Interview mit Arjen Robben


Gleich in seiner ersten Spielzeit in der Bundesliga wurde Arjen Robben zum news.de-Star der Saison.

Gleich in seiner ersten Spielzeit in der Bundesliga wurde Arjen Robben zum news.de-Star der Saison.

Deutschlands Fußballer des Jahres ist er nach einer bärenstarken Debütsaison bereits. Im Juli hätte er auch holländischer Nationalheld werden können, wenn er die Niederlande im WM-Finale gegen Spanien auf die Siegerstraße geschossen hätte. Wie sehr die vergebene Chance noch immer an ihm nagt, wie er die Rivalität zwischen Deutschland und Holland sieht und wer ihn in der aktuellen Saison bisher am meisten beeindruckt hat, verriet mir Arjen Robben im Interview. In München haben ich ihn getroffen, um ihn als news.de-Star der Saison auszuzeichnen.

Sie kamen für 25 Millionen Euro Ablösesumme von Real Madrid zu Bayern München. Hatten Sie erwartet, in der Bundesliga so schnell zu einer prägenden Figur zu werden?

Robben: Mit so etwas kann man nie rechnen. Aber ich hatte natürlich einen super Einstand: Gleich in meinem ersten Spiel gegen Wolfsburg habe ich zwei Tore geschossen – und das auch noch, als der Verein in einer schwierigen Situation war, weil die Saison bis dahin nicht so gut gelaufen war. Das tut natürlich gut, wenn man da gleich helfen kann. Aber so richtig los ging es dann erst in der Rückrunde. Nicht nur bei mir, sondern bei der ganzen Mannschaft. Wir haben wirklich eine sehr starke Rückrunde hingelegt – und dann ist es natürlich auch leichter für einen Einzelspieler, gut auszusehen.

War es in der Bundesliga womöglich leichter als gedacht, so stark aufzutrumpfen?

Robben: Nein. Man sieht auch jetzt gerade wieder, wie viele starke Mannschaften und wie viele gute Spieler es in der Bundesliga gibt. Das ist eine sehr starke Liga. Die Stadien sind voll, die Atmosphäre ist toll, die Liga ist sehr ausgeglichen. Das macht es für mich sehr interessant, hier zu spielen, und ich fühle mich beim FC Bayern und in Deutschland sehr wohl.

Freilich hätte die Premierensaison noch besser laufen können, hätte der FC Bayern das Champions-League-Finale gegen Inter Mailand nicht verloren.

Robben: Klar. Titel sind immer das Wichtigste. Und wenn nur ein Spiel fehlt bis zum Triumph in der Champions League, dann ist das natürlich sehr ärgerlich. Trotzdem war es schon eine super Leistung, bis ins Finale zu kommen. Als ich hierher zum FC Bayern gekommen bin, hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir so weit kommen können. Aber wenn man dann im Finale steht, muss man natürlich auch gewinnen.

Auch bei der WM blieb für Sie nur der zweite Platz – dabei hätten Sie die Niederlande im Endspiel gegen Spanien in Führung schießen können.

Robben: Natürlich. Das bleibt in Erinnerung. Das bleibt eine lange Zeit, vielleicht für immer. Wir haben mit Holland eine klasse Leistung gezeigt, diese WM war eine super Erfahrung für uns alle. Aber die Chance, Weltmeister zu werden, kommt vielleicht nie wieder. Und natürlich ärgert es mich besonders, dass ich die Gelegenheit hatte, ein Tor zu schießen. Das tut weh, und das muss man erst einmal verarbeiten.

Macht das Ihre momentane Verletzung besonders ärgerlich? Wenn Sie jetzt schon wieder spielen könnten, wäre es vielleicht einfacher, die Niederlage bei der WM zu verdrängen.

Robben: Das stimmt. Das WM-Finale war bisher mein letztes Spiel. Und die Tatsache, dass ich seitdem nicht mehr auf dem Platz stand, macht die Niederlage natürlich noch schlimmer. Dieses Spiel bleibt hängen. Wenn ich schon wieder fit wäre, könnte ich mich ablenken und mir neue Ziele setzen.

Wann können die Fans Sie denn wieder für den FC Bayern in Aktion sehen?

Robben: Das kann man nicht sagen. Es macht keinen Sinn, einen Termin zu nennen. Wir haben einen Plan, der viele kleine Schritte vorsieht. Und immer, wenn ich weit genug bin, können wir den nächsten Schritt gehen. Aber dabei geht es manchmal schneller, dann gibt es wieder Rückschläge.

Das klingt nicht gerade so, als hätten Sie gerade großen Spaß an Ihrem Beruf.

Robben: Es ist viel Arbeit. Und ich würde natürlich lieber wieder auf dem Platz mit dem Ball trainieren. Aber das geht leider noch nicht. Wir müssen Geduld haben. Es geht nicht um Schnelligkeit, sondern darum, dass die Verletzung gut heilt.

Die Tatsache, dass Sie im WM-Finale gespielt haben, obwohl sie verletzt waren, wird gerade in einem heftigen Disput zwischen Bayern München und dem niederländischen Verband thematisiert. Dabei spielt sicherlich auch das traditionell schwierige Miteinander von Holland und Deutschland eine Rolle. Wie empfinden Sie dieses Verhältnis?

Robben: Ich bin jetzt in meinem zweiten Jahr hier, und bisher merke ich eigentlich nichts von dieser Rivalität. Natürlich ist es ein besonderes Verhältnis, weil wir ja Nachbarländer sind. Aber es ist sicher nicht mehr so schlimm wie vor fünf oder zehn Jahren, als das noch ein wirklich erbitterter Kampf war. Damals hätte ich bei der WM vielleicht noch gehofft, dass Deutschland so früh wie möglich rausfliegt. Diesmal hätte ich mich auch gefreut, wenn wir im Finale gegeneinander gespielt hätten.

Der FC Bayern ist ja das beste Beispiel, dass es funktionieren kann: Der Trainer und der Mannschaftskapitän sind Holländer.

Robben: Genau. Es gibt jetzt sogar auch in meiner Heimat Leute, die Fans von Bayern München sind. Das wäre früher undenkbar gewesen. Aber auch andere Vereine wie Hamburg zeigen, dass das kein Problem ist. Ich fühle mich hier als Holländer wirklich wohl. Für uns ist es aber vielleicht auch etwas einfacher, uns anzupassen. Wir können die Sprache schnell lernen, das hilft sicherlich.

Sie sind als news.de-Star der Saison 2009/10 ausgezeichnet worden. Wer könnte denn der Star der aktuellen Saison werden?

Robben: Ich möchte gerne so schnell wie möglich wieder gute Leistungen zeigen und meinen Titel natürlich am liebsten verteidigen. Aber ich weiß nicht, ob das klappt. Und für die anderen Spieler ist es schwer zu sagen, die Saison ist ja noch jung. In jedem Fall haben Mainz und Dortmund bisher richtig stark aufgespielt. Vor allem, was Mainz bisher geleistet hat, beeindruckt mich. Die muss man weiter auf der Rechnung haben. Aber es ist schwer, da einzelne Spieler zu nennen. Es gibt so viele gute Leute in der Bundesliga – und man weiß nie, wer seine Form wirklich über eine ganze Saison halten kann.

Lewis Holtby vom FSV Mainz müsste doch ein Typ sein, dessen Spielweise Ihnen gefallen könnte.

Robben: Ja, vielleicht. Ich habe ihn beim Spiel der Mainzer hier bei uns gesehen, da hat er wirklich gut gespielt. Und Nuri Sahin von Dortmund ist natürlich auch ganz stark in Form.

Dieses Interview samt einer Fotostrecke mit den 10 besten Spielern der Saison 2009/10 gibt es auch auf news.de.

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