Draufgeschaut: Das Böse


Film Das Böse

Katja (Annett Renneberg) wird von ihrem Vater (Michael Kind) missbraucht.

Katja (Annett Renneberg) wird von ihrem Vater (Michael Kind) missbraucht.

Produktionsland Deutschland
Jahr 1997
Spielzeit 90 Minuten
Regie Christian Görlitz
Hauptdarsteller Annett Renneberg, Michael Kind, Ulrich Tukur, Susanne Lüning, Edgar Selge, Burghart Klaußner
Bewertung

Worum geht’s?

Nach außen hin ist Bodo Bennath der angesehene Schuldirektor in einer norddeutschen Kleinstadt: korrekt, höflich, engagiert in der Kirchengemeinde. Doch zuhause missbraucht er, seit seine Frau gestorben ist, regelmäßig seine Tochter Katja. Als sie schwanger wird und er sie zu einer Abtreibung in den Niederlanden zwingt, ist das Mädchen völlig am Ende – zumal Katja auch noch von der Schule fliegt, weil ihre Noten zu schlecht sind fürs Gymnasium und ihr Vater ihr deshalb bittere Vorwürfe macht. Sie will die Abtreibung beim Pfarrer des Ortes beichten und drängt den Vater verzweifelt, seinerseits auch den Missbrauch zu beichten. Als der sich weigert, schwört sie Rache.

Das sagt shitesite:

Die Idee für Das Böse ist überaus reizvoll: Der Thriller bietet etliche psychologisch sehr spannende Konstellation. Ein Mädchen wird erst Opfer und dann, als sie vollends traumatisiert ist, zum eiskalten Racheengel. Ein Priester kämpft mit den Vorschriften seiner Kirche. Ein Vater weiß, dass ihm nichts mehr bleibt, wenn das Lügengebäude einstürzen sollte, auf das er seine gesamte bürgerliche Existenz aufgebaut hat.

Auch die Schauspieler sind stark, nicht nur die (zahlreich vertretenen) großen Namen des Metiers wie Ulrich Tukur als leutseliger Pfarrer oder Edgar Selge als missmutiger Kommissar, sondern auch die bis dahin kaum im Fernsehen aufgetretene Annett Renneberg als Katja, Die finstere Entschlossenheit, mit der sie sich für die Demütigungen ihres Lebens rächen will, kauft man ihr ebenso ab wie die schüchterne Hoffnung, vielleicht doch noch irgendwo einen Mann zu finden, dem sie sich anvertrauen kann.

Das erste Problem an Das Böse ist allerdings, dass die Umsetzung bei weitem nicht mit dieser Ausgangssituation mithalten kann. Die Musik ist nervtötend, viele Bilder sind plump. Vor allem krankt der Film daran, dass er dem Zuschauer nichts zutraut: Dass hier die ultimativen Spießbürger am Werke sind, wenn sich Schuldirektor, Priester und Apotheker zur Skatrunde treffen, dass hinter dieser Fassade überall geheuchelt, gelogen und gezweifelt wird, das hätte man auch erkannt, ohne dass es in den Dialogen auch noch ausgesprochen wird. Dass Katja sich selbst hasst, bringt Annett Renneberg auch rüber, ohne ihr eigenes Spiegelbild bespucken zu müssen. Dass ein verbrannter Abschiedsbrief der Schlussstrich unter einen jahrelangen Kampf ziehen soll, wäre auch klar, wenn die Flammen nicht noch extra ins Gesicht einer der Hauptfiguren lodern müssten.

Das zweite (und größere) Problem sind Unsauberkeiten in der Figurenzeichnung und vor allem logische Fehler. Dass Katja zu Beginn die Vergewaltigungen durch ihren Vater halbwegs stoisch über sich ergehen lässt und auch sonst nie aufmuckt, ihm dann aber plötzlich mit allen Mitteln an den Kragen will, hätte man besser begründen können. Dass sie ihr Heil ebenso in der Religion sucht (weil sie sich durch die Beichte Absolution erhofft) wie in brutaler Gewalt (mit der sie selbst für Gerechtigkeit sorgen will) ist auch nicht ganz einleuchtend. Vor allem aber gibt es in Das Böse am Ende einen (scheinbaren) Täter, der vorher von den Ermittlern mit hundertprozentiger Sicherheit ausgeschlossen wurde. Das ist entweder schlampig oder arg verwegen – in jedem Fall aber symptomatisch für diesen Thriller, in dem reichlich Potenzial verschenkt wird.

Bestes Zitat:

„Alles kluge und fromme Menschen! Der Priester, der sich aufhängt. Der Schuldirektor, der sich den Schädel webläst. Während Kinder erdrosselt werden. Aber ansonsten eine ruhige und intakte Gemeinde.“

Es gibt leider keinen Trailer zum Film.

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