Durchgelesen: Annie Wang – „Peking Girls“


„Peking Girls“ ist eigentlich kein Roman, sondern eine Sammlung von Kolumnen.

Autor Annie Wang
Titel Peking Girls
Verlag Aufbau
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung **1/2

Es sind fünf Buchstaben, die bei „Peking Girls“ in die Irre führen. „Roman“ steht auf dem Buchcover, doch es gibt hier weder Plot noch Spannungsbogen. Denn eigentlich ist dies eine Sammlung von Kolumnen, die Annie Wang für die „Washington Post“ geschrieben hat.

Hat man sich einmal damit abgefunden, kann man aber dennoch interessante Einblicke in das Leben von Maos Enkeln (und vor allem: Enkelinnen) gewinnen. Denn die Erzählerin Niuniu verkehrt vor allem in der High Society, unter Pekings Neureichen und Altkadern. „Es scheint, als gäbe es nur zwei Sorten von Menschen: solche, die Macht und Reichtum hofieren, und solche, die aufgrund ihrer Macht und ihres Reichtums hofiert werden“, ist eine der Erkenntnisse.

Anderswo wird es weniger tiefgründig. Dann spielt sich das Geschehen auf dem Niveau und mit den Themen von „Sex And The City“ ab. Es geht dann um die neu gewonnene Freizügigkeit, die angesagtesten Designerlabels, kulinarische Trends und Fortschritte im Bereich der plastischen Chirurgie. „Sexuell unkonform zu sein ist cool, solange man politisch konform ist“, stellt Annie Wang fest.

Nicht alles hier ist so prägnant formuliert, doch es ist gerade die Fülle des Materials, die einen Eindruck von den Sehnsüchten und Mechanismen dieses Riesenreiches vermittelt. Und es ist das Spannungsverhältnis zwischen dem alten, kommunistischen China, dem noch älteren Kaiserreich und der Postmoderne, die das Reich der Mitte nicht nur erreicht, sondern förmlich vergewaltigt hat, aus der diese Texte ihre Spannung beziehen.

Beste Stelle: „Auch Ann ist alleinstehend und für eine Beziehung gewissermaßen überqualifiziert.“

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