Hingehört: Peter Gabriel – “New Blood”

Oktober 26, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Auf "New Blood" interpretiert Peter Gabriel seine eigenen Songs als Orchesterstücke.

Auf "New Blood" interpretiert Peter Gabriel seine eigenen Songs als Orchesterstücke.

Künstler Peter Gabriel
Album New Blood
Label Real World Productions
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung **1/2

Eilmeldung!!! Peter Gabriel interpretiert seine Songs neu! Zugegeben: Das ist ungefähr so überraschend wie Lindsay Lohan, die zu spät kommt, wenn sie ihre Bewährungs-Sozialstunden ableisten soll. Wie Sebastian Vettel, wenn er ein Formel-1-Rennen gewinnt. Wie Ilse Aigner, wenn sie schon wieder ihr Facebook-Passwort vergessen hat.

Schließlich ist Peter Gabriel einer der kreativsten, umtriebigsten, modernsten Künstler überhaupt im Popgeschäft. Er hat das schon mit Genesis bewiesen und erst recht in seiner seit 1976 währenden Solokarriere: Peter Gabriel war einer der ersten Musiker, die die Möglichkeiten von CD-Roms für sich nutzten, er bringt DVDs im 5:1-Sound heraus, musiziert mit Bonoboaffen und hat mit seinen Videos (Sledgehammer ist noch immer der meistgespielte Clip aller Zeiten auf MTV) Maßstäbe gesetzt. Nebenher ist er noch als Aktivist für Menschenrechte, Armutsbekämpfung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Demokratieförderung im Einsatz und Eigner der Real World Studios und der dazugehörigen Plattenfirma.

Dass so ein Mann sich also ständig mit der Aktualisierung und Weiterentwicklung des eigenen Katalogs beschäftigt, liegt auf der Hand. Dass Peter Gabriel dazu nicht auf so etwas Gewöhnliches wie ein Remix-Album setzen würde, kann ebenfalls kaum überraschen. Stattdessen interpretiert er auf seinem neuen Album New Blood seine eigenen Songs mit einem 46-köpfigen Orchester unter der Leitung von Ben Foster neu.

Das Konzept hatte er schon vor knapp zwei Jahren mit dem Coverprojekt Scratch My Back etabliert. Damals versuchte er sich an Songs von David Bowie oder Arcade Fire. Diesmal sind seine eigenen Stücke dran. New Blood war zunächst eine Tournee, nun ist das Live-Orchesterprojekt auch auf CD zu haben (und als DVD New Blood Live In London).

Das neue Klanggewand steht den meisten der Songs gut, zugleich entwickelt New Blood einen erstaunlichen Effekt. Wenn Rhythm Of The Heart zu einem hoch dramatischen Finale kommt, wenn die Töne wie Tropfen in das geheimnisvolle San Jacinto fallen oder sich die Geigen am Ende des bis dahin ganz reduzierten Don’t Give Up gen Himmel erheben, dann zeigt sich: Diese Stücke sind schon in der Originalversion alles andere als gewöhnliche Popmusik. Jeder Song ist ein Trip. Solsbury Hill, ganz am Ende von New Blood platziert, macht das am deutlichsten: Das Streicher-Motiv bleibt erhalten, doch es gibt (wie auf dem gesamten Album) keinen Beat und zum Ende hin eine geradezu betörende Komplexität. Auch andere Stücke erinnern im Arrangement von New Blood an Hörspiele (Intruder) oder Filmmusik (wer hätte gedacht, dass in Digging In The Dirt ein potenzieller James Bond-Soundtrack steckt?)

Die zweite Erkenntnis: Auch wenn fast alles auf New Blood in Opulenz schwelgt und manches viel näher an zeitgenössischer klassischer Musik ist als an Pop, so stellt das Album doch immer wieder die Fähigkeiten von Peter Gabriel als Sänger heraus. Ane Brun und seine Tochter Melanie Gabriel unterstützen ihn gelegentlich (etwa am Ende des rührenden Wallflower). Doch auch alleine glänzt Peter Gabriel. Er flüstert, fleht, zischt und schreit, er nutzt die ganze Bandbreite von Lautmalerei bis hin zu bloß gesprochenen Passagen und verleiht einigen der Lieder auch dadurch einen neuen Reiz, dass man seiner Stimme anhört, dass sie mittlerweile 61 Jahre alt ist. Red Rain beispielsweise profitiert enorm davon, wird noch plastischer und eindringlicher.

Nicht immer kann New Blood den Vorwurf entkräften, selbstverliebt oder geschmäcklerisch zu sein. Aber insgesamt ist es ein beeindruckender Beleg für Peter Gabriels künstlerische Rastlosigkeit und Innovationskraft. Schon wieder.

Ane Brun ersetzt Kate Bush in der New Blood-Version von Don’t Give Up:

Peter Gabriel bei MySpace.

Draufgeschaut: Das Piano

Oktober 25, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Ada (Holly Hunter) wandert mit ihrer kleinen Tochter nach Neuseeland aus.

Ada (Holly Hunter) wandert mit ihrer kleinen Tochter nach Neuseeland aus.

Film Das Piano
Produktionsland Australien
Jahr 1993
Spielzeit 121 Minuten
Regie Jane Campion
Hauptdarsteller Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin
Bewertung ****

Worum geht’s?

Seit sie sechs Jahre alt ist, spricht Ada nicht mehr. Aber mit der Musik verleiht sie ihren Gefühlen Ausdruck: am Piano. Als sie mit ihrer kleinen Tochter nach Neuseeland auswandert, um dort einen Mann zu heiraten, leidet sie unter ihrer neuen Umgebung. Erst, als sie dem ungehobelten Barnes Klavierunterricht geben soll, blüht sie wieder auf.

Das sagt shitesite:

Das Piano lebt in erster Linie von seinen durchweg famosen Darstellern und der subtilen Erotik. Aber auch die Diskrepanz zwischen Natur und Kultur, zwischen Trieb und Pflicht, trägt zur Atmosphäre, eindrücklichen Bildern und einem unterm Strich beeindruckenden, poetischen Werk bei.

Der Trailer zum Film:

Hingehört: Joss Stone – “The Best Of Joss Stone”

Oktober 24, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 
"The Best Of Joss Stone" zeigt die Karriere einer frühreifen Souldiva.

"The Best Of Joss Stone" zeigt die Karriere einer frühreifen Souldiva.

Künstler Joss Stone
Album The Best Of Joss Stone
Label Virgin
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

21. So heißt das Album, mit dem Adele in diesem Jahr groß abräumte. Und es heißt so, weil Adele bei Erscheinen der Platte im Januar gerade 21 Jahre alt war. Ein junges Ding. Doch ein Methusalem im Vergleich zu Joss Stone. Die ist zwar gerade einmal drei Jahre älter als Adele, aber sie legt nun schon ihr erstes Greatest-Hits-Album vor. Super Duper Hits – The Best Of Joss Stone blickt auf die tatsächlich schon neun Jahre währende Karriere von Joss Stone zurück.

Der Titel wurde inzwischen zwar in das etwas schlichtere The Best Of Joss Stone geändert (angeblich nach Intervention der Künstlerin, die auch sonst nicht allzu glücklich über diese Kompilation sein soll). Eine sehr gelungene Werkschau bleibt die CD trotzdem. Besonders erfreulich: Die Singles von Joss Stone (und einen Albumtrack) gibt es hier in chronologischer Folge. Und so wird erst recht deutlich, wie frühreif dieses Talent immer schon war.

Als 13-Jährige singt das Mädchen, das damals noch alle Jocelyn Eve Stoker nennen, in der BBC-Show Stars For A Night den Aretha-Franklin-Schmachtfetzen (You Make Me Feel) Like A Natural Woman so sagenhaft eindringlich, dass es kaum zu fassen ist. Mit 16 veröffentlicht Joss Stone ihr Debütalbum The Soul Sessions (2003), das in 13 Ländern die Top10 erreicht und sich mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Auf dem zweitem Album Mind, Body & Soul (2004) tritt Joss Stone erstmals auch als Komponistin in Aktion und erreicht als jüngste Künstlerin aller Zeiten die Spitze der UK-Charts. Als 2007 das dritte Album Introducing Joss Stone erscheint und der Britin auch den endgültigen Durchbruch auf der anderen Seite des Atlantiks beschert, ist sie gerade erst den Teenager-Jahren entwachsen. Und beim jüngsten Werk Colour Me Free! (2009) ist sie zwar schon ein Jahr älter als Adele bei 21 – aber immer noch in einem Alter, in dem andere Sängerinnen ihre Laufbahn erst beginnen.

Der Senkrechtstart ist alles andere als ein Zufall. Zum einen hat Joss Stone eine Stimme zu bieten, wie man sie nicht oft findet. Zwischen Kontralto und Mezzosopran beherrscht sie die gesamte Bandbreite von sexy über übermutig bis weise. Und sie hat Instrumentalisten und Produzenten an ihrer Seite, die ihrer Musik eine ungeheure Souveränität und Virtuosität verleihen.

Alles klingt hier nach Klassiker, und die Debütsingle macht da keine Ausnahme. Fell In Love With A Boy, ein umgedeuteter White-Stripes-Song klingt noch mehr Vintage als Lenny Kravitz auf dem Plumpsklo von Jack White. Super Duper Love ist nicht nur ein Soul-Klassiker (das Original war 1974 ein Hit für Sugar Billy), sondern klingt auch so: federnd, heiter, ansteckend, unbeschwert.

Wenn die Sugababes nicht so oft synthetisch wären, könnten sie Songs machen wie You Had Me, wenn Mariah Carey niemals HipHop, sondern immer bloß weiter die Jackson 5 gehört hätte, käme so etwas dabei heraus wie Don’t Cha Wanna Ride. Genug Klasse, um als Rolling-Stones-Ballade durchgehen zu können, hat Right To Be Wrong. Mindestens so viel Eleganz wie einst En Vogue hat Baby Baby Baby. Direkt aus der Stax-Werkstatt (samt Bläsern und Shaft-Rhythmus) scheint Tell Me ’Bout It zu stammen.

Die eigentliche Stärke von Joss Stone ist aber eine andere. Am deutlichsten wird das in Spoiled: Im höchsten Maße verführerisch interpretiert sie dieses Lied, und sie wirft selbstbewusst all ihre Fähigkeiten als Sängerin in die Waagschale. Aber diese Stimm-Akrobatik trifft auf ein Musik-Bett, das beinahe reduziert erscheint – vor allem im Gegensatz zu ihren Mitstreiterinnen à la Christina Aguilera, die in solchen Momenten gerne völlig over the top werden und mit zu viel Opulenz auch den besten Song ruinieren.

Joss Stone klingt gelegentlich auch ein bisschen beliebig (Bruised But Not Broken ist Fließband-Gesäusel im Stile der frühen Destiny’s Child, auch Stalemate als Duett mit Josh Hartnett verbleibt in arg seichten Adult-Pop-Gewässern). Aber ihr passiert niemals der Fehler, zu wenig Soul und zu viel Diva zu liefern. Alles auf The Best Of Joss Stone klingt lässig, selbstverständlich, wie aus dem Ärmel geschüttelt. Fast muss man vermuten, all die Größen, mit denen die 24-Jährige schon auf der Bühne gestanden hat (James Brown, Smokey Robinson, Melissa Etheridge, Robbie Williams, Tom Jones, Rod Stewart, Erykah Badu, Solomon Burke; dazu kommt neuerdings ihr Engagement in Mick Jaggers neuem Projekt Superheavy), hätten ihr ganz genau erklärt, was eine echte Souldiva ausmacht: Wer ganz viel Klasse hat, der muss sich nirgends aufdrängen.

Noch ein Klassiker: Joss Stone singt Son Of A Preacher Man – und nicht mal solch ein kurzes Kleid kann von dieser Stimme ablenken:

Joss Stone bei MySpace.

Draufgeschaut: Ritter aus Leidenschaft

Oktober 24, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
William (Heath Ledger) gibt sich als Adliger aus und sorgt für Furore.

William (Heath Ledger) gibt sich als Adliger aus und sorgt für Furore.

Film Ritter aus Leidenschaft
Originaltitel A Knght’s Tale
Produktionsland USA
Jahr 2001
Spielzeit 132 Minuten
Regie Brian Helgeland
Hauptdarsteller Heath Ledger, Rufus Sewell, Shannyn Sossamon, Paul Bettany, Laura Fraser, Alan Tudyk, Mark Addy
Bewertung ***

Worum geht’s?

William ist Knappe bei einem verarmten Ritter. Als dieser unerwartet und unbemerkt stirbt, wittert er seine Chance: Er schlüpft in die Rolle des Adligen und tritt bei einem Turnier an. Schon bald ist er erfolgreich, zieht illustre Gestalten an und das Publikum in seinen Bann. Dabei kämpft er nicht nur mit Schwert und Lanze, sondern auch um das Herz der schönen Prinzessin Jocelyn.

Das sagt shitesite:

Die Kostümfilmklischees werden in Ritter aus Leidenschaft mit großer Leichtigkeit und erstaunlicher Frechheit ebenso bedient wie umschifft. Das macht, auch dank der sehr guten Besetzung, sehr unterhaltsames Historienkino.

Der Trailer zum Film:

Hingehört: The Japanese Popstars – “Song For Lisa”

Oktober 23, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Genau im Schnittpunkt zwischen Pop und House positionieren die Japanese Popstars ihren "Song For Lisa".

Genau im Schnittpunkt zwischen Pop und House positionieren die Japanese Popstars ihren "Song For Lisa".

Künstler The Japanese Popstars
Single Song For Lisa
Label Virgin
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

Dancemusik furs Stadion? Das ist schon seit The Prodigy, den Chemical Brothers oder Daft Punk keine absurde Vorstellung mehr. Die Japanese Popstars könnten die nächsten sein, die sich künftig mit Notebooks und Midi-Controllern in den Garderoben breit machen, die früher erst Fußballern und dann Gitarrengöttern vorbehalten waren.

Das liegt erstens daran, dass diese drei Typen aus Nordirland (namentlich: Gary Curran, Declan ‘Decky Hedrock’ McLaughlin und Gareth Donoghue) eine ausgeprägte Vorliebe für Rockstimmen zu ihrem Electro-Sound haben (auf dem aktuellen Album Controlling Your Allegiance sind beispielsweise Simon Neal von Biffy Clyro, Robert Smith von The Cure, Tom Smith von den Editors und Jon Spencer zu hören).

Es liegt zweitens daran, dass die Bühne ihr natürliches Umfeld ist. Jedenfalls sprechen zahlreiche Preise, die sie für ihre Live-Performances eingeheimst haben, in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache. Kein Wunder: Entstanden sind die Japanese Popstars, als McLaughlin und Donoghue, die zuvor schon jahrelang als DJs gearbeitet hatten, beim Oxegen-Festival einen Electro-Act auf der Bühne sahen. „Wir dachten: Das können wir besser. Es war so eine typische alkoholisierte Unterhaltung zwischen Kumpels, wo wir uns immer wieder bestätigten, dass wir das auch können. Vielleicht könnten wir in einem Jahr wieder dort sein und umsonst spielen, statt 120 Pfund für ein Ticket zu bezahlen. Das ist zwar nicht passiert, aber so fing alles an.“

Dass sie mittlerweile selbst die Festival-Mengen begeistern, liegt drittens daran, dass die Japanese Popstars (der Name entstand übrigens durch Deckys Vorliebe für die japanische Kultur und das überzeugende Argument, “auf einem Poster würde das gut aussehen”) Hits haben wie den Song For Lisa.

Von Beginn an hat der Track eine faszinierende Ungeduld. Der fast geflüsterte Gesang von Lisa Hannigan steigert nur das Geheimnis, das sich dann im Refrain als Verheißung entpuppt. Voller Wärme und Optimismus ist dieser Song, pulsierend und flirrend, nie richtig konkret und trotzdem ein Volltreffer. So souverän haben sich bisher nur wenige auf dem Schnittpunkt von House und Pop eingerichtet.

Die schlechteren der hier vertretenen Remixes (beispielsweise der von Arveene und Misk oder der von Tong & Rogers) nehmen Song For Lisa leider dieses Geheimnis, die besseren (etwa von Benny Benassi) fügen dem Stück ein bisschen mehr Fleisch und Knochen hinzu. Der Mustang Remix beginnt verheißungsvoll mit einem Piano, Streichern und dann einem Eighties-Keyboard, wird dann aber schnell ein gutes Stück zu penetrant und cheesy. Am mutigsten ist der Screendeath Remix, der Björk-Gesänge und Eurodance-Beats auf den Song For Lisa loslässt.

Apropos: Die Japanese Popstars sind auch selbst äußerst gefragt, wenn es um Neuinterpretationen geht. Tracks von Groove Armada, den Ting Tings, Beyoncé,

The Japanese Popstars bei MySpace.

Draufgeschaut: Scary Movie 4

Oktober 22, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Ein Geist gibt Cindy (Anna Farris) den Hinweis zur Rettung der Welt.

Ein Geist gibt Cindy (Anna Farris) den Hinweis zur Rettung der Welt.

Film Scary Movie 4
Produktionsland USA
Jahr 2006
Spielzeit 83 Minuten
Regie David Zucker
Hauptdarsteller Anna Faris, Regina Hall, Craig Bierko, Simon Rex, Carmen Electra, Shaquille O’Neal, Leslie Nielsen, Charlie Sheen
Bewertung **1/2

Worum geht’s?

Die Krankenpflegerin Cindy ist froh, dass sie wieder einen neuen Job gefunden hat. Doch ihr windiger neuer Boss scheint ihr etwas verschwiegen zu haben: In dem Haus, in dem sich Cindy um eine alte Frau kümmern soll, treibt ein Kobold sein Unwesen. Immerhin steht ihr der Nachbar Tom zur Seite, mit dem Cindy anbandelt. Diese Hilfe ist bald bitter nötig. Denn neben dem Spuk im Norris-Haus gibt es bald noch eine neue Gefahr: Aliens legen das ganze Land in Schutt und Asche. Cindy merkt jedoch schnell: Sie hat den Schlüssel, um die Außerirdischen zu besiegen.

Das sagt shitesite:

Auch wenn der Plot von Scary Movie 4 sich einigermaßen nahe an einem Mix aus The Grudge und Krieg der Welten bewegt, gibt es natürlich auch im vierten Teil der Horrorspaßreihe keinerlei Rücksichtnahme auf Logik oder Plausibilität. Dafür gibt es ein paar spektakuläre Gastauftritte (Shaquille O’Neal trifft einen Freiwurf! Charlie Sheen stirbt den Viagra-Freitod!) und mit Anna Faris eine Hauptdarstellerin, die so hundertprozentig das Image des All American Girls verkörpert, dass sie beinahe eine Parodie in sich selbst ist. Die Anspielungen und Zitate sind in Scary Movie 4 indes bei weitem nicht mehr so clever wie in früheren Teilen der Reihe. Auch die Gagdichte und Qualität ist so niedrig, dass man höchstens noch als Genrefan etwas von diesem Film hat.

Bestes Zitat:

“Vielleicht bin ich einfach nicht fürs Glücklichsein bestimmt. Aber Du hast etwas an Dir, dass ich es mal probieren will.”

Der Trailer zum Film:

Hingehört: Swedish House Mafia – “Save The World”

Oktober 22, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Kein Schema F, trotzdem ein Hit: "Save The World" von der Swedish House Mafia.

Kein Schema F, trotzdem ein Hit: "Save The World" von der Swedish House Mafia.

Künstler Swedish House Mafia
Single Save The World
Label Emi
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

Kein Wunder, dass das Ding ein Sommerhit geworden ist. Die Swedish House Mafia (Motto: „DJs are the new rockstars“) hatte schon mit dem Album Until One mächtig abgeräumt (Gold in England) und mit One (10 Wochen auf Platz 1 der deutschen Dance-Charts) gezeigt, mit welcher Leichtigkeit sie Clubhymne und Ohrwurm verbinden kann.

Save The World nahmen Axwell, Steve Angello und Sebastian Ingrosso dann in Los Angeles auf (Sonne!). Erstmals zu hören war der Track bei ihrer legendären Show im Masquerade Motel in Miami (noch mehr Sonne!). Das Ergebnis: Sommerhit, Platz 1 in den Dancefloor-Charts in England und den USA.

Dabei geht Save The World keineswegs auf Nummer sicher. Die Swedish House Mafia liefert hier keinen Clubhit nach Schema F. Im Gegenteil: Das Schlagzeug ist eigentlich zurückhaltend, der erste Refrain kommt sogar ganz ohne Beat aus. Dafür hat er eine Melodie, die stark genug ist, um auch so ins Ohr zu gehen und die einnehmende Stimme des Schweden John Martin, der hier für die Vocals zuständig ist. Erst nach einer guten Minute wird der Track zum Kracher, wenn dann auch noch eine gute Portion Coldplay-Ohoho dazu kommt, ist Save The World endgültig unwiderstehlich.

Die Remixes sind größtenteils verzichtbar (Alesso setzt auf etwas mehr Bass, der Style Of Eye & Carli Remix rückt die Vocals stärker ins Zentrum, Third Party hängen gleich vier zusätzliche Minuten an Save The World an und bewegen das Stück stärker in Richtung Techno). Lediglich der Knife Party Remix ist essentiell: Statt Harmlosigkeit und guter Laune gibt es da fiese Synthies im Stil von Does It Offend You Yeah? Ein Killer.

In Take One dokumentierte die Swedish House Mafia ihr ziemlich beeindruckendes Jahr 2010:

Swedish House Mafia bei MySpace.

Draufgeschaut: Pingpong

Oktober 22, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Paul (Sebastian Urzendowsky, rechts) bringt das Leben in der Familie seines Onkels durcheinander.

Paul (Sebastian Urzendowsky, rechts) bringt das Leben in der Familie seines Onkels durcheinander.

Film Pingpong
Produktionsland Deutschland
Jahr 2006
Spielzeit 89 Minuten
Regie Matthias Luthard
Hauptdarsteller Sebastian Urzendowsky, Marion Mitterhammer, Clemens Berg, Falk Rockstroh
Bewertung ****

Worum geht’s?

Der pubertierende Paul taucht überraschend bei der Familie seines Onkels auf und will dort seinen Sommerurlaub verbringen. Widerwillig nimmt ihn die Familie auf, weil sich Pauls Vater gerade umgebracht hat und die Verwandten Mitleid mit dem Jungen haben. Paul kommt aber seinem schwierigen Cousin Robert schnell näher – und fühlt sich vor allem zu seiner Tante Anna hingezogen.

Das sagt shitesite:

Pingpong beeindruckt vor allem durch eine tolle Atmosphäre, die gekonnt die unterschwellige Spannung innerhalb der Familie einfängt. Die Verwirrtheit der Adoleszenz und das pragmatischen Enttäuschtsein des Erwachsenenlebens werden in Pingpong wundervoll eingefangen.

Der Trailer zum Film:

Hingehört: The Bony King Of Nowhere – “Eleonore”

Oktober 21, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Wer genau "Eleonore" ist, verrät der Bony King Of Nowhere auf seinem zweiten Album nicht.

Wer genau "Eleonore" ist, verrät der Bony King Of Nowhere auf seinem zweiten Album nicht.

Künstler The Bony King Of Nowhere
Album Eleonore
Label Rock’o Co
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Okay, zuerst die drei wichtigen B:

B wie Beck: So sieht der Bony King Of Nowhere aus. Blass, verängstigt und nett schaut er einen vom Cover von Eleonore an, wie der junge Beck Hansen zu Zeiten von Loser.

B wie Belgien: Da kommt der Bony King Of Nowhere her. Nicht gerade das Epizentrum der Popkultur. Trotzdem hat er es mit seiner Musik beispielsweise schon geschafft, Devendra Banhart zu einem Fan von sich zu machen.

B wie Bram Vanpary: Das ist der echte Name des Bony King of Nowhere. Eleonore ist sein zweites Album nach dem Debüt Alas My Love aus dem Februar 2009.

Bedenkt man, dass es hier im weitesten Sinne um Folkmusik geht, die Bandbreite also beispielsweise 280-bpm-Beats oder Autotune-Chöre tendenziell ausschließt, dann sind die Unterschiede zum Vorgänger durchaus beträchtlich. „Die Band und ich haben uns in Quarantäne in meinem Dachboden begeben und hart an den neuen Songs gearbeitet“, erklärt der Bony King of Nowhere. Das hatte zur Folge, dass die fünfköpfige Formation diesmal schon mit weitgehend fertigen Stücken ins Studio kam. Dort wurde nur noch wenig ergänzt. „Ich habe gleichzeitig gesungen und Gitarre gespielt. Da konnte ich mir kaum Gedanken darüber machen, was ich gerade mit meiner Stimme mache. Das hat dazu geführt, dass ich spontaner, natürlicher singe. ‚The more you think, the more you stink’ – daran haben die Leute in den 1960er Jahren geglaubt. Das Motto habe ich gerade in der Vorbereitungszeit zu Eleonore adaptiert.“

Fast alles wurde live aufgenommen, entsprechend unbehauen und organisch klingt dieses Album. Man sollte das freilich nicht mit Schlichtheit verwechseln. Von der ersten Sekunde an herrscht auf Eleonore die maximale Dramatik und eine Schwermut, die immer wieder an Get Well Soon denken lässt. Verschwurbelte Sehnsuchts-Chöre wie im Opener Sleeping Miners sorgen dafür, ein Refrain voller Theatralik wie in The Garden oder auch mal etwas Country-Flair wie im Walzer Going Home.

Some Are Tearful wartet gar mit einer Harfe und einem abstrakten Klaviersolo auf, in Hear Them Calling steckt eine Orgelmelodie, die sich zu einem Strudel entwickelt. Ausnahmsweise darf in Girl Form The Play auch eine E-Gitarre ran, das Ergebnis ist so zeitlos, dass es sowohl ein Achtziger-Hit von Crowded House sein könnte als auch eine vergessene Sixties-Perle von Tim Buckley.

Ganz zum Schluss zeigt der Bony King Of Nowhere, dass er nicht mehr als eine Gitarre und seine Stimme (irgendwo zwischen Thom Yorke, Søren Huss von Saybia und Daniel Bellqvist von Eskobar) braucht, um sechs Minuten mit so viel Intensität zu füllen wie das sonst nur Ryan Adams hinbekommt.

Das ist alles sehr hübsch und atmosphärisch, wird aber mitunter durch die plumpen Texte getrübt. „Reim dich oder ich fress dich“ scheint manchmal das Motto auf Eleonore zu sein. Der Bony King Of Nowhere hat eine andere Erklärung dafür: „Ich schreibe ohne wirklich nachzudenken. Meine Texte sind oft in weniger als fünf Minuten geschrieben. Danach brauche ich meist eineinhalb Jahre um selbst zu verstehen, wovon sie handeln.“

Ende November ist der Bony King Of Nowhere zweimal live in Deutschland zu sehen:

29. November: Indra (Hamburg)
30. Norvember: Berghain (Berlin)

Auch bei dieser Session von The Garden in Brüssel muss man sagen: Er sieht aus wie Beck, der Bony King Of Nowhere:

The Bony King Of Nowhere bei MySpace.

Draufgeschaut: Der Sturm

Oktober 20, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Captain Billy Tyne (George Clooney, rechts) und Bobby Shatford (Mark Wahlberg) geraten in den Sturm des Jahrhunderts.

Captain Billy Tyne (George Clooney, rechts) und Bobby Shatford (Mark Wahlberg) geraten in den Sturm des Jahrhunderts.

Film Der Sturm
Originaltitel The Perfect Storm
Produktionsland USA
Jahr 2000
Spielzeit 130 Minuten
Regie Wolfgang Petersen
Hauptdarsteller George Clooney, Mark Wahlberg, Diane Lane, John C. Reilly, William Fichtner, Bob Gunton
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Für Kapitän Billy Tyne läuft es nicht allzu gut: Der Schwertfischfang bringt wenig ein, seine Mannschaft beginnt, an ihm zu zweifeln. Viele der Männer würden gerne eine Weile an Land bleiben und ein paar Tage mit Erholung, Trinken und nicht zuletzt Frauen verbringen. Doch Billy Tyne beschließt, es am Ende der Fischfangsaison noch einmal allen zu zeigen: Er will sich noch weiter hinaus wagen und mit reichlich Schwertfischen zurückkehren. Doch er führt sein Schiff mitten in einen Monster-Sturm.

Das sagt shitesite:

Die Themen sind wenig überraschend in einem Film, der sich mit dem zweitältesten Gewerbe der Welt beschäftigt: wortkarge Männer im Kampf mit den Mächten der Natur, echte Kameradschaft und draufgängerischer Heldenmut. Ein bisschen Moby Dick also für das 21. Jahrhundert.

Das alles behandelt Der Sturm mit ordentlicher Spannung (auch wenn auf dem Schiff von Kapitän Tyne zunächst 70 Minuten lang Windstille herrscht, wodurch aber mehr Zeit für die Genese der Figuren bleibt), einer Ästhetik, die gut auf die archaische Thematik zugeschnitten ist, und beeindruckenden Special Effects. So weit, so erwartbar.

Trotzdem ist Der Sturm in gewisser Hinsicht ein erstaunlicher Film. Da ist zum einen die Tatsache, dass die Männer auf der “Andrea Gail” hier nicht unschuldig oder durch den bösen Willen anderer zum Opfer wilder Zerstörungswut werden, wie das sonst gerne bei Wolfgang Petersen der Fall ist. Einigermaßen explizit macht die Handlung deutlich, dass es der Kapitän ist, der seine Crew mit seinem Leichtsinn, seiner Besessenheit und seiner Hybris ins Verderben führt. Die Szene kurz vor Ende, als das kleine Schiff sich in fast rührender Manier bis zum Scheitelpunkt einer Monsterwelle zu kämpfen versucht, ist ein perfektes Bild dafür.

Erst recht wird das deutlich durch die Parallel-Handlung mit einem Army-Hubschrauber, in dem ein Rettungstrupp im Einsatz ist: Auch dort macht die Besatzung den Fehler, sich selbst zu überschätzen. Der Kampf der Männer gegen den Sturm hat deshalb in beiden Fällen nichts Heroisches, sondern er bekommt seine Tragik durch eine andere Erkenntnis: Die Figuren scheitern an ihrem eigenen Bild von Männlichkeit, für das es nichts Schlimmeres gibt, als sich eine Niederlage einzugestehen.

Zum anderen überrascht das Ende von Der Sturm. Alle Hollywood-Kriterien für ein Happy End sind in Der Sturm erfüllt: Die Crew beweist ihre Loyalität, der Kapitän beweist seine Entschlossenheit, im Hafen zuhause beweist eine unsterblich verliebte Frau ihre Treue zu ihrem Matrosenliebling. Trotzdem (ausnahmsweise sei hier einmal das Ende verraten) kommt das Schiff nicht nach Hause. Das ist nicht nur überraschend, sondern auch mutig (und der Tatsache geschuldet, dass Der Sturm auf einer wahren Begebenheit beruht). Es hat auch den erstaunlichen Effekt, dass es rückwirkend die Spannung des Films steigert: Wenn die Männer gegen die Monsterwellen kämpfen, wirkt das nur halb so schlimm, weil man davon ausgeht, dass sie ohnehin wohlbehalten zurückkehren werden. Wüsste man zu diesem Zeitpunkt schon um die Möglichkeit des Scheiterns, hätte das diesem Duell noch viel mehr Dramatik verlieren. Doch leider deutet sich diese Möglichkeit nicht an – das hätte aus Der Sturm einen nicht bloß guten, sondern großartigen Film machen können.

Bestes Zitat:

“Arbeitsmoral kenne ich nicht. Ich kenne nur Arbeit.”

Der Trailer zum Film:

« Vorherige SeiteNächste Seite »