The Cranberries – „Everybody Else Is Doing It So Why Can’t We“ 3


Künstler The Cranberries

Die Cranberries schwanken auf ihrem Debüt zwischen Unschuld und Wut.

Album Everybody Else Is Doing It, So Why Can´t We?
Label Island
Erscheinungsjahr 1993
Bewertung

Der Mann weiß eben, wie man es macht. Das hat Stephen Street als Produzent bei den Smiths bewiesen, auch bei Blur, und hier verleiht er den irischen Newcomern den richtigen Sound. Dabei setzt er voll und ganz auf die Stimme von Sängerin Dolores O´Riordan. Und gewinnt. Denn dieses Wesen, das so zierlich und schüchtern ist, dass man es kaum „Frontfrau“ zu nennen wagt, adelt und erdet die Cranberries-Songs.

Gleich drei Spuren sind beim Opener Still Do mit Vocals belegt. Dolores singt mit sich selbst im Duett und stellt das erstaunliche Ergebnis mit Sirenentönen aus dem Hintergrund gleich wieder in Frage. Im grandiosen Dreams lassen Schlagzeug und Gitarre viel Platz für den Gesang, der stets kurz davor ist, sich zu überschlagen, unsicher und suchend wirkt, und: bezaubernd.

„You mistify me“, singt Dolores dann passenderweise im nächsten Stück. Die Band darf dazu aufs Gaspedal treten, die akustische Gitarre ist höhenlastig-unbeschwert und spätestens beim Einsatz der Geige hat man erkannt, dass die Musik der Cranberries viel tiefer in Irland verwurzelt ist, als man meinen möchte. Das Wasser und die Wiesen aus den Reisebüro-Prospekten, die Straßenschlachten und der Bürgerkrieg aus den Nachrichten: Die Schizophrenie dieser Insel kann man hier heraushören. Ob in Waltzing Back oder Not Sorry, immer wieder stehen Folk-Elemente voller Unschuld und Naivität neben verstörenden Elementen voller Angst und Wut.

Wie bei fast allen Liedern auf Everybody Else Is Doing It, So Why Can´t We? geht es auch hier um Beziehungen, ihr Nichtzustandekommen oder ihr Scheitern. Dolores O´Riordan blickt in ihren Songs zurück, analysiert, rechnet ab. Selten hat die Suche nach dem emotionalen Selbst so faszinierend geklungen wie in I Will Always oder Put Me Down. Schlagzeug und Bass ganz dezent, die Stimme erneut im Zentrum.

Der Höhepunkt ist aber der erste Song der B-Seite. Aus konfusem Gitarren-Picking kristallisiert sich zunächst eine Streichermelodie heraus, dann ein Marschrhythmus, eine wunderschöne Bridge, schließlich ein feiner Refrain. Linger heißt der Song. Und bei solchen Schmuckstücken möchte man tatsächlich verweilen.

Noch mehr Irland-Klischees: Der Clip zur Single Dreams:

Die Cranberries bei MySpace.


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