Durchgelesen: Chuck Berry – „Die Autobiographie“


Chuck Berrys Autobiographie gerät sehr erhellend, aber leider auch sehr züchtig.

Autor Chuck Berry
Titel Die Autobiographie
Verlag Schott
Erscheinungsjahr 1987
Bewertung ***

Bedenkt man, dass Chuck Berry dieses Werk während seines immerhin dritten Knastaufenthalts geschrieben hat, hätte man ein spektakuläreres Buch erwarten dürfen. Doch mit Anzüglichkeiten und skandalösen Details hält er sich zurück und ist durchweg peinlichst drauf bedacht, niemand auf den Schlips zu treten. Schmutzige Wäsche wird hier nirgends gewaschen.

Stattdessen bietet das Buch einen guten Einblick in die Musikszene der 1950er Jahre sowie die Entstehungsgeschichte einiger von Chuck Berrys größten Hits und zeigt, wie wenig der Erfinder des Rock’N’Roll eine Ikone werden (und sein) wollte. Er versteht sich in erster Linie als Dienstleister.

Frappierend ist auch, in welchem Maße er über seine Hautfarbe definiert wurde und wie sehr er sich in Folge dessen noch heute selbst als Schwarzer definiert. Und natürlich als unverbesserlicher Lüstling, der seine eigenen Laster mit Humor sieht. Sogar noch im Knast.

Die beste Stelle schildert, wie er an der High School darunter litt, einen Korb nach dem anderen zu kassieren: „Ich war scharf wie eine Sau, wurde aber als Eber gesehen und fühlte mich wie ein Haufen Schweinefleisch in einem orthodoxen jüdischen Delikatessengeschäft.“

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