Draufgeschaut: Feuchtgebiete


Film Feuchtgebiete

Szene aus dem Film Feuchtgebiete mit Carla Juri

Hygiene wird bei Helen (Carla Juri) klein geschrieben.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2013
Spielzeit 109 Minuten
Regie David F. Wnendt
Hauptdarsteller Carla Juri, Meret Becker, Axel Milberg, Christoph Letkowski, Marlen Kruse, Peri Baumeister, Edgar Selge
Bewertung

Worum geht’s?

Analfissur. So lautet die schmerzhafte Diagnose, als die 18-jährige Helen ins Krankenhaus eingeliefert wird. Die Verletzung ist Folge einer Intimrasur, wie Helen freimütig erzählt. Den Aufenthalt im Krankenhaus nutzt sie auch sonst, um eifrig von ihrem Körper, ihrer Abneigung gegen Hygiene oder ihren Experimenten mit Gemüse als Sexspielzeug zu berichten, womit sie Krankenpfleger Robin ziemlich den Kopf verdreht. Dass sie nun hilfsbedürftig ist, will Helen aber nicht nur als Anlass zum Flirten nehmen, sondern auch für einen Versuch, ihre geschiedenen Eltern wieder zusammen zu bringen.

Das sagt shitesite:

Ein Skandal. Ein Bestseller. Eine talentierte, unverbrauchte Hauptdarstellerin. Reichlich erstklassige Schauspieler, von Meret Becker bis Edgar Selge, in den weiteren Rollen. Ein vielversprechender Regisseur (David Wnendt, der für sein Debüt Kriegerin reichlich Preise abgeräumt hatte und später mit Er ist wieder da für Furore sorgen sollte). Feuchtgebiete bringt vieles mit, was ein fulminanter Kinofilm braucht.

Was fehlt, ist eine Handlung – ein Manko, das David Wnendt von der Romanvorlage geerbt hat und ebensowenig beseitigen kann wie die furiose Leistung von Carla Juri. Minuspunkte gibt es auch für die gelegentliche Zurückhaltung: Bei der Verfilmung des Bestsellers von Charlotte Roche musste erstens klar sein, dass sie nicht mehr den Schockeffekt erzielen kann wie das Buch. Zweitens konnten die Macher davon ausgehen, dass das Publikum hier weiß, was ihm bevorsteht, dass also Lust auf Fäkalhumor und Tabubruch vorausgesetzt werden darf. Beides hätte dazu führen müssen, dass Feuchtgebiete auf der Leinwand noch expliziter wird als auf Papier. Stattdessen tritt aber das Gegenteil ein: In einigen Momenten schreckt der Film vor der eigenen provokanten Ideologie zurück.

Was bleibt, ist eine vergleichsweise rasante, irgendwie poppige und erfreulicherweise niemals moralisierende Reflexion über das Wesen des Ekels. Das ist leider nicht viel und in Summe bloß: skandalös nichtssagend.

Bestes Zitat:

„Wenn man Schwänze, Sperma und andere Körperflüssigkeiten ekelhaft findet, kann man das mit dem Sex auch gleich bleiben lassen.“

Der Trailer zum Film.

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