Futter für die Ohren mit Vampire Weekend, Cage The Elephant, Pete Doherty & The Puta Madres, Leoniden und Auletta


Peter Doherty & The Puta Madres Review Kritik

Links Pete Doherty, rechts vier Menschen, die kein Spanisch verstehen. Foto: Thibault Leveque/Cargo Records

Frankreich ist ja schon seit längerer Zeit die Wahlheimat von Pete Doherty. Mit seiner neuen Band The Puta Madres hat er dort (genauer: in der Normandie) innerhalb von vier Tagen auch das erste Album dieses Projekts aufgenommen, und zwar live. Er sieht in dem Werk, das am 26. April erscheinen wird, ein „verheerendes, intimes Porträt von Liebe, Verlust, Tragödie, Sucht und der Kraft der menschlichen Seele, ihre dunklen Ebenen zu überwinden“. Die erste Single Who’s Been Having You Over (***1/2) gibt es bereits, die Frische dieses Quartetts, das viele der Songs schon ausgiebig auf Konzertreisen und bei Festivals getestet hat, hört man durchaus heraus. Bis auf die sehr prominente Orgel und ein kurzes Sample aus dem Film Brighton Rock von 1948 gibt es freilich nichts, was man nicht schon bei den Libertines oder Babyshambles hätte finden können. Was aus Sicht aller Doherty-Fans natürlich kein Manko ist.

Father Of The Bride wird das vierte Album von Vampire Weekend heißen, das im Frühjahr (endlich!) erscheinen soll. „Ich weiß, fünf beziehungsweise sechs Jahre gelten als eine lange Zeit zwischen zwei Alben. Ich persönlich denke, es ist ein angemessenes Tempo für eine Band, die bereits drei Alben in Umlauf gebracht hat, aber jeder hat da sein eigenes Zeitgefühl“, sagt Ezra Koenig zum vergleichsweise großen Abstand zu Modern Vampires Of The City, mit dem die Band damals die Spitze der US-Charts erreichte und zudem einen Grammy einheimste. Immerhin bekommt man für die lange Wartezeit gleich 18 neue Songs, jeweils zwei davon wollen Vampire Weekend pro Monat veröffentlichen, bis dann schließlich das komplette Album folgt. Seit heute gibt es mit Harmony Hall (****) einen ersten Vorgeschmack in Videoform. Eine prominente Gitarrenfigur eröffnet und beschließt den Song, dazwischen übernimmt ein Klavier wie aus den Anfangsjahren von Rave die Hauptrolle. Heiter, verspielt und intelligent wie eh und je klingt das, auch die nötige Prise an Melancholie ist erhalten geblieben. „I don’t want to live like this / but I don’t want to die“, heißt schließlich der Refrain. Regie hat bei dem Clip Emmett Malloy geführt, die schon bei den Videos zu Giving Up The Gun und Holiday mit der Band zusammengearbeitet hat.

Zumindest eine Grammy-Nominierung können auch Cage The Elephant für ihr letztes Werk Tell Me I’m Pretty vorweisen. Jetzt wird auch die Band aus Kentucky nachlegen und hat, anders als die Kollegen aus New York, sogar schon ein konkretes Datum für den nächsten Longplayer: Social Cues, ihre fünfte Platte, wird ab 5. April verfügbar sein. Man darf von einem Breakup-Album ausgehen, denn die Beziehung von Sänger Matt Shultz ging während der Arbeiten daran in die Brüche. Auch die Filme von Rainer Werner Fassbinder und Darren Aronofsky nennt Shultz als Inspiration. Passend dazu hat er beim Video zur Single Ready To Let Go (***1/2) auch gleich selbst die Regie übernommen. Der Song hat Groove und Aggressivität, ist im Refrain aber ein bisschen zu zahm. Das klingt trotzdem, als könnten Cage The Elephant mühelos eine private Abrechnung mit großem Charterfolg verbinden.

Nach zwei mittelprächtig erfolgreichen Alben bei EMI haben Auletta eine lange Phase der Selbstfindung hinter sich, die nun beendet ist. 2011 gab es das letzte Album, im Jahr darauf waren Alex, Martin, Dan und dessen Bruder Jusch vorerst letztmals live zu sehen. Statt auf ein Major-Label setzen sie für das selbstbetitelte dritte Album (erscheint am 12. April) auf Crowdfunding. Mehr Indie und mehr Soul, mehr Leichtigkeit und mehr Lässigkeit verspricht das Quartett aus Mainz, das schon seit 20 Jahren zusammen musiziert. Wie das gemeint ist, zeigt die erste Single Winter In Berlin (***): Die Lösung für Weltschmerz hieß schon immer Zweisamkeit.

Leoniden sind derzeit fleißig auf Tour zum aktuellen Album Again, haben aber noch die Zeit gefunden, sich einem neuen Metier zu widmen: Comic. Zum Song Why (****) haben sie ein sehr schickes Zeichentrickvideo gemacht, auch als Heft wird es das Ganze ab Freitag geben: 12.500 Exemplare werden deutschlandweit an Universitäten, in Clubs und Bars verteilt, und zwar kostenlos, auch bei den Konzerten kann man den Comic bekommen. Unterstützt wurden die Jungs aus Kiel vom Berliner Zeichner Andreas Rusch, Held ihrer Geschichte ist ein Hamster namens Fred, der das Weltall entdecken will. Das ist so liebevoll, ambitioniert und originell wie praktisch alles aus dem Hause Leoniden. Mit anderen Worten: Rakete!

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