Royal Trux – „Platinum Tips + Ice Cream“


Künstler Royal Trux

Platinum Tips + Ice Cream Royal Trux Kritik Rezension

Zwei Konzerte haben Royal Trux auf „Platinum Tips + Ice Cream“ zusammengefasst.

Album Platinum Tips + Ice Cream
Label Domino
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Etwas überraschend kommt dieses Comeback. Vielleicht ist das 30. Bandjubiläum schuld: Als Neil Hagerty (Gitarre) und Jennifer Herrema (Gesang) im Jahr 1987 Royal Trux gründeten, waren sie noch Teenager, außerdem ein Paar. Als sie 2001 die Band auflösten, hatte sich auch die Beziehung längst erledigt, dafür galt ihr Projekt als zumindest unterschwellig enorm einflussreich: In die Liste der 100 Records That Set The World On Fire (While No One Was Listening) hat Wire ihr Album Twin Infinitives aus dem Jahr 1990 aufgenommen.

Jetzt sind Royal Trux zurück, mit einem Konzept, das man in der Nähe von Performance-Kunst ansiedeln könnte. Das Live-Album Platinum Tips + Ice Cream vereint zwölf Lieder, die sie bei Konzerten im August 2016 in Santa Ana, Kalifornien und im Dezember in der New Yorker Webster Hall gespielt hatten. Es waren ihre ersten Auftritte seit der Trennung, Royal Trux spielten ausschließlich altes Material, allerdings in freien Interpretationen und ohne vorher geprobt zu haben.

Das ist natürlich eine spannende Grundlage und verleiht Platinum Tips + Ice Cream tatsächlich einen sehr ursprünglichen Sound. Junkie Nurse macht den Auftakt, mit simplem Riff, simplem Beat und vollkommen unkoordiniertem Gesang, also dem alten Rezept der Buzzcocks. Auch in Waterpark erscheint Punk als das passende Genre, der Song wird rotzig und kaputt wie die Sex Pistols.

So einfach machen es Royal Trux dem Hörer natürlich nicht immer. Als „Lärm mit Rückgrat, Spacerock aus der Graswurzel oder Rockabilly, als wenn Sun Ra ihn spielen würde“, hat die taz den Sound des Duos gut zusammengefasst, das live immer wieder von wechselnden Musikern begleitet wird. Entsprechend groß ist hier die stilistische Bandbreite. Sewers Of Mars, das man sich auch von den Black Keys vorstellen könnte, lässt eine Verwandtschaft zum Blues erkennen, in Blue Is The Frequency kann man die Gene von Jimi Hendrix heraushören, nicht nur wegen des ausufernden Gitarrensolos. Am Ende des Albums staunt man bei Ice Cream, wie groß auf einmal die Nähe zu Jazz ist.

Einen großen Anteil haben Stücke, die im weitesten Sinne aus einem freigeistigen Hardrock-Universum kommen. Die hier vertretene und dezent experimentelle Version von Red Tiger dürfte The Who gefallen, Sometimes erinnert in Attitüde und Sound an Thin Lizzy, Deafer Than Blind nimmt ein wenig den Fuß vom Gas, hat aber trotzdem beachtliche Kraft wie die frühen Stücke von Alice Cooper. Die Verzerrung in Platinum Tips ist beinahe brutal – so hätten T. Rex klingen können, hätten sie ihr Make-Up gegen ein paar Brandings eingetauscht.

Und dann sind da ja noch die Songs, die nirgendwo reinpassen außer ins Oeuvre von Royal Trux. Esso Dame gehört dazu, das vom geheimnisvollen Bass-Sound zusammengehalten wird, ebenso wie The Banana Question, in dem etwas Groove und sogar ein Hauch von Eingängigkeit aufkommen. Auch Mercury ist vergleichsweise bodenständig, von konventionell will man bei dieser Band natürlich lieber nicht sprechen.

Für sie gebe es letztlich nur zwei Genres, hat Jennifer Herrema (immer noch unfassbar, wie sehr sich ihre fistelnde Sprechstimme in den Ansagen von dem bitterbösen Gesang unterscheidet) einmal gesagt: Musik, die rockt, und Musik, die nicht rockt. Royal Trux zeigen auch mit Platinum Tips + Ice Cream, dass sie nicht nur in die erste Kategorie gehören, sondern dieser auch noch relevante Impulse geben können.

Back To School haben sie bei der ersten Show gespielt, auf dem Album ist der Song aber nicht.

Royal Trux auf der Website von Drag City.

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