Lina, Haus Auensee, Leipzig


Lina Larissa Strahl Leipzig Konzert Kritik Rezension

Beste Stimmung auch bei den Großen: Lina spielt in Leipzig das zweite Konzert ihrer Tour.

Es ist das zweite Konzert von Linas aktueller Tour und es ist die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte. Mit ihrem zweiten Album Ego hat Lina Larissa Strahl es bis auf Platz 4 der deutschen Charts geschafft, auch im Kino ist sie als eine der Hauptdarstellerinnen der Bibi & Tina-Reihe weiter extrem erfolgreich, zuletzt mit Bibi & Tina: Tohuwabohu Total. Ihre letzte Tour war komplett ausverkauft, jetzt ist sie wieder auf Konzertreise und macht im Haus Auensee Station.

Noch nie hat sie bei einem Solokonzert vor so vielen Menschen gespielt wie hier in Leipzig, freut sich die 20-Jährige in einer der Ansagen während der Show. Ausverkauft, das bedeutet: 3500 Fans sind gekommen, schon zwei Stunden vor Konzertbeginn hat sich vor dem Eingang zum Gelände eine beträchtliche Schlange gebildet, noch mehr als eine Stunde nach dem Ende der Show herrscht enormer Andrang beim Fanartikel-Verkauf.

Man könnte zynisch sein und das Geschäftsmodell als sehr perfide bezeichnen: Für jedes 11-jährige Mädchen, das gerne Lina live erleben möchte, muss schließlich auch ein Elternteil ein Ticket kaufen. Die Shirts, Poster und Armbändchen am Merchandising-Stand würden in dieser Logik zur Quengelware wie die Süßigkeiten an der Supermarktkasse. Doch das Konzert von Lina zeigt, wie ungerecht und irreführend so ein Vorwurf wäre. Zum einen haben im Haus Auensee sichtbar auch die Erwachsenen ihren Spaß, zum anderen kann man in einer selten ursprünglichen Form das erleben, worum es bei Konzerten gehen sollte: Freude, Begeisterung und Ausgelassenheit.

Für die kleinen Fans (geschätztes Alter: 8 bis 15) ist direkt vor der Bühne eine „elternfreie Zone“ vorgesehen. Was sich dort abspielt, habe ich in solcher Hingabe in Leipzig zuletzt gesehen, als Bruce Springsteen in der Stadt war: Die Fans haben jede Menge Schilder selbst gebaut, manche mit Buntstiften gemalt, manche mit LEDs bestückt. Die Wartezeit bis zum Konzertbeginn verbringen die Kinder mit einer Ruhe und Engelsgeduld, die manche Eltern wohl wird staunen lassen. Als die Zeit dann näher rückt, die auf der Eintrittskarte als Beginn genannt ist (es geht familienfreundlich um 18:30 Uhr los), ertönen „Lina, Lina“-Sprechchöre. Als ein paar weitere Minuten verstreichen, wird daraus ein noch energischeres „Lina, komm!“ Das klingt so wild entschlossen und vorfreudig, dass man durchaus ein bisschen eingeschüchtert sein könnte – mit mehr Enthusiasmus wird sicher nicht einmal der Weihnachtsmann von diesen Kids herbeigesehnt.

Mit Fan von Dir eröffnet Lina das Konzert, mit Dreist, Egoist, Lieblingslied und Spiel folgen gleich vier weitere Lieder vom aktuellen Album, von dem bis zum Ende der Show tatsächlich alle Songs zu hören sein werden. Lina wird begleitet von Thorben (Bass), Nico (Schlagzeug) und Joshi (Gitarre), bei Unterm Strich ist nach einer guten halben Stunde erstmals auch Tilman Pörzgen mit auf der Bühne, der auch für das folgende Unser Platz seinen Gesang beiträgt und später in der Zugabe noch einen Auftritt hat.

Was die vier Leute auf der Bühne fabrizieren, ist auch live eine erstaunlich gute und abwechslungsreiche Pop-Wundertüte. Beim Beat und der zweiten Stimme gibt es zwar auch erkennbare Playback-Anteile, trotzdem ist das hoch kompetent und genügt bei weitem nicht nur den Ansprüchen von leicht zu beeindruckenden Noch-Nicht-Einmal-Teenagern. Mal bewegt sich der Sound in Richtung HipHop, manchmal sind Indie-Gitarren zu hören, meist gibt es klasse Pop irgendwo zwischen Lorde, Taylor Swift und meinetwegen Clueso. Dass vor dem Konzert Avril Lavigne und Pink aus der Anlage im Saal ertönen, passt ebenfalls und erklärt einen Teil des Erfolgs von Lina: Das ist ein Sound, der die Kleinen nicht stört und die Eltern an die Zeiten erinnert, als sie noch ohne Nachwuchs zu Konzerten gegangen sind.

Auch außerhalb der „elternfreien Zone“ herrscht deshalb schnell sehr gute Stimmung. Auch hier sind die Leipziger erstaunlich textsicher, bei der Ballade Nach haus erleuchten sie das Haus Auensee genauso gerne mit ihren Handys wie die Kinder vorne, bei Tanzen ist Gold, das als drittes Lied der Zugabe den Abend beschließt, wird hinten beinahe eifriger getanzt als vorne. Fast kann man den Verdacht haben: Ein paar der Erwachsenen haben ihre Kinder hier vielleicht nur vorgeschoben, weil sie die Musik selbst so gut finden. Auf jeden Fall kann man sich hier deutlich wohler fühlen als der Mann in der Samsung-Werbung, der ein Konzert für seine kranke Teenie-Tochter mitfilmen muss.

Wirklich spektakulär an diesem Konzert ist allerdings nicht die Erkenntnis, dass die Musik von Lina auch Erwachsenen gefallen kann. Vielmehr ist es die Stimmung: Eine so unschuldige und ausdauernde Begeisterung habe ich mindestens seit Scooter beim Highfield nicht mehr erlebt. Das liegt daran, dass Lina es versteht, mit ihren Texten tatsächlich ihre jungen Hörer abzuholen. Du bist toll, auch wenn du nicht perfekt bist – so lautet oft die Botschaft. Natürlich sorgt das im präpubertären Alter für ein hohes Maß an Identifikation. Lina ist für die meisten ihrer Fans als Bibi eine Fantasiefigur auf der Kinoleinwand gewesen. In ihren Liedern, und an diesem Abend auch leibhaftig unmittelbar in ihrer Nähe, wird sie zur ultimativen besten Freundin, zur großen Schwester und sicherlich auch zu der selbstbewussten, lebensfrohen jungen Frau, die viele im Publikum auch einmal sein wollen. Zugleich ist unverkennbar, wie sehr die Fans es genießen, ausflippen zu können und sich unter Gleichgesinnten zu wissen. Mit jeder Minute des Konzerts scheint sich die elternfreie Zone vor der Bühne ihrer gemeinschaftlichen Kraft bewusster zu werden – auch das ist ein Effekt, der (altersunabhängig) zu den schönsten Erlebnissen zählt, die man bei einem Konzert haben kann. Zudem dürfte er manchem Coolness-Apostel, der Lina nicht ernst nehmen mag, den Hinweis ins Gedächtnis bringen: Das Kreischen und Singen von elfjährigen Mädchen erinnert verdammt an den Sound, der den Siegeszug der Popmusik überhaupt erst möglich gemacht hat.

Mit Winken ins Publikum sorgt Lina immer wieder für entzückte Quiekser. Auch ihr Lob, dass die Fans nie zuvor bei einem Konzert so laut mitgesungen haben, glaubt man ihr tatsächlich. Am größten ist die Begeisterung, als die Band dann ein Selfie für Instagram mit dem gesamten Haus Auensee als Hintergrund macht. Als Lina bei X zum Ende des Abends überleitet und die Show dann nach 21 Liedern und knapp anderthalb Stunden tatsächlich beendet, erinnert das bestürzte „Oaahhhh“ gewaltig an ein tausendfaches „Ich will aber noch nicht ins Bett!“. Nicht der schlechteste Sound, um ein Konzert zu beenden – und an einem Abend wie diesem dürften sich Eltern und Kinder ausnahmsweise einig sein, dass es schön gewesen wäre, wenn er wirklich noch ein Stück länger gewesen wäre.

Lina ist weiter auf „Fan von Dir“-Tour.

23.02.2018 Erfurt | Stadtgarten

24.02.2018 Leipzig | Haus Auensee

25.02.2018 Nürnberg | Löwensaal

27.02.2018 München | TonHalle

28.02.2018 Wien | Gasometer

02.03.2018 Basel | Rhypark

03.03.2018 Zürich | Volkshaus

04.03.2018 Saarbrücken | Garage

06.03.2018 Stuttgart | Im Wiezemann

07.03.2018 Frankfurt | Batschkapp

13.03.2018 Dresden | Alter Schlachthof

14.03.2018 Bremen | Schlachthof

15.03.2018 Hamburg | Große Freiheit

17.03.2018 Münster | Jovel

18.03.2018 Berlin | Columbiahalle

20.03.2018 Dortmund | Phönixhalle

21.03.2018 Köln | Live Music Hall

Website von Lina.

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