Draufgeschaut: Trainspotting


Film Trainspotting

Trainspotting Film Kritik Rezension

Mark (Ewan McGregor, links) und Sickboy (Jonny Lee Miller) terrorisieren Edinburgh.

Produktionsland Großbritannien
Jahr 1996
Spielzeit 94 Minuten
Regie Danny Boyle
Hauptdarsteller Ewan McGregor, Ewen Bremner, Robert Carlyle, Jonny Lee Miller, Kevin McKidd, Kelly Macdonald, James Cosmo, Eileen Nicholas, Irvine Welsh
Bewertung

Worum geht’s?

Vorbeifahrenden Zügen hinterherzuschauen – das ist eine ganz spezielle Freizeitbeschäftigung, die sich Mark Renton und seine Freunde in Edinburgh ab und zu gönnen. Denn mit konventionellen Hobbys haben sie wenig am Hut, und für die üblichen Vergnügungen junger Menschen fehlt ihnen das Geld. Stattdessen dreht sich ihr Leben um Heroin: Im Rausch können sie der Trostlosigkeit ihrer Welt entfliehen, den Rest des Tages und die wenigen Stunden im halbwegs nüchternen Zustand verbringen sie vor allem damit, mittels Kleinkriminalität genug Geld für Drogen aufzutreiben. Als sie durch Zufall an eine große Menge Heroin gelangen, bietet sich die Chance, richtig viel Geld zu machen. Mark will die Gelegenheit nutzen, um clean zu werden und ein neues Leben anzufangen. Aber er weiß genau, dass er dafür die falschen Freunde hat.

Das sagt shitesite:

Es gibt viele Gründe dafür, dass Trainspotting auch heute noch kraftvoll und unverbraucht wirkt. Natürlich gehört der Soundtrack dazu (der Klassiker von Iggy Pop und Lou Reed mit den modernen Rauschhelden wie Underworld oder Primal Scream verbindet), ebenso die hochinnovative Kameraarbeit von Brian Tufano (oft ist das Objektiv auf Höhe des Fußbodens platziert, in anderen Szenen an der Zimmerdecke oder innerhalb einer Heroin-Spritze, legendärerweise einmal auch in einer Kloschüssel). Vor allem aber trägt ein Duktus dazu bei, der wunderbar der Romanvorlage von Irvine Welsh entspricht: Auch der Film ist explizit, vulgär, witzig, durchtrieben und schamlos.

Regisseur Danny Boyle gelingt es, mit Trainspotting sowohl ein authentisches Bild der Junkieszene der frühen 1990er Jahre zu zeichnen, als auch einen Film zu schaffen, der erkennbar macht, dass er trotz seiner dokumentarischen Komponenten nicht das Leben abbildet, sondern ein Kunstwerk ist. Gerade durch Letzteres stellen die Macher sicher, dass Heroin hier nicht glorifiziert, aber die Anziehungskraft des Rausches trotzdem deutlich wird, ebenso wie der Horror des Entzugs und die Enthemmung durch die Sucht. Alles im Leben von Mark, Sickboy, Spud & Co. ist dem Heroin unterworfen, keine Kraft ist stärker als der Drang, irgendwie an den nächsten Schuss heranzukommen. Zwar gibt es einen beträchtlichen Rückhalt innerhalb dieser Clique, der die Erbarmungslosigkeit dieser Fixierung mildert, aber es gibt schlussendlich keine Loyalität. Wenn es um Heroin geht, hört die Freundschaft auf – die Droge lässt in letzter Konsequenz kein anderes Verhalten zu als hemmungslosen Egoismus.

Nicht nur aus diesem Zwiespalt gewinnt Trainspotting seine emotionale Kraft. Der Film zeigt in einigen Momente auch: Selbst diese scheinbar amoralischen Junkies kennen Schuldgefühle, gelegentlich lässt sich bei Mark und seinen Freunden sogar der Wunsch nach Normalität und Assimilation erkennen. Letztlich ist es nicht das Heroin-High, nach dem sie sich sehnen, sondern ein Glück, das dem vergleichbar sein könnte, aber aus dem Alltag kommt – wohlwissend, dass ein solches Hochgefühl für sie bei ihren Ausgangsbedingungen höchst unwahrscheinlich ist. Genau dieses Leitmotiv fängt Trainspotting letztlich auf unnachahmliche Weise ein, mit Heroin als denkbar treffender Metapher dafür: die schwer zu ertragende Kollision von Perspektivlosigkeit und Lebensgier.

Bestes Zitat:

„Ich habe zum Ja-Sagen Nein gesagt. Und habe zu was anderem Ja gesagt. Und der Grund dafür? Es gibt keinen Grund dafür. Wer braucht Gründe, wenn er Heroin hat?“

Der Trailer zum Film.

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