Draufgeschaut: Shakespeare In Love


William Shakespeare (Joseph Fiennes) hat Geld- und Liebessorgen.

William Shakespeare (Joseph Fiennes) hat Geld- und Liebessorgen.

Film Shakespeare In Love
Produktionsland USA, Großbritannien
Jahr 1998
Spielzeit 123 Minuten
Regie John Madden
Hauptdarsteller Joseph Fiennes, Gwyneth Paltrow, Geoffrey Rush, Tom Wilkinson, Judi Dench, Colin Firth, Ben Affleck, Rupert Everett
Bewertung

Worum geht’s?

William Shakespeare steckt in der Klemme: Gleich mehreren Theaterbesitzern hat er neue Stücke versprochen, dabei plagt ihn eine Schreibblockade. Mit Christopher Marlowe sieht er einen ernsthaften, kaum zu bezwingenden Konkurrenten am Dichterhimmel erscheinen. Und noch dazu verliebt er sich bei den Proben für sein neues Stück Romeo und Ethel, die Piratentochter in eine seiner Schauspielerinnen – die allerdings bereits einem Adligen versprochen ist. Bald wird ihm klar: Genau diese Leidenschaft könnte für ihn der Schlüssel sein, um seine kreative Flaute zu beenden.

Das sagt shitesite:

Shakespeare In Love, mit sieben Oscars prämiert, ist selbstverständlich ein ausgezeichneter Film. Das einzige Manko: Es ist ein Film für Filmfreunde. Genau wie einst bei Shakespeare gibt es reichlich Referenzen und Seitenhiebe auf die Zeitgenossen und die eigene Branche, im Gegensatz zu Shakespeare sind sie hier aber ein wichtiger Bestandteil der Daseinsberechtigung dieses Werks, nicht bloß Schmankerl in einem ohnehin fulminanten Plot. Genau wie die Dramen von Shakespeare will das Melodram ein Werk fürs breite Publikum sein, im Gegensatz zu Shakespeare gelingt das hier aber nicht, weil vieles zu verklausuliert und hintergründig ist und deshalb in der Summe schlicht nicht unterhaltsam (und für Hollywood-Verhältnisse auch nicht sentimental und plakativ) genug gerät.

Für den cineastischen Feingeist, das Feuilleton und natürlich erst recht für die Academy ist Shakespeare In Love freilich ein Fest. Die Macher finden ein diebisches Vergnügen daran, Illusionen zu entlarven. Dichtergötter wie Shakespeare sind Intriganten und Plagiatoren. Schauspielhelden wie Ned Alleyn sind eitle Pfauen, an nichts interessiert als am Glanz der eigenen Rolle. Und die angeblichen Mäzene der Kunst haben keinerlei Geschmack und letztlich nur ihren Profit im Sinn.

Meisterhaft versteht es Regisseur John Madden zudem, eine filmische Entsprechung für die Leichtigkeit und Komplexität der Shakespeare-Stoffe zu finden. Männer sind Frauen, Konkurrenten werden zu loyalen Begleitern, Majestäten haben Lust, auch einmal in die Rolle des Hofnarren zu schlüpfen. Das macht Shakespeare In Love vor allem zu einem Loblied auf die Macht des Theaters, auf die verführerischen Möglichkeiten von Kostüm und Kulisse, Maske und Poesie – und zugleich auf den Reiz, sich all diesen Täuschungen hinzugeben und ihnen zu erliegen. Dazu passt das höchst charmante und geistreiche Ende dieses Melodrams: Shakespeare In Love feiert, ebenso wie das Theater und das Kino, den Triumph der Kunst über das Leben.

Bestes Zitat:

“Die Familie, das Schicksal, die Pflicht: alles unwandelbar, wie die Natur.”

Der Trailer zum Film:

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