Draufgeschaut: Pleasantville


Film Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein

Pleasantville Rezension Filmkritik

David (Tobey Maguire) und Jennifer (Reese Witherspoon) landen in einer altbackenen Fernsehserie.

Produktionsland USA
Jahr 1998
Spielzeit 120 Minuten
Regie Gary Ross
Hauptdarsteller Tobey Maguire, Reese Witherspoon, William H. Macy, Joan Allen, Marley Shelton, Jeff Daniels, Marissa Ribisi
Bewertung

Worum geht’s?

David Wagner ist ein großer Fan der Fernsehserie Pleasantville, die vom Leben in einer beschaulichen Kleinstadt der 1950er Jahre handelt. Er hat alle Folgen gesehen, kennt sämtliche Charaktere und schaut sich liebend gerne auch Wiederholungen an, um dann nach der Schule mit anderen Fans gegenseitig sein Fachwissen über die Serie austauschen zu können. Ausgerechnet als ein Sender gerade einen mehrstündigen Pleasantville-Marathon angekündigt hat, geht allerdings seine Fernbedienung kaputt. Kurz darauf klingelt aber schon, ohne dass er gerufen worden wäre, ein Fernsehtechniker an Davids Tür und überreicht ihm mit verschwörerischem Lächeln eine ganz besondere Ersatzfernbedienung. Als David sie benutzt, erwacht nicht nur der Bildschirm wieder zum Leben – David findet sich im Fernseher wieder, und zwar mitten in seiner Lieblingsserie. Als Problem dabei erweist sich nicht nur, dass er auch seine Schwester Jennifer mit nach Pleasantville gebeamt hat, die alles andere als glücklich darüber ist, aus ihrem aufregenden Teenager-Alltag vierzig Jahre zurück transportiert worden zu sein. Schwierigkeiten gibt es auch, als David und Jennifer durch ihr Verhalten plötzlich den vorhergesehenen Gang der Dinge in der Serie verändern – und für reichlich Tumult in Pleasantville sorgen.

Das sagt shitesite:

Was passieren kann, wenn sich Figuren einer Fernsehsendung plötzlich eigenständig im für sie vorgesehenen Format bewegen (und wie gut die Filme sein können, die sich aus so einer Idee machen lassen), hat schon die ebenfalls 1998 in die Kinos gekommende Truman Show bewiesen. Pleasantville fügt diesem Konzept aber noch mindestens drei weitere exzellente Zutaten hinzu: ein herausragendes Ensemble, den Spaß einer Zeitreise und nicht zuletzt ein Zusammenwirken von Plot und Special Effects, wie man es selten gesehen hat.

Denn David und Jennifer bringen Lust, Abenteuer, Aufbegehren, Neugier, Horizont, Emotion, im Wortsinne: Farbe ins Leben der Stadt. Die zu Beginn in schwarz-weiß gehaltene Serie erhält nach und nach immer mehr Farbtupfer. Damit halten allerdings auch Konflikte und Kummer Einzug in Pleasantville – Phänomene, die man dort bisher nicht kannte. Gerade durch diese Zweischneidigkeit zeigt der Film seine beiden Kernkonflikte. Erstens ist das der Kampf zwischen der Sehnsucht nach Ordnung, Routine und Konformität (zu dem auch die zunächst altbackene Inszenierung des Films gehört) und dem Streben nach Freiheit und Entfaltung (was sich dann in vielen überraschenden Elementen äußert). Zweitens ist es das Aufeinandertreffen von Toleranz und Dogmatismus, das nach dem Staub, den die beiden Neuankömmlinge in der Kleinstadt aufgewirbelt haben, zu einer schockierenden Eskalation mit deutlichen Parallelen zum Dritten Reich (Kristallnacht-Elemente und Bücherverbrennungen inklusive) führt.

Mit dem Versprechen von „24 Stunden lang Moral und Anstand“ wird zu Beginn des Films der Pleasantville-Marathon beworben, den David wegen der defekten Fernbedienung zu verpassen befürchtet. Was ihn an einem derart unmodernen Slogan reizt, ist nicht schwer zu erkennen. In der heilen Fernsehwelt des Jahres 1958 herrschen zwar Mief und Prüderie, aber auch Ordnung und Sittlichkeit. In seinem echten Leben des Jahres 1998 ist seine alleinerziehende Mutter verzweifelt, die Wirtschaft steckt in der Krise und das Klima steht vor dem Kollaps. Da erscheinen die Zukunftsperspektiven der Vergangenheit als willkommene Zuflucht.

Geschickt und mit sehr viel Liebe zum Detail zeigt Pleasantville dabei, dass auch das vermeintlich brave Spießbürgertum der Bürger von Pleasantville nur eine Konstruktion ist. Vor allem aber thematisiert der Film den Beitrag der Kunst für die vermeintliche Selbstverständlichkeit, dass ein Mensch ein Mensch sein darf. Vor allem Malerei und Rockmusik werden hier als Ausdruck des menschlichen Wesens und als Antriebskraft seiner Emanzipation zelebriert – das Kino darf sich dank solcher Filme ebenfalls in diese Reihe stellen.

Bestes Zitat:

„Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn der Fernseher nicht funktioniert. Es ist fast, als ob man einen Freund verliert.“

Der Trailer zum Film.

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