Draufgeschaut: Der Medicus


Film Der Medicus

Szene aus dem Film Der Medicus mit Tom Payne

Rob (Tom Payne) will ein guter Arzt werden.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2013
Spielzeit 150 Minuten
Regie Philipp Stölzl
Hauptdarsteller Tom Payne, Emma Rigby, Stellan Skarsgård, Ben Kingsley, Olivier Martinez, Elyas M’Barek
Bewertung

Worum geht’s?

England im Jahr 1021: Als seine Mutter stirbt, steht der kleine Rob Cole ganz alleine da. Er möchte den Bader begleiten, der gerade in seinem Dorf Station macht und dessen Handwerk lernen. Der störrische Bader hat nicht das geringste Interesse daran, einen Waisenjungen durchzufüttern, lässt sich dann aber doch überreden. Rob wächst als sein Assistent auf, ist fasziniert von der Möglichkeit, Menschen mit einer Mischung aus Kräuterkunde, beherzten Handgriffen und Quacksalberei zu heilen. Als er bei einem jüdischen Arzt aber mit echter Medizin in Kontakt kommt, genügen ihm solche Maßnahmen nicht mehr. Er will die Heilkunde richtig erlernen, beim besten Arzt der Welt: Ibn Sina, der in Isfahan lehrt. Auf dem Weg dorthin muss er allerdings nicht nur die gesamte damals bekannte Welt durchqueren. Sondern auch seinen christlichen Glauben verleugnen.

Das sagt shitesite:

Als eines der zehn beliebtesten Bücher aller Zeiten wurde Der Medicus von Noah Gordon im Jahr 1999 ausgezeichnet. Vor allem in Deutschland war der 1986 erschienene Historienroman enorm erfolgreich. Es verwundert deshalb nur ein bisschen, dass sich ausgerechnet eine deutsche Produktion der Aufgabe annahm, den Bestseller eines amerikanischen Autors zu verfilmen, der in England und in Persien spielt.

Ein Ziel ist bei so einer Konstellation immer automatisch gegeben: Man will gerne zeigen, dass man genauso groß denken kann wie Hollywood. Das gelingt in Der Medicus. Nicht nur dank eines Budgets von 26 Millionen Euro, sondern auch dank einer manchmal fast berauschenden Optik mit vielen bildgewaltigen Landschaftaufnahmen und internationaler Stars wie Ben Kingsley und Stellan Skarsgård.

Was ebenfalls positiv auffällt: Die sehr umfangreiche und manchmal etwas inkonsistente Handlung des Buchs wird hier (bis auf die Tatsache, dass die Sprachbarriere einfach galant übergangen wird, als Rob Cole – vermutlich auch noch als Analphabet – durch die halbe Welt reist und überall sofort Anschluss findet) sehr gut zusammengefasst, in einigen Passagen profitiert sie enorm von der Verdichtung auf drei Kernthemen. Da ist erstens das Bestreben von Rob Cole, den Tod seiner Mutter zu überwinden, indem er lernt, Kranke zu heilen. Zweitens gibt es die Liebesgeschichte zwischen Rob und Rebecca. Das dritte und wichtigste Leitmotiv ist der Kampf zwischen religiösem Dogma und der Freiheit, die Wissenschaft schaffen kann – und in diesem Thema liegt das Problem des Films.

Der Medicus ist ein dezidiert antireligiöser Film. Glaubensvorschriften engen das Leben ein, Rituale sind tendenziell lächerlich, die offiziellen Vertreter der Kirche sind bigott. Auch Robs Wunsch, Arzt zu werden, ist eher getrieben von Neugier auf den menschlichen Körper als von Fürsorge und Nächstenliebe für seine Patienten. Egal, welche der drei Weltreligionen hier betrachtet wird: Überall streben die obersten Vertreter des Glaubens nach Macht, und dieses Streben verhindert Erkenntnis und Barmherzigkeit, also das wirkliche Glück ihrer Gemeinde. Religion ist hier ein Hilfsmittel, um die Macht zu erlangen, nicht die Weisheit. Mehr noch: Das Unwissen der Menschheit ist Voraussetzung für die Macht der Kirche.

Das kann man alles für richtig halten, die Absolutheit, in der Der Medicus diese These vertritt, stößt mehr als ein Jahrzehnt nach den Anschlägen auf das World Trade Center allerdings übel auf. Hassprediger finden sich in diesem Film ebenso wie ethnische und religiöse Vorurteile – dass die Anhänger und Aushängeschilder von Religionen hier ebenso fundamental verdammt werden wie sie selbst für ihren Glauben eintreten, ist kein besonders schlaues Konzept.

Bestes Zitat:

„Allein die Ausschweifung führt in den Palast der Weisheit.“

Der Trailer zum Film.

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