Nicht willkommen


Der Euro ist stark, Flüge werden immer billiger, der Grand Canyon oder die Freiheitsstatue sind nach wie vor attraktive Ziele. Doch während Fernreisen in alle Welt seit Jahren einen Boom erleben, machen sich immer weniger deutsche Touristen auf den Weg in die Vereinigten Staaten. Seit 1999 gab es einen Rückgang um fast 30 Prozent.

Das liegt nicht daran, dass Shopping in New York oder Sonnenbaden in Florida für die Deutschen kein Traumurlaub mehr wäre. Es liegt vielmehr daran, dass sie sich nicht mehr willkommen fühlen. Seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center vermitteln die US-Behörden einen eindeutigen Eindruck: Wir wollen unter uns bleiben. Niemand kommt hier rein.

Werden die Pläne Wirklichkeit, die Heimatschutzminister Michael Chertoff nun vorgestellt hat, wird das Buchen einer USA-Reise in Zukunft mitunter einem CIA-Verhör gleichen. Unmengen von Daten sollen vorab erfasst werden – zusätzlich zu den bereits jetzt rigiden Bestimmungen, die es den Behörden unter anderem erlauben, Fingerabdrücke von jedem Touristen zu nehmen oder sich die Inhalte auf Notebooks im Handgepäck anzusehen.

Was sich die USA davon versprechen, ist rätselhaft. Nicht nur, dass die Auswertung solcher Datenberge – wie übrigens auch in Deutschland – die Ermittler überfordern dürfte. Es ist auch naiv anzunehmen, dass potenzielle Attentäter in einem Online-Fragebogen brav ankreuzen werden, wen und was sie nach ihrer Ankunft in die Luft sprengen wollen, an welchen Völkermorden sie bisher beteiligt waren und im Auftrag welches Geheimdienstes sie reisen. Mehr noch: Die USA übersehen, dass es gerade ihre Abschottung und ihre Stilisierung als auserwählte Nation ist, die viele Ausländer abstößt.

Vor allem aber zeigen die neuen Vorschläge, wie weit sich das „Land der Freien, die Heimat der Tapferen“ von den eigenen Idealen entfernt hat. Was die Heimatschutzbehörde jetzt praktizieren will, sind Polizeistaat-Methoden. Fragen zu Religionszugehörigkeit, Krankheiten oder Drogenkonsum greifen schonungslos in die Privatsphäre ein. Solche Dinge von unbescholtenen Bürgern zu erfragen, steht keiner Behörde der Welt zu.

Vielleicht sollte jemand Chertoff ins Gedächtnis rufen, dass es gerade die Freiheit der Religion und die Verankerung der Menschenrechte waren, die einst den Ruf vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten begründet haben. Für viele Touristen ist dieser Mythos weitaus attraktiver als Disneyland. Doch die USA sind dabei, ihn aufs Spiel zu setzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.