Draufgeschaut: Taxi


Film Taxi

Taxi Filmkritik Rezension

Daniel (Samy Naceri) muss als Chauffeur von Émilien (Frédéric Diefenthal, rechts) arbeiten.

Produktionsland Frankreich
Jahr 1998
Spielzeit 86 Minuten
Regie Gérard Pirès
Hauptdarsteller Samy Naceri, Frédéric Diefenthal, Marion Cotillard, Emma Sjöberg
Bewertung

Worum geht’s?

Daniel liebt seine Heimatstadt Marseille, seine Kollegen bei einem Pizza-Lieferdienst und seine Freundin Lily. Eine Sache liebt er allerdings noch mehr: Autofahren, und zwar möglichst schnell. Als er nach jahrelanger Wartezeit endlich die ersehnte Lizenz als Taxifahrer bekommt, ist das für ihn ein Festtag. Mit einem aufgemotzten Peugeot tritt er den Dienst an und stellt schon bald Rekordzeiten für die Strecken innerhalb der Stadt auf. Doch schon nach wenigen Tagen hat er, ohne es zu wissen, einen Polizisten als Fahrgast: Émilien ist wenig begeistert von den zahlreichen Verstößen gegen das Tempolimit und andere Verkehrsregeln und will Daniel seine Lizenz als Taxifahrer wieder entziehen. Doch sie können sich auf einen Deal einigen: Der trottelige Émilien braucht dringend Erfolge in seiner Ermittlungsarbeit, um von seinen Kollegen endlich ernst genommen zu werden. Daniel will unbedingt seine Lizenz behalten. Also steigt er für einen Monat als Praktikant bei der Polizei ein, wird der Chauffeur von Émilien und soll mit seinen rasanten Fahrkünsten dabei helfen, eine berüchtigte deutsche Verbrecherbande zu stellen: Die „Mercedes-Gang“ raubt Banken aus und flüchtet dann mit PS-starken Autos, mit denen die Polizei nicht mithalten kann. Daniel hasst zwar die Polizei, aber er lässt sich darauf ein – und sogar seine alten Kollegen vom Pizzadienst helfen mit.

Das sagt shitesite:

Mächtig populär war Taxi im Jahr 1998 in Frankreich: Mehr als 6,5 Millionen Zuschauer sahen den Film im Kino, beim nationalen Filmpreis César räumte er ebenfalls ab. Weitere Belege für den Erfolg: Gleich drei Nachfolger (Teil 5 ist für nächstes Jahr in Planung) wurden bereits produziert, mit New York Taxi gab es im Jahr 2004 auch eine Hollywood-Adaption.

Erstaunlich ist angesichts dieser Eckdaten vor allem, wie wenig französisch der Film zunächst wirkt. Den PS-Wahn, der hier im Zentrum steht, kennt man eigentlich eher aus Deutschland: Hubraum und Fahrkünste sind in dieser Logik proportional zur eigenen Männlichkeit, Geschwindigkeit ist die Entsprechung von Freiheit. Das ist natürlich beknackt, wird hier aber immerhin in äußerter Konsequenz umgesetzt: Es gibt sehr spektakuläre Stunts und rasante Verfolgungsjagden, die gut erkennen lassen, dass Regisseur Gérard Pirès auch schon etliche Werbespots für Autofirmen produziert hat. Auch im kleinen Kosmos des Straßenverkehrs lebt Luc Besson, der das Drehbuch geschrieben und Taxi auch produziert hat, seine Vorliebe für Gigantonomie aus: Es gibt reichlich Special Effects à la James Bond, wenn sich beispielsweise ein ordinärer Peugeot auf Knopfdruck in ein Rennauto verwandelt. Dazu kommt eine Lust auf Materialschlachten und Zerstörung, die etwa den monumentalen Blechschäden in Blues Brothers in nichts nachsteht.

Die zweite wichtige Komponente verweist eher auf England, denn Taxi zeichnet wenig verklausuliert das Bild einer klar ausgeprägten Klassengesellschaft. Auf der einen Seite sind Menschen wie Daniel und die anderen Pizzaboten, oft Einwanderer, oft in der Banlieue zuhause. Sie sind ausgefuchst, anständig und loyal. Ihnen gegenüber stehen die Szenen in der Polizeibehörde, wo es sich die Mittelschicht in Beamtenjobs bequem gemacht hat: Dort herrschen Dünkel, Intrigen und Angeberei (und einigermaßen unverhohlene Fremdenfeindlichkeit).

Wie wenig diese beiden Welten miteinander zu tun haben wollen, zeigt Taxi sehr deutlich, auch die sehr unterschiedlichen (vermeintlichen) Wertesysteme werden vorgeführt. Zusammenhalt, Kollegialität und Solidarität prägen die Arbeit beim Pizzadienst, die Polizei hingegen ist schießwütig, weltfremd und inkompetent (natürlich wird auch das durch eine Auto-Metapher ausgedrückt, denn Émilien ist mehrfach durch die Führerscheinprüfung gefallen). Diesen Konflikt aber vor allem mit hohlen Sprüchen und zugespitzten Dialogen (deren Charme zum großen Teil durch die Synchronisation verloren geht) sowie Bleifuß-Fetisch zu inszenieren, ist dann doch arg oberflächlich und auch im Unterhaltungswert überschaubar.

Bestes Zitat:

„Du träumst von tollen Sachen – und kriegst bloß Arschtritte.“

Der Trailer zum Film.

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