Draufgeschaut: Matrix Reloaded
| Film | Matrix Reloaded |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2003 |
| Spielzeit | 136 Minuten |
| Regie | Larry Wachowski, Andy Wachowski |
| Hauptdarsteller | Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Monica Bellucci, Jada Pinkett Smith |
| Bewertung | ***1/2 |
Worum geht’s?
Seit Neo, der Auserwählte, in den Reihen der Widerstandskämpfer der Zukunft ist, können sie immer mehr Menschen aus der Matrix befreien – einem Programm, das ihnen eine künstliche Realität vorgaukelt, während sie in Wirklichkeit bloß als Kraftwerke benutzt werden, um die Maschinen mit Energie zu versorgen, die längst die Weltherrschaft übernommen haben. Um der Rebellion ein für allemal Einhalt zu gebieten, planen die Maschinen einen großangelegten Angriff auf Zion, die Stadt, in der sich die befreiten Menschen gesammelt haben. Nur Neo kann Zion vor dieser Bedrohung retten: Er muss den Zentralcomputer der Matrix finden.
Das sagt shitesite:
Im Gegensatz zum ersten Teil der Trilogie setzt Matrix Reloaded deutlich mehr auf Tempo. Sofort geht es mit spektakulären Effekten zur Sache, und auch in den folgenden zwei Stunden gibt es über weite Strecken fast atemlose Action. Die Kampfszenen sind dabei filigran choreografiert, sodass man mitunter fast ein Ballett zu sehen glaubt.
Auch sonst berauscht sich Matrix Reloaded ein Stück zu sehr an der eigenen Optik. Computertricks und Stunts ersetzen hier den komplexen Überbau, der den ersten Teil noch ausgemacht hatte. Das geht leider auf Kosten der Geschlossenheit des Films: Erst nach 20 Minuten wird der Ausgangspunkt der Handlung einigermaßen klar, danach nehmen die privaten Verstrickungen der Hauptfiguren, religiöse Anspielungen und dutzendweise Verfolgungsjagden einen weitaus größeren Raum ein als in The Matrix.
Zwar werden noch immer die großen Konflikte der Menschheit ausgefochten, zwischen Glaube und Wissen, Hoffnung und Zweifel, Gefühl und Berechnung. Doch allzu oft ersetzt Matrix Reloaded diesmal Philosophie durch Esoterik. Das ist ästhetisch herausragend, aber insgesamt bei weitem nicht so packend wie der erste Matrix-Teil.
Bestes Zitat:
“Entscheidung ist eine Illusion, entstanden zwischen denen mit Macht und denen ohne.”
Der Trailer zum Film:
Hingehört: The Pigeon Detectives – “Up, Guards And At ‘Em!”
| Künstler | The Pigeon Detectives |
| Album | Up, Guards And At ‘Em! |
| Label | Dance To The Radio |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | **1/2 |
Erwartungen sind eine wichtige Sache. Sie machen das Leben leichter. Es ist schön, wenn man nicht vor jeder Tür rätseln muss, was sich wohl dahinter verbirgt. Spaziert man zum Beispiel in ein McDonald’s-Restaurant, kann man einigermaßen sicher sein, dort deftig satt zu werden, mit einem Big Mac, der nach Big Mac schmeckt und der uralten Frage, ob man nicht vielleicht doch ein Sparmenü möchte. Geht man in eine H&M-Filiale, findet man schicke, günstige Klamotten und jede Menge Teenager. Und schaltet man RTL2 ein, flimmert einem mit hoher Wahrscheinlichkeit Trash-Unterhaltung entgegen.
All das ermöglicht Orientierung. Es wäre ein ziemlicher Schock, wenn bei McDonald’s plötzlich Haute Cuisine serviert, bei H&M nur noch Arbeitsschutzkleidung verkauft und bei RTL2 nur noch Programm gesendet würde, das mindestens mit einer ganzen Palmenplantage in Cannes ausgezeichnet wurde.
So ähnlich verhält es sich aber mit Up, Guards And At ’Em!, dem dritten Album der Pigeon Detectives. Die Band aus Yorkshire hatte mit Wait For Me (2007) und Emergency (2008) in England mächtig abgesahnt: Mehr als 500.000 verkaufte Exemplare, fünf Singles in den Top40. Die beiden Platten hatten ihnen aber auch reichlich Häme eingebracht. Die Pigeon Detectives galten als Prototyp für dumme Texte, eine leicht durchschaubare Hit-Masche, für chart-kompatiblen Indie-Rock von der Stange. Für viele Kritiker waren sie der Triumph des Effekts über den Geschmack.
Das hat Spuren hinterlassen. Anderthalb Jahre haben die Pigeon Detectives an Up, Guards And At ’Em! gearbeitet – eine unfassbar lange Zeit im Vergleich zu den beiden Schnellschüssen zuvor. „The first album felt like a collection of singles and the second one was more a case of putting out what we had at the time“, sagt Sänger Matt Bowman. “This time, there was a lot more quality control. We wrote 40 songs, got rid of 20, recorded 20 and then chose the best 10. It’s a real album rather than just a collection of songs.”
Er hat definitiv Recht. Up, Guards And At ’Em! ist um ein Vielfaches geschlossener, abwechslungsreicher und komplexer als seine beiden Vorgänger. Das ist ein nicht zu verkennender Versuch, es den Kritikern zu beweisen: In uns steckt eine echte Band, mit Potenzial, Talent, sogar Anspruch. Das bezieht sich auch auf die Texte. Mit dem leidenschaftlichen What You Gonna Do? liefert das Quintett einen Song, der die Folgen der Finanzkrise thematisiert. Und Turn Out The Lights hat zwar eine Strophe, die auch von der Bloodhound Gang stammen könnte, wartet aber auch mit einem Bob-Dylan-Zitat auf. Das alles ist, in jedem Fall, eine Überraschung.
Schon der Opener She Wants Me lässt aufhorchen. Es gibt hier nicht die gewohnte volle Breitseite, sondern einen Song, den man fast subtil nennen könnte. Das Stück ist durchaus eingängig (wie man das von den Pigeon Detectives kennt), aber in keiner Weise plakativ (was bisher stets ein Markenzeichen der Pigeon Detectives war). Das dramatische What Can I Say profitiert von der gekonnten Gitarrenarbeit von Oliver Main und Ryan Wilson, die sich diesmal mehr an Bloc Party oder den Good Shoes zu orientieren scheinen als an den Ramones oder Kaiser Chiefs. An vielen anderen Stellen schimmert der Einfluss der Strokes durch (kein Wunder: Up, Guards And At ’Em! wurde in New York aufgenommen). Der Rausschmeißer I Don’t Know You setzt auf Orgel-Klänge, Breakbeats, Slide-Gitarre und verzerrten Gesang.
Das Blöde daran: Mit der Wandlung und Weiterentwicklung haben sich die Pigeon Detectives ihrer größten Stärke beraubt. Nichts zündet sofort, Up, Guards And At ’Em! hat schlicht und ergreifend keine Hits zu bieten, und schon gar keine Kracher, die in einer Liga mit ihren Großtaten Take Her Back oder Romantic Type spielen könnten. Das nette Need To Know This hat zwar einen soliden Wombats-Refrain, aber keinerlei Wucht. Auch die Single Done In Secret sucht fast vier Minuten lang vergeblich nach einem Killer-Moment und ersetzt Begeisterung dann kurzerhand durch Wiederholung.
Für die Pigeon Detectives ist Up, Guards And At ’Em! definitiv ein Fortschritt, vielleicht ist das dritte Album für sie sogar der Schlüssel dazu, den Status als verlässliche, aber etwas peinliche Festival-Spaß-Lieferanten hinter sich zu lassen. Für die meisten Fans wird die Platte aber eine Enttäuschung sein. Genauso, wie wenn man zu McDonald’s geht wegen all der herzhaften Verlockungen, die dort geboten werden – und dann bloß einen Salat isst.
Englishmen in New York: Das Video zu She Wants Me zeigt die Pigeon Detectives im Studio:
The Pigeon Detectives bei MySpace.
Draufgeschaut: The Wrestler
| Film | The Wrestler |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2008 |
| Spielzeit | 105 Minuten |
| Regie | Darren Aronofsky |
| Hauptdarsteller | Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Randy “The Ram” Robinson hat in den 1980er Jahren große Erfolge als Wrestler gefeiert. Doch viel geblieben vom Ruhm ist nicht: Er lebt in einem Trailer-Park, schlägt sich mit Aushilfsjobs durch und badet im Glanz vergangener Tage und in der Anerkennung der jüngeren Kollegen, wenn er am Wochenende bei Wrestling-Events in der Provinz in den Ring steigt. Sich jahrelang zur Freude des Publikums vermöbeln zu lassen, hat allerdings seine Spuren hinterlassen: Randys Herz schwächelt, der Arzt empfiehlt ihm dringend, seine Karriere zu beenden. Für Randy ist das Anlass, sein Leben in Ordnung zu bringen. Er besucht seine erwachsene Tochter, die er jahrelang vernachlässigt hat, und er will die Stripperin Cassidy für sich gewinnen. Beides gestaltet sich schwierig – und Randy gerät in Versuchung, sich seine Erfolgserlebnisse auf Kosten seiner Gesundheit lieber wieder als Wrestler zu holen.
Das sagt shitesite:
The Wrestler ist nicht so sehr ein Sportfilm als eher ein Psychogramm. Mickey Rourke ist die Verkörperung eines alten Traums von unverwundbarer Virilität. Doch der körperliche Verfall macht ihm zu schaffen und knabbert mächtig an seinem Ego. Mehr noch setzt ihm aber die Einsamkeit zu. Gekonnt wird dabei in The Wrestler mit ebenso subtilen wie überraschenden Kontrasten gearbeitet: Randys bescheidene Träume von einer heilen Familienwelt werden der Scheinwelt des Wrestling gegenüber gestellt, das mit seiner Mischung aus Kampfsport und Clownerie die sicher amerikanischste aller Sportarten ist. Das scheinbar harte Business der Profi-Catcher entpuppt sich zudem als große Familie, in den zwischenmenschlichen Beziehungen außerhalb dieses Milieus trifft Randy aber fast immer nur auf Unbarmherzigkeit. Groß wird seine Figur (und seine schauspielerische Leistung) dabei vor allem dadurch, dass er immer um die eigene Verantwortung für diese Situation weiß – bis zum bitteren Ende.
Bestes Zitat:
“Die Welt da draußen ist der einzige Ort, an dem ich verletzt werden könnte.”
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Digitalism – “I Love You, Dude”
| Künstler | Digitalism |
| Album | I Love You, Dude |
| Label | V2 |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | ***1/2 |
Um ein Haar hätte das neue Album von Digitalism den Namen Tourism bekommen. Nur aus einem Grund hat sich die Band dann dagegen entschieden. Nach dem Debüt Idealism, mit dem die beiden Hamburger vor vier Jahren zu so etwas wie einem deutschen Electro-Exportschlager geworden waren, wäre es „das nächste –ism gewesen. Und wir wollten uns nicht zu sehr auf diese Masche festnageln lassen“, erklärt Ismail „Isi“ Tuefekci, der nicht singende Teil des Duos, im Interview.
Stattdessen hat er sich gemeinsam mit seinem Digitalism-Kollegen Jens Moelle für I Love You, Dude entschieden. Der eher lässige, etwas pauschal klingende Spruch „bezieht sich darauf, dass viele Leute zu viel nachdenken und zu verkrampft mit vielen Dingen umgehen. Wir wollten die Message weitergeben: Bleibt doch mal ein bisschen entspannt – auch, weil wir selbst ganz entspannt an die Arbeit am zweiten Album herangegangen sind“, verrät Tuefekci.
I Love You, Dude ist ein durchaus passender Titel. Denn die Leichtigkeit merkt man der heute erscheinenden Platte sofort an. Alles klingt satt und stylisch, druckvoll, aber elegant, zudem hat die CD eine sehr gelungene Dramaturgie. So wird das zweite Digitalism-Album nicht nur zu einem würdigen Nachfolger für Idealism. Es ist auch eine der ganz wenigen Electro-Platten, die man ganz laut im Club hören kann, die aber auch als leise Nebenbei-Musik funktionieren.
Ein bisschen schade ist es trotzdem, dass dieses Werk nicht Tourism heißt. Denn dieser Titel hätte noch mehr Sinn gemacht. Zum einen könnte man damit darauf anspielen, dass Digitalism seit ihrem Durchbruch fleißig unterwegs waren und zu Stammgästen in Clubs und bei Festivals weltweit geworden sind. Zum anderen wäre es eine schöne Metapher für die Arbeitsweise von Digitalism: Die Hamburger besuchen auch auf I Love You, Dude alle möglichen aktuellen Ausprägungen von Club-Musik, sammeln ein paar Souvenirs ein und basteln dann zuhause ihre eigene Traumwelt zusammen.
Die Bandbreite reicht diesmal von brachialen, an The Prodigy erinnernden Krachern (Reeperbahn) bis hin zu luftig-leichten Nummern mit Flüsterstimme, die gut auf Airs 10.000 Hz Legend gepasst hätten (Just Gazin’). Das beinahe instrumentale Antibiotics verneigt sich vor dem Chaos-Techno von The KLF, auch Miami Showdown ist ganz und gar für die Tanzfläche gemacht. Im an LCD Soundsystem erinnernden Feger Circles schimmert Jens Moelles Vorliebe für härtere Sounds ebenfalls durch, das schon von EP bekannte Blitz hingegen zeigt eher die sanfte Seite von Digitalism.
Daneben stehen Songs wie das tolle 2 Hearts, eine lupenreine Indie-Hymne im Stile von Modest Mouse. Und, nicht zu vergessen, Forrest Gump, das keineswegs vertrottelt klingt, sondern eher an die Unerschütterlichkeit des gleichnamigen Filmhelden erinnert. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit Julian Casablancas, dem Sänger der Strokes, und zwar per E-Mail. „Wir haben ein Demo gehabt, haben das an sein Management geschickt und er hat sich prompt zurück gemeldet. Wir haben dann seine Idee übernommen und weiter damit gearbeitet“, sagt Tuefekci. „Wir waren ehrlich gesagt selbst ein bisschen überrascht: Wow, so ein Typ wie Julian Casablancas hat Lust, etwas mit uns zu machen! Leider war er dann ziemlich unter Zeitdruck. Er musste noch das Strokes-Album schreiben, war gerade auf Tour, dann stand eine Promo-Tour an und er war auch noch gerade Vater geworden. Das machte es ein bisschen kompliziert. In jedem Fall hat er uns gesagt, dass er ein ziemlicher Fan unserer Musik ist.“
„And then you run“, heißt die zentrale Zeile in Forrest Gump, und auch das auf I Love You, Dude immer wieder auftauchende Motiv der Bewegung hätte für Tourism als Titel gesprochen. Vor allem aber hätte dieser Titel auch gezeigt, wie sehr die Live-Erfahrung die Band verändert hat. Das zweite Digitalism-Album ist geschlossener, organischer, extremer als das Debüt. “Unser erstes Album klang noch ein bisschen nach Outer Space. Das neue ist auf der Erde gelandet. Es achtet mehr auf Songs, Menschlichkeit, Tiefe”, betont Jens Moelle. Und auch Tuefekci bestätigt, dass das vor allem auf die Konzerte zurückführen ist, die er in den vergangenen vier Jahren mit Jens Moelle gegeben hat. „Diese Erfahrung hat Digitalism wirklich verändert. Wir haben viel gesehen und viel erlebt. I Love You, Dude ist auf jeden Fall aus einer ganz anderen Perspektive heraus entstanden. Wir sind jetzt wirklich eine Band. Eine Zwei-Mann-Band, auch wenn das vielleicht komisch klingt.“
Das Video zu 2 Hearts zeigt, was die Zukunft bringt: Eine sehr, sehr ausgereifte Variante von Air Hockey:
Eine leicht andere Version dieser Rezension gibt es auch bei news.de.
Draufgeschaut: Jurassic Park 2
| Film | Jurassic Park 2 |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1997 |
| Spielzeit | 127 Minuten |
| Regie | Steven Spielberg |
| Hauptdarsteller | Jeff Goldblum, Julianne Moore, Pete Postlethwaite, Vince Vaughn |
| Bewertung | *** |
Worum geht’s?
Auf einer Insel hat eine Gentechnik-Firma Dinosaurier wieder zum Leben erweckt. Sie sollen jetzt in die USA gebracht werden, um dort zur Attraktion in einem Freizeitpark zu werden. Ein Forscherteam wird vorab auf die Insel geschickt, um Werbefotos zu machen. Doch das Zusammentreffen von Mensch und Urzeitwesen ging schon einmal schief. Und auch diesmal wird es zur tödlichen Jagd.
Das sagt shitesite:
Der Plot von Jurassic Park 2 ist nicht so faszinierend und plausibel wie im ersten Teil, doch die Special Effects beeindrucken hier noch mehr – ebenso wie die deutlich zahlreicheren Action-Szenen. Das macht Jurassic Park 2 zu solidem Blockbuster-Kino, das mit noch mehr Mut zu Humor und Selbstironie allerdings noch besser hätte werden können.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Cloud Control – “Bliss Release”
| Künstler | Cloud Control |
| Album | Bliss Release |
| Label | Infectuous |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | *** |
„I used to stand rooted to the spot on stage, thinking ,Oh. My. God. What am I doing?’”, erinnert sich Alister Wright an seine ersten Auftritte als Frontmann von Cloud Control. Kein Wunder: Die Band ist aus so etwas wie einem bösen Streich entstanden. Heidi, mittlerweile Keyboarderin von Cloud Control, aber damals bloß die Schwester von Ulrich Lenffer, meldete Cloud Control kurzerhand zu einem Talentwettbewerb an – obwohl Ulrich nichts davon wusste. Mehr noch: Ulrich, mittlerweile Schlagzeuger bei Cloud Control, war damals einfach bloß ein australischer Student. Die Band existierte zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht – und Ulrich hatte noch nie in seinem Leben einen Gedanken daran verschwendet, jemals einen Song zu schreiben.
„Entering us into a band competition, when we had no band, and no songs, is pretty classic Heidi“, sagt Jeremy Kelshaw, der das Quartett komplettiert, rückblickend zu dieser skurrilen Entstehungsgeschichte. Ein gutes halbes Jahr haben Cloud Control danach gebraucht, um ihr Debütalbum Bliss Release aufzunehmen – und der Platte hört man das Amateurhafte der ersten Cloud-Control-Momente in keiner Weise mehr an.
Stattdessen liefert Bliss Release reifen, erwachsenen, immer leicht nostalgischen Rock für alle, die von Arcade Fire nicht genug bekommen können und denen Clap Your Hands Say Yeah schon viel zu lange am dritten Album basteln.
Der Auftakt Meditation Song #2 (Why Oh Why) zündet noch nicht gleich, ist aber trotzdem eine gute Hinführung zum Sound von Cloud Control: Das Lied beginnt akustisch und zurückhaltend und endet dann mit einer mächtigen Fuzz-Gitarre, ohne jemals wirklich in Aufgeregtheit zu verfallen. Auch das feine There’s Nothing In The Water We Can’t Fight hat diese Entspanntheit und gekonnte Dramaturgie, vor allem dank eines tollen Backgroundgesangs, der dann im folgenden Death Cloud wieder aufgegriffen wird.
Mit Ghost Story leben Cloud Control dann ihre durchaus ausgeprägte psychedelische Seite aus, Gold Canary schickt die Kings Of Leon rund 50 Jahre in die Vergangenheit und in eine Liverpooler Hafenkneipe. Danach kramt Frontmann Alister Wright seine heiterste Smiths-Gitarre heraus und schickt sie mit einem Vampire-Weekend-Beat (mit den Jungs aus New York waren Cloud Control schon auf Tour) auf die Tanzfläche.
Es folgen das akustische, beinahe an Crosby, Stills, Nash & Young gemahnende Just For Now, ein träger Blues mit dem wunderbaren Titel The Rolling Stones, eine schmerzbeladene Folkballade im Stile der White Stripes (Hollow Drums) und zum Schluss in My Fear #1 genug Jangle, um die ganze australische Wüste damit zu füllen.
Den Bandwettbewerb haben Cloud Control damals übrigens gewonnen, besagt die Legende. Wenn man Bliss Release hört, kann man nicht anders, als diese Geschichte zu glauben.
Im Video zu There’s Nothing In The Water We Can’t Fight ist reichlich Platz im Proberaum – und in der Landschaft. So ist das wohl in Australien:
Draufgeschaut: München
| Film | München |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2005 |
| Spielzeit | 157 Minuten |
| Regie | Steven Spielberg |
| Hauptdarsteller | Eric Bana, Georffrey Rush, Daniel Craig, Hanns Zischler, Mathieu Kassovitz, Mathieu Amalric, Valeria Bruni-Tedeschi, Moritz Bleibtreu |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Die Olympischen Spiele 1972 in München sollen ein Fest des Friedens und der Freude sein. Doch dann nehmen palästinensische Terroristen die israelische Mannschaft als Geisel und töten elf Athleten und Trainer. Der israelische Geheimdienst will Rache. Ein Spezialkommando des Mossad soll die Drahtzieher des Anschlags nach und nach liquidieren. Doch die Gruppe gerät nicht nur ins Kreuzfeuer weltpolitischer Verwicklungen, sondern muss sich auch mit der Frage der Rechtfertigung des Mordens im Namen der Vergeltung befassen.
Das sagt shitesite:
München vereint spannende Action mit Hollywood-Melodrama und politischem Anspruch. Steven Spielberg thematisiert dabei recht anschaulich ein wichtiges Kapitel im Nahostkonflikt, bezieht aber keine Stellung. Das ist freilich etwas unbefriedigend.
Der Trailer zum Film:
Roxette, Völkerschlachtdenkmal, Leipzig
Eine „Zurschaustellung“ sei das. Ein „gespenstischer Auftritt“. „Das Gesicht starr, die Worte starr, die Augen weit offen, weiter als üblich. Mühsam muss das (…) sein, die Sätze zu sprechen, einige Laute zischen ein bisschen. Sie ist krank, das erkennt jeder.“ So nahm Welt Online den ersten Auftritt von Monica Lierhaus als Moderatorin der ARD-Fernsehlotterie wahr.
Eine berühmte, vitale, attraktive Frau. Ein Schicksalsschlag. Eine schwere Krankheit, während der sie mehrmals dem Tod näher ist als dem Leben. Eine mühevolle Genesung. Die Entscheidung, trotz allem wieder zurückzukehren ins Rampenlicht. All das machte das Leben von Monica Lierhaus in den vergangenen Jahren aus. Und das von Marie Fredriksson.
Dass es von Roxette nach zehn Jahren mit dem Nummer-1-Album Charm School noch einmal eine neue CD geben würde, ist nach dem Hirntumor der Sängerin erstaunlich genug. Dass die 53-Jährige nun sogar auf Tour geht, grenzt an ein Wunder. Die Krankheit hat sie gezeichnet. Sie gibt keine Interviews. Im Video zum Comeback-Hit She’s Got Nothing On (But The Radio) sind ihre Einstellungen so stark überbelichtet, dass man ihre Mimik kaum ausmachen kann. Und nach wie vor fällt es Marie Fredriksson schwer, sich neue Texte einzuprägen, hatte mir ihr Roxette-Kompagnon Per Gessle im Interview verraten.
Auch beim Roxette-Konzert in Leipzig merkt man Marie Fredriksson das Handicap noch an. Wie in besten Zeiten trägt sie eine schwarze Lederhose und ein Bolero-Jäckchen zu ihren raspelkurzen, platinblonden Haaren. Doch wo sie früher der umtriebige und unbestrittene Mittelpunkt der Show war, ist ihr Aktionsradius jetzt nur noch so groß wie das Podest von Schlagzeuger Pelle Alsing. Sie rennt nicht über die Bühne, sondern steht die meiste Zeit, immer wieder hält sie sich zudem am Mikrofonstativ fest. Zum Ende des Konzerts, nach 22 Liedern, hakt sie sich bei Per Gessle ein, der sie stützt und von der Bühne führt.
Als She’s Got Nothing On (But The Radio) ertönt, das auch im Vergleich zu den größten Klassikern der Schweden einen kaum zu fassenden Jubel auslöst, singt sie die Strophe nicht mit – offensichtlich, weil ihr der schnelle Sprechgesang zu schwer fällt. Background-Sängerin Helena Josefsson hat nicht nur die Rolle als Derwisch auf der Bühne, sondern unterstützt immer wieder auch die Gesangs-Passagen von Marie, quasi als stimmliche Gehhilfe. Und als Marie Fredriksson Perfect Day, das zur Glanzzeit von Roxette während der Joyride-Tour stets den Rausschmeißer gemacht hatte, als Quasi-Solo-Nummer singt, da merkt man, wie sehr die Zeit und der Krebs auch an ihrer Stimme gezehrt haben.
„Ihre Stimme hat jetzt so eine ganz besondere Verletzlichkeit, etwas Rohes“, hatte Per Gessle diese Veränderung im Interview Anfang des Jahres sehr treffend umschrieben. Gerade diese Reife und Verletzlichkeit ist es, die Perfect Day an diesem Abend in Leipzig zu einem so bewegenden Erlebnis macht. Da ist all die Stärke und Virtuosität der früheren Jahre, und da sind die Tragik und der Trotz der jüngeren Vergangenheit, alles vereint in einem einzigen, ergreifenden Lied.
Spätestens da, beim sechsten Song der Show, ist klar, dass der Abend am Völkerschlachtdenkmal ein Erfolg werden wird. Ozark Henry hatte sich im Vorprogramm zwar etwas heiser, aber trotzdem solide präsentiert. Insbesondere die Single This One’s For You kam bei den 14.000 Fans gut an. Doch natürlich sind sie hier, um Per und Marie zu erleben. Vielen sieht man an, dass sie mit der Musik von Roxette sozialisiert wurden. Ein paar ältere Semester haben damals wohl immer die Bravo für ihre Kinder gekauft und gehen nun, mittlerweile um die 50, selbst zum Roxette-Konzert. Ein paar Teenies, womöglich vom aktuellen Hit infiziert, sind in Leipzig auch dabei. Es gibt sogar ein beachtliches Rentner-Kontingent im Publikum. Und ein paar Fans, die Heavy-Metal-T-Shirts tragen oder Punkfrisuren haben, und die noch vor wenigen Jahren nicht ums Verrecken zugegeben hätten, dass sie heimlich auch mal ganz gerne Roxette hören. Das ist vielleicht das Beste an der langen Pause von Per und Marie: Zum ersten Mal seit 20 Jahren sind Roxette wieder cool. Das hatte sich zu Zeiten von Milk And Toast And Honey wirklich nicht abgezeichnet.
Passend zu solch erstaunlichen Phänomenen ist EMFs Unbelievable der letzte Track, der die Pause zwischen Vorgruppe und Hauptact überbrückt. Dann kommen Roxette auf die Bühne, umrahmt von exakt der Band, mit der Per Gessle vor zwei Jahren bei der „Gessle Over Europe“-Tour unterwegs war. Viele der Songs spielt die Band auch in ganz ähnlichen Arrangements – und das ist mehr als erfreulich. Der Opener Dressed For Success klingt wie in einen Jungbrunnen gefallen, Wish I Could Fly profitiert von einer guten Zusatzdosis Gitarren, Opportunity Nox lässt plötzlich sogar erkennen, warum Per Gessle sich einst entschloss, den Song zu einer Single zu machen.
An anderen Stellen verlassen sich die Helden aus Halmstad auf Bewährtes. Bei It Must Have Been Love dürfen die Fans am Anfang singen wie während der Joyride-Tour, Things Will Never Be The Same bringen Per und Marie in einer akustischen Version als Duo, die sich genau so schon auf dem Tourism-Album findet, und als bei Joyride die Zeile mit dem „wonderful balloon“ kommt, regnet es wie eh und je Luftballons aufs Publikum.
Ein paar Überraschungen hält die Setlist aber auch bereit. Mit Only When I Dream, She’s Got Nothing On (But The Radio) und Way Out, das den zweiten Zugabenblock einläutet, gibt es nur drei Stücke vom aktuellen Album Charm School zu hören. Ein paar Hits fehlen (immerhin 11 von den 28 Liedern auf der Setlist meiner Träume erklingen am Völkerschlachtdenkmal tatsächlich), dafür gibt es mit Silver Blue (ursprünglich eine B-Seite von The Look), 7Twenty7 (das beinahe Hardrock-Dimensionen erreicht) und dem wunderschönen Watercolours In The Rain (für das Per zu Beginn des ersten Zugabenblocks an den Synthesizer wechselt) einige Songs, mit denen wohl kaum einer gerechnet hat.
The Look geht in eine Hey Jude-Reprise über (auch sonst neigt die Band gelegentlich zu unnötigen Längen), vor Joyride als letztem Lied des regulären Show-Teils erfreut Gitarrist Christoffer Lundquist die Fans in Leipzig mit einer Jimi-Hendrix-Version des lokalen Klassikers Sing mei Sachse, sing.
How Do You Do! verschmilzt mit Dangerous zu einer grandiosen Melange, im selben Moment wandelt sich das Bühnenbild. Wo im Hintergrund zunächst so etwas wie ein Anime-Design geprangt hatte, ist nun ein Foto von Per und Marie aus den Joyride-Tagen zu sehen. Mit dem neuen Bühnenbild erreicht auch das Konzert noch einmal ein ganz neues Level. Spending My Time, Listen To Your Heart oder der herzzerreißende Rausschmeißer Church Of Your Heart sorgen für Glückseligkeit pur, für Gänsehaut, für Dankbarkeit.
Am Ende ist dieses Konzert auch deshalb so großartig, weil Maries Krankheit mit keinem Wort erwähnt wird. Die Größe ihrer Leistung ist auch so jedem Zuschauer klar. Aber was ihr hier entgegenschlägt, ist kein Mitleid, sondern Bewunderung – und anders als Monica Lierhaus bei der Fernsehlotterie schaffen es Roxette, mit dem, was sie an diesem Abend in Leipzig bieten, die Leidensgeschichte völlig in den Hintergrund treten zu lassen. Unbelievable.
Die komplette Setlist des Roxette-Konzerts in Leipzig:
Dressed For Success
Sleeping In My Car
The Big L.
Wish I Could Fly
Only When I Dream
She’s Got Nothing On (But The Radio)
Perfect Day
Things Will Never Be The Same
It Must Have Been Love
Opportunity Nox
7 Twenty 7
Fading Like A Flower
Silver Blue
How Do You Do!
Dangerous
(Sing mei Sachse, sing)
Joyride
Zugabe:
Watercolours In The Rain
Spending My Time
The Look
Zweite Zugabe:
Way Out
Listen To Your Heart
Church Of Your Heart
Ein bisschen Gänsehaut: Roxette spielen Spending My Time live am Völkerschlachtdenkmal Leipzig:
Draufgeschaut: Die Liebenden vom Polarkreis

Otto (Fele Martínez) und Ana (Najwa Nimri) verlieben sich als Teenager - und kommen nicht voneinander los.
| Film | Die Liebenden vom Polarkreis |
| Originaltitel | Los amantes del circulo polar |
| Produktionsland | Spanien |
| Jahr | 1998 |
| Spielzeit | 112 Minuten |
| Regie | Julio Médem |
| Hauptdarsteller | Najwa Nimri, Fele Martínez, Nancho Novo, Maru Valdivielso |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Schon als kleine Kinder lernen sich Otto und Ana kennen. Als sich ihre Eltern ineinander verlieben, sind sie plötzlich so etwas wie Geschwister, werden aber schnell selbst zum Liebespaar. Ihre Liebe wird zum Zufluchtsort inmitten chaotischer Familienverhältnisse. Und sie ist so stark, dass sie ihr noch immer nachjagen, als sie längst das Elternhaus verlassen haben.
Das sagt shitesite:
Die Liebenden vom Polarkreis ist eine grandios romantische und exzellent fotografierte Geschichte über die Poesie des Zufalls und die Frage, wie wir mit Verlusten umgehen und wie wir unsere Sehnsüchte kreieren.
Der Trailer zum Film:
The Sounds, Conne Island, Leipzig
Der wichtigste Moment dieses Konzerts findet ungefähr eine halbe Stunde, bevor The Sounds die Bühne in Leipzig betreten, statt. Da öffnet sich die Tür des schwarzen Tourbusses, der mitten vor dem Conne Island parkt. In der Tür steht Maja Ivarsson, in Hot Pants und Jeansweste. Sie dehnt sich ein bisschen, streckt die nun auch schon 31 Jahre alten, endlos langen Beine, sie lockert Schultern und Rücken. Und, das wichtigste: Sie raucht dabei. Deshalb hatte sie die Tür geöffnet, nun pustet sie den Qualm in den Leipziger Sommerabend. Es ist die perfekte Rockstar-Pose – gerade, weil sie sich unbeobachtet fühlt und eben nicht posiert, sondern einfach da ist.
Neben tollen Melodien, Hits am Fließband und einer Attraktivität, die für vier Bands gereicht hätte, ist das wohl das Geheimnis der Sounds: So konventionell ihre Mischung aus Pop-Affinität und Punk-Attitüde mittlerweile auch sein mag, so glaubwürdig ist doch ihre Umsetzung. Hipster und Mainstream – beides wird von den Schweden bedient, weil The Sounds sich in keiner Richtung anbiedern, sondern einfach machen, was ihnen gefällt.
Dance With The Devil macht in Leipzig wie auf dem aktuellen Album Something To Die For den Auftakt, es folgt ein ebenso famoses Seven Days A Week. Nach diesen beiden Songs wendet sich Maja Ivarsson erstmals an die Fans. Und was sagt sie? Dass sie betrunken ist, verschwitzt, und dass sie heute Abend Spaß haben möchte. Es gibt eine Menge Frontmänner und –frauen, aus deren Mund so ein Spruch cheesy klingen würde. Bei ihr klingt es spontan.
Danach stürzt sie sich in No One Sleeps When I’m Awake, dann gibt es The No No Song und schließlich springt Maja zum Crowdsurfen in die Menge. Sie legt die Jacke ab und stellt nach einer guten Viertelstunde fest: “You’re amazing! And we’re just getting started.“
Im Conne Island in Leipzig herrscht längst eine Temperatur, die sich bestens zum Sprossenzüchten eignen dürfte (nach wie vor sammelt man hier aber lieber für die Antifa als für eine Klimaanlage). Spätestens jetzt ist klar: Maja Ivarsson ist die schwedische Rampensau, die wir heimlich alle gerne sein (oder abschleppen) wollen. Sie ist Role Model und Pin-Up-Girl, der ultimative Rockstar. Später gibt es in Leipzig Sprechchöre, die nicht „The Sounds“ skandieren, sondern ihren Namen. Das ist ein Maja-Kult, der mit Pyramiden oder dem Weltuntergang nun wirklich gar nichts zu tun hat. Und er lässt sie trotzdem fast kalt: “Uns gibt es schon so lange, dass das Publikum weiß, dass die Sexiness nur ein Gimmick ist und viel mehr dahinter steckt. Andererseits ist das auch ein Vorteil als Mädchen. Wenn du gut aussiehst, kannst du das nutzen. Da ist nichts Falsches dran”, hat Maja Ivarsson im Interview mit news.de klargestellt. Viel cooler kann man mit dem eigenen Status als Sexsymbol nicht umgehen.
Mit der Ballade Wish You Were Here gibt es einen kleinen Moment zum Verschnaufen, dann wieder reichlich Vollgas und Körpereinsatz. Um den Durst zu stillen, leiht sich Maja Ivarsson sogar kurz einen Drink von den Fans in der ersten Reihe. Painted By Numbers und 4 Songs And A Fight werden zu Highlights. „Ich liebe euch alles“, entfährt es der Sängerin. Beim letzten Lied wickelt sie sich eine aus dem Publikum gereichte Schweden-Fahne um den Hals und bringt all den Stolz, all die Spannung und all die Erschöpfung dieses Abends noch einmal auf den Punkt: „I hope you’re fucking happy, bitches.“ Sind wir, Maja, sind wir.
Hot Hot Heat: The Sounds spielen No One Sleeps When I’m Awake live im Conne Island in Leipzig:















