Draufgeschaut: Die Queen


Film Die Queen

Die Queen Film Rezension Kritik

Elizabeth II. (Helen Mirren) erhält keine guten Nachrichten.

Produktionsland Großbritannien
Jahr 2006
Spielzeit 97 Minuten
Regie Stephen Frears
Hauptdarsteller Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell, Alex Jennings, Helen McCrory, Sylvia Syms
Bewertung

Worum geht’s?

Der Sommer 1997 bringt turbulente Tage für das englische Königshaus und Queen Elizabeth II. als Staatsoberhaupt: Zunächst tritt mit Tony Blair ein neuer Premierminister sein Amt an, der erste nicht-konservative Regierungschef seit 18 Jahren. Wenig später kommt Prinzessin Diana, Ex-Frau des Thronfolgers Prinz Charles, bei einem Autounfall in Paris ums Leben. Das Königshaus muss irgendwie mit diesem Todesfall und der enormen öffentlichen Anteilnahme umgehen und verkennt dabei zunächst, dass neue Zeiten angebrochen sind. Bis sich der zunächst belächelte neue Premierminister als hilfreicher Berater erweist.

Das sagt shitesite:

Bei oberflächlicher Betrachtung ist Die Queen ein Film, der sich letztlich bloß um die Frage dreht, wie genau man nun eine Beerdigung ausrichten soll. So abwegig der Gedanke zunächst erscheint, das könne mehr als anderthalb Stunden lang interessant bleiben, so einleuchtend ist es am Ende. Gleiches gilt für den Ablauf der Ereignisse: Das Zögern und Zweifeln, die Beharrlichkeit und Bedenken der Queen wirken so echt und plausibel, als hätten Regisseur Stephen Frears und Drehbuchautor Peter Morgan ihre Tagebücher lesen können – dabei ist es, soweit wir wissen können, pure Fantasie.

Dass dies so gut gelingt, ist natürlich auch Helen Mirren zu verdanken, die für ihre anmutige, ernste und facettenreiche Darstellung dieser Rolle mit dem Oscar belohnt wurde. Von der ersten Szene an ist sie das unebstreitbare Zentrum des Films: Tony Blair kommt als strahlender Wahlsieger in den Palast, als dynamischer und viriler Staatsmann, der das Land verändern und ein neues Zeitalter für Großbritannien einläuten will. Als er der Queen dann gegenüber steht, wird er zum tollpatschigen, hilflosen Jungen, eingeschüchtert durch die Autorität des Amtes, aber auch der Person.

Man ahnt da bereits, dass sich zwischen diesen beiden Machtmenschen eine spannende Beziehung entwickeln wird, und Stephen Frears macht erfreulicherweise nicht den Fehler, dabei auf Schwarz-Weiß-Zeichnung zu setzen. Natürlich treffen hier medial inszenierte Politik und tief verinnerlichtes Gottesgnadentum aufeinander, der Mann im Fußballtrikot und die Frau aus einem 1000 Jahre zurückreichenden Adelsgeschlecht, das Streben nach Reform und Idealismus und das Beharren auf Privilegien und Tradition. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten zwischen Tony Blair und Elizabeth II.: Beide eint das Wissen, dass das Land eigentlich ganz andere Probleme hat als eine tote Prinzessin. Beide ahnen, dass ihnen hier eine vielleicht entscheidende Bewährungsprobe gestellt wird. Und nicht zuletzt wissen beide um die Pflicht, zum Wohl des Landes ihr eigenes Ego zu negieren.

So wird Blair, auch wenn er sicher deutlich lieber eine Republik regieren würde, zum wohlwollenden Berater der Monarchie. So wird noch viel stärker die Queen zu einer Frau, die ihre 50 Jahre lang vertretenen Prinzipien verbiegen muss. Sie ist streng, verkniffen, staatstragend und zu Beginn des Films entschlossen in ihrem Versuch, den Tod Dianas nicht zu einem großen Ereignis werden zu lassen, ihre Popularität zu leugnen und die Betroffenheit im Land zu ignorieren. Doch sie muss erkennen, dass selbst die Trauer instrumentalisiert werden und zu einem Event gemacht werden kann, und sie muss sich letztlich der öffentlichen Meinung beugen.

Darin ein demokratisches Element zu erkennen, geht vielleicht zu weit. Aber Die Queen zeigt die Windsors immerhin auch als eine irgendwie normale Familie mit Eifersüchteleien, Schrullen und schwarzen Schafen. „Könnte bitte jemand diese Familie vor sich selbst retten?“, muss Tony Blair an einer Stelle fragen. Zur Stilsicherheit des Films gehört bei diesem Blick ins Innenleben der Royals auch das, was er nicht zeigt: den Unfall Dianas selbst, die tote Prinzessin im Sarg, die Gesichter der trauernden Söhne William und Harry. Diese Zurückhaltung ist genauso wie der Gedanke, Königin und Premierminister seien voneinander abhängig: einzigartig und very British.

Bestes Zitat:

„Es gibt zwei Dianas: die öffentliche und die, die wir kennen. Aber die beiden haben nicht das Geringste miteinander zu tun.“

Der Trailer zum Film.

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