Der ganz große Traum


Film Der ganz große Traum

Konrad Koch (Daniel Brühl) bringt den Fußball nach Deutschland.

Konrad Koch (Daniel Brühl) bringt den Fußball nach Deutschland.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2011
Spielzeit 105 Minuten
Regie Sebastian Grobler
Hauptdarsteller Daniel Brühl, Burghart Klaußner, Thomas Thieme, Jürgen Tonkel, Justus von Dohnányi, Kathrin von Steinburg, Axel Prahl, Theo Trebs, Adrian Moore, Henriette Confurius
Bewertung

Worum geht’s?

Braunschweig 1874: Nach mehrjährigem Aufenthalt in England kommt Konrad Koch als Lehrer zurück nach Deutschland. Er soll den Schülern die englische Sprache und Kultur näher bringen. Doch im durch und durch nationalistischen Milieu der Schule ist dieses Vorhaben zum Scheitern veruerteilt. Bis Koch auf ungewöhnliche Weise doch noch einen Zugang zu seinen Schülern findet: Er hat aus England den Fußball mitgebracht, und die Jungs sind schnell Feuer und Flamme. Dass das neue Spiel in ihnen allerdings auch den Geist der Rebellion weckt, kommt im Rest des Kollegiums keineswegs gut an – und auch nicht bei den Eltern.

Das sagt shitesite:

Galavorstellung oder Grottenkick? Im Fußball sind das die beiden Extreme, was die Qualität einer 90-minütigen Darbietung angeht. Der ganz große Traum hat Elemente von beidem und wird letzten Endes, typisch deutsch, ein Arbeitssieg.

Zu den Stärken gehören dabei die Ausstattung und das Ensemble, auf den Punkt gebracht durch Hauptdarsteller Daniel Brühl, der in beinahe jeder Szene in den lächerlichen Outfits der Kaiserzeit steckt, aber durchweg energisch bis enthusiastisch spielt. Auch die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Mannes, der den Fußball nach Deutschland brachte, ist natürlich spannender Stoff, der hier sehr solide umgesetzt wird.

Das Problem an Der ganz große Traum ist die Überzeichnung. Zum einen ist die Welt, in die der junge, liberale, engagierte Lehrer kommt, vollkommen frei von Nuancen. Drill ist die einzige Form, in der Sport damals denkbar ist. Alles ist preußisch und soldatisch, es regieren Kasernenton, Gehorsam, Sittsamkeit und Disziplin – und all dies wird nicht nur hingenommen, sondern sogar eifrig begrüßt. Dass dies für eine ganze Horde von jungen Kerlen gelten soll, ist heutzutage unvorstellbar und wirkt auch für das Jahr 1874 unglaubwürdig.

Noch schwerer fällt allerdings ins Gewicht, wie erbarmungslos der Fußball in Der ganz große Traum überfrachtet wird: Ein kleiner Kick am Nachmittag im Park, und schon werden aus Untertanen selbstständig denkende Menschen. Das Spiel pflanzt den Schülern Respekt und Fairplay ein, es sorgt für den Ausgleich zwischen den Klassen, Solidarität, Emanzipation, Demokratie und sogar Völkerverständigung. Mehr noch: Der neue Geist, durch den Fußball entfacht, wird von den Honoratioren der Stadt als so gefährlich empfunden, dass sie mit Hetzkampagnen in den Medien und Polizeigewalt reagieren.

Das ist gut gemeint, um das Heroische am Pionie Konrad Koch herauszustellen, und erinnert in seiner Dramaturgie stark an den Club der toten Dichter, wo dem Stoff der Weltliteratur eine ähnliche Rolle zukommt wie hier dem Lederball. Aber mit derartig vielfältigen, weitreichenden und extremen Dimensionen schießt der Film dann doch über das Ziel hinaus. Immerhin wird Der ganz große Traum damit aber zu einem Hohelied auf die unbezwingbare Anziehungskraft des Fußballs.

Bestes Zitat:

“In den Knaben steckt so viel Talent, so viel Neues, von dem wir noch nichts ahnen. Wir sollten sie nicht dazu zwingen, in unsere Fußstapfen zu treten, nur weil wir Angst davor haben, von ihnen überflügelt zu werden.”

Der Trailer zum Film:

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