Hingehört: Ben Folds Five – „The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner“ 3


Ben Folds Five vollbringen eine Heldentat nach der anderen.

Künstler Ben Folds Five
Album The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner
Label 550 Music
Erscheinungsjahr 1999
Bewertung *****

Reinhold Messner ist ein Held. Er hat unmenschlich hohe Berge erklommen und einen Zeh geopfert, als er zu Fuß die Arktis durchquerte. Ben Folds Five behaupten, davon nichts gewusst zu haben, als sie ihr Album The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner nannten. Reinhold Messner sei für sie nur ein Pseudonym gewesen, unter dem sie sich als Minderjährige in die Bars von Charlotte, North Carolina, geschlichen haben.

Dabei besteht dennoch ein Zusammenhang, denn die Band vollbringt auf dieser Platte Taten, gegen die sich die Durchquerung der Arktis ausnimmt wie der Weg zum Briefkasten. Ohne Gitarren bringt das Trio Narcolepsy nicht nur zum Rocken, sondern auch zum Swingen, Jubilieren und Verzweifeln. Und wieder zurück. Don´t Change Your Plans hat sieben Strophen, und jede davon ist so perfekt wie diese: „All I really wanna say / is you´re the reason I wanna stay / I loved you before I met you / and I met you just in time / ´cause there was nothing left.“ Dazu barmen die Bläser, schwelgen die Streicher, koloriert das Klavier, schwingt das Schlagzeug.

Die Texte bleiben unfassbar gut und sind dabei stets in Melodien gehüllt, die mitten aus dem Herzen kommen. „And I don´t believe in God / so I can´t be saved / all alone as I´ve learnt to be / in this mess that I´ve made“, heißt es in Mess. Dann ist es Zeit für die Hymne, den Klassiker, das Mädchenlied, und es heißt auch noch Magic. Ein brillantes Klavier, beseelter Gesang, dramatische Streicher – und dann diese Zeile: „You´re the magic that holds the sky up from the ground.“ Für welche Frau auch immer diese Worte geschrieben worden – sie hat es nicht verdient.

Mit der Big-Band-Nummer Army könnte man den Weltfrieden für alle Zeiten sicherstellen. Regrets ist eine wunderbare Parabel über das Erwachsenwerden und das Leben überhaupt, verpackt in so etwas wie einen G-Funk-Bossanova mit Led-Zeppelin-Chören. Noch ein bisschen weiser gelingt Jane. „You´re worried there might not be anything at all inside / but that you´re worried should tell you that´s not right.“ Den Schluss macht Lullabye, und von kaum jemandem wird ein Schlaflied jemals so unpeinlich klingen wie von dieser Band.

Reinhold Messner mag ein Held sein, Ben Folds Five sind Götter.

Vom unerreichten Magic gibt es kein offizielles Video. Aber diesen Live-Clip von einem Reunion-Konzert 2008. Ben Folds sieht aus wie Charlie Brown:

Ben Folds bei MySpace.


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