Draufgeschaut: Devot


Film Devot

Anja (Annett Renneberg) landet im Bett von Henry (Simon Böer).

Anja (Annett Renneberg) landet im Bett von Henry (Simon Böer).

Produktionsland Deutschland
Jahr 2003
Spielzeit 86 Minuten
Regie Igor Zaritzky
Hauptdarsteller Annett Renneberg, Simon Böer
Bewertung

Worum geht’s?

Anja steht auf einer Brücke in Leipzig und will sich das Leben nehmen. Ein Autofahrer hält sie allerdings für eine Prostituierte und spricht sie an. Anja klärt die Verwechslung nicht auf, sondern begleitet den Fremden in sein Atelier. Sie gibt vor, dringend Geld zu brauchen und den Gedanken reizvoll zu finden, mit einem fremden Mann zu schlafen. Er ist allerdings nicht nur auf Sex aus, sondern will Anja auch so gut kennen lernen, wie das innerhalb einer Nacht eben möglich ist. Es entspinnt sich ein Duell zwischen den beiden, in dem schon sehr bald nicht mehr klar ist, wer welche Rolle spielt.

Das sagt shitesite:

Zwei wirklich starke Hauptdarsteller (außer Annett Renneberg und Simon Böer sind in Devot praktisch keine anderen Figuren zu sehen) und mehr als überzeugendes Thriller-Handwerk tragen diesen Film. Es gibt intelligente Wortgefechte, etliche Überraschungen, intensive Momente sowie die nötige Spannung und Aggressivität. Auch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt – nicht nur in den ausgiebigen Nacktszenen. Das Problem von Devot ist allerdings die Glaubwürdigkeit.

Die Dialoge sind so geschliffen wie kein Mensch spricht. Henry, dessen Namen man erst ganz zum Schluss erfährt, nimmt man den manipulativen Fiesling nicht so richtig ab: Er genießt Anjas Hilflosigkeit, aber er weiß auch, dass sie eine Verantwortung mit sich bringt. Ebenso passt Anjas permanenter Hasch-mich-Blick nicht so recht zu ihrer durchtriebenen Strategie, Henry über ihre wahre Identität und erst recht über ihren wahren Gemütszustand im Unklaren zu lassen.

Das größte Manko: Beide fordern eine Unbedingtheit, die überhaupt nicht zur Flüchtigkeit ihres Kennenlernens passt und die nicht aus Verzweiflung, sondern aus Narzissmus getrieben ist. Das macht ihr Ringen um Vertrauen, ihr Spiel mit Fantasie, Hingabe, Dominanz und Provokation und ihre Wortgefechte über Tod und Sex so überambitioniert, manchmal auch anstrengend.

Minuspunkte gibt es auch für das Frauenbild von Devot: Anja will (nachdem sie kurz zuvor noch sterben wollte) die Verführerin sein, bleibt aber durchweg die Unterlegene in dieser Konstellation. Henry durchschaut, dass sie keine Prostituierte ist, schlägt sie, fesselt sie, filmt sie heimlich. Es geht hin und her in dieser Nacht, auf und ab, beide verletzen sich verbal und physisch, beide arbeiten mit Drohungen und Bluffs, trotzdem bleibt sie stets die totale Orientierungslosigkeit, während er die maximale Souveränität ausstrahlt.

Unterm Strich ist das nicht ohne Reiz, aber bei weitem nicht so schlau, nicht so erotisch und nicht so gewagt, wie der Film offensichtlich gerne sein möchte.

Bestes Zitat:

„Aus einem zufälligen Treffen kann eine schicksalhafte Begegnung werden.“

Der Trailer zum Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.