Draufgeschaut: Die letzte Spur – Alexandra, 17 Jahre


Anna (Ann-Kathrin Kramer) und Alfred Walch (Richy Müller) bangen um ihre vermisste Tochter.

Anna (Ann-Kathrin Kramer) und Alfred Walch (Richy Müller) bangen um ihre vermisste Tochter.

Film Die letzte Spur – Alexandra, 17 Jahre
Produktionsland Österreich
Jahr 2010
Spielzeit 127 Minuten
Regie Andreas Prochaska
Hauptdarsteller Emilia Schüle, Ann-Kathrin Kramer, Richy Müller, Hary Prinz, Erwin Steinhauer, Julia Koschitz
Bewertung ****

Worum geht’s?

In ihren 17. Geburtstag will Alexandra unbedingt hereinfeiern. Sie überredet ihren Vater, dass sie ein bisschen länger ausgehen darf und zieht dann mit ihrer besten Freundin Christina los. Doch am nächsten Morgen, als die Familie eigentlich den Geburtstag der Tochter feiern will, ist Alexandra nicht wieder aufgetaucht. Für Familie und Polizei beginnt eine nervenaufreibende Suche nach dem Mädchen. Ist sie entführt und womöglich getötet worden? Oder ist sie von zu Hause abgehauen und wohlauf? Für Alexandras Eltern sind beide Möglichkeiten in gleicher Weise marternd. Schon bald stehen sie vor der Frage, wie gut sie ihre Tochter eigentlich kannten.

Das sagt shitesite:

Das Beste an Die letzte Spur – Alexandra, 17 Jahre ist der Raum, den der Film dem Zuschauer für das lässt, was man in der Schule eine „Transferleistung“ nennt. Ganz im Gegensatz zur im Privatfernsehen üblichen Praxis wird in dieser Koproduktion von ORF (der den Film als 180-minütigen Zweiteiler brachte) und Sat.1 (das daraus einen gekürzten Einteiler machte) nicht alles ausgesprochen, gezeigt und aufgedrängt. Vor allem in den zentralen Szenen fällt diese Zurückhaltung auf: Als Alexandras Leiche gefunden wird, ist sie nicht zu sehen. Als der Vater vom Tod der Tochter erfährt, kann man ihm das nur vom Gesicht ablesen.

Gerade dadurch kann sich der Zuschauer um so besser in die Figuren hineinversetzen. Wie die Polizei erst gleichgültig und dann hilflos bei der Suche nach dem vermissten Mädchen ist, wie die Eltern nach und nach neue, ungeahnte Seiten an ihrer verschwundenen Tochter kennen lernen, das wirkt so enorm eindrucksvoll. Denn schließlich entspricht dieser Mut zur Lücke auch der Situation der Protagonisten: Auch ihnen bleiben klare Spuren, Erkenntnisse und Antworten lange Zeit verwehrt.

So versteht man sogar die Wende, nach der sich Alexandras Eltern nicht mehr in erster Linie nach einer wohlbehaltenen Rückkehr ihrer Tochter sehnen, sondern bloß noch nach Gewissheit. Auch hier sind es kleine Szenen, die Die letzte Spur – Alexandra, 17 Jahre seine Intensität und Kraft verleihen: wie der Vater (großartig: Richy Müller) immer skrupelloser wird bei seinen Ermittlungen auf eigene Faust, wie die Familie gezwungen wird zu so etwas wie Weitermachen und sich in keiner Weise dazu imstande sieht, den Alltag zu bewältigen. So ist Die letzte Spur – Alexandra, 17 Jahre nicht nur ein höchst spannender Thriller, sondern auch ein sensibles Psychogramm. Das ist unendlich viel mehr als man bei diesem reißerischen Titel erwarten durfte.

Bestes Zitat:

„Die erste Schülerin, die Sie verführt haben, ist jetzt Ihre Verlobte. Alexandra Walch haben Sie geschwängert. Stehen Sie auf Patchwork?“

Szenen aus dem Film:

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