Draufgeschaut: 25 Stunden


Monty (Edward Norton, Mitte) erlebt mit seinen Freunden den letzten Tag in Freiheit.

Monty (Edward Norton, Mitte) erlebt mit seinen Freunden den letzten Tag in Freiheit.

Film 25 Stunden
Originaltitel 25th Hour
Produktionsland USA
Jahr 2002
Spielzeit 135 Minuten
Regie Spike Lee
Hauptdarsteller Edward Norton, Philip Seymour Hoffman, Barry Pepper, Rosario Dawson, Anna Paquin, Brian Cox, Tony Siragusa
Bewertung

Worum geht’s?

Noch einen Tag hat Monty, bevor er ins Gefängnis muss. Seit die Drogenfahndung in seiner Wohung ein Kilogramm Heroin und eine Menge Bargeld gefunden hat, warten auf ihn sieben Jahre Haft. Den letzten Tag in Freiheit will er nutzen, um alte Freunde zu treffen, es sich gut gehen zu lassen und die Dinge für die Zeit seiner Abwesenheit zu regeln. Und allzu gerne würde er auch noch herausfinden, wer ihn bei der Polizei verpfiffen hat.

Das sagt shitesite:

Die Romanverfilmung (die Vorlage stammt von David Benioff) von Spike Lee hat fast alles, was ein Klassiker braucht: eine exzellente Besetzung, eine konsequente, einzigartige Geschichte und nicht zuletzt einen reizvollen Plot. Will Monty fliehen? Wird er sich umbringen? Oder fügt er sich in sein Schicksal? Diese Frage trägt den Film und wird wunderbar konzentriert im Gesicht Edward Nortons, das in jeder Szene die genau richtige Balance aus Gelassenheit, Zynismus und blanker Angst findet. „Da drin bin ich nur ein weißer Arsch, der keine Freunde hat. Die werden mich durchkauen und ausspucken ohne zu fackeln“, sagt Monty beim Blick auf das, was ihm im Gefängnis bevorsteht.

Leider versucht 25 Stunden, zusätzlich dazu noch eine Analyse der Lage des Landes nach dem 11. September 2001. Einwanderung, Integration und Rassismus sind wichtige Themen, Korruption bei den Sicherheitsbehörden oder die Frage, ob es in Zeiten wie diesen überhaupt noch Patriotismus geben kann. Das führt zu einigen Momenten, die überambitioniert sind. Montys knapp fünfminütiger „Fuck You“-Monolog vor dem Spiegel ist eine großartige Passage voller Hass und Verachtung für die Welt und insbesondere für New York. Doch dem stehen etliche Szenen gegenüber, die auf zu plakative Elemente wie die allgegenwärtigen Stars & Stripes oder schmerzhafte Bilder vom Ground Zero setzen.

Auf der individuellen Eben funktioniert 25 Stunden hingegen blendend: Monty und seine Begleiter wollen in einer Nacht all das wieder gutmachen, was sie ein Leben lang versäumt haben. Jeder will versuchen, seine ultimative Loyalität zu beweisen, und dennoch wird Montys Drama mit jeder Minute greifbarer: Selbst an diesem einzigen Tag ist die Tatsache offensichtlich, dass alle in seinem Umfeld ihre kleinen Verbrechen und Verfehlungen begehen, aber nur er, ausgerechnet er, soll dafür büßen. Stilistisch ist 25 Stunden ohnehin eine Klasse für sich: Es gibt verschiedene Zeitebenen, die nicht groß erklärt oder gar geordnet werden, das Licht ist virtuos, die Musik kongenial und einige Szenen doppeln sich ganz kurz, als würde jemand mit der Zelluloid-Rolle scratchen. Die Parallele zur Musik ist hier noch in anderer Hinsicht treffend: Auch da haben fast alle, die sich mit allzu großer zeitlicher Nähe mit 9/11 und den Folgen befasst haben, übers Ziel hinaus geschossen.

Bestes Zitat:

„Ich bin Ire. Ich kann gar nicht betrunken sein.“

Der Trailer zum Film:

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