Futter für die Ohren mit Noel Gallagher, Deichkind, Mando Diao, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und Mister Me


Noel Gallagher

Noel Gallagher hat offensichtlich weiter Lust auf Beats – und auf seine Band. Foto: verstaerker.com/Sharon Latham

Erfreulicherweise hat Noel Gallagher in diesen Tagen weiterhin nicht nur Zeit, sich bei Twitter mit seinem kleinen Bruder zu zoffen, sondern auch neue Musik zu machen. Nach der Black Star Dancing-EP aus dem Juni gibt es nun ein weiteres Lebenszeichen, erneut im EP-Format. Fünf neue Tracks (davon zwei Remixes) wird der am 27. September erscheinende Tonträger enthalten, den Titelsong This Is The Place (****) gibt es schon jetzt. Ein prominenter Bass à la Go Let It Out bildet das Fundament, dazu gibt es erstaunlich viele Percussions, ein vor allem zum Ende hin hypnotisches Gesangssample und in Summe eine Tanzbarkeit, die schon die vorige EP geprägt hat. Man darf das wohl so interpretieren, dass der Chief und seine High Flying Birds während des Sommers (mit etlichen Festivals und eigenen großen Shows) die Lust aufeinander längst nicht verloren haben. Dazu passt auch, dass die Band im Video (Regie: Dan Cadan und Jonathan Mowatt) eine erstaunlich sichtbare Rolle einnimmt und sich gemeinsam mit dem Boss vor mehr oder weniger spacig-psychedelischen Visuals betätigen darf. Im besten Fall bedeutet das: Nach den bereits feststehenden Tour-Verpflichtungen (mit den Smashing Pumpkins in den USA und danach mit U2 in Australien) dürfte die Wartezeit auf ein neues Album von Noel Gallagher & The High Flying Birds nicht allzu lang ausfallen.

Keine Party (****) heißt die dritte Single von Wer Sagt Denn Das?, dem neuen Album von Deichkind, das ebenfalls am 27. September erscheinten wird. Bei den beliebtesten Rap-Anarchos des Landes weiß man natürlich, dass dieser Titel nur als Bluff gemeint sein kann. In der Tat erweist sich Keine Party mit Zeilen wie „Schluss mit Remmidemmi“ oder dem Hinweis, man könnte statt Rave doch auch Verantwortungsbewusstsein für sich entdecken, als mindestens doppelbödig: Deichkind thematisieren hier ziemlich clever, dass sie eigentlich längst aus dem Sturm und Drang-Alter raus sind und zudem allzu gerne auf das Image als Rampensäue reduziert werden, das sie zugleich fleißig selbst weiter pflegen. Im Video darf wieder einmal Lars Eidinger eskalieren, bei dem man gar nicht mehr weiß, was neben dem Schauspielberuf mittlerweile sein Lieblingshobby ist: Als DJ auftreten oder in Deichkind-Videos die Sau rauslassen.

Noch ein bisschen länger warten, nämlich bis 18. Oktober, muss man auf das neue Album von Mando Diao. Dass es den Titel BANG tragen wird, deutet an, dass die Band die nach den jüngsten Personalwechseln eingeschlagene Richtung hin zu klarem Rock’N’Roll (ohne Elektronik/Pop/Soul-Experimente, wie es sie bei Mando Diao zwischenzeitig mal gab) für ihr mittlerweile neuntes Album weiter verfolgt, was zumindest live in letzter Zeit manchmal auch verkrampft und gestrig wirken konnte. Die Vorab-Single One Last Fire (***) gibt wenig Antworten darauf, ob die Rückkehr zum Prototypischen erfreulich ist oder ein Rückschritt: Der Song ist solide, kompetent und kommt mit einer großen Selbstverständlichkeit daher, zeigt aber zugleich ein Defizit in den Kategorien „Aufregung“ und „Überraschung“, das Mando Diao vielleicht überhaupt erst zum Experimentieren mit anderen Genres gebracht hat. Frontmann Björn Dixgård sieht das naturgemäß anders: „One Last Fire handelt davon, den Funken in sich zu spüren und sich dafür zu entscheiden, ein Feuer zu entfachen anstelle es zu löschen. Vielleicht handelt es auch ein bisschen von meiner Faszination für Pyromanie… haha!“ Es bleibt der Eindruck, dass BANG womöglich darüber entscheiden wird, ob Mando Diao eine Zukunft haben – im November kann man sich bei Konzerten in Deutschland auch live davon ein Bild machen.

Wer die Abkürzung DLDGG noch nicht entschlüsseln kann, hat in den vergangenen Jahren offensichtlich eine der besten deutschen Bands verpasst. Mittlerweile sollte man auch mit dem Akronym FDLA etwas anfangen können, denn Fuck Dance, Let’s Art, das fünfte Album von Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, ist seit rund zwei Wochen draußen. Die Hamburger klingen darauf „bunter und schillernder als je zuvor“, hat der Musikexpress halbwegs zutreffend diagnostiziert. Als kleine Gedankenstütze kann die Single Ein Leben in Rot mit purpurnen Blitzen (****) helfen. Die übliche Dandy-Attitüde und die gewohnt schmissige Orgel paart die Liga hier mit Disco-Beat, einem ziemlich unwiderstehlichen „Bababa“-Chor und einem großartigen Harald-Juhnke-Zitat. Am 31. Oktober gibt es DLDGG live im Naumanns in Leipzig.

Das Ende vom Hass verspricht Mister Me für den 11. Oktober. Dann wird sein gleichnamiges Album erscheinen, gefolgt von einer sehr ausgiebigen Tour, die ihn am 1. Dezember auch nach Leipzig ins Naumanns bringen wird. Die zweite Vorab-Kostprobe aus seiner zweiten Platte ist „ein Song über eine Beziehung. Und darüber, dass Beziehungen eigentlich viel mehr mit Kompatibilität als mit Liebe zu tun haben. Und irgendwie konnte ich mich darauf noch nie einlassen. Ich bin zu idealistisch und zu naiv, als dass ich mir vorstellen kann, meine Liebe, Loyalität und Zuneigung in einen Rahmen einzupassen anstatt umgekehrt. Geschrieben im Januar 2019, nach fünffachem Tourloch-Tod und Auferstehung sowie doppeltem Herzbruch“, sagt der Mann, der eigentlich Micha Meißner heißt, gelernter Erzieher ist und in Berlin lebt, über Pink und blau (**). Seine Ursprünge als Rapper kann man in dem gelungenen, manchmal allerdings bemüht ambitionierten Text durchaus nach erahnen, die Musik dazu ist indes trotz einiger guter Einfälle insgesamt so gefällig, dass man schnell versteht, wie er es ins Vorprogramm von Silbermond geschafft hat. Immerhin: Dass Mister Me Das Ende vom Hass per Crowdfunding-Kampagne finanzieren konnte, macht ja globalpolitisch doch ein bisschen Hoffnung.

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