Panda Bear – „Panda Bear Meets The Grim Reaper“


Künstler Panda Bear

Vom Wandel erzählt Panda Bears fünftes Soloalbum.

Vom Wandel erzählt Panda Bears fünftes Soloalbum.

Album Panda Bear Meets The Grim Reaper
Label Domino
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

„Das war es, was Traum und höchstes Kunstwerk gemeinsam hatten: das Geheimnis.“

Hermann Hesse, Narziss und Goldmund

Es gibt wohl wenige Musiker, die diesen Spruch so gut verstanden haben wie Noah Lennox alias Panda Bear. Der 36-Jährige, aufgewachsen in Maryland, vor knapp 20 Jahren eines der Gründungsmitglieder von Animal Collective und seit 2004 in Lissabon zuhause, legt morgen sein fünftes Soloalbum vor. Und permanent fragt man sich auch bei Panda Bear Meets The Grim Reaper: Was ist das überhaupt? Wo kommt es her? Was macht das mit mir?

Der Auftakt Sequential Circuits setzt neben einer Orgel und einer leicht verschobenen zweiten Stimme auf dieses seltsame Gurgeln im Hintergrund, das Panda Bear selbst gerne als „the soup“ bezeichnet. In Boys Latin wird der Gesang entweder rückwärts abgespielt oder so unkenntlich zerhackstückt und mit so viel Echo versehen, dass er nach einer Fantasiesprache klingt. Auch in Principe Real gilt, dass man jenseits von Schlagzeug und Gesang kaum sagen kann: Was sind das für Instrumente? Sind sie echt oder synthetisch? Geht es ihnen gut oder leiden sie?

Der Albumtitel (im Netz hatte seit Monaten das Kürzel PBVSGR für Rätselraten gesorgt) ist von Dub-Platten aus den 1970er Jahren inspiriert (Beispiel: King Tubbys Meets Rockers Uptown). “I see it more comic-booky, a little more lighthearted, like Alien Vs. Predator”, umschreibt Lennox die Idee dahinter. An seiner Seite stand bei den Aufnahmen erneut Pete “Sonic Boom” Kember, der das Album co-produziert hat und zwei instrumentale Skizzen beisteuert. “He brings stuff to the table that I wouldn’t think of,” erklärt Lennox die Rolle seines Kompagnons. “You not only go to places, but you figure out things about yourself that you wouldn’t have otherwise.”

Im Ergebnis ist Panda Bear Meets The Grim Reaper ein gutes Stück opulenter als der Vorgänger Tomboy (2011). Die Stimme von Lennox braucht Hall zum Leben wie die meisten Menschen Sauerstoff. Seine Songs zeigen aber auch: Er will nicht nur verstören und verschleiern. Die Melodien haben oft einen klar erkennbaren, ambitionierten Willen zur Schönheit. Auch der Einsatz von größtenteils vorgefertigten Samples, die Panda Bear bisher eher gemieden hatte, nimmt der neuen Platte nichts von ihrem Mysterium: “I got into the idea of taking something that felt kind of common – the opposite of unique – and trying to translate that into something that felt impossible.”

Crosswords (mit einem Sample von den Soul Searchers) hat einen federnden, soften HipHop-Beat, auch wegen des einschmeichelnden Gesangs könnte das Gesamtergebnis als ein verlorener Track von Charles & Eddie durchgehen, wenn da nicht mehrfach gefilterte Basstöne und verirrte Keyboardmelodien durch den Hintergrund marodieren würden. Dasselbe Prinzip offenbart Come To Your Senses: Gesang und Beat sind straight, der Rest ist kaum definierbar, gegen Ende klingt ein Loop wie ein aufgeschreckter Vogelschwarm, darauf folgt so etwas wie freie Improvisation.

Butcher Baker Candlestick Maker könnte der Soundtrack zu einer Weltraummission der Beach Boys sein, auch Lonely Wanderer, das fast nur aus Klavier und Gesang besteht, hat deren zerbrechliche Majestät. Den vielstimmigen Gesang in Acid Wash kann man durchaus hymnisch nennen, aber das wird konterkariert durch die chaotische Instrumentierung. Der am klarsten konturierte Song ist Selfish Gene, mit einem schlichten Synthesizer-Fundament und ganz ohne Beat.

Die Single Mr Noah (das Lied gibt es auch auf einer gleichnamigen EP, ergänzt um drei weitere Tracks, die nicht auf dem Album enthalten sind) klingt zunächst, als würden ein paar Hunde mit kaputten Laserschwertern gequält, daraus entwickelt sich dann so etwas wie östlich angehauchter Quasi-Pop. Wie weit Panda Bear auch diesmal seinen musikalischen Horizont spannt, zeigt nicht zuletzt Tropic Of Cancer, das eine beinahe sakrale Stimmung entfaltet: Der Track basiert auf einem Harfen-Sample (!) aus der Nussknacker-Suite von Tschaikowsky (!), dazu kommen der Gesang und ein paar kaum hörbare Sachen, die offensichtlich der Ventilator im Rechner nebenan hereingeweht hat.

Als wichtigstes Thema für Panda Bear Meets The Grim Reaper hat Lennox den Wandel gewählt. “Some of the songs address a big change, or a big transformation”, sagt er, und ergänzt dann erfreulicherweise: “Meeting the Grim Reaper in that context I liked a whole lot. It’s sort of marking change – not necessarily an absolute death, but the ending of something, and hopefully the beginning of something else.”

Das Video zu Mr. Noah hat zwar keine Laserschwerter, aber Hunde.

Homepage von Panda Bear.

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