder druckvoll und schließlich erhebend. Man muss nicht „Rock-Oper“ dazu sagen, aber es zeigt die Palette, die Simon Neil, James Johnston und Ben Johnston längst beherrschen und die ihnen zuhause im UK das dritte Nummer-1-Album in Folge eingebracht hat. Die Schotten vereinen das Plakative und Ursprüngliche der Foo Fighters mit den Ambitionen und der Theatralik von Muse – alles in einer Band.

Das gilt auch auf ihrem neunten Album, das wie der Vorgänger Ellipsis (2016) von Rich Costey produziert wurde. Danach gab es noch das Unplugged-Album (2018) und den Soundtrack Balance, Not Symmetry (2019), die Biffy Clyro offensichtlich auch als Spielwiesen zum Austoben und Ausleben ihrer Vorlieben jenseits von GitarreSchlagzeugBass genutzt haben. Denn A Celebration Of Endings ist im unmittelbaren Vergleich wieder deutlich rockiger, und zwar von Beginn an. North Of No South zeigt erst ein paar Sekunden lang, wie innovativ die Gitarrenarbeit von Simon Neil weiterhin ist, dann wird es wuchtig und integriert schließlich einen spannenden Stimmeffekt beim Chorgesang. Das alles strotzt vor Überzeugung, die nicht nur aus der Zeile „I gave it all / you can take it or leave it“ spricht.

Weird Leisure ist feurig in der Strophe, der Refrain gewinnt dann sogar noch zusätzliche Kraft, gerade weil er Tempo herausnimmt. „Real pleasure comes / when all pleasure goes“, lautet die rätselhafte Erkenntnis, die in diesen Sound verpackt ist. Worst Type Of Best Possible hat viel Groove, der beste Song der Platte, The Pink Limit, wartet mit der schönen Weisheit auf: „Whatever you chose / you gotta live with it / … / it’s not how you fail / it’s how you deal with it.“ Der Anfang von End Of ist brutal und gefährlich, der weitere Verlauf offenbart eine glaubhafte Wut, die man einer Band im 25. Jahr ihres Bestehens kaum zutrauen würde, sicherheitshalber gibt es auch gleich in der ersten Zeile den Hinweis „This is not a love song!“

Natürlich gibt es auf A Celebration Of Endings aber nicht nur Vollgas. The Champ setzt zunächst auf Klavier und Streicher, aber alleine im Gesang steckt so viel Kraft, dass man nicht wagt, das Wort „soft“ zu denken, bis das Arrangement sich dann wieder den üblichen Rock-Koordinaten annähert. Space verbreitet viel Romantik rund um das Gefühl „Love sure is meaningless when you’re not there“, mit dem akustischen Opaque gibt es dann doch noch eine echte Ballade.

Tiny Indoor Fireworks ist der einzige Song, in dem man den Eindruck haben könnte, dieses Trio trete auf der Stelle: Für viele Bands wäre das eine Hymne, bei ihnen fällt es allenfalls in die Kategorie „solide“. Die Vorab-Single Instant History zeigt am deutlichsten, wie weit sich diese Band ganz bewusst aus ihrer Komfortzone herausbewegen kann. Das Lied ist so ambitioniert, vielfältig und elektronisch geprägt, dass die Zeile „This is the sound that we make“ vielleicht auch an alle gerichtet ist, die Biffy Clyro in diesem Klanggewand gar nicht mehr zu erkennen meinen. Wer die Band liebt, wird allerdings auch hier klasse Rockmusik finden, voller Energie und Esprit, Kraft und Kompetenz.

Im Video zu Space ist Theatralik (und Ballett!) auch nicht weit entfernt.

Website von Biffy Clyro.

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