Hingehört: Architecture In Helsinki – „Moment Bends“ 1


Modern und stark als Ganzes: "Moment Bends".

Modern und stark als Ganzes: „Moment Bends“.

Künstler Architecture In Helsinki
Album Moment Bends
Label V2
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

Moment Bends was all about being at one with our ideas, obsessed with popular music and falling in love with our hometown. We wanted to build a record to get lost in. A record that always feels exactly what you are feeling”, sagt Cameron Bird, Chef von Architecture in Helsinki über das vierte Album seiner Band.

Die Bezugspunkte zu Melbourne, der Heimatstadt des Quintetts, lassen sich zwar nur schwer ausmachen. Aber in den beiden anderen Punkten hat Cameron Bird definitiv Recht. Moment Bends ist durch und durch Pop, meist tanzbar, immer modern. Und es hat es hat eine einzigartige, sehr wohlige Atmosphäre, die dafür sorgt, dass Moment Bends auch als Album ausgezeichnet funktioniert – bei weitem keine Selbstverständlichkeit, wenn es um Musik geht, die auf einem Fundament aus Elektronik beruht.

Die Plattenfirma spricht vom “first great modernist pop album of 2011”, und es ist schwer, Argumente zu finden, die gegen diese Behauptung sprechen. Duran Duran klingen hier an, Italo Pop, Metronomy – trotzdem bleibt das alles einzigartig, und man fragt sich: Wie haben die Australier das bloß geschafft?

Der Opener Desert High ist federleicht, vereint gekonnt die Eleganz von Hurts mit der Niedlichkeit der Teenagers und schafft es sogar, eine angedeutete Panflöte mit einzuschmuggeln. Es folgt Escapee, ein ganzes Stück zupackender, noch ausgelassener und optimistischer. Die Vorab-Single Contact High beginnt, als hätten Human League irgendwann um das Jahr 1982 herum gemeinsam mit Prince ein Lied gezeugt und dann zur Adoption frei gegeben, doch der Auto-Tune-Refrain könnte kaum mehr 2011 sein, wenn er aus zufällig zusammengesetzten Wikileaks-Zeilen bestünde.

Dann kommt W.O.W., und plötzlich wird klar, worin das Geheimnis von Moment Bends liegt. Erstmals ist eine Frauenstimme zu hören (Keyboarderin Kellie Sutherland singt das Lied beinahe schüchtern), und dadurch merkt man: Architecture In Helsinki begegnen Pop so, wie es die Vorreiterinnen des Genres tun (und derzeit: nur die). Wie bei Annie hat hier niemand Angst, sexy oder oberflächlich zu sein. Wie bei Robyn ist das Ganze von Geschmack und Cleverness durchtränkt.

Da kann ein beinahe plumper Beat von ganz viel Raffinesse umgeben sein (Yr Go To). Da kann eine enorm reduzierte Strophe auf einen Refrain treffen, der die Power der größten Dancefloor-Kracher von Klaxons hat (I Know Deep Down). Da beweisen Architecture In Helsinki, wie man intelligente Dancemusic macht, ohne Hot Chip zu sein (Everything’s Blue). Oder sie klingen so euphorisiert und unschuldig, als hätten sie im Studio kurz vor der Aufnahme noch einen Weltrekord im Gummitwist aufgestellt (Denial Style).

Am Ende steht B4 3d. Der Titel klingt extrem digital, steril, kalt. Doch die Ballade ist ein himmlischer Rausschmeißer für ein sehr feines Album – und der Beweis, dass Computer auch Gefühle zeigen können, wenn man sie nur zärtlich genug behandelt.

Die Zukunft ist steril, und ziemlich unheimlich, wenn man dem Video zu Contact High glauben kann:

Architecture In Helsinki bei MySpace.


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