Die wichtigsten neuen Alben 2013

Januar 2, 2013 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · Comment 
Als App soll "Artpop" von Lady Gaga im Frühjahr erscheinen. Foto: Universal Music

Als App soll “Artpop” von Lady Gaga im Frühjahr erscheinen. Foto: Universal Music

Wird 2013 ein gutes Musikjahr? Man darf vermuten: ja. Reichlich neue Alben von spannenden Acts werden veröffentlicht, von Lady Gaga über Katy Perry bis hin zu (vielleicht) U2. Außerdem stehen wieder – wie schon im Vorjahr mit den 50. Jubiläen der Rolling Stones und der Beach Boys – wieder einige bedeutende Jahrestage an. Please Please Me, das Debütalbum der Beatles, wird 50 Jahre alt. Der Kassettenrekorder feiert ebenfalls ein halbes Jahrhundert. Und, ähm: Guildo Horn auch.

Mit Depeche Mode und Bon Jovi haben zwei der ganz großen Bands der vergangenen 30 Jahre neue Platten angekündigt, beide gehen zudem auf Tournee. Auch von Rod Stewart und Metallica darf man, zumindest gerüchteweise, im Jahr 2013 ein Album erwarten.

Dazu kommen einige Newcomer, die sich an ihren ersten Erfolgen messen lassen müssen: Hurts legen den Nachfolger für das Monster-Debüt Happinessvor, auch für die neuen Platten der Kings Of Leon, Tim Bendzko und Phoenix liegt die Messlatte hoch. Und Lady Gaga will mit Artpop im Frühjahr kein ganz normale CD veröffentlichen, sondern eine App. Hier ist der Fahrplan für die wichtigsten Alben 2013:

25.1. Tocotronic – Wie wir leben wollen

Das Jahr beginnt deutsch: Am 25. Januar erscheint das zehnte Studioalbum von Tocotronic. Wie wir leben wollen wurde mit ihrem langjährigen Produzenten Moses Schneider aufgenommen. Die Band zog dafür in ein Studio im ehemaligen Flughafen Tempelhof und nahm 17 Lieder in nur zehn Tagen auf. Es geht nach Auskunft der Band, die 2013 zudem ihr 20-jähriges Bestehen feiert, um die „miteinander verschränkten Themenkomplexe Körper und Befreiung“.

25.1. Prag – Premiere

Noch eine spannende Neuerscheinung aus Berlin: Prag zeigt, was Nora Tschirner als Musikerin drauf hat. Gemeinsam mit Erik Lautenschläger und Tom Krimi bildet sie die Band. Das Debütalbum Premiere wurde mit dem Tschechischen Filmorchester aufgenommen und verspricht cineastischen, anspruchsvollen Pop im Stile der 1950er und 1960er Jahre. Das Debütalbum erscheint am 25. Januar

25.1. Biffy Clyro – Opposites

Schon ihr sechstes Werk legen Biffy Clyro am selben Tag vor. Opposites ist sogar ein Doppelalbum geworden und dürfte die Fangemeinde der Schotten, die sich in den vergangenen Jahren als eine der kreativsten Rockbands ihrer Generation etabliert haben, sicher noch vergrößern.

Selig feiern 20. Geburtstag und haben diesmal in England aufgenommen. Foto: Universal Music/Thomas Rabsch

Selig feiern 20. Geburtstag und haben diesmal in England aufgenommen. Foto: Universal Music/Thomas Rabsch

1.2. Selig – Magma

Nach dem erfolgreichen Comeback 2008 haben Selig noch lange nicht genug. Am 1. Februar liefern sie mit Magma zwölf neue Lieder ab. Das neue Album ist ein „wütendes wie introspektives, bisweilen clever ironisches, dann wieder klug den Zeitgeist analysierendes Monster“, verspricht ihre Plattenfirma. Sänger Jan Plewka umschreibt die neuen Lieder etwas weniger großspurig: „Die selige Innenpolitik ist intakt, also fragen wir uns nun: was passiert in der sonstigen Welt?“ Aufgenommen wurde Magma mit Produzent Steve Power (Blur, Robbie Williams) in England. Übrigens: Genau wie Tocotronic feiern auch Selig in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag.

8.2. Darwin Deez – Songs For Imaginative People

Kaum jemand hat in den vergangenen zwei Jahren für so viel Spaß auf Tanzflächen gesorgt wie Darwin Deez – und zwar sowohl mit seiner Musik als auch mit seinen seltsamen Verrenkungen, wenn er selbst auf der Bühne steht. Dem erfolgreichen Debüt folgt am 8. Februar Songs For Imaginative People. Darwin Deez hat alles daran im Alleingang gemacht, mit der Single Free (The Editorial Me) gibt es bereits einen Vorgeschmack auf den kurzweiligen Wahnsinn, der da ins Haus steht.

22.2. Shout Out Louds – Optica

Album Nummer vier präsentierten die Shout Out Louds am 22. Februar. Optica soll an die Anfänge der Band aus Schweden anknüpfen. Mehr als ein Jahr arbeiten Adam Olenius, Bebban Stenborg, Carl von Arbin, Ted Malmros und Eric Edman in Stockholm, das Ergebnis ist ebenso melodieselig wie tanzbar, verspricht die Band. „Für Optica haben wir uns von den sehr grau gehaltenen Szenerien des Vorgängeralbums Work verabschiedet, zugunsten von mehr Mut und Leuchtkraft. Und weil wir dieses Mal niemandem außer uns selbst gefallen wollten, haben wir zum ersten Mal ein Album selbst produziert“ so Bebban Stenborg.

22.2. Atoms for Peace – Amok

Supergroups? Das hatten wir schon lange nicht mehr. Bei Atoms For Peace kann man ohne Übertreibung davon sprechen, schließlich umfasst die Band unter anderem Mitglieder von Radiohead, R.E.M. und den Red Hot Chili Peppers. Am 22. Februar legen Thom Yorke, Nigel Godrich, Joey Waronker, Mauro Refosco und Flea ihr Debüt Amok vor.

26.2. 50 Cent – Street King Immortal

Ob es das Rap-Album des Jahres wird? In jedem Fall mussten die Fans lange genug auf King Street Immortal von 50 Cent warten. Die Veröffentlichung wurde mehrmals verschoben, am 26. Februar soll die Platte nun in den Läden stehen, kündigte 50 Cent auf Twitter an. Unter anderem soll Eminem mitgewirkt haben.

Können Hurts mit "Exile" an den Erfolg ihres Debüts anknüpfen? Foto: Sony BMG

Können Hurts mit “Exile” an den Erfolg ihres Debüts anknüpfen? Foto: Sony BMG

11.3. Hurts – Exile

Die Messlatte liegt gewaltig hoch für das zweite Album von Hurts. Mit dem Debüt Happiness haben Theo Hutchcraft und Adam Anderson einen Volltreffer gelandet. Am 11. März wird der Nachfolger Exile erscheinen. Neben der regulären Version mit 12 Liedern wird es auch eine Deluxe-Variante mit 14 Tracks und einer Bonus-DVD geben.

März: Bon Jovi – Because We Can

Auch nach 130 Millionen verkauften Alben haben Bon Jovi noch keine Lust auf den Ruhestand. Im März soll ihr neues Album Because We Can erscheinen, bereits Mitte Februar beginnt die Band die dazugehörige Welttournee. Im Mai und Juni werden Bon Jovi dabei auch in Deutschland Station machen.

März: Depeche Mode

“Ich bin sehr zufrieden, wie das Album geworden ist”, sagt Martin Gore zum kommenden Album von Depeche Mode. “Ich denke, die Songs zählen zu den besten, die wir je gemacht haben.” Ein Name steht noch nicht fest, das 13. Album der Band soll aber Ende März in den Läden stehen (Update 24.1.: Gerade hat Sony Music bekannt gegeben, dass die Platte Delta Machine heißen und am 22. März veröffentlicht wird). „Es ist keine Blues-Platte, aber sie hat definitiv einen Vibe, den man als ‘soulful’ bezeichnen kann”, sagt die Band, die zudem versucht hat, ihren Live-Sound mehr in die Studioarbeit einfließen zu lassen. Apropos: Im Juni und Juli sind Depeche Mode live in Deutschland zu erleben.

April: Phoenix

Mit Wolfgang Amadeus Phoenix haben Phoenix nicht nur einen echten Dauerbrenner erschaffen, sondern 2010 auch einen Grammy abgeräumt. Höchste Zeit für Nachschub ist es dennoch, und im April soll es soweit sein, kündigte Daniel Glass, der Chef ihrer Plattenfirma an. Dann soll das fünfte Studioalbum des französischen Quartetts fertig sein.

Frühjahr: Lady Gaga – Artpop

Dass Artpop das Album des Jahres werden wird, scheint schon jetzt beschlossene Sache: Das dritte Studioalbum von Lady Gaga ist für Frühjahr 2013 angekündigt. Den Albumtitel, den sie schon im August via Twitter verkündete, trägt Lady Gaga übrigens bereits als Tattoo auf dem Arm. Das Album soll als App erscheinen – man darf gespannt sein.

Sommer: Katy Perry

Viel erfolgreicher als Teenage Dream, das letzte Album von Katy Perry, kann eine Platte nicht sein. Glaubt man den Gerüchten, legt die Pop-Prinzessin im Sommer nach. Angeblich könnte es etwas weniger sonnig im Sound (schließlich hat Katy Perry eine Scheidung hinter sich) oder sogar eine Unplugged-Platte werden. Als Mitstreiter soll Katy Perry angeblich bereits Greg Wells (Adele) und Bonnie McKee (Britney Spears) gewonnen haben.

Sommer: Kings Of Leon

Kaum eine Rockband war im vergangenen Jahrzehnt so erfolgreich wie die Kings Of Leon. Seit Anfang Dezember 2012 sind Caleb, Jared, Nathan und Matthew Followill im Studio, um an Album Nummer sechs zu basteln. Ein Name steht noch nicht fest, ein Veröffentlichungstermin auch nicht. Aber im Sommer werden die Kings Of Leon auf Tour gehen – und man darf vermuten, dass sie dann die neuen Songs bereits im Gepäck haben wollen.

Herbst: U2

Offiziell ist noch nichts, aber viele U2-Fans gehen davon aus, dass es im dritten Quartal ein neues Album der Band aus Irland geben wird. Zum einen stammt das letzte Album No Line On The Horizon schon aus dem Februar 2009. Zum anderen hatten U2 bereits angedeutet, dass während der Sessions für diese Platte genug neue Lieder für ein weiteres Album entstanden sind. Angeblich plant auch die Plattenfirma Mercury Records mit einer U2-Veröffentlichung in der zweiten Jahreshälfte. Als Produzent ist Danger Mouse im Gespräch.

Herbst: Blink 182

Ebenfalls im Herbst darf man Nachschub der Spaß-Punks von Blink-182 erwarten. Nach der Reunion im Jahr 2011 arbeitet die Band bereits am siebten Studioalbum, sagte Bassist Mark Hoppus in einem Interview. Wie das Trio aus San Diego sein neues Werk nennen wird, hat er aber noch nicht verraten.

Winter: Metallica

Seit 2008 sehnen sich die Fans von Metallica nach neuem Material der Metal-Könige. Wenn es gut läuft, könnte die Wartezeit noch in diesem Jahr enden. Ab September will die Band aus Los Angeles an einer neuen Platte arbeiten, kündigte Schlagzeuger Lars Ulrich in einem Interview an. „Ich würde sagen Ende 2013 oder Anfang 2014 wird das Album fertig sein. Man kann es sich schlecht vorstellen, aber ich würde sogar sagen, dass 2013 noch optimistisch gedacht ist. Realistischer ist es, dass wir das Album Anfang 2014 rausbringen werden.“

noch ohne Termin: Rod Stewart

Ruhig war es nicht gerade um Rod Stewart, der zuletzt unter anderem mit einem Weihnachtsalbum von sich reden machte. Doch als Songwriter ist der 66-Jährige schon lange nicht mehr in Erscheinung getreten. Das soll sich 2013 ändern, wie er in seiner Autobiographie ankündigt. „Definitiv weiß ich, dass ich seit Gasoline Alley nicht mehr von einem Album so überzeugt war wie von diesem – als Songschreiber wie auch als Produzent“, schwärmt er da. Wann die Platte erscheint und wie sie heißen wird, ist allerdings noch offen.

noch ohne Termin: Eminem

Die Neuigkeit, dass es 2013 ein neues Album von Eminem geben wird, wurde nicht per Twitter verkündet, auch nicht bei einer Pressekonferenz oder durch einen Vorab-Gratissong. Sondern auf einer Baseballmütze. Im Eminem-Fanshop gibt es nämlich ein Cap, auf dem all die Jahreszahlen eingestickt sind, in denen der Rapper eine Platte herausgebracht hat. Die 2013 ist auch mit dabei. Das achte Studioalbum von Eminem entsteht angeblich in Zusammenarbeit mit Dr. Dre und 50 Cent. Ein Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest.

noch ohne Termin: Arcade Fire

2010 erschien The Suburbs, das bisher letzte Album von Arcade Fire, und erreichte unter anderem in England, den USA und ihrer Heimat Kanada die Spitze der Charts. Angeblich bereitet sich Mercury Records, ihre Plattenfirma, für 2013 auf die Veröffentlichung einer neuen Platte vor.

noch ohne Termin: Placebo

Enorm lange hatten Placebo auf eine neue Veröffentlichung warten lassen, bis im Oktober 2012 die EP B3 erschien. Das siebte Studioalbum soll 2013 folgen. Die neuen Songs „klingen durchaus anders als alles, was Placebo bislang gemacht haben. Aber genau das passt ja wieder zu unserem für uns neuen, ungewöhnlichen Ansatz, Dinge einfach geschehen zu lassen“, gibt Sänger Brian Molko einen Ausblick. Einen Termin für die Veröffentlichung gibt es noch nicht, das Album soll aber wahrscheinlich im zweiten Quartal herauskommen.

noch ohne Termin: Clueso

Ob seine Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg ihm auch als Solist zusätzlichen Rückenwind verschafft? Das wird sich für Clueso beweisen, wenn sein neues Album erscheint. Titel und Termin sind noch nicht bekannt, seine Plattenfirma hat aber offiziell bestätigt, dass es 2013 neues Material des Erfurters geben wird.

noch ohne Termin: Tim Bendzko

Gleich auf Platz vier der deutschen Charts schaffte es Tim Bendzko mit seinem Debüt Wenn Worte meine Sprache wären. Für 2013 ist sein zweites Album angekündigt, Details sind noch nicht bekannt.

Beyoncé kommt wohl schon 2013 mit einer neuen Platte zurück aus dem Mutterschutz. Foto: Sony BMG/Ellen von Unwerth

Beyoncé kommt wohl schon 2013 mit einer neuen Platte zurück aus dem Mutterschutz. Foto: Sony BMG/Ellen von Unwerth

noch ohne Termin: Beyoncé

Die Elternzeit nutzt Beyoncé Knowles offensichtlich sehr produktiv: Gemeinsam mit Ehemann Jay-Z und Kanye West soll sie an einem neuen Album arbeiten. Mit dem fünften Studioalbum der R&B-Queen darf man offensichtlich noch im Jahr 2013 rechnen.

noch ohne Termin: Miley Cyrus

Miley Cyrus will 2013 endlich auch wieder musikalisch Schlagzeilen machen. “Ich schreibe Songs für mein neues Album“, verriet sie im September in Las Vegas und versprach den Fans ein tolles Ergebnis: „Ich arbeitete wirklich hart daran, dass es perfekt wird.“ Als Produzenten für das vierte Album des Teeniestars soll unter anderem Pharrell Williams an Bord sein.

Die wichtigsten Alben 2013 als Fotostrecke gibt es auch bei news.de.

“ARD und ZDF haben das Vertrauen verspielt”

Dezember 1, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · 1 Comment 
Vetternwirtschaft, Korruption und Ineffizienz beklagt Hans-Peter Siebenhaar bei ARD und ZDF. Foto: Eichborn Verlag/Pablo Catagnola

Vetternwirtschaft, Korruption und Ineffizienz beklagt Hans-Peter Siebenhaar bei ARD und ZDF. Foto: Eichborn Verlag/Pablo Catagnola

Für sehr viel Geld produzieren ARD und ZDF sehr viel Mist. Sie schotten sich ab, verbrüdern sich mit der Politik und werden immer gieriger. Das ist die Quintessenz von Die Nimmersatten, dem neuen Buch von Hans-Peter Siebenhaar. Der Journalist, Jahrgang 1962, ist promovierter Politikwissenschaftler. Während des Studiums arbeitete er als freier Mitarbeiter für den Bayerischen Rundfunk. Seit 2000 ist er als Medienexperte beim Handelsblatt tätig und beobachtet in dieser Funktion intensiv das Geschehen bei ARD und ZDF. Im Interview redet der GEZ-Kritiker Klartext.

Wenn ARD und ZDF Sie zum gemeinsamen Chef für beide Anstalten machen würden: Welche Sendungen würden Sie sofort einstellen?

Hans-Peter Siebenhaar: Ich würde alle Sendungen einstellen, die nicht mehr sind als eine billige Kopie aus dem Privatfernsehen. ARD und ZDF müssen anspruchsvolle Unterhaltung liefern. Dafür erhalten sie vom Bürger sehr viel Geld.

Und welche Formate würden Sie vermissen, wenn es das öffentlich-rechtliche Fernsehen morgen nicht mehr gäbe?

Siebenhaar: ARD und ZDF haben eine Reihe von Formaten geschaffen, die Maßstäbe setzen. In der Unterhaltung sind das beispielsweise Tatort und Wetten, dass…?, in der Information Tagesschau und heute journal.

In Ihrem Buch listen Sie einen ganzen Katalog von Missständen bei ARD und ZDF auf. Was sind die drei größten Probleme?

Siebenhaar: Erstens: die mangelnde Transparenz bei den Ausgaben im weit verzweigten Reich der Anstalten. Zweitens: der Einfluss der Parteien auf ARD und ZDF sowie die mangelnde Bürgerbeteiligung. Und drittens: Vetternwirtschaft, Korruption und Ineffizienz.

Könnte es mit Hinblick auf die fehlende Transparenz hilfreich sein, die Gehälter aller Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu veröffentlichen, wie unlängst gefordert wurde?

Siebenhaar: Es müssen nicht alle Gehälter sämtlicher Mitarbeiter offen gelegt werden, sondern nur die der Top-Verdiener. Der Gebührenzahler hat ein Recht zu erfahren, wie es um die Bezahlung von Intendanten, Direktoren und Moderatoren steht, wie viel Produzenten und Regisseure verdienen. Nur Transparenz schafft Vertrauen. Genau das haben ARD und ZDF durch ihre jüngsten Skandale verspielt.

Wenn sich nichts ändert im chaotischen System und an der Unzufriedenheit der Zuschauer: Wann ist nach Ihrer Einschätzung der Punkt erreicht, an dem die Gebührenfinanzierung grundsätzlich infrage gestellt werden wird?

Siebenhaar: Aus den Reaktionen auf mein Buch Die Nimmersatten weiß ich, dass ARD und ZDF in weiten Teilen der Gesellschaft längst den Rückhalt verloren haben. Vor allem Menschen unter 60 Jahren sehen das System von 22 Fernsehsendern und 67 Radioprogrammen sehr kritisch. Wenn der Luxusliner ARD/ZDF nicht den Kurs ändert, läuft er auf einen Eisberg auf wie einst die «Titanic».

In Die Nimmersatten kritisieren Sie auch die Passivität der Zuschauer angesichts der Zustände bei ARD und ZDF. Was sollte das Publikum Ihrer Ansicht nach tun, um für besseres Fernsehen und bessere Strukturen zu kämpfen?

Siebenhaar: Der einzelne Bürger kann im derzeitigen System wenig tun. Denn die Parteien behandeln ARD und ZDF wie ihr Eigentum. Das zeigt die jüngste Diskussion um die Einflussnahme der CSU auf ZDF und Bayerischen Rundfunk mustergültig. Was wir brauchen, ist ein massiver öffentlicher Druck, damit die Politik endgültig das aus den Fugen geratene System von ARD und ZDF grundlegend reformiert. Der Bürger muss seinen Unmut zum Ausdruck bringen.

Die Insolvenz der Frankfurter Rundschau wird gerade als möglicher Startschuss zum großflächigen Zeitungssterben in Deutschland diskutiert. Macht das den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht umso wichtiger, um unabhängigen, hochwertigen Journalismus sicherzustellen?

Siebenhaar: Es gehört zu den Eigenheiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dass die 25.000 festangestellten Mitarbeiter und die Zehntausenden von freien Mitarbeitern in den vergangenen Jahren keine der großen Skandale aufgedeckt haben. Einer der Gründe dafür ist, dass die Parteien die Anstalten im Schwitzkasten haben. Führungspositionen werden parteipolitisch durchdekliniert. Mit der Unabhängigkeit ist es daher nicht so weit her. Das Ergebnis: Investigativer Journalismus spielt in den Anstalten im Vergleich zu Zeitungen und Magazinen eine sehr bescheidene Rolle.

Wie stehen Sie zur Forderung, das öffentlich-rechtliche Fernsehen komplett werbefrei zu machen?

Siebenhaar: Die Bürger finanzieren mit über 7,5 Milliarden Euro jährlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie haben ein Recht auf werbefreies Fernsehen. In Frankreich und Spanien ist das längst der Fall. Mit einem Verzicht auf Werbung könnten sich ARD und ZDF noch besser von der privaten Konkurrenz unterscheiden.

Wie hoch ist in Ihren Augen die Wahrscheinlichkeit, dass Günther Jauch demnächst eine seiner Talkshows am Sonntag unter das Thema «Gebührenwahnsinn» stellt? Und würden Sie kommen, wenn er Sie einlädt?

Siebenhaar: Die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null. Ich erwarte, dass ARD und ZDF Die Nimmersatten totschweigen werden. Wann man mich einlädt, würde ich das Angebot natürlich annehmen und über das nimmersatte System ARD und ZDF diskutieren.

Man merkt Ihrem Buch immer wieder an, wie schwierig es war, bei der Recherche an Details, vor allem an Zahlen zu kommen. Gab es einmal einen Moment, in dem Sie das Projekt aufgeben wollten angesichts so vieler zugeschlagener Türen?

Siebenhaar: Die Recherche war tatsächlich schwierig und aufreibend. Denn die Intransparenz ist Teil des öffentlich-rechtlichen Systems. Das läuft man schon mal gegen Wände. Doch ich gehöre nicht zu der Art von Autoren, die bei Widerständen aufgibt.

Stunts in Skyfall – Wie macht James Bond das nur?

November 1, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · 1 Comment 
Faustkämpfe bei Tempo 80? Kein Problem für James Bond. Foto: Sony Pictures

Faustkämpfe bei Tempo 80? Kein Problem für James Bond. Foto: Sony Pictures

James Bond ist unkaputtbar. Wie es sich für einen Agenten im Dienste ihrer Majestät gehört, können ihn kein noch so brutaler Bösewicht und keine noch so verführerische Schönheit zur Strecke bringen. Heute läuft mit Skyfall der 23. Film der Bond-Reihe in den deutschen Kinos an. Auch da hat 007 wieder reichlich Gefahren zu überstehen. Biophysik-Professor Daniel Huster von der Uni Leipzig hat mir erklärt, welche der Stunts James Bond auch jenseits der Kinoleinwand überleben könnte.

Felix Baumgartner? Kann einpacken! Der Österreicher mag zwar nach einem Sprung aus 39 Kilometern Höhe sicher auf der Erde gelandet sein. Aber er schaffte das erst im dritten Anlauf, und bloß dank eines mit reichlich Werbebotschaften verzierten Schutzanzugs. Den wirklich gefährlichsten freien Fall des Jahres hat eindeutig James Bond hinter sich. Der stürzt zwar nicht aus der Stratosphäre, sondern nur von der 100 Meter hohen Varda-Brücke in der Türkei. Er stürzt aber nach einer spektakulären Verfolgungsjagd, einem kräftezehrenden Zweikampf mit einem Terroristen auf dem Dach eines Güterzugs und, nicht zu vergessen, bewusstlos, nachdem ihn eine Kugel in die Brust getroffen hat.

Natürlich übersteht Bond dieses Malheur einigermaßen unbeschadet, ebenso wie andere halsbrecherische Szenen in Skyfall. Weder ein Urangeschoss noch ein kompletter U-Bahn-Zug, die ihn im Visier haben, können dem berühmtesten Agenten der Welt etwas anhaben. Und wenn es einmal besonders brenzlig wird, steht 007 ein Hilfsmittel aus dem Hause Q zur Verfügung.

Wie realistisch solche Stunts sind, weiß Daniel Huster. Der Biophysiker ist Direktor des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik an der Universität Leipzig und hat sich intensiv mit James Bond beschäftigt. Nicht etwa, weil er ein Fan der Bond-Reihe ist oder dem Kinopublikum gar den Spaß an Actionfilmen verderben will, sondern weil er „einfach keine Lust auf langweilige Vorlesungen“ hat, wie der Professor erklärt. Inspiriert habe ihn das Buch Geschüttelt, nicht gerührt. James Bond und die Physik von Physikerkollege Metin Tolan.

Im Hörsaal hat Huster es oft mit Medizinstudenten zu tun, die Physik belegen müssen, ohne dass das Fach für sie eine Herzensangelegenheit wäre. „Wenn man da mit einer Szene aus einem Bond-Film einsteigt, kann man das Interesse wecken, die Thematik auflockern und zugleich zeigen, wie sich Physik in der Praxis auswirkt“, erklärt Huster seinen Ansatz. Seine Lehrveranstaltungen, für die er mit den Studenten auch mal auf den Kinderspielplatz geht, um dort auf dem Karussell die Trägheitskräfte zu demonstrieren, zählen zu den beliebtesten bei den Studenten.

James Bond eignet sich für seine Zwecke vor allem, weil praktisch jeder einen Film aus der 50-jährigen Geschichte der Reihe kennt. Zudem haben die Stunts hier den Anspruch, besonders realistisch zu sein – auch bei Skyfall. Hauptdarsteller Daniel Craig „macht so viel selbst, wie es möglich ist. Ich glaube, dass die Action deshalb so gut funktioniert, weil man sie ihm abkauft. Das ist die eine Regel, an die wir uns hielten: Es muss sich echt anfühlen“, sagt Skyfall-Regisseur Sam Mendes. „Es muss hart sein, es muss real sein, und es muss überhöht sein“, schildert Drehbuchautor John Logan die Anforderungen an die Actionszenen.

Auf computergenerierte Bilder wird bei James Bond fast vollständig verzichtet, dafür kommen gelegentlich andere Tricks zum Einsatz. Als Daniel Craig bei den Dreharbeiten auf dem Motorrad einen Bösewicht verfolgte, wurde seine Krawatte mit einem Gewicht beschwert, damit sie ihm nicht ständig ins Gesicht flog. Die Straße wurde zuvor mit Cola bespritzt, damit die Räder bei den rasanten Manövern nicht wegrutschen.

Daniel Huster will mit James Bond zeigen, wie spannend Physik ist. Foto: Universität Leipzig

Daniel Huster will mit James Bond zeigen, wie spannend Physik ist. Foto: Universität Leipzig

Auch in vielen anderen Szenen gerät James Bond an die Grenzen der Physik, und deshalb ist er mittlerweile ein fester Bestandteil der Vorlesungen von Professor Huster. Man merkt dem 43-Jährigen an, dass er mit Leib und Seele nicht nur Forscher, sondern auch Didaktiker ist. Als ich ihn in seinem Büro besuche, rechnet er mit Bleistift und Schmierpapier bltzschnell ein paar Formeln aus, um die Kräfte zu bestimmen, die bei einem Stunt auf 007 wirken. Immer wieder zeigt er anhand von Folien, wie er die Filmszenen der bisherigen Bond-Filme in seine Vorlesungen integriert. Und über all dem steht seine Begeisterung für das Fach: „Wenn am Ende des Semesters jemand zu mir kommt und sagt, Physik sei jetzt sein Lieblingsfach, dann ist das das Größte für mich.“

Die spektakulärsten Szenen aus Skyfall klopft der Professor zum Kinostart auf ihre Machbarkeit ab. „Man muss natürlich immer die genauen Parameter kennen“, betont er und fügt schmunzelnd an, dass manchmal auch das Unmögliche nicht auszuschließen sei: „Es gibt auch Leute, die fallen aus dem Flugzeug und überleben das.“

Was passiert? James Bond entert einen Bagger, der gerade auf einem Eisenbahnwaggon transportiert wird. Mit der Baggerschaufel reißt er das Dach des vorausfahrenden Waggons auf und spaziert dann über den Baggerarm in den vorderen Waggon hinein, um dort einen Terroristen zu jagen.

Geht das? Ja. Wenn man davon ausgeht, dass zur Geheimagentenausbildung auch der Erwerb eines Baggerführerscheins gehört, steht diesem Stunt kaum etwas im Weg. Der Bagger ist stark genug, um das Dach eines Waggons aufzureißen und schwer genug, um während des Manövers nicht vom fahrenden Zug zu fallen. Heikel ist nur der Weg über den Baggerarm, denn dabei konkurrieren Reibung und Steigung: „Ab einem Winkel von etwa 25 Grad wäre der Weg zu steil, um ihn noch hochlaufen zu können“, sagt Huster. „Um diesen Wert ermitteln zu können, müsste Bond allerdings den Reibungskoeffizient zwischen seinen Schuhsohlen und dem Metall kennen.“

Was passiert? Bond bekommt eine Pistole, die nur er selbst abfeuern kann. Der Griff der Waffe erkennt, wer sie gerade in der Hand hält.

Geht das? Nein. „Wenn Bond noch einen passenden Chip in der Hand hätte, den die Waffe erkennt, wäre das machbar“, sagt Huster. „Aber bloß durch die Beschaffenheit der Hand ist das kaum möglich. Allerdings macht die Biometrie rasante Fortschritte. Vielleicht funktioniert das schon in ein paar Jahren.“

Was passiert? Gangster überfallen eine Gerichtsverhandlung. Bond und ein Kollege schießen auf zwei Feuerlöscher. Sofort ist der ganze Saal voller Nebel und alle können sich in Sicherheit bringen.

Geht das? Vielleicht. Wenn es sich um einen Dauerdrucklöscher handelt, wäre das Szenario realistisch. Schießt man hingegen auf einen Aufladelöscher, „passiert normalerweise gar nichts“, erklärt Huster. Bei dieser Bauweise ist im Gehäuse eine Patrone, die bei Gebrauch des Feuerlöschers eingedrückt wird, den Inhalt unter Druck setzt und so erst dafür sorgt, dass Schaum oder Pulver herausströmen. Huster: „Bond müsste also wissen, wie der Feuerlöscher aufgebaut ist und dann genau diesen Druckbehälter treffen.“

Was passiert? James Bond wird angeschossen und stürzt bewusstlos von einer 100 Meter hohen Brücke herunter ins Wasser. Alle halten ihn für tot, doch er hat überlebt.

Geht das? Nein. „Man schlägt bei so einem Sturz mit etwa 160 km/h auf. Bei solchen Geschwindigkeiten spielt es keine Rolle mehr, ob man auf Wasser landet oder auf Beton“, erklärt Huster und nennt noch ein Beispiel: „Die Leute, die sich von der Golden Gate Bridge stürzen, überleben das auch nicht. Und die ist sogar nur knapp 70 Meter hoch.“ Die einzige Chance, einen solchen Aufprall eventuell zu überleben, wäre es seiner Ansicht nach, sich wie ein Paket zusammenzurollen – aber Bond stürzt kopfüber ins Wasser.

Was passiert? Silva, der Bösewicht in Skyfall und selbst ein ehemaliger MI-6-Agent, berichtet davon, wie er in Gefangenschaft geriet und sich in einer aussichtslosen Lage gemäß der Dienstvorschrift mit einer Kapsel aus Hydrogencyanid (Blausäure) umbringen wollte. Er schildert seine schrecklichen Schmerzen, als seine Organe verätzt wurden, und nimmt dann zum Beweis seine Prothese heraus, um seine verstümmelten Zähne zu zeigen.

Geht das? Nein. Blausäure ist im Vergleich zu anderen Säuren kaum ätzend, aber sehr giftig. Der Tod würde bei Blausäure eher durch innere Erstickung eintreten. Selbst bei einer stark ätzenden Säure wie Salpetersäure wäre die Szene wenig glaubhaft. „Die Zähne sind fast immer das Letzte, was von einem Menschen übrig bleibt. Nicht umsonst werden stark verstümmelte Leichen oft noch über die Zahnabdrücke identifiziert“, sagt Huster. Wenn das Gift sogar die Zähne vernichtet hätte, dann müsste es auch wichtige Organe so sehr geschädigt haben, dass Silva dies nicht hätte überleben können. Auch die Zunge sollte dann eigentlich nicht mehr so gut funktionieren, dass der Bösewicht noch sprechen kann. „Außerdem würde ich denken: Wenn der MI6 seinen Agenten eine solche Giftkapsel als Ultima Ratio zur Verfügung stellt, dann ist die auch so hoch dosiert, dass sie den Agenten auf jeden Fall tötet.“

Was passiert? James Bond klettert in einem Fahrstuhlschacht umher und öffnet dann mit bloßen Händen von außen die Aufzugtür.

Geht das? Vielleicht. „Normalerweise gibt es einen Mechanismus, der die Tür arretiert. Solange der wirkt, bekommt man die Tür bestimmt nicht von Hand auf. Wenn man den Mechanismus an der richtigen Stelle außer Kraft setzt, ist das aber nicht mehr schwierig“, sagt Huster.

Was passiert? James Bond liefert sich einen Faustkampf auf einem mit etwa 80 km/h fahrenden Güterzug.

Geht das? Ja. „Solange der Zug mit konstanter Geschwindigkeit geradeaus fährt, ist das kein Problem. Da ist die Physik ganz genau so, als würde man auf der Stelle stehen“, sagt Huster. Schwierig würde eine solche Szene erst, wenn der Zug beschleunigt oder um die Kurve fährt, denn dann wirken sich die Trägheitskräfte aus und man kann heruntergeschleudert werden.

Was passiert? Weil das Haus, in dem er sich versteckt hat, gleich explodieren wird, flieht Bond in einen unterirdischen Stollen. Als dort ein Feuerball auf ihn zurast, springt er in einen Nebenstollen und rettet sich so.

Geht das? Nein. „Das Feuer breitet sich normalerweise so aus, dass es auch diesen Nebenstollen erreicht“, sagt Huster. Selbst wenn er dort von den Flammen verschont würde, müsste Bond ersticken. „Das Feuer holt sich den Sauerstoff von überall her. Außerdem bleibt Rauch zurück, der meist viele giftige Gase enthält. Auch diese Partikel breiten sich isotrop in alle Richtungen aus, erreichen also auch den Seitenstollen.“

Was passiert? Als einzige Waffe hat James Bond nur noch ein Messer. Er wirft es seinem Gegner aus zehn Metern Entfernung genau in den Rücken.

Geht das? Vielleicht. „Bei einem Laien haut das garantiert nicht hin. Wenn man das gut trainiert, kann es aber klappen. Das ist eben Übungssache“, so Huster. Wenn man selber einmal probiere, mit der Klinge eines Messers beispielsweise einen Baum zu treffen, merke man schnell, wie schwierig das sei. „Aber im Zirkus sieht man ja, dass so etwas funktionieren kann. Da sind aber Abstand und Geschwindigkeit vorher auch genau festgelegt.

Was passiert? Bond bricht in ein zugefrorenes Moor ein und kämpft dort im eiskalten Wasser eine Minute lang mit seinem Widersacher.

Geht das? Nein. „Man kann eine Minute lang im Eiswasser überleben. Aber man wird sehr schnell steif. Normalerweise kann man da vor Kälte nicht einmal mehr schwimmen“, stellt Huster klar. Zudem sei zu beachten: Der Sauerstoff wird vor allem in den Muskeln verbraucht. Schnelle Bewegungen wie bei einem solchen Kampf seien in dieser Hinsicht besonders strapaziös. „Schon ein Boxer hat nach drei Minuten im Ring schwer mit seiner Atmung zu kämpfen“, nennt er ein Beispiel – im eiskalten Wasser sei eine solche Belastung entsprechend schwierig zu überstehen.

Was passiert? Bond wurde von einem Geschoss aus Uran getroffen und schneidet sich die einzelnen Teile der Patrone selbst mit einem Messer aus der Schulter.

Geht das? Nein. Urangeschosse sind durchaus üblich, denn Uran hat eine hohe Durchschlagskraft. „Damit kommt man auch durch kugelsichere Westen oder durch Panzerstahl“, erklärt Huster. Gerade deshalb sei es unwahrscheinlich, dass ein solches Projektil im Körper stecken bleibt. „Normalerweise müsste das einfach durchgehen“, sagt der Professor. Allerdings sollte man sich Uranmunition so schnell wie möglich aus dem Körper entfernen lassen, da die radioaktive Strahlung sehr schädlich ist. Normale Kugeln werden manchmal sogar im Körper belassen, wenn man durch die Operation mehr Schaden anrichtet, als die Sache nützt.

Was passiert? James Bond hat sich in einem Haus verbarrikadiert, Silva und seine Gehilfen rücken mit einem großen Militärhubschrauber an. Am Hubschrauber hängen kleine Lautsprecher, aus denen das Lied Boom Boom von den Animals dröhnt, weil Silva seinen Auftritt gerne noch ein bisschen spektakulärer machen will. Die Musik aus den kleinen Lautsprechern übertönt mühelos den Lärm des Rotors.

Geht das? Ja. „Das funktioniert. Die Polizei kann ja beispielsweise auch aus einem Hubschrauber heraus per Megaphon kommunizieren“, sagt Huster. „Wenn sich der Hubschrauber bewegt, müsste man dann allerdings einen Doppler-Effekt bemerken, die Musik sollte also verzerrt werden oder ihre Tonhöhe ändern.“

Der Trailer zu Skyfall:

Diesen Text gibt es, mit einer Fotostrecke zu den Bondgirls, auch bei news.de.

Zitate von Wolfgang Schäuble

Oktober 2, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · 1 Comment 
Seit 40 Jahren in der Politik, seit mehr als 20 Jahren im Rollstuhl: Wolfgang Schäuble (links, hier im jahr 2011 mit Christian Wulff). Foto: obs/BAGFW e.V.

Seit 40 Jahren in der Politik, seit mehr als 20 Jahren im Rollstuhl: Wolfgang Schäuble (links, hier im jahr 2011 mit Christian Wulff). Foto: obs/BAGFW e.V.

Wolfgang Schäuble ist der dienstälteste Bundestagsabgeordnete, hat die deutsche Einheit gemanagt und die CDU-Parteispendenaffäre ebenso überstanden wie ein Attentat. Gerade ist der Finanzminister, mitten im Versuch, den Euro zu retten, 70 Jahre alt geworden und Hans Peter Schütz hat eine lesenswerte Biografie über Schäuble vorgelegt. Aus diesem Anlass: eine Sammlung prägnanter Zitate von Wolfgang Schäuble.

«Helmut Kohl weiß, dass ich ihn niemals bescheiße.»
So umschrieb Schäuble gerne seine Loyalität zum Kanzler. Umgekehrt war das nicht so: Kohl ließ Schäuble in der Parteispendenaffäre eiskalt ins offene Messer laufen.

«Für mich ist das ein Unglücksfall. (…) Gefühle wie Rache habe ich überhaupt nicht.»
Über das Attentat am 12. Oktober 1990. Als der Attentäter Dieter Kaufmann ihn Mitte der 1990er Jahre in einem Brief um Vergebung bat, reagierte Schäuble darauf allerdings nicht.

«Herr Offer, reden Sie nicht.»
Mit diesem Satz kanzelte Schäuble im November 2010 seinen Pressesprecher ab, als der bei einem Termin für Journalisten nicht alle Materialien parat hatte. Das Video davon wurde zum YouTube-Hit. Der bloßgestellte Offer bat wenig später um Versetzung.

«Ich muss ein paar Muslime kennen lernen.»
Mit diesem Satz bei einem Abendessen begann die Idee zur Islamkonferenz, die Schäuble als Innenminister wenig später ins Leben rief.

«Ich bin gut zu mir selbst und hart gegen die anderen.»

«Ich wollte nicht unbedingt Kanzler werden. Ich hätte es gemacht. Ich war hin- und hergerissen: Ich kannte ja die Anforderungen. Die beste Beschreibung meiner Gedanken ist: ‹Führe mich nicht in Versuchung.› Ich musste mich nie entscheiden. Wenn ich vor der Chance gestanden hätte, hätte ich es gemacht. Und wäre wahrscheinlich nie glücklich darüber geworden.»
Wolfgang Schäuble zu seinen Ambitionen auf das Amt des Bundeskanzlers.

«Er war eine wichtige Beziehung für mich. Für ihn war ich das nicht.»
Wolfgang Schäuble über Helmut Kohl.

«Ich glaube, in den 40 Jahren, in denen wir geteilt waren, hätten die allermeisten von uns die Frage, wo denn Parlament und Regierung sitzen werden, wenn wir die Wiedervereinigung haben, nicht verstanden und gesagt: selbstverständlich in Berlin.»
Zentraler Satz der Rede von Wolfgang Schäuble am 20. Juni 1991, die den Ausschlag dafür gab, dass der Bundestag für Berlin als neue Hauptstadt stimmte.

«Anderes hat mich schlimmer verletzt.»
So reagierte Schäuble, als er 2004 überraschend doch nicht als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten nominiert wurde, sondern stattdessen Horst Köhler zum Zuge kam.

«Ich denke, alle Menschen sind behindert. Wir Behinderte haben den Vorteil, dass wir es wissen.»

Der Realitäts-Check für Ralf Rangnick

August 10, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · Comment 
Ganz hinten am Horizont ist Ralf Rangnick. Und vielleicht irgendwann einmal der Profifußball für Leipzig.

Ganz hinten am Horizont ist Ralf Rangnick. Und vielleicht irgendwann einmal der Profifußball für Leipzig.

Willkommen im Leben. So könnte man den gestrigen Abend wohl für Ralf Rangnick umschreiben. Der 54-Jährige hat in seiner Karriere sicherlich schon genug erlebt, um zu wissen, wie Fußballfans ticken. Bei Stationen in Ulm und Hoffenheim hat er auch die nötigen Erfahrungen bei Clubs gesammelt, die ein ganzes Stück weg sind vom ganz großen Fußballgeschäft. Doch die Podiumsdiskussion der Leipziger Volkszeitung zum Fußball in der sächsischen Messestadt dürfte ihm endgültig klar gemacht haben, wo er nun gelandet ist.

Als Rangnick vor knapp fünf Wochen als neuer Sportdirektor von RB Leipzig vorgestellt wurde, da war da zumindest ein bisschen Flair von Erstklassigkeit. Die Pressekonferenz fand im WM-tauglichen Leipziger Stadion statt, mehrere Kamerateams waren vor Ort, Rangnick sprach vom FC Barcelona und der Champions League.

Nun sitzt er im obersten Stock des Verlagsgebäudes der LVZ und darf erfahren, welche Probleme die Leipziger Fußballwelt wirklich prägen. Jugendarbeit, die Eintrittspreise beim Stadionfest, persönliche Gespräche am Zaun hinter dem Trainingsplatz nach einem Testspiel gegen den FC Grün-Weiß Piesteritz. Und vor allem: Die Eifersüchteleien der maßgebenden Clubs in der Stadt, die sich in den vergangenen 20 Jahren gerne selbst im Weg gestanden haben. Als Ergebnis dieser Selbstzerfleischung ist RB Leipzig mittlerweile das sportliche Aushängeschild in der Stadt des ersten deutschen Fußballmeisters, als Viertligist. Der nach Insolvenz neu gegründete 1. FC Lok hat sich mittlerweile ebenfalls bis in die Regionalliga hochgesiegt. Die BSG Chemie Leipzig spielt noch einmal zwei Klassen tiefer in der Sachsenliga.

Das ist natürlich deutlich zu wenig für die Ansprüche einer Stadt, die sich mal eben die Ausrichtung der Olympischen Spiele zutraut. Die Leipziger Nachwende-Fußballgeschichte ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen – vor allem Pleiten. „An den finanziellen Mitteln in der Stadt hat es nie gemangelt. Aber es wurde viel Geld in die Pleiße geworfen“, stellt René Müller auf dem Podium richtig fest, der als Torhüter bei Lok einst noch die glorreichen Zeiten des Leipziger Fußballs mitgeprägt hat. Auch das mit viel Red-Bull-Finanzkraft ausgerüstete RB Leipzig scheint sich bereits in diese Tradition einzureihen. Zweimal in Folge wurde zuletzt der fest eingeplante Aufstieg in die dritte Liga verpasst.

Beinahe die Verkörperung der Enttäuschtheit der Leipziger Fußballfans (egal welcher Couleur) scheint Moderator Winfried Wächter zu sein. Der  Sportchef der LVZ führt sehr unterhaltsam durch den Abend, und sein Hang zum Zynismus ist der Lage der Dinge durchaus angemessen. Denn man darf nicht vergessen: Hätte Lok nicht mit Ach und Krach den Aufstieg geschafft und RB nicht Rangnick als Hoffnungsträger verpflichtet, dann hätte diese Diskussion durchaus den Titel „Krisengipfel“ verdient. Wieder einmal.

Der verpasste Aufstieg der Roten Bullen lag nach Ansicht von René Müller in erster Linie daran, dass Trainer und Mannschaft die vierte Liga nicht gut genug kannten. Klaus Reichenbach, Präsident des Sächsischen Fußball-Verbands, hat RB Leipzig zu oft „blauäugig und bei Rückständen verkrampft“ erlebt. Und Hubert Wolf, Präsident des in der Nachbarschaft spielenden ZFC Meuselwitz, möchte zumindest nicht persönlich schuld sein: Neben der Heimschlappe von RB Leipzig gegen Meuselwitz habe es auch noch weitere unnötige Punktverluste gegeben, betont er schmunzelnd.

Ansonsten wird der Blick an diesem Abend aber in die Zukunft gerichtet. Und da ist an ambitionierten Plänen selbstredend kein Mangel. Michael Notzon, Präsident des vor einigen Jahren noch zwölftklassigen 1. FC Lok Leipzig, macht klar: „In unserer Vorstellung ist unser Weg noch nicht beendet. Wir wollen nicht hundert Jahre in der vierten Liga spielen. Das Ziel ist der bezahlte Fußball, und der fängt bekanntlich in der dritten Liga an.“

Reichenbach hat nach eigenem Bekunden „volles Vertrauen in RB. Ganz Sachsen kann davon profitieren.“ Vor allem im Jugendbereich hofft er darauf, dass ein höherklassiger Verein mit hochprofessioneller Infrastruktur der ganzen Region einen neuen Schub gibt. Profifußball müsste in seinen Augen in Leipzig selbstverständlich sein: „Diese Stadt verträgt locker einen Erst- und einen Zweitligisten.“ Auch Müller geht davon aus, dass sich RB über kurz oder lang als Zugpferd erweisen wird, und dass auch die anderen Clubs der Stadt davon beflügelt werden. „Im Windschatten von RB kann Lok sehr gut segeln“, lautet seine Empfehlung.

Davon will man beim Traditionsverein freilich nichts wissen, und auch bei den Fans sind die Gräben spürbar, an denen jahrzehntelang geschaufelt wurde. Wenn auf dem Podium die Engstirnigkeit der Verantwortlichen beklagt wird, die Unfähigkeit, die Vereinsbrille auch nur einen Moment lang abzusetzen, oder auch mal die „Dummheit“ der Fans, die nur das Wohl ihres eigenen Vereins sehen, dann rumort es im Publikum. Egal, wie sehr sich die meisten der Herren auf dem Podium die Kooperation wünschen – im Publikum ist weiterhin Konfrontation angesagt.

Bedenkt man, wie tief die Feindschaft zwischen Lok und Chemie verwurzelt ist, und wie hoch die Wellen schlugen, als dann auch noch Emporkömmling RB hinzu kam, dann ist die Stimmung allerdings erstaunlich gelassen. Es wird zwar schnell grundsätzlich, wenn etwa René Müller den Fans aus Aue unterstellt, sie hätten kein Geschichtsverständnis (ähnlich wie heute RB Leipzig war einst Wismut Aue ein äußerst finanzstarker Club, trotzdem haben die Fans aus dem Erzgebirge unlängst ein Testspiel gegen RB Leipzig mit ihren Protesten verhindert). Reichenbach muss sich von einem Besucher ein zweifelhaftes Demokratieverständnis vorwerfen lassen, weil er es skandalös findet, dass Lok Leipzig im Jugendbereich nicht mit RB kooperieren will, die Mitglieder des Vereins aber nun einmal mehrheitlich so entschieden haben. Es wird aber – was keineswegs selbstverständlich ist – nicht gepöbelt und nicht geschrien.

Das mag zum Teil daran liegen, dass alle davon ausgehen, dass RB über kurz oder lang der Leipziger Konkurrenz enteilt und die dann wieder genüsslich in ihrem eigenen Saft schmoren kann. Es ist aber vor allem einem nach 14 Jahren ohne Proficlub kaum mehr zu bändigenden Lokalpatriotismus geschuldet. Immer wieder manifestiert sich unter dem Dach des LVZ-Gebäudes der Wunsch der Leipziger, endlich mal wieder einen Verein aus ihrer Stadt in der Sportschau zu sehen – zur Not auch den mit den falschen Farben.

Womöglich hat die lange Durststrecke tatsächlich so etwas wie Toleranz geschaffen, als ein Boden, auf dem alle drei großen Clubs der Stadt gedeihen können. Ein Zwischenruf aus dem Publikum („Grün-weiße Sitzkissen und rot-weißer Schal“) deutet darauf hin, dass man zugleich Chemie und RB die Daumen drücken kann. Und auch Meuselwitz-Boss Wolf, der aus ein paar Kilometern Distanz offensichtlich einen guten Gesamtblick auf das Geschehen hat, weist darauf hin, dass durchaus Platz für alle ist, weil auch die Zielgruppen unterschiedlich sind. „RB praktiziert Familien- und Unterhaltungsfußball, Lok und Chemie machen Fanfußball“, lautet seine Diagnose.

Und Rangnick? Der dürfte sich ein bisschen gewundert haben über so viel provinzielles Gezänk. Gewohnt eloquent propagiert er aber die friedliche Kosexistenz, und macht dabei genau das Richtige: Er nimmt die Lage so hin, wie sie ist und versucht, sich beliebt zu machen bei den Leipzigern. Der RB-Sportdirektor betont seine lange Verbindung zu Sachsen (schon als 13-Jähriger war er in Aue im Stadion bei einem Spiel gegen Zwickau), gibt sich bescheiden („Wir müssen erst beweisen, dass wir in der Lage sind, den Vorsprung einzuholen, den andere Vereine in der Region noch haben“, sagt er mit Blick auf Dresden, Aue oder Erfurt). Er preist die Vorzüge der Stadt, die auch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz überzeugt hätten, der in Leipzig erst ein „Probesitzen“ an mehreren Orten in der Stadt gemacht habe, bevor er sein Okay für die Investition bei RB Leipzig gab. Und er hofft wohl, dass sich der Wettstreit möglichst schnell wieder auf den grünen Rasen verlagern wird. Da wird sich schließlich entscheiden, ob die Leipziger Fußballmisere demnächst ein Ende finden wird. Wie steinig der Weg sein wird, macht Rangnick wie schon bei seinem Amtsantritt auch an diesem Abend noch einmal klar: „Der erste Aufstieg wird der schwierigste, weil wir selbst als Meister noch in die Relegationsspiele müssten. Die werden noch einmal genauso schwer wie die 30 Spiele davor.“

Hier gibt es den Beitrag der LVZ über die Diskussion, mit einem Video.

Das Herz von Olympia war mal Stinky Stratford

Juli 27, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · Comment 
Olympia soll die Lebensqualität in Stratford nachhaltig steigern. Foto: Locog

Olympia soll die Lebensqualität in Stratford nachhaltig steigern. Foto: Locog

«In dieser Betonwüste könnte man sich leicht verlaufen / ständig entstehen neue Häuser, wie aus dem Nichts / und wenn du einmal an einer Kreuzung falsch abbiegst / landest du in einer Gegend, in die sonst lieber niemand geht.»

So schildert Ben Drew, besser bekannt als Plan B., in seiner aktuellen Single Ill Manors seine Heimat. Schon auf seinem Debütalbum im Jahr 2006, Who Needs Actions When You’ve Got Words, hatte der Musiker mit einer Mischung aus Stolz und Wut die Geschichten von Gewalt, Drogen und Arbeitslosigkeit aus seinem Viertel erzählt. Die Rede ist von Stratford im Osten Londons, und die Texte von Plan B. lassen keinen Zweifel daran, dass es keine allzu angenehme Gegend ist.

Stratford gilt quasi traditionell als einer der Slums von London. Die Gegend im Herzen des East Ends war schon im Mittelalter arm und wurde vom Niedergang der britischen Industrie dann noch einmal besonders hart getroffen. Viele der Betriebe, die sich entlang des Flusses Lea angesiedelt hatten, mussten dicht machen, und weil sie meist mit unangenehmen Chemikalien zu tun hatten, hinterließen sie nichts als reichlich verseuchtes Erdreich und den Spitznamen “Stinky Stratford”. Der Stadtteil gehört zu Newham, dem zweitärmsten Bezirk in ganz England, der zugleich der jüngste ist und der mit dem höchsten Einwandereranteil.

Doch es gibt Hoffnung für Stratford: Olympia. Der Stadtteil ist die Zentrale von London 2012. Das Olympiastadion steht hier, das Velodrom, die Schwimmhalle, das Olympische Dorf. Ein großer Teil der 11,1 Milliarden Euro im Budget des Organisationskomitees wurde eingesetzt, um Stratford ansehnlich zu machen. Wenn ab morgen Millionen von Touristen zu den Wettkämpfen kommen, dann soll am Ende auch Stratford zu den Siegern gehören. Vom 29. August bis 9. September ist dann noch einmal Hochbetrieb angesagt, wenn die Paralympics über die Bühne gehen werden.

Danach sollen die Sportstätten der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, der Olympiapark (die größte neugeschaffene Parkanlage in Europa seit mehr als 150 Jahren) soll für mehr Lebensqualität sorgen und die Quartiere im Olympischen Dorf werden als Eigentumswohnungen verkauft. Schon jetzt steigen die Immobilienpreise in der Gegend, Stratford zieht nach und nach wohlhabendere Einwohner an.

«Stratford ist deutlich attraktiver geworden. Früher gab es hier eigentlich nur ein paar historische Gebäude und den Markt», erzählt Janet Dooner, Inhaberin der Railway Tavern. Der Pub, benannt nach dem Bahnhof direkt gegenüber und pünktlich zum Beginn der Spiele um weitere Gästezimmer erweitert, ist selbst ein historisches Gebäude. In den Gesprächen am Tresen gab es in den vergangenen Monaten bei weitem nicht nur Begeisterung über die Ankunft der fünf großen Ringe in Stratford. «Natürlich haben die Bauarbeiten für einigen Ärger gesorgt. Einige Teile von Stratford sind jetzt gar nicht mehr wiederzuerkennen. Aber ich persönlich denke, dass all das letztlich gut ist», sagt Dooner. «Ich freue mich jedenfalls darauf, wenn ich während der Spiele Gäste aus der ganzen Welt begrüßen kann.»

Das treffendste Symbol für die Aufbruchstimmung ist der 115 Meter hohe ArcelorMittal Orbit (oder «die Wasserpfeife», wie die Einheimischen den Turm neben dem Olympiastadion nennen). Der Entwurf von Künstler Anish Kapoor sieht aus, als würde sich eine Achterbahn der Sonne entgegenstrecken. Nimmt man den Aufzug nach oben, dann bietet sich von zwei Aussichtsplattformen eine spektakuläre Sicht auf das Olympiagelände und die Londoner Skyline. «Wir wollen damit ein echtes Spektakel bieten, das man immer mit London verbinden wird – auch lange, nachdem die Spiele vorbei sind», sagte Londons Bürgermeister Boris Johnson zur Eröffnung.

Doch die Frage, wie nachhaltig die Investitionen sind, wird nicht nur in Stratford heiß diskutiert. Obwohl Milliarden in die Infrastruktur gesteckt wurden, mussten kleine Sozialeinrichtungen in Stratford schließen. Die Arbeitslosigkeit ist seit der Olympia-Bewerbung weiter gestiegen, sogar stärker als anderswo in London.

Zwiespältig wird in einer derart finanzschwachen Gegend deshalb auch die Sehenswürdigkeit gesehen, die quasi jeder Olympia-Tourist in den kommenden Wochen erleben wird: Das Westfield Stratford City ist der Eingang zum Olympiagelände – und das größte Einkaufszentrum Europas. Auf 175.000 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es zwischen viel Stahl und Glas mehr als 300 Läden von Adidas und Apple bis WH Smith und Zara, dazu Restaurants, Kino, Kasino und die größte McDonald’s-Filiale der Welt. Zudem ist das Westfield Stratford City womöglich der einzige Ort der Welt, an dem Konsumwahn gut für die Umwelt wird: Der High-Tech-Boden ist so gebaut, dass die Fußschritte der Kunden in Energie umgewandelt werden.

Wer in Stratford bloß einkaufen oder sich amüsieren will, ist dankbar für die neuen Angebote. Doch die mächtige, moderne Konkurrenz hat schon etliche alteingesessene Händler in den Ruin getrieben. Auch den Kneipen machen die neuen Entertainment-Möglichkeiten zu schaffen: Allein im vergangenen Jahr schlossen in London 200 Pubs. Auch Musiker Plan B. glaubt wohl nicht so recht daran, dass der Glanz der Spiele langfristig auf Stratford abstrahlen wird. In Ill Manors singt er nämlich: «Wir haben eine umweltfreundliche Regierung / sie achtet darauf, dass unser natürlicher Lebensraum erhalten bleibt / sie hat ein ganzes Olympisches Dorf dorthin gebaut, wo wir wohnen / ohne eine einzige Wohnung abzureißen.»

Diesen Artikel gibt es mit einer Fotostrecke zum neuen Stratford auch bei news.de.

Ralf Rangnick und der Masterplan für RB Leipzig

Juli 4, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · 1 Comment 

Wenn es nach Ralf Rangnick geht, dann sollte man sich das heutige Datum sehr genau merken. Genauer gesagt: sogar die exakte Uhrzeit. „Um 13 Uhr beginnt hier eine neue Zeitrechnung“, kündigt der Sportdirektor von RB Leipzig bei seiner ersten Pressekonferenz an.

Er hat mit Alexander Zorniger (bisher Sonnenhof Großaspach) einen neuen Trainer für den Viertligisten mitgebracht, und als Überraschung mit Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger auch noch einen sehr prominenten Athletiktrainer. Und er hat Großes vor in Leipzig. „Red Bull verleiht Flügel – das soll auch für unsere Spielweise gelten. Wir wollen Jugendlichkeit, Dynamik und Abenteuerlust ausstrahlen“, kündigt er an. Das 45.000 Fans fassende Red Bull Arena, in der letzten Saison bei Punktspielen im Schnitt von gut 7000 Zuschauern besucht, könne man „regelmäßig vollkriegen“, glaubt er. Und der neue Coach legt die Messlatte an seine Arbeit ebenfalls gleich am ersten Arbeitstag so hoch wie möglich: „Unser Anspruch muss sein, dass wir in diesem Jahr aufsteigen“, sagt der 44-jährige Zorniger.

Das sind Worte, die man gerne hört in Leipzig. Die Stadt, in der jahrzehntelang das größte Stadion Deutschlands stand, in der einst der DFB gegründet wurde und die den ersten deutschen Fußballmeister stellte, lechzt seit Jahren nach hochklassigem Fußball. Als sich Red Bull vor drei Jahren beim damals fünftklassigen Vorort-Club SSV Markranstädt eingekauft hat und den Verein in RasenBallsport Leipzig umbenannte, schien man diesem Ziel so nahe wie schon lange nicht mehr. Doch entscheidend voran ging es seither nicht.

Mit der Finanzkraft des Energy-Drink-Riesen im Rücken holte man Ex-Nationalspieler wie Ingo Hertzsch oder Pekka Lagerblom nach Leipzig und baute für 30 Millionen Euro ein hochmodernes Trainingsgelände. Leipzigs aktuell erfolgreichster Fußballclub spielt trotzdem nach wie vor bloß in der vierten Liga, in der neuen Saison wieder gemeinsam mit dem Lokalrivalen Lok, der sich aus der Oberliga nach oben gekämpft hat.

Kontinuität ist kein Selbstzweck

Das große Versprechen vom Bundesliga-Fußball wird bis auf Weiteres unerfüllt bleiben, und entsprechend skeptisch bis ungeduldig sind Fans und Öffentlichkeit geworden. Zorniger ist in drei Jahren schon der dritte Trainer, der sich bei RB Leipzig am Aufstieg in die dritte Liga versucht. Clubchef Florian Müller will aber nichts davon wissen, dass der Trainerstuhl ein Schleudersitz ist: „Kontinuität stellt keinen Wert an sich dar, sondern erst im Zusammenhang mit Erfolg“, stellt er klar.

Die neuen Verantwortlichen im sportlichen Bereich finden ebenfalls deutliche Worte für die Enttäuschungen der beiden letzten Spielzeiten. „Wenn die Vergangenheit gut gewesen wäre, wären wir alle nicht hier. Man hat mit dem Etat eines richtig guten Zweitligisten zweimal in Folge nicht den Aufstieg von der vierten in die dritte Liga geschafft“, sagt Rangnick. Zorniger möchte nicht über die Arbeit seines Vorgängers Peter Pacult urteilen, sagt aber doch: „Irgendetwas kann nicht gestimmt haben, sonst wären wir mit dem Team in der dritten Liga. Die letzten zwei, drei, vier Prozent haben vielleicht gefehlt.“ Damit das nicht mehr passiert, soll eventuell ein Sportpsychologe eingestellt werden.

Auch sonst wird fleißig umgebaut, wieder einmal. Der derzeit etwa 30 Spieler umfassende Kader soll auf etwa 24 Kicker reduziert werden. Das Durchschnittsalter von aktuell 28,5 Jahren soll deutlich sinken. „Wir wollen Spieler, für die es der nächste logische Karriereschritt ist, bei uns zu spielen, die erfolgshungrig sind und sich entwickeln wollen“, erläutert Rangnick das Anforderungsprofil. Neben Lobinger als neuem Mitglied des Trainerteams wird es auch alle 6 bis 8 Wochen Workshops mit den Verantwortlichen der anderen Red-Bull-Teams geben.

Zorniger kann auch hemdsärmelig

„Alle, die gut sind, motiviert sind, und bereit sind, die Reise mitzumachen, sind willkommen“, umschreibt Rangnick die Formel für das Großreinemachen. Auch sonst ist er versucht, gute Stimmung, Optimismus und Professionalität zu verbreiten. Wenn er vom „brutal schnellen Umschaltspiel“ spricht, das die EM-Spiele prägte, oder Zorniger seine Spielphilosophie kurz als „4-4-2 mit aggressiver Balleroberung“ und Grundwerten wie „Leidenschaft, Respekt, Miteinander“ umschreibt, dann kann man fast gar nicht anders, als an den Siegeszug von RB Leipzig glauben, der tatsächlich genau in diesem Moment beginnt.

Rangnick ist einer, der womöglich mit Stolz den ursprünglich hämisch gemeinten Spitznamen des „Fußball-Professors“ trägt. Zorniger, der den Job in Leipzig als „Riesen-Möglichkeit“ bezeichnet, machte neben Erfolgen mit seinem Viertliga-Team Sonnenhof Großaspach schon als ambitionierter Co-Trainer beim VfB Stuttgart und zuletzt als Jahrgangsbester des Lehrgangs für DFB-Fußballlehrer auf sich aufmerksam. Der Raum für die Pressekonferenz in Leipzig ist luxuriöser als der beim FC Bayern, und die leeren Stadionränge sind definitiv ebenfalls bereit für etwas deutlich Größeres.

Das Problem ist nur: RB Leipzig hat in den vergangenen Jahren den besten Beweis dafür angetreten, dass sich der Erfolg im Fußball nicht planen und auch nicht kaufen lässt. Dass nun zwei Männer an der Spitze stehen, deren Konzeption wie am Reißbrett entworfen wirkt, könnte da durchaus stutzig machen. An Fachkompetenz im Umfeld hat es bei den Roten Bullen auch in den vergangenen Jahren nicht gemangelt, sondern eher an Herzblut, Killerinstinkt und dem letzten Fünkchen Professionalität auf dem grünen Rasen.

Die Hoffnung, dass diesmal alles besser wird, gründet sich auf den neuen Coach, der bei seiner Antrittspressekonferenz zumindest andeutet, dass er bei aller Expertise auch hemdsärmelig sein kann. „Im Fußball darf man nicht lange rumreden, sondern muss zugreifen. Zugreifen und anpacken“, sagt er. Und als die Frage auftaucht, ob ihm Rangnick nicht allzu sehr ins Handwerk pfuschen könnte, stellt er klar, dass er darin kein Problem sieht. Er wäre „ein Volltrottel“, wenn er den Rat eines solchen Mannes in den Wind schlagen würde.

Noch mehr gründet das Fundament des neuen Zeitalters in Leipzig aber auf etwas anderem: Hoffenheim. Dort trat Rangnick im Juli 2006 seinen Dienst an. Damals war Hoffenheim Drittligist, ein Dorfklub mit viel Geld, wenig Infrastruktur und ohne Image. Zweieinhalb Jahre später zwang die Mannschaft im Bundesliga-Spitzenspiel beinahe den FC Bayern in die Knie. „Ich war damals im Urlaub auf Mauritius, und nach diesem Spiel kannte jeder dort Hoffenheim“, erinnert sich Rangnick. Genau davon träumt man auch in Sachsen, und genau deshalb hat ihn Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wohl geholt. Rangnick ist der einzige Fußball-Fachmann in Deutschland, der das geschafft hat, woran man in Leipzig bisher scheiterte: das erfolgreiche Umsetzen eines Masterplans bis zur Bundesliga.

Rangnick strotzt vor Tatendrang

Rangnick will den Club genau wie damals „als lernendes System“ begreifen. Aus seiner Tätigkeit in Hoffenheim zieht er auch die Zuversicht, in seiner neuen Funktion als Sportdirektor erfolgreich arbeiten zu können. Er sei zwar bis zum Anruf von Mateschitz vor zwei Wochen fest davon ausgegangen, nach seiner Burnout-Erkrankung als Trainer wieder ins Fußballgeschäft einzusteigen. Trotzdem traut er sich das neue Aufgabengebiet ohne Einschränkung zu: „Ich hatte auch in Hoffenheim mit vielem zu tun, was nicht den Trainerjob betraf.“

Nach der Pause scheint Rangnick vor Tatendrang zu strotzen. Nach ein paar Tagen im Dienst hat er bereits Red Bull Salzburg und RB Leipzig auf den Kopf gestellt. Die Trainerposten sind besetzt, etliche Transfers und andere Personalien werden folgen. „Die Zeit bis Ende August wird für mich ein Crash-Test“, gibt der 54-Jährige zu. „Es gilt, die wichtigsten Positionen zügig zu besetzen.“ Dass er sich mit zwei Jobs womöglich übernimmt und seine Gesundheit aufs Spiel setzt, glaubt er nicht. „Das hier ist eine einmalige Konstellation, die sehr gut zu meiner Situation passt“, sagt er. Weil er sich um Salzburg und Leipzig kümmern müsse, laufe er nicht Gefahr, sich zu sehr in eine Aufgabe zu verbeißen.

Eine ganz kleine Hintertür hält er sich dann aber doch offen. „Hoffenheim war damals in der dritten Liga. Hier müssen wir in der vierten Liga anfangen. Dafür haben wir eine ganz andere Infrastruktur, ganz andere Startvoraussetzungen. Andererseits muss man auch sehen: Durch die Playoff-Spiele ist der Aufstieg noch schwerer geworden.“

Der einzige Deutsche am Moulin Rouge

Juni 30, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · Comment 
Seit 1889 steht das Moulin Rouge am Place Pigalle und ist zum Tempel des Cabaret geworden. Foto: Atout France/Moulin Rouge

Seit 1889 steht das Moulin Rouge am Place Pigalle und ist zum Tempel des Cabaret geworden. Foto: Atout France/Moulin Rouge

Schweiß, Lärm, Hektik: All das umgibt Jasper Hanebuth, wenn er im Dienst ist, zweimal pro Abend, sechsmal pro Woche. Nichts Besonderes, könnte man meinen. Das trifft schließlich auch auf Kfz-Mechaniker oder Köche zu. Am Arbeitsplatz von Jasper Hanebuth kommen aber noch ein paar sehr ungewöhnliche Utensilien dazu: Federn, Perlenketten und vor allem: Brüste, Brüste, Brüste.

Der 30-Jährige arbeitet seit Mai als Tänzer am Moulin Rouge. 100 Künstler gehören zum Ensemble des mythisch verehrten Cabarets in Paris, aber Hanebuth ist der einzige Deutsche, der es ins feste Team geschafft hat. Vor fünf Jahren war er Zuschauer in einer Show, sah den legendären Cancan, die Farbenpracht der Kostüme, die Begeisterung im Saal. Danach wollte er unbedingt Teil dieses Spektakels werden. «Das Moulin Rouge ist das bekannteste Cabaret der Welt, deshalb wollte ich da hin. Außerdem ist es für Tänzer ein gut bezahltes Engagement. Es hat einen guten Stellenwert in der Tänzerszene und macht sich gut auf dem Lebenslauf», sagt Hanebuth.

Zum Tanzen kam er als Zehnjähriger, als seine Mutter ihn zum Tanzunterricht anmeldete, und er davon zunächst wenig begeistert war. Doch schnell entdeckte er auch selbst sein Talent, kurz vor dem Abitur entschied er, sich ganz dem Tanzen zu widmen. In Hamburg und London machte er eine Tanz-, Gesangs- und Schauspielausbildung. Die ersten Engagements hatte er in Tokio, dann war er viel auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. «So konnte ich die Welt sehen und gleichzeitig mit Tanzen Geld verdienen», erzählt er.

Der Weg auf die Bühne am berüchtigten Place Pigalle war trotz dieser Erfahrung alles andere als einfach: Janet Pharaoh, die Chefin des Balletts am Moulin Rouge, veranstaltet mehrmals pro Jahr Castings in Paris, London, Australien und Skandinavien und begutachtet jedes Mal bis zu 150 Tänzer. Pro Jahr bekommen weniger als 10 von ihnen tatsächlich ein Engagement. Bei Hanebuth klappte es im zweiten Versuch.

Ein hartes Regime herrscht aber nicht nur bei der Auswahl der Bewerber. Der einzige Deutsche am Moulin Rouge, der aus dem hannoverschen Vorort Langenhagen kommt, trainiert fünfmal pro Woche im Fitness-Studio, jeweils zwischen 90 und 120 Minuten. Anderthalb Stunden vor Beginn der Show kommt er am Moulin Rouge an, um sich schminken und gründlich aufwärmen zu können.

Wenn er eine neue Frisur haben will, muss er das von seinem Arbeitgeber genehmigen lassen. Sein Gewicht darf sich höchstens zwei Kilogramm nach oben oder unten verändern, schreibt der Vertrag vor. Und bei einer Verletzung heißt es meistens: auf die Zähne beißen. «Wenn man sich nicht gerade das Bein bricht, etwas ausrenkt, verstaucht oder zerrt, macht man seine Arbeit ganz normal weiter und tanzt durch den Schmerz», erzählt Hanebuth.

Trotzdem fühlt er sich rundum wohl am Moulin Rouge. «Generell herrscht eine sehr positive, fröhliche Atmosphäre», schwärmt er. Oft würden die Künstler nach der Show noch etwas gemeinsam unternehmen. «Konkurrenzkampf herrscht bei uns überhaupt nicht! Viele wollen das nicht glauben, und stellen sich vor, dass es im Cabaret so zugeht wie im Film Showgirls. Aber das ist weit entfernt vom echten Leben im Moulin Rouge.»

Und wie fühlt es sich nun an, wenn man inmitten der 60 barbusigen Doriss Girls arbeiten soll, den schönsten Mädchen von ganz Paris? «Daran gewöhnt man sich schnell. Wenn man zum ersten Mal so einen Job macht, dann ist es etwas ungewohnt. Aber schnell denkt man überhaupt nicht mehr dran und es fällt einem überhaupt nicht mehr auf, welches Mädchen bedeckt ist und welches seine Brüste zeigt», sagt Hanebuth. «Außerdem ist es ein Job. In jedem Job sollte man professionell sein und sich nicht von Arbeitsbekleidung ablenken lassen.»

Dass man sein neustes Engagement in der Heimat womöglich skeptisch beäugen könnte, stört den Tänzer nicht. «Natürlich ist Cabaret eine andere Art von Tanz als klassisches Ballett, aber körperlich ist es genauso hart – und es zieht Publikum aus der ganzen Welt an, was nicht jedes Ballettstück schafft», betont er. In der Tat könnte die Begeiserung der Zuschauer kaum größer sein. Die aktuelle Show «Féerie» läuft bereits seit 1999, trotzdem ist das Moulin Rouge noch immer zu 98 Prozent ausgelastet. Sechs Millionen Zuschauer kommen pro Jahr. Die Hälfte der Zuschauer kommt aus Frankreich, etwas mehr als zwei Prozent sind Deutsche. Und immer wieder sind auch Promis zu Gast. Seit Jasper Hanebuth dort tanzt, haben beispielsweise schon Fergie von den Black Eyed Peas, Penelope Cruz, Susan Sarandon, Michelle Pfeiffer, Lionel Messi und Maria Sharapova das Moulin Rouge besucht.

An das Leben in Paris («Es ist eine schöne Stadt, aber im Vergleich zu Deutschland auch sehr chaotisch und unorganisiert.») könnte sich der gebürtige Niedersachse gewöhnen. Und auch ans Karriereende denkt er noch längst nicht, obwohl er als 30-Jähriger schon zu den älteren Tänzern zählt. Wie lange man körperlich durchhält, «kommt auch immer auf einen selber an. Es gibt Tänzer, die so einen Job nur für ein paar Jahre machen, wenn sie jung sind, aber auch Tänzer, die noch mit 40 auf der Bühne stehen.»

Diesen Artikel gibt es mit einer Fotostrecke zum Moulin Rouge auch bei news.de.

Die Gewinner und Verlierer der EM-Vorrunde

Juni 20, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · Comment 
Mario Gomez. Nicht mehr im Bild: Gurken. Foto: obs/HUGO BOSS Fragrances

Mario Gomez. Nicht mehr im Bild: Gurken. Foto: obs/HUGO BOSS Fragrances

Auf dem Weg zum Titel ist Halbzeit bei der EM. Wer hat in der Vorrunde enttäuscht, wer trumpfte groß auf? Ich zeige die besten Spieler, die schwächsten Teams und die wichtigsten Trends.

Gewinner 1: Deutschland

Alle Qualifikationsspiele gewonnen, alle Vorrundenspiele gewonnen – die DFB-Elf ist auf dem Papier so gut wie noch nie. Als einziges Team der EM hat Deutschland neun Punkte in der Vorrunde geholt. Auch die neue Spielweise, die weniger von Hurra-Stil und mehr von Effektivität geprägt ist, dürfte den Konkurrenten klar machen: Diesmal soll der Titel her!

Gewinner 2: Die Routiniers

Der Schwede Olof Mellberg, der schon seine vierte EM spielt, glänzte als Torschütze, der 35-jährige Andrej Schewtschenko sicherte sich in seinem Heimatland endgültig den Status als Fußballgott. Auch sonst wussten die Oldies bei der Europameisterschaft zu überzeugen. Shay Given (36) war im irischen Tor zuverlässig wie immer, Steven Gerrard (32) zog im englischen Mittelfeld gekonnt die Fäden und glänzte im letzten Spiel auch noch als Vorbereiter des entscheidenden Tors, der Russe Andrey Arshavin (31) erlebte in Polen und der Ukraine seinen zweiten Frühling. Auch Spaniens Mittelfeldstratege Xavi (32) bewies, dass man mit Ü30 noch Top-Leistungen bringen kann. Der vielleicht beste der Alten Herren bisher: Andrea Pirlo (33), der schon in der Serie A eine extrem starke Saison gespielt hat und nun an diese Leistungen anknüpft. In jedem Fall haben die Altstars bisher für mehr Furore gesorgt als die Talente. Denn ein Shootingstar bei der EM ist bisher nicht in Sicht.

Gewinner 3: Der Chip im Ball

Bis auf die überzogenen Vorwürfe aus Kroatien gegen Wolfgang Stark nach dem 0:1 gegen Spanien und die schwache Leistung von Carlos Velsaco Carballo im Eröffnungsspiel gab es nichts zu meckern: Die Referees leisteten sich nicht nur keine größeren Fehlentscheidungen, sondern strahlten auch fast immer Souveränität und Ruhe aus. Dass es in 24 Partien bisher erst eine Rote Karte gab (2008 waren es zu diesem Zeitpunkt schon drei), spricht ebenfalls für Schiedsrichter, die das Geschehen im Griff haben. So kann es weitergehen, hätte man meinen können, wäre da nicht das Detail, dass der Ukraine im letzten Spiel ein klarer Treffer nicht anerkannt wurde, weil der Torrichter nicht sah, dass der Ball hinter der Linie war. Wenn man die Schiri-Teams schon auf fünf Mann pro Spiel aufbläht und extra einen Referee auf die Torlinie stellt, dann darf so etwas nicht passieren. Dieser Fehler überlagerte die vielen guten Schiedsrichter-Auftritte der Vorrunde und war der letzte Beweis: Der Chip im Ball ist die bessere Lösung.

Gewinner 4: Mehmet Scholl

Als ARD-Experte sorgte er mit seiner Kritik an Mario Gomez trotz dessen Siegtors im Spiel gegen Portugal für Wirbel. Scholl bewies nicht nur Größe, weil er sich danach nicht stur auf Gomez einschoss, sondern ihn nach dem starken Spiel gegen Holland lobte. Der Ex-Bayern-Profi hat auch sonst zumindest gelegentlich etwas Substanzielles zur Spielanalyse beizutragen – was man von seinem Kollegen Oliver Kahn im ZDF bei Gott nicht behaupten kann. Auch wenn Scholl nicht immer richtig liegt, hat er während der EM doch deutlich an Profil gewonnen.

Gewinner 5: Mario Gomez

Auch sein souveräner Umgang mit der Häme von Scholl hat zur bärenstarken EM-Vorrunde von Mario Gomez beigetragen. Der FC-Bayern-Star hat Deutschland gegen Portugal und Holland zum Sieg geschossen und gegen Dänemark die Führung vorbereitet. Egal, was jetzt noch im Turnier passiert: Das Image vom Gurken-Mario, das ihm nach der letzten EM anhaftete, hat der 26-Jährige nun auch in der Nationalmannschaft endgültig abgelegt.

Gewinner 6: Die Offensive

Wer befürchtet hatte, die Chelsea-Schule werde zur neuen Erfolgsstrategie im europäischen Fußball, sieht sich nach der EM-Vorrunde erfreulicherweise getäuscht. 60 Tore fielen in der Vorrunde, das waren drei mehr als beim letzten EM-Turnier zu diesem Zeitpunkt und im Schnitt 2,5 pro Spiel. Zudem gab es in Polen und der Ukraine bisher kein einziges 0:0. Das macht Lust auf mehr.

Gewinner 7: Sami Khedira

Bastian Schweinsteiger glänzte mit zwei Torvorlagen im Prestigeduell gegen Holland. Doch ansonsten reißt mittlerweile Sami Khedira die Chefrolle im Mittelfeld an sich. Der 25-Jährige von Real Madrid gibt den Takt vor, schließt Räume, erobert viele Bälle und taucht immer wieder gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf. Wie hoch diese Leistung einzuschätzen ist, wird vor allem klar, wenn man zur letzten EM zurückschaut. Da musste sich Khedira noch mit Konkurrenten wie Tim Borowski, Thomas Hitzlsperger oder Simon Rolfes um seine Position streiten – der beste Beweis dafür, was er mittlerweile für eine beeindruckende Entwicklung hingelegt hat.

Gewinner 8: Die Bundesliga

Nicht nur die starken Auftritte der DFB-Elf waren bisher Werbung für Fußball made in Germany. Unter den Top10 der Torjäger stehen mit Mario Gomez, Mario Mandzukic und Petr Jiracek drei Bundesligaspieler – Spanien und England sind jeweils nur zweimal vertreten. Unter den insgesamt 47 Bundesliga-Profis, die für die EM nominiert waren, haben sich beispielsweise auch Jakub Blaszczykowski (Dortmund) oder William Kvist (Stuttgart) international noch mehr ins Rampenlicht gespielt.

Gewinner 9: Griechenland

Gemeinsam mit Irland galten die Griechen vor der EM sicher als schwächstes Team. Doch mit dem Minimalismus, der Griechenland vor acht Jahren den Titel einbrachte, hat sich die Mannschaft unter dem portugiesischen Trainer Fernando Santos ins Viertelfinale gekämpft: Nur ein Sieg und ein Torverhältnis von 3:3 reichten dafür. In der krisengeschüttelten Heimat hat das für seltene Glücksgefühle gesorgt – wenn sie jetzt ordnungsgemäß im Viertelfinale gegen Deutschland ausscheiden, gönnt ihnen wohl jeder diesen Erfolg.

Gewinner 10: Die Spannung

13 der 19 Vorrundenspiele, bei denen es einen Sieger gab, wurden nur mit einem Tor Vorsprung gewonnen. Das zeigt die Ausgeglichenheit der Gruppen und sorgte für reichlich Nervenkitzel: Spiele wie Schweden gegen England oder Kroatien gegen Spanien boten tolles Spektakel für die Zuschauer.

Verlierer 1: Umbro

Nur eins von drei Teams, die bei der EM in Trikots des englischen Ausrüsters aufliefen, hat die Vorrunde überstanden: England. Schweden und Irland sind dagegen gescheitert, damit hat Umbro die schlechteste Quote aller Ausrüster. Am besten läuft es bisher für Puma, das beide Teams (Tschechien und Italien) weiter im Rennen hat. Adidas hat mit Griechenland, Spanien und Deutschland drei von sechs Teams in die K.o.-Runde gebracht. Von fünf Nike-EM-Teams stehen mit Portugal und Frankreich nur noch zwei im Viertelfinale.

Verlierer 2: Spanien

Die Vorrunde des Titelverteidigers war solide, trotzdem dürften die Gegner den Spaniern künftig mit etwas weniger Ehrfurcht begegnen. Italien und Kroatien hatten die Iberer am Rande einer Niederlage. Besonders blöd: Selbst wenn Spanien sich noch steigert und erneut Europameister wird, dann mit dem falschen Wappen auf der Brust. Peinlich.

Verlierer 3: Mesut Özil

Als Kreativ-Zentrale des deutschen Mittelfelds bleibt Özil bisher blass. Eine Torvorlage, kaum gelungene Aktionen, wenig Torgefahr – so sieht seine Vorrundenbilanz aus. Natürlich hat er damit zu kämpfen, dass die DFB-Elf etwas vorsichtiger agiert und die Gegner sehr defensiv gegen Deutschland agieren. Aber von einem Spieler, der Leistungsträger bei Real Madrid ist, muss man mehr erwarten können – zumal mit Mario Götze und Marco Reus gute Alternativen bereit stehen.

Verlierer 4: Das Fair Play

Das längst etablierte Gentlemen’s Agreement, dass der Ball ins Aus gespielt wird, wenn ein Spieler verletzt auf dem Feld liegt, scheint bei dieser Europameisterschaft nicht mehr zu gelten. Gleich reihenweise wurde in solchen Situationen in der Vorrunde weitergespielt, bis der Schiedsrichter eingriff. Schade.

Verlierer 5: Holland

Als Mitfavorit ins Turnier gegangen, mit null Punkten nach Hause gefahren – katastrophaler kann eine Bilanz nicht ausfallen. Das wirklich Peinliche daran: Die Niederlande enttäuschten nicht nur mit ihren Ergebnissen, sondern auch spielerisch. Zudem hatte Oranje in keinem Spiel den Spirit, um bei diesem Turnier ernsthaft etwas zu reißen. Dass auch Trainer Dick Advocaat mit Russland vorzeitig die Koffer packen muss, macht die Vorrunden-Schmach für unsere Nachbarn perfekt.

Verlierer 6: ARD und ZDF

Mehmet Scholl wurde nach seiner Kritik an Mario Gomez zur Zielscheibe. Im ZDF mussten sich Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn gleich im Doppelpack ihre mangelnde Kompetenz vorwerfen lassen. Bei den Interviews nach den EM-Spielen überbieten sich die Reporter gegenseitig mit möglichst sinnfreien Fragen. Wolf-Dieter Poschmann hat es noch immer nicht nötig, sich vor einer EM-Partie wenigstens die korrekten Namen der Spieler zu merken. Eine gute Berichterstattung sieht anders aus. Wenn man sich nicht auf die Zeit beschränkt, in der der Ball rollt, kann einem das durchaus den EM-Spaß verderben.

Verlierer 7: Die Gastgeber

Es war klar, dass Polen und die Ukraine den Heimvorteil nutzen mussten, um die Vorrunde zu überstehen. Dass es keiner von beiden schaffte, ist trotzdem enttäuschend, ebenso wie das Abschneiden für den Ostblock insgesamt, der nur noch Tschechien im Rennen hat. Vor allem den Polen wäre in einer relativ einfachen Gruppe und mit ihrer starken Dortmund-Achse mehr zuzutrauen gewesen. Immerhin: Polen und die Ukraine haben zusammen mehr Punkte geholt (5) als die Schweiz und Österreich bei der letzten EM (4).

Verlierer 8: Die Tradition

Ein Fußballer trägt schwarze Schuhe. Zumindest beim Tischkicker ist das so, bei Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus war das so und das ist es wohl auch noch, wenn Kindergartenkinder die Bilder ihrer Helden malen. Die Realität der EM sieht anders aus. Beispielsweise das Spiel zwischen Deutschland und Dänemark sah auf Höhe der Grasnarbe aus wie ein Park voller Kanarienvögel. Der einzige Akteur mit schwarzen Fußballschuhen auf dem Platz war der Schiedsrichter. Unschön.

Verlierer 9: Der Modus

Die Regelung, bei Punktgleichheit den direkten Vergleich zu werten, sorgte zwar für viel Spannung. Es fühlt sich trotzdem seltsam an, wenn Deutschland mit sieben Punkten auf dem Konto in der Blitztabelle noch um den Viertelfinal-Einzug zittern muss. Kroatien hatte bis zum letzten Gegentor gegen Spanien in einer Gruppe mit den letzten beiden Weltmeistern fünf Punkte geholt und wäre trotzdem ausgeschieden – ungeschlagen. Gerecht erscheint das nicht immer, und verständlich für den Fan schon gar nicht.

Verlierer 10: Nicklas Bendtner

Für Dänemark zwei Tore gemacht – die EM-Bilanz von Nicklas Bendtner wäre eigentlich mehr als ordentlich gewesen. Aber mit seinem Unterhosenblitzer machte er den guten Eindruck auf dem Platz zunichte. Die Affäre zeigte einerseits, dass die Uefa keinen Spaß versteht, wenn es ums Geld geht. Sie brummte dem Stürmer ein Spiel Sperre und 100.000 Euro Strafe auf und sorgte damit unfreiwillig dafür, dass die unerlaubte Werbung auf Bendtners Unterhosenbund noch mehr Aufmerksamkeit bekam. Andererseits machte auch Bendtner klar, dass bei ihm der Sport nicht an erster Stelle steht – das dürfte wenig hilfreich sein bei der Suche nach einem neuen Verein.

Die zehn Gewinner und Verlierer der Vorrunde gibt es als Fotostrecke auch bei news.de.

Löw lässt viele deutsche Leistungsträger zuhause

Juni 8, 2012 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · Comment 
Die DFB-Barbie steht nicht im Aufgebot für die EM. Aber auch viele deutsche Leistungsträger aus der Bundesliga nicht. Foto: obs/Mattel GmbH

Die DFB-Barbie steht nicht im Aufgebot für die EM. Aber auch viele deutsche Leistungsträger aus der Bundesliga nicht. Foto: obs/Mattel GmbH

Heute beginnt endlich die Fußball-EM. Deutschland hat sich viel vorgenommen, auch im Ausland gilt die DFB-Elf als einer der Favoriten. Dabei hat Joachim Löw gar nicht die besten deutschen Spieler mitgenommen. Eine Auswertung von mir zeigt: Viele sehr gute Spieler fehlen in Polen und der Ukraine. Obwohl sie in der Bundesliga in dieser Saison groß aufgetrumpft haben, werden sie von Jogi Löw ignoriert. Mit dabei: Mike Hanke, Bernd Leno und Sebastian Kehl.

Für die objektive Antwort nach den besten deutschen Spielern habe ich geschaut, welche deutschen Spieler in dieser Saison in der Bundesliga am besten bewertet wurden. Aus den Noten, die die Experten von Kicker und Sportalverteilt haben, ergibt sich die Leistungsrangliste des deutschen Fußballs.*Die Auswahl für Jogi Löw ist dabei durchaus groß: Insgesamt 157 Spieler erfüllten die Kriterien. Wie der 23er Kader aussehen müsste, wenn man streng nach der Leistung in der Bundesliga geht, sieht man bei news.de in einer Fotostrecke. Die Auswertung enthält einige gewaltige Überraschungen.

Niedermeier ist stärker als Boateng

Zwar nimmt Jogi Löw mit Mats Hummels (Dortmund, Notendurchschnitt 2,68) und Holger Badstuber (Bayern München, 2,86) die beiden besten deutschen Abwehrspieler mit zur EM. Doch auf Platz 3 der Wertung landet ein Spieler, den niemand auch nur annähernd auf der Rechnung hatte, als es um die Nominierung ging: Georg Niedermeier vom VfB Stuttgart (3,04). Er stellt beispielsweise die EM-Fahrer Benedikt Höwedes (Schalke, 3,35) und Jerome Boateng (Bayern München, 3,43) locker in den Schatten. Auch Serdar Tasci (Stuttgart, 3,27) und Sebastian Langkamp von Aufsteiger Augsburg (3,24) landen vor diesem Duo.

Nur wenig schlechter als Boateng und Höwedes wurden in dieser Saison Philipp Wollscheid (Nürnberg), Axel Bellinghausen (Augsburg), Stefan Reinartz (Leverkusen) und Niko Bungert (Mainz) bewertet. Auch auf den Außenverteidiger-Positionen hätte Jogi Löw demnach echte Alternativen gehabt: Gladbachs Tony Jantschke und Hannovers Christian Pander (jeweils 3,5) gehören zu den Top-Verteidigern der Liga.

Torhüter-Ranking: Neuer nur auf Platz 14

Noch eklatanter wird der Unterschied zwischen Bundesliga-Noten und EM-Ticketvergabe, wenn man auf die Torhüter schaut. Von den Top 3 auf dieser Position steht nur einer im DFB-Aufgebot: Ron-Robert Zieler (Hannover, 2,88). Er rangiert zwischen Stuttgarts Sven Ullreich (2,9) und Leverkusens Bernd Leno (2,78), dem nach Noten besten deutschen Keeper dieser Saison. Erst auf Platz 4 kommt mit Tim Wiese (Bremen, 2,93) der nächste EM-Fahrer. Deutschlands Nummer 1, Manuel Neuer vom FC Bayern München, landet in der Noten-Rangliste mit einem Notenschnitt von 3,21 sogar nur auf Platz 14 von 18 infrage kommenden Keepern.

Deutlich weniger Auswahl hatte der Bundestrainer im Angriff. Nur 24 deutsche Stürmer kamen in dieser Saison auf mindestens zehn Bundesliga-Einsätze, viele von ihnen sind keine Stammkräfte. Die beiden besten Angreifer sind auch bei Jogi Löw feste Größen: Mario Gomez (Bayern München, 3,22) und Lukas Podolski (Köln, 3,32).

Cacau gleichauf mit Oehrl und Freis

Doch auch hier gibt es unerwartete Ergebnisse. Vor André Schürrle (3,69), der ebenfalls zum EM-Kader gehört, rangieren einige Namen, die man kaum dort erwartet hätte. Jan Schlaudraff (Hannover, 3,41) oder Stefan Reisinger (Freiburg, 3,55) beispielsweise. Auch Mike Hanke (Mönchengladbach, 3,32), Stefan Kießling (Leverkusen, 3,36) und Patrick Helmes (Wolfsburg, 3,37) hätten sich mit ihren Bundesliga-Leistungen für den dritten Platz im deutschen Sturm empfohlen. Dass Cacau letztlich aussortiert wurde, überrascht angesichts der Expertenbeurteilungen nicht: Der Stuttgarter rangiert mit einem Notenschnitt von 3,75 hinter Sebastian Freis (Freiburg) und Thorsten Oehrl (Augsburg) – nicht gerade Namen, die in dieser Saison die Abwehrreihen der Bundesliga das Fürchten gelehrt haben.

Im Mittelfeld stimmen die Wertschätzung des Bundestrainers und die Noten der Experten von Kicker und Sportal hingegen weitgehend überein. Von den nach Noten zehn besten deutschen Mittelfeldspielern fahren sieben mit zur EM. Einzige Ausnahmen: Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl, der mit einem Notenschnitt von 2,83 drittbester Mittelfeldspieler der Liga ist. Auch seine Teamkollegen Sven Bender (2,9) und Moritz Leitner, der für seine 17 Saison-Einsätze im Schnitt mit der Note 3,2 bewertet wurde, sind unter den Top10.

Götze hat die besten Noten

Das größte Angebot findet Jogi Löw übrigens in Augsburg und Leverkusen vor: Dort haben jeweils 13 deutsche Spieler in dieser Saison mindestens zehn Bundesliga-Einsätze geschafft. Der nach Noten beste Spieler im EM-Kader ist Mario Götze (Dortmund, 2,47). Den schlechtesten Durchschnittswert hat André Schürrle (Leverkusen, 3,69). Er befindet sich mit diesem Wert in dieser Saison auf genau demselben Leistungsniveau wie Heiko Westermann (Hamburg), Marco Russ (Wolfsburg) – und Ex-Capitano Michael Ballack.

* Für die Auswertung wurden alle Spieler berücksichtigt, die für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt wären und in der Bundesligasaison 2011/12 mindestens zehn Spiele (auch Kurzeinsätze) gemacht haben. Die Durchschnittswerte ergeben sich aus den Noten, die vom Fachmagazin Kicker und der Internetseite Sportal.de vergeben wurden.

Weitere Infos und Hintergründe zur Fußball-EM gibt es bei news.de.

Die zehn besten deutschen Abwehrspieler der Saison

Name Vorname Verein Spiele Note Kicker Note Sportal Gesamtnote
Hummels Mats Dortmund 33 2,65 2,7 2,68
Badstuber Holger München 33 2,92 2,8 2,86
Niedermeier Georg Stuttgart 17 2,87 3,2 3,04
Lahm Philipp München 31 3,1 3 3,05
Schmelzer Marcel Dortmund 28 3,14 3,3 3,22
Owomoyela Patrick Dortmund 11 3,17 3,3 3,24
Langkamp Sebastian Augsburg 26 3,08 3,4 3,24
Tasci Serdar Stuttgart 28 3,13 3,4 3,27
Höwedes Benedikt Schalke 22 3,4 3,3 3,35
Boateng Jerome München 27 3,56 3,3 3,43

Die zehn besten deutschen Mittelfeldspieler der Saison

Götze Mario Dortmund 17 2,43 2,5 2,47
Reus Marco Gladbach 32 2,58 2,6 2,59
Kehl Sebastian Dortmund 27 2,75 2,9 2,83
Schweinsteiger Bastian München 22 2,88 2,9 2,89
Kroos Toni München 31 2,89 2,9 2,9
Bender Sven Dortmund 24 2,89 2,9 2,9
Gündogan Ilkay Dortmund 28 3,15 2,9 3,03
Bender Lars Leverkusen 28 3,05 3,3 3,18
Leitner Moritz Dortmund 17 3 3,4 3,2
Müller Thomas München 34 3,23 3,2 3,22

Die zehn besten deutschen Stürmer der Saison

Gomez Mario München 33 3,24 3,2 3,22
Podolski Lukas Köln 29 3,33 3,3 3,32
Hanke Mike Gladbach 31 3,34 3,3 3,32
Kießling Stefan Leverkusen 34 3,31 3,4 3,36
Helmes Patrick Wolfsburg 16 3,34 3,4 3,37
Schlaudraff Jan Hannover 31 3,32 3,5 3,41
Reisinger Stefan Freiburg 25 3,39 3,7 3,55
Schürrle André Leverkusen 31 3,77 3,6 3,69
Freis Sebastian Freiburg 15 3,68 3,7 3,69
Oehrl Thorsten Augsburg 16 3,7 3,7 3,7

Die zehn besten deutschen Torhüter der Saison

Leno Bernd Leverkusen 33 2,65 2,9 2,78
Zieler Ron-Robert Hannover 34 2,76 3 2,88
Ullreich Sven Stuttgart 34 2,79 3 2,9
Wiese Timo Bremen 28 2,96 2,9 2,93
Jentzsch Simon Augsburg 28 2,88 3 2,94
ter Stegen Marc-Andre Gladbach 34 2,87 3,1 2,99
Weidenfeller Roman Dortmund 32 2,8 3,2 3
Rensing Michael Köln 32 2,97 3,1 3,04
Kraft Thomas Berlin 34 2,91 3,2 3,06
Müller Heinz Mainz 12 2,83 3,3 3,07

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