Weihnachtsfutter für die Ohren mit Robbie Williams, The Antlers, Dropkick Murphys, Circa Waves und The Cribs


Robbie Williams Can't Stop Christmas Review Kritik

Robbie Williams wird zu Weihnachten besinnlich und ein bisschen politisch. Foto: Sony Music

Dass Weihnachten im Hause Robbie Williams eine große Sache ist, weiß man, wenn man ihm auf Instagram folgt, wo es um diese Jahreszeit regelmäßig Bilder vom Christbaumschmücken, Geschenkeverstecken oder Frühstück im hässlich rot-grünen Outfit gibt. Passend dazu hat er schon im vergangenen Jahr das Weihnachtsalbum The Christmas Present herausgebracht, mit reichlich prominenten Gästen von Bryan Adams bis Rod Stewart. Aus gegebenem Anlass gibt es jetzt eine Neuauflage, auf der zusätzlich auch seine aktuelle Single Can’t Stop Christmas (****) enthalten ist. Der Song, geschrieben unter anderem mit seinem Biografen Chris Heath und co-produziert von Guy Chambers, mit dem er seine größten Erfolge gefeiert hat, bedient musikalisch mit Glöckchen und Kinderchor zwar alle Weihnachtsklischees, hat es – wie so oft bei Robbie Williams – textlich aber faustdick hinter den Ohren. Denn Can’t Stop Christmas ist nicht nur eine Hymne auf die Macht von Weihnachten, sondern auch eine feine Beobachtung der Besonderheiten, die das Fest der Liebe in Corona-Zeiten mit sich bringt. „Oh what a miserable year“, lautet die erste Zeile, später gibt es Verweise auf verstorbene Angehörige, familiäres Beisammensein ausschließlich via Zoom und den selbst vom Weihnachtsmann einzuhaltenden Mindestabstand. Im Video haben Band und Künstler reichlich Spaß mit sich selbst (und Seitenhieben auf Boris Johnson und Theresa May), und nicht zuletzt wegen der jüngst in Großbritannien aufgetauchten Virus-Mutation kann man wohl sagen: Besser wird Weihnachten in diesem Jahr nicht mehr.

Auch die Dropkick Murphys sind keine Neulinge im Geschäft der Weihnachtslieder. Nach der (selbstverständlich feuchtfröhlichen) Eigenkomposition The Season’s Upon Us im Jahr 2012 haben sie sich diesmal eines Songs angenommen, den Phil Spector im Jahr 1963 für Darlene Love geschrieben hat. Die Dropkick-Murphy-Version von Christmas (Baby Please Come Home) (***) wird natürlich ebenso ruppig wie festlich. Die Band aus New England schafft es, der Vorlage ihren Stempel aufzudrücken und trotzdem den Sixties-Charme des Originals zu erhalten. Und mit einer Botschaft vom Vermissen und wehmütigen Erinnerungen an das Weihnachtsfest im Vorjahr („Not like Christmas at all / I remember when you were here“) bekommt die Coverversion sogar eine ungeahnte Aktualität.

Von The Antlers hätte man wohl kaum einen Weihnachtssong erwartet – nicht nur, weil die Band um Frontmann Peter Silberman seit sechs Jahren kein musikalisches Lebenszeichen mehr gesendet hat. Wheels Roll Home (****) kann man aber zumindest indirekt als solchen betrachten. Es gibt zwar keine direkten Bezüge aufs Weihnachtsfest, aber die Stimmung passt perfekt zu Jahresende, Besinnlichkeit und Winter – egal, ob in New York oder anderswo. Das behutsame Schlagzeug hilft dabei ebenso wie die gut versteckten Bläser. Das ist vielleicht das Lied, das Santa Claus hört, wenn er alle Geschenke verteilt hat und nach der Rückkehr nach Hause endlich die Füße hochlegen kann.

Mit dem schrecklichen Gefühl, das Weihnachtsfest verschlafen zu haben, wachen Circa Waves in Liverpool auf, stellen dann aber schnell fest, dass sie doch noch rechtzeitig wach geworden sind. Mit Beatles-Flöten und Indie-Schmackes feiern sie dann in Miss Christmas (****) die Vorfreude ebenso wie das Wiedersehen mit den Liebsten und offensichtlich auch den Spaß an Verkleidungen, wie das putzige Video zeigt. Mit der Zeile „It’s been one hell of a year“, den Einweg-Handschuhen von Bassist Sam Rourke oder dem Weihnachtsmann-Bart, der schnell noch über die Nase gezogen wird wie eine heruntergerutschte Corona-Schutzmaske gibt es auch ein paar amüsante Anspielungen auf die „Special Edition“ von Weihnachten, die uns in diesem Jahr erwartet.

Freunde von Indie-Weihnachten sollten sich auch Christmas (All Year Long) (***1/2) von The Cribs nicht entgehen lassen. Das Trio aus Wakefield, das Ende November mit Night Network sein achtes Album veröffentlicht hat, präsentiert sich mit dieser Single (die nicht auf dem Album enthalten ist) vergleichsweise zahm, sowohl im Sound (recht brave Gitarren, fast vorsichtiges Schlagzeug, cleaner Gesang) als auch im Text („The gift that keeps on giving / is peace and understanding for us all“). Das ist nicht nur eine Überraschung, weil man ihnen so viel Besinnlichkeit gar nicht zugetraut hätte, sondern auch wunderhübsch.

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