Futter für die Ohren mit Eels, Jim Ward, Odd Beholder, Gaspard Augé und Villagers


Jim Ward Paper Fish

Das Bild täuscht: Jim Ward will keineswegs seine Ruhe haben. Foto: Fleet Union / Christ Chavez

Von Lebensträumen und den Zielen, die er weiterhin verfolgt, erzählt Jim Ward in der neuen Single Paper Fish (***1/2), die zugleich erster Vorbote für sein Album Daggers ist, das am 11. Juni erscheint. Man darf davon ausgehen, dass sich der Mitgründer von At The Drive-In, Sänger von Sparta und Mann hinter Sleepercar etliche dieser Träume bereits erfüllt hat. Zu den aktuellen Vorlieben scheint eine neue Lust auf Lautstärke zu gehören, ebenso die Freude an Kollaboration. Angesichts der Unterstützung, die Jim Ward hier hat, könnte man fast von einer Emo-Supergroup sprechen, denn am Schlagzeug ist Tucker Rule (Thursday) im Einsatz, den Bass spielt Ben Kenney (Incubus). „Für mich war und ist Musik immer das Ventil für meinen Frust und meine Ängste. Ich glaube an die heilende Kraft von Musik – wenn meine Welt auf dem Kopf steht, hilft sie mir, nicht den Kopf zu verlieren“, begründet er den etwas krawalligeren Sound von Paper Fish und verrät auch, was rund um die Zeile „All I ever wanted / was to die a better man than I was at the start“ sein ultimatives Motto ist: „Das Leben ist eine Reise, und für mich ist das Ziel dieser Reise, zu einhundert Prozent ein besserer Mensch zu werden. Ich denke tagein tagaus daran. Ich möchte die Welt als die bestmögliche Version von mir verlassen.“

Ähnlich klar ist die Message in Disaster Movies (****), der neuen Single von Odd Beholder. Sie lautet: Wenn wir weiter so verschwenderisch mit natürlichen Ressourcen umgehen wie bisher, können wir uns Filme von Katastrophen, Zerstörung und Weltuntergang bald nicht mehr auf der Couch ansehen, sondern wir werden mittendrin sein und mitspielen müssen. Daniela Weinmann aus der Schweiz, die hinter Odd Beholder steckt, nutzt nicht nur ihre Musik, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Sie hat auch den Schweizer Ableger der internationalen Klimaschutzorganisation „Music Declares Emergency“ mitbegründet. Der Song findet eine gute Entsprechung für diesen Mix aus Gefahr und Reiz des Oberflächlichen und wird, wenn die Welt dann noch existiert, auf ihrem zweiten Album Sunny Bay enthalten sein.

Für jemanden, der Beats und Rhythmen liebt, muss es das Schlaraffenland sein: In einer Fabrik, in der Schlagzeugbecken hergestellt werden, hat Gaspard Augé das Video zu seiner ersten Solo-Single gedreht. Auf den Mann, den man in erster Linie als eine Hälfte von Justice kennt, trifft die Sache mit der Beat-Begeisterung natürlich zu, wie Force Majeure (****) unterstreicht. Die Kombination aus Rock und Rave, Wumms und Wahnwitz, die schon seiner Band einen Grammy eingebracht hat, bietet der „Meister des Maximalismus“ (Pressetext) auch als Solist. Dass diese Musik so wuchtig und zugleich beseelt klingt wie die Fertigung in der Fabrik im Clip unter der Regie von Filip Nilsson rüberkommt, ist natürlich weiterhin eine Meisterleistung. „Wir fühlten uns von dem epischen visuellen Reiz der Beckenherstellung angezogen, Bronze, Feuer, Hämmer, etwas fast Mythologisches und Elementares wie ein Vulkan oder die Nibelungen“, sagt Gaspard Augé. „Wir haben uns für Bosphorus Cymbals entschieden, weil sie diesen sehr traditionellen Prozess haben, der sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat, in diesem Video bin ich nur ein Glied in der Kette der Produktion und Qualitätskontrolle, nachdem all diese Becken geschmolzen, von Hand gehämmert und in ein Musikinstrument verwandelt wurden.“

Conor O’Brien alias Villagers blickt hingegen auf (Neu-)Anfänge: The First Day (****) ist der erste Ausblick auf sein fünftes Album Fever Dreams (kommt am 20. August). Es geht darin um Verheißung, Entdeckergeist und das Hinter-sich-Lassen von Ballast. Inspiriert ist der Song, zu dem Regisseur Daniel Brereton ein skurriles Video gedreht hat, von einer Reise zum Another Love Story Festival, das von feinster irischer Musik ebenso lebt wie von Kunst-Happenings, kulinarischen Genüssen und nicht zuletzt der Umgebung in der Grafschaft Meath rund um ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert. Die Musik ist entsprechend erhebend, jubilierend und verspielt, mit Bläsern, Chor und tollem Refrain. „Ich wollte unbedingt etwas schreiben, das für den Hörer genauso großzügig ist wie für mich selbst. Manchmal können die Zustände, in denen man dem Delirium besonders nahe ist, die ekstatischsten, euphorischsten und eskapistischsten Träume hervorbringen“, sagt O’Brien – und genau so klingt dieser Song.

Schon im Oktober 2020 ist Earth To Dora erschienen, das aktuelle Album der Eels. Jetzt spendiert Mark Oliver Everett sich und seinen Fans noch ein animiertes Video zum wundervollen Titeltrack (****). Besagte Dora ist darin auf dem Mond gestrandet, wo sie nichts anderes vorfindet als Traurigkeit. E will sie daraus befreien und ihr den Weg zurück zur Erde weisen. Isabel Garrett hat das Video gemeinsam mit Chris Murdoch gemacht und sagt: „Für mich handelt der Song von der Distanz, die durch Depressionen entsteht, und von der Schönheit der Kameradschaft. Mir gefiel die Idee, Farbe mit Stop-Motion zu mischen, um eine Welt zu schaffen, die ein wenig verspielt und nostalgisch ist, mit viel handgemachter Textur, um die Sensibilität des Textes einzufangen.“ Wenn man das hört und sieht, kann man die Zeile „Magic happens / everywhere you go“ tatsächlich fast glauben.

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